Hallo!
Wie schon gesagt, schreibst leider Du nicht, um was für eine Fraktur es sich genau handelt; nehmen wir einmal an, es handelt sich um einen Bruch des Oberschenkelhalses.
Stimmt es dass die Operation des Hüftgelenks möglichst schnell
erfolgen soll?
Nein, das stimmt nicht - oder zumindest nicht immer.
Bei jungen Menschen („jung“ heißt grob „vor dem Rentenalter“…) sind solche Frakturen sehr selten und treten nur nach großer Gewalteinwirkung auf, zum Beispiel im Rahmen von Verkehrsunfällen. In solchen Fällen versucht man, den Hüftkopf, also das Ende des Schenkelhalses (am oberen Ende des Oberschenkelknochens) zu erhalten; der Vorteil dieser Geschichte ist, daß unter Umständen die natürliche Beweglichkeit des Gelenks wiederhergestellt werden kann; der Nachteil ist, daß man nach so einer Operation das entsprechende Bein sehr lange entlasten muß, somit ein deutlich höheres Risiko für die Folgen von Immobilisierung hat (Thrombosen, Lungenembolien, Lungenentzündungen usw.), und daß mit einem gewissen Risiko dennoch eine Nekrose des Hüftkopfes entsteht, so daß man dann doch wieder operieren muß, also ein erneutes OP- und Narkoserisiko auf sich nehmen muß. Das sind schon zwei schwerwiegende Gründe, warum man diese Behandlung einem älteren Menschen, der möglicherweise schon einige chronische Krankheiten hat, nicht zumuten möchte. Wenn man sich aber für das hüftkopferhaltende Verfahren entscheidet, muß man die Operation baldmöglichst durchführen, da mit der Zeit das Nekrose-Risiko steigt. Unvorbereitete Notfalloperationen sind aber immer mit einem erhöhten Risiko für den Patienten verbunden…
Bei älteren Patienten behandelt man eine Schenkelhalsfraktur in der Regel durch ein künstliches Hüftgelenk (Total- oder Hemiprothese, also künstliche Schenkelhals mit bzw. ohne künstliche Gelenkpfanne). Nach so einem Eingriff kommen die Patienten wesentlich schneller wieder alltagstauglich und schmerzfrei auf die Beine (und in die Reha), auch wenn man mit einer Hüft-TEP sicher kein Kunstturner mehr werden kann. Das ist schon der erste Vorteil dieses Verfahrens für Patienten wie Deine Großmutter.
Wenn man sich für eine Hüftprothese (Hüft-„TEP“ für „Totale Endoprothese“) entscheidet, hat man Zeit; der OP-Erfolg hängt nicht von der Zeit zwischen Unfall und Eingriff ab. Somit kann man die Patienten geplant im Routine-Tages-Programm einer chirurgischen Abteilung operieren, was nicht nur für die Klinik gut ist, sondern auch für die Patienten: man wird von ausgeschlafenen Operateuren versorgt…
Ein weiterer Vorteil ist, daß man die Patienten in Ruhe auf die OP und die Narkose vorbereiten kann, um das perioperative Risiko zu minimieren: Voruntersuchungen, gesicherte Nüchternheit vor Narkoseeinleitung, Kontrolle und ggf. Optimierung von Herz-Kreislauf-Funktion, Rücksichtnahme auf weitere Begleiterkrankungen mit Relevanz für OP und Anästhesie (Leber, Niere, Stoffwechsel), Bestimmung von Blutgruppe usw.
Was ist denn in Deinen Augen im konkreten Fall Deiner Großmutter nicht gut gelaufen? Mit etwas mehr Informationen können wir Dir evtl. auch genauer weiterhelfen.
Grüße!