Hallo,
es geht um meine Mutter. Sie ist schon seit einigen Jahren abhängig von Opiaten. Zum Glück konnte ich sie endlich davon überzeugen einen Entzug mit anschließender Therapie zu machen. Das Problem ist, dass sie in den letzten Wochen verschiedene Ärzte aufsuchte, um an ihr Opiat zu kommen. In der Packung waren 30 Tabletten. Es war sogar schon mal so schlimm, dass sie in einer einziigen Woche zu drei Ärzten ging. Jetzt habe ich sehr große Angst, dass sie deswegen ärger bekommt. Kann sie von irgendeiner Stelle (Apotheke, Ärztekammer, Opiumstelle…) haftbar gemacht werden? Kommt das jetzt irgendwie raus?? Was kann ich nur machen um ihr zu helfen?? Vor allem hat sie große Angst, dass dies alles ihr Lebensgefährte und Sohn rausbekommt. Oder gibt es da eine sogenannte Schweigepflicht??
Schonmal vielen Dank für Ihre Auskünfte.
Viele Grüße
Mimi
Hallo Mimi, hat Ihre Mutter bereits den Entzug mit anschließender Therapie gemacht oder hat sie es versprochen und nicht gehalten (bestimmt nicht das erste Mal?) Wenn Sie wirklich den Entschluss gefaßt hat, davon loszukommen, muss sie sich in ein Krankenhaus einweisen lassen, um einen mehrwöchigen Entzug zu machen. Ich rate dringend davon ab, es selber zu versuchen. Es ist lebensgefährlich und muss nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden (Der Krankenhausaufenthalt dauert in der Regel 6 bis 8 Wochen). Sie schreiben, dass Ihre Mutter Angst hat, dass ihr Lebenspartner und Sohn es herausbekommen könnten, dass sie die Tabletten noch nimmt. Wenn Sie Ihre Mutter lieben und wollen, dass sie davon loskommt, dann sagen sie ihr, dass sie es erzählen werden. Sonst machen sie sich zur Verbündeten und verlängern das Leiden ihrer Mutter. Hier spricht man von einer „Co-Abhängigkeit“. Manchmal hilft nur, dass man einem die „Pistole auf die Brust“ setzt, um zu erreichen, dass sich was ändert. Die Ärzte werden Ihrer Mutter weiter die Tabletten verschreiben, weil sie wissen, dass es ohne nicht geht und das Risiko, dass was passiert, wird keiner eingehen. Ich drücke Ihrer Mutter die Daumen, dass sie es schafft und Ihnen die Kraft, sie zu unterstützen. Aber wenn Ihre Mutter nicht will oder besser gesagt nicht mehr kann, davon loszukommen, weil die Sucht sie voll im Griff hat, können sie nichts machen. Aber ganz wichtig ist, „Sie können ihr helfen, in dem Sie ihr nicht helfen“ - man sagt hier „Hilfe durch Nichthilfe“. Jeder Abhängiger muss einen persönlichen Tiefpunkt erleben, wo er bereit ist, aus der Sucht auszusteigen.
Es ist nicht einfach, aber zu schaffen und es lohnt sich! Drücke Ihnen die Daumen! Liebe Grüße Irene
Guten Tag!
Es handelt sich offensichtlich um einen Medikamentenmissbrauch und vermutlich einer Abhängigkeit. Das Beste wäre: Sie sprechen ihre Mutter darauf an und gehen mit ihr in eine Suchtberatungsstelle. Wenn du Mutter nicht will, dann lassen sie sich erst mal in einer Beratungsstelle beraten.
Viele Grüße
Harald Brill
Hallo Blinki,
vorerst mal vielen Dank für Ihr Vertrauen.
Geh ich recht in der Annahme, dass die Zahl 79 Ihr Geburtsjahr wiedergibt?
Wenn ja, dann können wir wie erwachsene Menschen, d.h. ohne irgendwelchen falschen Rücksichtsnahmen miteinander umgehen, ok?
Wenn ja, dann teile ich gerne folgende Tipps mit Ihnen:
- Sie haben für Ihre Mutter das gemacht, was Sie zu tun im Stande waren, nämlich sie dazu zu bewegen, sich helfen zu lassen. Was sie nun daraus macht, ist ihre Sache.
- Sie selbst sind- als Co-Abhängige Angehörige- zimlich tief in der Problematik Ihrer Mutter verstrickt.
- Das heisst konkret, Sie sollten jetzt was für sich selbst tun um Ihr Leben wieder geniessen zu können und aus dem Sog der Co-Abhängigkeit und Helfersyndrom sich heraus zu arbeiten.
- Das hört sich harmlos an, aber Sie haben eine ganze Strecke an Arbeit und Weg vor sich, die sich aber auf jeden fall lohnen.
- Über die o.g. Begrifflichkeiten können Sie einwenig recherchieren, um festzustellen, dass Sie keines wegs alleine da stehen, sondern viele Menschen vor Ihnen schon diesen Weg gegangen sind und sich befreien konnten.
- Gerne bin ich bereit, wenn Sie mögen, mit Ihnen weiter Kontakt zu halten und mit Ihnen Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen.
Mit lieben Grüssen.
hallo mimi,
es liegt in der natur der abhängigkeitserkrankung, dass ein süchtiger alles mögliche versucht, um an seinen suchtstoff zu kommen. dazu gehört auch, dass süchtige manchmal straftaten begehen, um an ihre droge zu gelangen. wenn das herauskommt, müssen sie mit bestrafung rechnen, wobei dann zu prüfen ist, ob sie wegen der unzureichenden steuerungsfähigkeit vermindert schuldfähig sind.
für einen angehörigen ist die situation sehr schwierig, weil man nur begrenzt einfluss auf einen abhängigen menschen hat, wenn überhaupt.
für mehr unterstützung empfehle ich dir, zur einer drogenberatungsstelle zu gehen, die auch angehörige berät. es gibt auch selbsthilfegruppen für angehörige von suchtkranken menschen, die die probleme selber kennen und dir sicher auch ratschläge geben können, was du tun kannst. auf jeden fall solltest du nicht versuchen, das alles allein zu bewerkstelligen, das führt meistens in die überforderung.
ich hoffe, das hilft dir ein wenig.
Tipp: Such Dir mit Geduld wirklich gute professionelle Hilfe. Viel Glück.