Ordinalskala und Durchschnitt

Hallo liebe Experten,

weiter unten (21.11.) wurden ja gerade schon mal die Besonderheiten der Ordinalskalen genannt, unter anderem, dass man hier statistisch keinen Durchschnittswert ermitteln kann, sondern „nur“ den Median.

Nun finde ich heute in der ADAC-Zeitung einen großen Artikel, wo die Kundenzufriedenheit mit Automarken in Schulnoten von 1-5 gemessen wurde, woraus dann ein Durchschnittswert ermitteln wurde, also zum Beispiel 2,03 für VW und 2,05 für Fiat. (Zitat: „Als Antwort zum Ankreuzen war eine Beurteilungsspanne von ‚sehr zufrieden‘ bis ‚gar nicht zufrieden‘ vorgegeben, was - angelehnt an Schulzensuren - einer Notenskala von 1 bis 5 entspricht.“)

Wie geht denn das? Gibt es Bedingungen, unter denen von der Ordinalskala doch der Durchschnitt berechnet werden kann? Oder ist das hier gar keine Ordinalskala? Woran erkenne ich das?

Vielen Dank im Voraus,
Susan

Hallo Susan,

weiter unten (21.11.) wurden ja gerade schon mal die
Besonderheiten der Ordinalskalen genannt, unter anderem, dass
man hier statistisch keinen Durchschnittswert ermitteln kann,
sondern „nur“ den Median.

das ist so nicht richtig. Berechnen kann man alles. Die Frage ist aber, ob die mit der Statistik verbundene inhaltliche Aussage sinnvoll ist.

Nun finde ich heute in der ADAC-Zeitung einen großen Artikel,
wo die Kundenzufriedenheit mit Automarken in Schulnoten von
1-5 gemessen wurde, woraus dann ein Durchschnittswert
ermitteln wurde, also zum Beispiel 2,03 für VW und 2,05 für
Fiat. (Zitat: „Als Antwort zum Ankreuzen war eine
Beurteilungsspanne von ‚sehr zufrieden‘ bis ‚gar nicht
zufrieden‘ vorgegeben, was - angelehnt an Schulzensuren -
einer Notenskala von 1 bis 5 entspricht.“)

Wie geht denn das?

Die Antwort lautet: Per fiat! Auf Deutsch: Man tut so, als ob die Itemantworten intervallskalierte Meßwerte sind. In dem Maße, in dem dieses Verfahren zu brauchbaren inhaltlichen Aussagen führt, ist es in Ordnung (vgl. Lord & Novick, 1968). Das ist das Standardvorgehen, wenn man Tests und Fragebögen nach der Klassischen Testtheorie auswertet.

Grüße,

Oliver Walter

Hallo Oliver,

schon mal vielen Dank und noch eine Anschlussfrage:

In dem
Maße, in dem dieses Verfahren zu brauchbaren inhaltlichen
Aussagen führt, ist es in Ordnung (vgl. Lord & Novick, 1968)

(Ohne jetzt die Publikation zu Rate zu ziehen, vielleicht lässt es sich auch ganz leicht beantworten): Woran erkennt man, ob man brauchbare Ergebnisse bekommen hat? An der Nähe des Durchschnittswertes zum Median?

Gruß,
Susan

Hallo Susan,

(Ohne jetzt die Publikation zu Rate zu ziehen, vielleicht
lässt es sich auch ganz leicht beantworten): Woran erkennt
man, ob man brauchbare Ergebnisse bekommen hat? An der Nähe
des Durchschnittswertes zum Median?

man erkennt es an den Ergebnissen von Validierungsuntersuchungen: Wenn der Test / Fragebogen mit anderen Verfahren hoch korreliert ist, die das Gleiche messen sollen wie er, dann ist das ein Beleg für die Gültigkeit des Vorgehens.

Grüße,

Oliver Walter