'Opfer', die dazu neigen

…gleiche Verhaltensmuster an den Tag zu legen

Hallo,

befinde mich gerade in einer Weiterbildung. Durch irgendein Thema kamen wir darauf, dass z.B. Ehefrauen, die in der Ehe jahrelange Gewalt erfahren haben und letztendlich sich scheiden haben lassen dazu neigen, sich in einer neuen Beziehung wieder (bewusst oder unbewusst) einen Partner auswählen, der wieder gewalttätig ist. Unsere Dozentin (Supervisorin) zählte da ein paar Beispiele auf, die sie selber miterlebt hat. Das also quasi diese Personen etwas „ausstrahlen“ was sie wieder in eine Opferrolle bringt.
Obwohl man meinen müsste, dass diese Personen aus den negativen Erfahrungen gelernt haben und nicht den Fehler ein zweites mal machen, lassen sie das dennoch wieder zu.

Kann mir einer sagen, wie man so ein Phänomen nennt und ob es in der Hinsicht empfehlenswerte weiterführende Literatur gibt?

gruss levi

…gleiche Verhaltensmuster an den Tag zu legen-

nicht nur die opfer…

Hallo,

befinde mich gerade in einer Weiterbildung. Durch irgendein
Thema kamen wir darauf, dass z.B. Ehefrauen, die in der Ehe
jahrelange Gewalt erfahren haben und letztendlich sich
scheiden haben lassen dazu neigen, sich in einer neuen
Beziehung wieder (bewusst oder unbewusst) einen Partner
auswählen, der wieder gewalttätig ist. Unsere Dozentin
(Supervisorin) zählte da ein paar Beispiele auf, die sie
selber miterlebt hat. Das also quasi diese Personen etwas
„ausstrahlen“ was sie wieder in eine Opferrolle bringt.
Obwohl man meinen müsste, dass diese Personen aus den
negativen Erfahrungen gelernt haben und nicht den Fehler ein
zweites mal machen, lassen sie das dennoch wieder zu.

Kann mir einer sagen, wie man so ein Phänomen nennt und ob es
in der Hinsicht empfehlenswerte weiterführende Literatur gibt?

gruss levi

hi levi - ich kann dir bei dem begriff nicht helfen, aber ich würde gerne was anderes dazu sagen.

du schreibst:

Obwohl man meinen müsste, dass diese Personen aus den

negativen Erfahrungen gelernt haben und nicht den Fehler ein
zweites mal machen, lassen sie das dennoch wieder zu.

richtig und falsch zugleich.
denn du beschliesst hier gerade was du unter lernen verstehst muss reichen. aber wenn jemand ein bestimmten muster gelernt hat, kann
die blosse erkenntnis nicht gleich eine totale veränderung auslösen.
das liegt daran, dass viel mehr daran gekoppelt ist als du dir gerade
so vorstellst scheint mir. eine person die gelernt hat, das gewalt ein
bestandteil von einer beziehung ist oder gar „liebe“ und zudem ja stets gelernt hat, sie sei schuld - für die reicht die blosse erkenntnis nicht.
übrigens für dich auch nicht - aber bei anderen dingen dann.
sicher hast du auch irgendeinen bereich - banalerer art - bei dem du inzwischen weisst, hier kannst du nicht „richtig“ damit umgehen, reagierst falsch oder schadest dir anderweitig. und DENNOCH kannst du trotzden nicht dein verhalten ändern - denn der kopf langt nicht und nichtmal das gefühl - man muss alternativen entwickeln, diese üben und sich zudem mit den hintergründen für das „falsche“ verhaltensmuster oder denkmuster auseinandersetzen.
so einfach wie du dir glauben machst, ists nicht etwas zu ändern.
und schon gar nicht dann, wenn man konditioniert ist…

und wenn es bei einfachen dingen schon so schwer ist sich so zu verändern und auch die muster zu verändern, nebst der vielen anderen dinge die einen mittelbaren oder unmittelbaren zusammenhang haben,
wie soll es erst bei einer prägung „zum/als opfer“ sein?
abgesehen davon bezweifle ich, dass bei einer derartigen problematik ein mensch sich selbst helfen kann, da braucht es professionelle hilfe, sonst wird das nicht wirklich was…

hierzu mal wieder ein link, den ich hier einst aufgeschnappt habe:

http://www.bnm.de/content/cmt/psychosoma/Praegung.htm

LG
nina

PS: für die täter gilt das nat. ebenfalls.

Hallo Levi

Ich glaube weniger, dass diese Opfer etwas ausstrahlen, sondern sich nach einem Script verhalten. Der Begriff kommt aus der Transaktionsanalyse und meint ein persönliches Drehbuch, an dessen Realisierung unbewusst gearbeitet wird.
Eric Berne, der Begründer der Transaktionsanalyse, bezog auch „Spiele“ in seine Analysen ein. Damit ist nichts Lustiges gemeint, sonderen ein stereotyp ablaufender Verhaltenskanon mit vorhersehbarem Ausgang.
Im erwähnten Fall könnte es das Spiel Opfer - Täter - Retter sein.

Ich habe auf die Schnelle dazu nur Wikipedia-Artikel gefunden, die ich (in diesem Fall) nicht soo aussagekräftig finde.
http://de.wikipedia.org/wiki/Dramadreieck
Der hier ist etwas besser, aber beantwortet deine Frage nicht wirklich. Vielleicht zum weitersuchen geeignet:
http://de.wikipedia.org/wiki/Transaktionsanalyse

Freundliche Grüsse
Luisa

Guten Morgen,

der Psychiatrie-Opa Krafft-Ebing hat dieses Phänomen „Masochismus des Weibes“ genannt. Seine wissenschaftlichen Erklärungen sind heute sicher überholt, und da ich kein Fachmann bin, weiß ich nichts über die neuere Terminologie. Seine Beobachtungen dürften aber für dich interessant sein:
http://www.datenschlag.org/bisam/krafft-ebing/psycho…

Gruß
gargas

…meinst du wohl.

http://www.thieme-connect.com/ejournals/abstract/fdn…

Hallo :smile:
Der Mechanismus, der dahinter steckt, ist erstmal nicht pathologisch.
Ein Kind, das - z.B. mangels Übung - von der Schaukel fällt und sich nicht gerade den Hals bricht, wird ja auch nicht den Rest seines Lebens Schaukeln meiden, sondern - im Gegenteil - meist sofort wieder schaukeln wollen, um den Misserfolg auszulöschen.
Es hält sich dann eben besser fest und das Ergebnis ist meist Erfolg, Kompetenzzuwachs usw.

Ein Kind aber, das von der Schaukel fällt und sich fürchterlich weh tut, weil ein Erwachsener es gegen seinen Willen und trotz Angstgeschrei immer weiter anschubst, wird eventuell dazu neigen sich immer die gleiche Art von Anschubser zu suchen (grenzüberschreitend, verantwortungslos, sadistisch). Und es wird dabei immer wieder auf die Klappe fallen (oder sich fallen lassen), weil der tiefe Wunsch NICHT ist, das „auf die Klappe fallen“ zu vermeiden, sondern viel mehr den alten Vertrauensverlust ungeschehen zu machen. Das geht natürlich nicht, weil Vergangenheit, klar.
Selbst wenn der Anschubser also seinem Persönlichkeitsprofil widersprechend doch Empathie entwickeln sollte, ist das dann leider oft nicht die Erlösung/das Happy End, sondern wird eher als Fehlversuch gesehen, weil der Anschubser „falsch“ ausgewählt wurde. Der Versuch wird dann eben mit einem Passenderen wiederholt.

Dieser Wiederholungszwang wirkt solange bis er zum einen vollständig ins Bewusstsein gelangt ist, zum anderen die innere Bereitschaft da ist vom Gefühl der Wiedergutmachung Abschied zu nehmen und - ganz wichtig - die Opferhaltung und die Selbstentwertung bearbeitet werden. Mit dem Gefühl, ich habe es eh nicht anders verdient, als auf die Klappe zu fallen, weil ich der letzte Dreck bin, kann man ganz sicher nicht lustvoll „schaukeln“.

Das Verlernen alter Reaktions-, Denk- und Gefühlmuster ist also erforderlich, das ist übrigens noch schwerer als neue zu erlernen, einer der Gründe warum solche Menschen immer wieder „rückfällig“ werden. Hinzu kommt noch, dass die chronisch erhöhte Übererregtheit bei traumatisierten Menschen kurzzeitige Entlastung in der Reinszenisierung und im Ausagieren alter Situationen findet. Leider brennt sich die Botschaft aber bei jeder Retraumatisierung auch tiefer ins Gehirn, das Verlernen wird also immer schwerer.

Literatur darüber gibt es haufenweise. Vorausgesetzt, dass du dich nicht nur oberflächlich dem Thema nähern willst, empfehle ich dir Literatur unter folgenden Stichworten zu suchen:
emotionale, körperliche, sexuelle Gewalt in der Kindheit,
Trauma und Verarbeitung traumatischer Erlebnisse usw.

Grüße,
Anna

Danke [owt]