Organisation der Materialplanung in Supply Chain

Lieber Experte,
könnt Ihr mir weiterhelfen beim Thema Materialplanung im Rahmen einer Supply Chain ?
Für einen produzierenden Betrieb in Westeuropa im Bereich Anlagenkomponenten Metallverarbeitung (Mittelstand, mehrstufige automatisierte Fertigung mit hoher Wertschöpfung, technologieorientiert) stellt sich die Aufgabe, eine sinnvolle Strategie für die Materialplanung festzulegen. Welche Methoden bzw. Vorgehensweisen sind nach Eurer Erfahrung dafür in Betracht zu ziehen ?
Gibt es evtl. grundsätzlich unterschiedliche strategische Ansätze ?
Danke, Leif Kretschmer

Hallo,
machen Sie mit Ihrem Lieferanten im Vorfeld Vereinbarungen:

  • Reservieren Sie bei Ihm Kapazität - nicht einzelne Teile
  • Vereinbaren Sie Reaktionspunkte - zu welchem Zeitpunkt können Sie spätestens je nach Komplexität noch Änderungen einbringen?

Hallo Herr Solfrank,

danke für Ihre Antwort und die guten Vorschläge. Ja, wir können noch Änderungen gestalten. Darf ich nach weiteren Klärungen evtl. noch einmal auf Sie zukommen ? Vielen Dank Leif Kretschmer

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Beruht sich ja immer auf Gegenseitigkeit.
Viele Grüße

Hallo Leif Kretschmer

eine spannende Aufgabe, die du vor Dir hast. 60 -70 % aller Supply Chain Projekte in einem Unternehmen scheitern, da in der Projektstartphase nicht alle Unternehmensbereiche und Abteilungen eingebunden wurden, Teammitglieder klar benannt sind, die auch kapazitiv für das Projekt zu Verfügung stehen und der i.d.R ungeduldigen Geschäftsführung nicht klar kommuniziert wurde, dass so ein Projekt eine Laufzeit von bis zu einem Jahr hat, bis erste Ergebnisse sichtbar sind.

Und damit bin ich bei deiner Frage: Supply Chain bedeutet nicht nur eine Verbesserung der klassischen Materialplanung, die stochastisch, heuristisch, bedarfs-, verbrauchsgesteuert, nach XYZ Analyse sortiert und nach ABC Analyse klassifiziert funktioniert, sonder die Optimierung aller Funktionen entlang der logistischen Wertschöpfungskette: also von Endkunden, der den Bedarf in deiner Firma mittelbar (wenn noch eine Händler oder Weiterverarbeiter dazwischengeschaltet ist) oder unmittelbar auslöst, über Versand, Spedition, Fertigung, Rohstofflager, Lieferant und Unterlieferant vom Lieferant,….

Der strategische Ansatz ist also der, die gesamte Kette miteinander so zu vernetzen, dass reale Informationen über Mengen, Termine, benötige Kapazitäten an Maschinen, Menschen, Raum, Kapital, etc., etc. vom Endkunden bis zum Unterlieferanten mit der geringst möglichen Anzahl an Medienbrüchen dem jeweiligen Glied in der Kette zu Verfügung gestellt werden, und zwar in der Form, in der es benötigt wird.

Welches Materialplanungs- und Dispositionsverfahren in den jeweiligen Stufen (sprich Glied) zum Schluss das geeignetste ist, ergibt sich daraus, ob die Zahlen der vorgelagerten Stufe reale Zahlen, Vergangenheitswerte oder Planzahlen sind (wenn Planzahlen, mit welcher Eintrittswahrscheinlichkeit), welche Vorlaufverschiebung (sprich Dauer bis Fertigstellung der Leistung, bzw. Lieferzeit) tatsächlich benötigt wird (das sind i.d.R. andere Wert, die einem der Vertrieb immer nennt) und welcher Volatilität (sprich Schwankungsbreite, da man in einem festen Zeitraum ja die Leistung erbringen muss und dafür die Kapazitäten vorhanden sein müssen) die Aufträge unterliegen. In den einzelnen Stufen habe ich Materialgruppen gebildet, aus der Historie heraus nach XYZ Analyse (eigentlich nur X und Z) klassifiziert und dahinter die Dispoverfahren „X“ Kanban, bzw. verbrauchsgesteuert und „Z“ klassisch auftragsbezogen, wenn es die Vorlaufverschiebung zulässt. Aber das ist kleinste Übung, bis dahin muss der komplette Prozess stehen.

Ob der komplette Prozess steht und das Unternehmen „SCM tauglich“ ist, kann man anhand einer Checkliste ganz gut in Erfahrung bringen. Schau dazu mal auf die hompage www.tcw.de und geh die einzelnen Fragen mit der GF, Vertrieb, Fertigung und Logistik, Einkauf online durch. Wenn dann alle „nicken“, kann man starten.

Grüße Stefan Henseler

Hallo Stefan Henseler,

danke für Deine ausführliche und qualifizierte Antwort. Auch der Tip mit der Webseite hat mich weitergebracht.

Hast Du Erfahrungen, welche Maßnahmen hilfreich sind, wenn die Rohstoffe bzw. Vorprodukte einen stark schwankenden Materialanteil/-wert haben ? Damit meine ich die Verwendung von z.B. Kupfer oder Spezialrohstoffen, deren Kosten im Voraus schwer planbar und stark schwankend sind.
Gibt es außer Preisgleitklauseln noch andere strategische Ansätze in Einkaufmanagement oder im Supply Chain Management ?

Freundliche Grüße,

Leif Kretschmer