Operation gebrochener Hüfte - unverzüglich?

Hallo,

meine Großmutter (über 80) ist gestürzt und hat sich die Hüfte gebrochen (weiß leider nicht welcher Bruch genau vorhanden ist).

Stimmt es dass die Operation des Hüftgelenks möglichst schnell erfolgen soll?

Die Klinik ließ sich nämlich nach der Einlieferung über 24 Stunden damit Zeit und ich möchte wissen ob dies medizinische Gründe haben könnte bzw. ob eine sofortige Operation unnötig gewesen wäre oder ob das Krankenhaus einen Fehler begangen hat.

Gruss und Dank

Desperado

Hi,

deine Angaben sind nicht annähernd exakt genug, um eine hinreichende Antwort geben zu können.
Aber ich will für dich mal im Trüben fischen: Vermutlich handelt es sich bei der beschriebenen Fraktur um einen Oberschenkelhalsbruch. Bei derart alten Leuten ist die operative Technik meist im Einsetzen einer Totalendoprothese begründet.
Bei jüngeren Menschen würde man eher den Hüftkopf erhalten. Hier ist tatsächlich eine rasche Operation anzustreben, damit ebendieser nicht durch Minderversorgung abstirbt.

Das Abwarten kann viele Gründe haben z.B. sind Vollnarkosen bei nüchternen Menschen risikoärmer, manchmal muss man warten, bis das Gewebe um die Fraktur herum etwas abgschwollen ist uswusf.
Wie wäre es, wenn du mal beim behandelnden Arzt nachfragst, statt sofort Fehler zu suchen?

Grüße
Liete

Bei dem beschriebenen Befund ist eine OP sicher unumgänglich gewesen, um der Grosmutter ihre Mobiltät zu erhalten. Warum 24 Std. gewartet wurde, werden die behandelnden Ärtze sicher erklären können. Gründe können z.B. auch im Allgemeinzustand der Dame liegen, die zu der Wartezeit gezwungen haben.

erstmal danke für die antworten.

der chefarzt meinte es würde keinen unterschied machen ob man die op der hüfte innerhalb der ersten stunden oder erst nach 2 tagen durchführen würde. klar muss man einige stunden warten bis der patient nüchtern ist und natürlich können notfälle dazwischen kommen - über 24 stunden wartezeit erscheinen mir trotzdem etwas lange.

mein eindruck war dass der chefarzt mit seiner aussage organisatorische probleme des klinikums fürth verbergen wollte - aber bisher habe ich keine studie dazu gefunden so dass ich nicht weiss ob es wirklich einen unterschied macht ob man zeitnah oder verzögert operiert.

weiss jemand von euch etwas darüber?

Hallo!

Wie schon gesagt, schreibst leider Du nicht, um was für eine Fraktur es sich genau handelt; nehmen wir einmal an, es handelt sich um einen Bruch des Oberschenkelhalses.

Stimmt es dass die Operation des Hüftgelenks möglichst schnell
erfolgen soll?

Nein, das stimmt nicht - oder zumindest nicht immer.

Bei jungen Menschen („jung“ heißt grob „vor dem Rentenalter“…) sind solche Frakturen sehr selten und treten nur nach großer Gewalteinwirkung auf, zum Beispiel im Rahmen von Verkehrsunfällen. In solchen Fällen versucht man, den Hüftkopf, also das Ende des Schenkelhalses (am oberen Ende des Oberschenkelknochens) zu erhalten; der Vorteil dieser Geschichte ist, daß unter Umständen die natürliche Beweglichkeit des Gelenks wiederhergestellt werden kann; der Nachteil ist, daß man nach so einer Operation das entsprechende Bein sehr lange entlasten muß, somit ein deutlich höheres Risiko für die Folgen von Immobilisierung hat (Thrombosen, Lungenembolien, Lungenentzündungen usw.), und daß mit einem gewissen Risiko dennoch eine Nekrose des Hüftkopfes entsteht, so daß man dann doch wieder operieren muß, also ein erneutes OP- und Narkoserisiko auf sich nehmen muß. Das sind schon zwei schwerwiegende Gründe, warum man diese Behandlung einem älteren Menschen, der möglicherweise schon einige chronische Krankheiten hat, nicht zumuten möchte. Wenn man sich aber für das hüftkopferhaltende Verfahren entscheidet, muß man die Operation baldmöglichst durchführen, da mit der Zeit das Nekrose-Risiko steigt. Unvorbereitete Notfalloperationen sind aber immer mit einem erhöhten Risiko für den Patienten verbunden…

Bei älteren Patienten behandelt man eine Schenkelhalsfraktur in der Regel durch ein künstliches Hüftgelenk (Total- oder Hemiprothese, also künstliche Schenkelhals mit bzw. ohne künstliche Gelenkpfanne). Nach so einem Eingriff kommen die Patienten wesentlich schneller wieder alltagstauglich und schmerzfrei auf die Beine (und in die Reha), auch wenn man mit einer Hüft-TEP sicher kein Kunstturner mehr werden kann. Das ist schon der erste Vorteil dieses Verfahrens für Patienten wie Deine Großmutter.
Wenn man sich für eine Hüftprothese (Hüft-„TEP“ für „Totale Endoprothese“) entscheidet, hat man Zeit; der OP-Erfolg hängt nicht von der Zeit zwischen Unfall und Eingriff ab. Somit kann man die Patienten geplant im Routine-Tages-Programm einer chirurgischen Abteilung operieren, was nicht nur für die Klinik gut ist, sondern auch für die Patienten: man wird von ausgeschlafenen Operateuren versorgt… :smile: Ein weiterer Vorteil ist, daß man die Patienten in Ruhe auf die OP und die Narkose vorbereiten kann, um das perioperative Risiko zu minimieren: Voruntersuchungen, gesicherte Nüchternheit vor Narkoseeinleitung, Kontrolle und ggf. Optimierung von Herz-Kreislauf-Funktion, Rücksichtnahme auf weitere Begleiterkrankungen mit Relevanz für OP und Anästhesie (Leber, Niere, Stoffwechsel), Bestimmung von Blutgruppe usw.

Was ist denn in Deinen Augen im konkreten Fall Deiner Großmutter nicht gut gelaufen? Mit etwas mehr Informationen können wir Dir evtl. auch genauer weiterhelfen.

Grüße!

Hallo Vlado,

Danke für die ausführliche Antwort.

Bei meiner jungen Großmutter (83) fand das Krankenhaus anscheinend die erste Methode besser: Es wurde kein künstliches Gelenk eingesetzt sondern das vorhandene wurde mit einem Eisenstück wieder befestigt.

Jetzt stellen sich mir natürlich die Fragen warum das Klinikum Fürth die Methode für jüngere Patienten gewählt hat und warum man damit so lange gewartet hat.

Gibt das irgendeinen Sinn?

Was gut oder nicht gut gelaufen ist kann ich nicht spezifisch sagen - wie oben erwähnt bezweifle ich aber die Kompetenz oder den guten Willen des Krankenhauses wenn Entscheidungen gefällt werden die anscheinend nicht im Sinne des Patienten sind.

Gruss

Desperado

Guten Abend

Anbei einige Infos zum Thema Operationszeitpunkt.
Auszug aus der Leitlinie „Schenkelhalsfraktur des Erwachsenen“

8.6 Operationszeitpunkt bei Endoprothese

  • Möglichst frühzeitig, dringliche Indikation innerhalb von 24 Stunden bei Patienten im operablen Gesamtzustand (9)

  • Schwerstkranke können von 48 Stunden Vorbereitungszeit profitieren
    Patienten mit Schenkelhalsfraktur sollten so schnell wie möglich innerhalb von 24h operiert werden, wenn der Allgemeinzustand des Patienten dies zulässt.

Den gesamten Text der Leitlinie findest du hier:

http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/012-001l…

Es ist also durchaus legitim, nicht innerhalb der ersten 24 Stunden zu operieren. Außerdem kann es vorkommen, dass aufgrund von Kapazitätsmangel die OP auf den 2 Tag, aber immer noch innerhalb von 48 Stunden verlegt wurde.

Viele Grüße aus Büdingen
Thorsten

Mir ist nicht so ganz klar, warum das so wichtig für dich ist. Geht es deiner Oma nicht gut nach dem Eingriff?

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Ja, grundsätzlich schon, da schlimmstenfalls die Möglichkeit besteht, dass ggfls. Fettzellen aus dem eröffneten Knochenmark in die Blutbahn gelangen und somit eine potentiell tödliche Embolie (z.B. Lungenembolie) auslösen können.

Außerdem sind stärkste Schmerzen und Blutungskomplikationen ggfls. die Folge einer solchen Fraktur. Daher ist eine operative Korrektur anzuraten.

Liebe Grüße !