Opfer/Täter Beziehung

Hallo,

es wird ja immer wieder auch bei uns in www thematisiert, welche Schwierigkeiten Opfer oft haben, sich von den Tätern zu lösen oder gegen sie auszusagen. Nun war am Wochenende in der SZ ein Artikel http://www.sueddeutsche.de/sz/seitedrei/red-artikel212/ in dem es um den Missbrauch von Jugendlichen und Kindern durch katholische Priester geht. Hier werden meiner Meinung nach einmal sehr gut die Abhängigkeitsverhältnisse und die daraus resultierende Hilflosigkeit der Opfer dargestellt. Von Seiten der Täter wird dann oft auch eine Täter/Opfer-Umkehr betrieben, d.h. der Täter weist dem Opfer die Schuld an der Situation zu.

Dieses Posting könnte auch in „Religion und Ethik“ oder „Kriminalistik“ oder „sonstige Nachrichten“ reinpassen, aber mich interessiert hier eher der pychologische Aspekt dieses Problems. Wobei das jetzt keine Verharmlosung sein soll!

Vielleicht können ein paar Leute sagen, wie sie das Prinzip dieses Abhängigkeitsproblemathik sehen bzw. erlebt haben. Es muss ja nicht gleich solche Formen annehmen wie in dem Artikel. Da kann auch viel subtiler ablaufen z.B. zwischen Eltern und Kindern.

Gruß
Michael

Hallo,

Ich möchte erst einmal Unterscheiden zwischen der Abhängigkeit von kindern und ERwachsenen.

Das Beispiel mit dem Priester, dass du genannt hast, hat zwar etwas mit Vertrauensverhältnis zu tun - der gleiche Fall wäre es innerhalb der Familie, weil für Kinder sind Pfarrer und Lehrer Bezugspersonen, doch denke ich, dass man nicht direkt von Abhängigkeit sprechen kann. Ein Kind kann doch zwischen Gut und Böse, zwischen richtig und falsch noch nicht richtig unterscheiden! Ich denke, hier ist vielmehr der Fall, dass diese ERwachsenen die Unwissenheit, die Lebensunerfahrenheit und die fehlende Stärke der Kinder schamlos ausnutzen. Zwar wissen die Kinder, dass da etwas passiert, was sie nicht möchten, aber richtig einordnen können sie es trotzdem nicht. Also meiner Meinung nach keine Abhängigkeit.

Bei Erwachsenen schaut das schon anders aus.
Dennoch glaube ich, dass es so viele Verschiedene Ursachen für Abhängigkeit wie Charaktere gibt.

Die mir plausibelsten wären:

  • Schuldgefühle - dass weit verbreitete „Ich bin an allem Schuld“, mit dem daraus resultierenden Bedürfniss, allés wieder gut zu machen.

  • zuviel Achtung - vor allem innerhalb der Familie; es fällt schwer, sich emotional zu lösen; auch übertrieben anerzogener Respekt (vielleicht mit Schlägen?)

  • schwacher und formbarer Charakter

Von psychologischer Seite betrachtet aber ein sehr interessantes Thema, ich bin schon gespannt auf weitere Antworten!

Bis bald

Lieber Michael,
über dieses Thema ist wohl bücherweise geschrieben worden; Du siehst also, auch andere Leute fasziniert es.
Anfang des vergangenen Jahrhunderts hat Sandor Ferenczi (Schüler aus dem engsten FREUD-Kreis) sich schon Gedanken darüber gemacht. Stichwort: Projektive Identifikation / Identifikation mit dem Aggressor usw. usf.
Auch nach der Hitler-Ära hat man sich gefragt, warum so wenige der jahrelang im KZ gequälten Menschen adäquat aggressiv auf ihre Täter reagieren konnten. Es gab vor etwa 20 - 30 Jahren einen schönen Film dazu: „DER NACHTPORTIER“, eine ehem. KZ-Insassin trifft nach dem Krieg (in Wien?) ihren KZ-Kommandanten wieder, der sie zum Sex zwang. Und verfällt ihm erneut.
Gruss von Branden