Organspende

Hallo,

  1. Ich halte es für unzumutbar, wenn meine Angehörigen, wenn
    sie von mir Abschied nehmen, in Ohnmacht fallen, weil ich wie
    ausgeschlachtet aussehe. Wie ist also die gängige Praxis? Wird
    man dann wieder ausgestopft? Sind später dann oberhalb der
    Kragengrenze Vernarbungen zu sehen? Was ist mit den Augen?
    Werden die leeren Augenhölen auch wieder ausgestopft? Nach
    welchen Organentnahmen ist es schwierig noch unversehrt
    auszusehen (trotz Anzug, mein ich)?

Also ich wuesste jetzt nicht das oberhalb des Kragens irgendetwas entnommen wird?

  1. Das Hirntodkriterium. Was sind die Kriterien für einen
    Hirntod? Welche Regionen müssen dabei tot sein? Gibt es auch
    kritische Stimmen zu den Kriterien des Hirntods (die für Laien
    verständlich sind)?

Also obwohl ich denke das es sehr wohl sein kann tot zu wirken aber dann wieder aufzuwachen, es ist fuer mich ohne jeden Zweifel dass ich in dem Fall das mein Gehirn nach ein paar Minuten ohne Sauerstoff irreparabel geschaedigt ist. Und sorry, als sabbernder Klumpen Fleisch dahinvegetieren will ich nicht. Von daher gehe ich lieber das Risiko ein das ich der 0,000001%igen Chance zum Opfer falle das ich faelschlicherweise ausgeschlachtet werde und damit die 100%ige Chance wahrzunehmen anderen Menschen zu helfen. Oder naja, sagen wir es mal so, auch wenn der Sinn nicht unbedingt da ist, aber schaden kanns auf keinen Fall was.

Gruss

Hi Chris,

schau mal auf http://www.organspende.de
Auf dieser Seite wird eigentlich alles zum Thema Organspende gut erklärt. Noch besser konnte es mir nur meine Cousine (Dr. med.) erklären :smile:

Ich habe leider schon ein paar Bekannte durch Unfälle verloren. Die Entscheidung pro oder contra Organspende war für mich die Grundvoraussetzung für den Motorrad-Führerschein. Ich bin zwar nicht mehr im ganz wilden Alter (bin jetzt 28), aber passieren kann schnell was.
Was häufig vergessen wird zu erwähnen, man kann mit einem O-Ausweis die Organspende auch ausschließen. Auch das Kreuz kann im Falle eines Falles deinen Angehörigen helfen!

Ich persönlich habe mich für die Organspende entschieden, allerdings mit Einschränkungen. Ich will nicht, dass mir die Augenhornhaut und die Gehörknöchelchen entnommen werden. Übrigens war die Unterschrift unter dem Ausweis eine der schwersten und mit Sicherheit die am längsten überdachte.

Damit es dann allen auch mein Wille bekannt ist, habe ich den O-Ausweis immer dabei - er steckt direkt neben dem Führerschein. Auch habe ich meinen Bekanntenkreis über die Entscheidung informiert - allerdings erst, als ich sie für mich gefällt hatte.

Wenn ich irgendwann mal anders denke - dann lege ich mir einen neuen Ausweis zu und kreuze das entsprechende an.

Was ich demnächst in Angriff nehmen werde, ist eine Patientenverfügung…

Gruss,
Julia

Evangelische THeologie…

Mfg THX

Chris

Hi Chris,

hi,

Ich persönlich habe mich für die Organspende entschieden,
allerdings mit Einschränkungen. Ich will nicht, dass mir die
Augenhornhaut und die Gehörknöchelchen entnommen werden.

Ich denke mal, so werde ich das auch halten.

Übrigens war die Unterschrift unter dem Ausweis eine der
schwersten und mit Sicherheit die am längsten überdachte.

Das kann ich verstehen. Ich hab gestern mich natürlich ein wenig im Inet umgeschaut, und das ist ja schon auch immer eine Konfrontation mit dem eigenen Tod.

Ich habe vor allem auch meine Angehörigen im Blick. Ich will ihnen keine so schwere Entscheidung in einer so schweren Lebensphase zumuten.

MfG THX

Chris

Hallo Chris,

Hi,

Falls es Dir gelingt eine derart klare Aussage zu bekommen
wäre ich Dir
sehr dankbar wenn ich die Informationen auch erhalten könnte.

Ich bin bisher soweit gekommen, dass ich mir die Frage stelle, was den Tot definiert. Dafür müsste man nun auch erstmal wissen, was denn Leben ist. Ich denke, dass Leben die Ganzheit der körperlichen und seelichen Einheit des Körpers ist.

Es ist nicht zu bezweifeln, dass der diagnostizierte „Hirntod“
eine irreversieble Schädigung des Gehirns dartellt.

Was nach der relativ sicheren Diagnose des Todes des Stammhirns für mich auch bedeutet, dass die Aufrechterhaltung von vegetativen Funktionen durch das Stammhirns nicht mehr möglich ist. Somit bedeutet es nicht nur den Tot des menschlichen Bewußtseins, sondern auch seiner Subsysteme, denn diese werden ja dann durch Beatmungsgeräte etc. gesteuert.

Der Ausfall des Gehirns ist also das Ende jener organischen Substanz, die die Integration des gesamten Organismus als einer leiblich-seelischen Einheit gewährleistet.

Aber ich merke schon, dass es ein schwieriges Thema ist und hadere noch mit mir selbst…

MfG

Chris

PS: Am meisten Mitleid habe ich mit den Ärzten, die das alles entscheiden müssen und von denen ich nicht glaube, dass sie Zeit hatten das im Studium ausreichend zu reflektieren.

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Eine weitere Frage zum Thema
Hi,

eine Frage, die mich noch zum Thema beschäftigt:

Was geschieht denn, wenn ein Hirntod diagniostiziert wird und der Spender aber der Organentnahme wiedersprochen hat? Wird er dann dennoch am Leben erhalten? Wie lange hält sich sowas?

MfG

Chris

„Heftiger“ Film - aber sicher keine Utopie (leider)!

Und Geld regiert nun mal die Welt.

Also ist es absolut richtig und wichtig, sich ganz genau zu überlegen, ob man einen solchen Organspendeausweis bei sich trägt, bei aller Nächstenliebe :wink:

Ich bewundere denjenigen, der sich bereit erklärt, im Fall des Falles
seine Organe zu spenden und darauf vertraut, dass der Arzt (zu dem er wahrscheinlich keinerlei persönlichen Bezug hat) in jedem Fall die richtige Entscheidung trifft, wenn dieser schon mal so einen „verlockenden“ Spenderausweis vor sich sieht :wink:

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

letztlich…

… glaube ich kaum, dass es einen - skrupellosen - Arzt interessiert, ob man nun einen Ausweis dabei hat oder nicht.
wir werden die Menschheit nicht ändern - damit muss man wohl leben, auch nach dem Tod!

GRuß
Demenzia

Aber so ein Ausweis „reizt“ möglicherweise zusätzlich :smile:

Naja, lassen wir uns „überraschen“, wenn’s mal so weit ist …

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Tippfehler

mit dem EKG hat das
natürlich GARNIX zu tun.

Sollte selbstverständlich EEG heißen.

geliefert und der Arzt, der dort für den jenigen zuständig
ist, stellt fest, dass er ein Organ des noch lebenden
Unfallopfers für einen anderen Patienten bräuchte, der
möglicherweise eine höhere Überlebenschance hätte als das
Unfallopfer, sofern er schnell ein Spenderorgan bekommt.

Hi Jana!

Diese Situation gibt es nur in Arztserien von ARD, ZDF und Sat 1.
Auf Grund der antigenen Eigenschaften der Gewebe ist es, zumindest derzeit, praktisch ein Ding der Unmöglichkeit, daß in der gleichen Klinik zwei Patienten mit den gleichen Gewebeeigenschaften liegen. Das heißt, das Szenario, das wir so gerne immer wieder sehen, daß in EINEM Krankenhaus ein Waisenkind und ein Generaldirektor auf der Transplantationsliste stehen und in DEMSELBEN Krankenhaus nun plötzlich ein Motorradfahrer stirbt und nun entschieden werden muß, wer das Herz bekommt, das gibt es nicht. S. das erwähnte Eurotransplant-Zentrum. Da ein genereller deutschlandweiter Organmangel besteht, dürfte es keine Überlebenden von Unfällen mehr geben.

In zehn Jahren willst Du selbst Ärztin sein. Wäre es für Dich derzeit vorstellbar, mal jemand sterben zu lassen, damit Du seine Organe jemand anderem geben kannst? Falls nicht, wird es Dir auch in 10 Jahren nicht vorstellbar sein.

Außerdem:

*willst Du vor die Angehörigen treten und ihnen den Tod mitteilen, obwohl Du weißt, daß Du den Patienten sterben hast lassen?
*willst Du von irgendeinem dahergelaufenen Winkeladvokaten wegen unterlassener Hilfeleistung angezeigt werden?
*willst Du Deinem tobenden Chef erklären, warum der Patient verstorben ist?
Erfreulicherweise ist es ja nun so, daß man - auch wenn es hier evtl. nicht geglaubt wird - als Arzt wie jeder Mensch auch, noch ein GEWISSEN hat - und diesen kann ganz schön bohrend sein.

Unsere WWW-Theoretiker mögen ja vieles schreiben aber in der Praxis ist es doch so: in dieser Streßsituation, in der Du mit dem Unfallopfer konfrontiert bist, wird Dein Gesichtsfeld um 150° abnehmen. Du wirst Dich nur noch auf diesen Menschen konzentrieren. Deinen dringend spendebedürftigen Patienten hast Du vergessen! Du wirst nicht allein mit dem Unfallopfer sein. Vertreter zahlreicher Fachgebiete werden um Dich herumstehen. Bist Du nun dummerweise derjenige, dessen Fachgebiet das Leben des Patienten am meisten bedroht, hörst Du in etwa folgendes: „Mensch!!! Mach doch was!!!“ „Wo bleibt Ihr Oberarzt???!!!“ usw usf. Willst Du da als Loser dastehen?

So weit so schlimm. Ich hoffe, an Deinem Berufswunsch hat sich durch dieses Epos nichts geändert.

Gruß
Peter

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Buchempfehlung?
Hallo Chris,

vielleicht hilft ein Buch weiter auf dem Weg der Entscheidungsfindung:

Herzloser Tod. Das Dilemma der Organspende
von Ulrike Baureithel und Anna Bergmann

Ich habe das Buch selbst noch nicht gelesen, nur empfohlen bekommen, kann es also nicht beurteilen. Laut Beschreibung geht es genau um die von Dir gestellten Fragen nach dem Hirntod.

Gruß
Isabelle

Hallo Julia,

ich finde es sehr spannend, wie unterschiedlich die Leute mit dem Thema umgehen.

Was häufig vergessen wird zu erwähnen, man kann mit einem
O-Ausweis die Organspende auch ausschließen. Auch das
Kreuz kann im Falle eines Falles deinen Angehörigen helfen!

Sehr guter Hinweis!

Ich persönlich habe mich für die Organspende entschieden,
allerdings mit Einschränkungen. Ich will nicht, dass mir die
Augenhornhaut und die Gehörknöchelchen entnommen werden.

Magst Du mal erzählen, wieso ausgerechnet diese beiden, mithin am erfolgreichsten verpflanzten Teile des Menschen, Du nicht hergeben willst? Der Gedanke, daß Dein Herz, Deine Leber, Deine Nieren in einem andern Menschen weiterexistieren, beunruhigt Dich dagegen nicht? Ich finde das doch so erstaunlich, daß ich frage.

Wenn ich irgendwann mal anders denke - dann lege ich mir einen
neuen Ausweis zu und kreuze das entsprechende an.

Was ich demnächst in Angriff nehmen werde, ist eine
Patientenverfügung…

Sehr gut! An der Stelle ein Hinweis: Die Sache mit den Patientenverfügungen ist ja immer noch recht unsicher. Daher ist es mehr als empfehlennswert auch weitreichendere Bevollmächtigungen auszustellen, für all die Fälle, und um solche dreht es sich ja meist, wo man sich mit den Ärzten nicht mehr selbst darüber streiten kann.

Allzeit gute Fahrt!

Avera

die auch mal Motorrad gefahren ist

Hi du

Magst Du mal erzählen, wieso ausgerechnet diese beiden, mithin
am erfolgreichsten verpflanzten Teile des Menschen, Du nicht
hergeben willst? Der Gedanke, daß Dein Herz, Deine Leber,
Deine Nieren in einem andern Menschen weiterexistieren,
beunruhigt Dich dagegen nicht? Ich finde das doch so
erstaunlich, daß ich frage.

Eigentlich möchte ich meine Entscheidungen in dieser Hinsicht zweiten nicht gegenüber begründen. Ich könnte jetzt hier einfach schreiben das ich mit meinem Körper mache was ich möchte, und nicht was andere wollen. Ganz so einfach habe ich es mir aber nicht gemacht. Ich kann nicht ganz genau begründen warum ich das nicht möchte, aber irgendwie ist es einfach so das ich mit dem Gedanken, dass mir Hornhaut und Gehörknöchelchen entnommen werden, nicht wirklich glücklich bin. Herz, Niere, Lunge, Haut, Leber und mit all dem anderen habe ich deutlich weniger Probleme, warum weiß ich nicht.

Und wenn es Wahlmöglichkeiten gibt, warum nicht was ausschließen? Das ganze ist und bleibt immerhin meine alleinige Entscheidung die ich nur vor mir zu rechtfertigen habe.

Gruss,
Julia

PS: ich hatte zurerst überlegt ein NEIN anzukreuzen.

Hallo Julia,

mir geht es nicht um das Begründen. Jeder entscheide, wie er mag. Ich habe nach Deinem Posting mit einigen leuten, darunter auch Organspende-Zweiflern gesprochen. Und selbst diese sagten, das Einzige was sie ich vorstellen könnten, wäre Hornhaut und Gehörknöchelchen. Ich empfand das von Dir Geschriebene einfach irritierend und deshlab wollte ich nachfragen. Begründen oder gar rechtfertigen mußt Du selbstverständlich nichts.

Und wenn es Wahlmöglichkeiten gibt, warum nicht was
ausschließen? Das ganze ist und bleibt immerhin meine
alleinige Entscheidung die ich nur vor mir zu rechtfertigen
habe.

Absolut!

Danke, daß Du trotzdem geantwortet hast!

Liebe Grüße

Avera

Hey Peter und ihr alle!
Vorab erstmal: Nein, ich gucke nicht diese komischen Arztserien und den Film da werd ich mir auch nicht anschauen.
Ihr habt mich jetzt allerdings überzeugt, dass nichts gegen so einen Spenderausweis spricht, ich find das ist echt ne soziale Sache, sich so einen Ausweis anzulegen!

Natürlich würde ich niemanden sterben lassen, um einen anderen zu retten. Man hat ja wohl auch ein Recht auf seine eigenen Organe, will ich mal hoffen.

Naja, irgendwie kam mir mal dieser Gedanke da, aber gut, euren Erklärungen nach ist das ja äußerst unwahrscheinlich. Sehr Beruhigend!

Und an meinem Berufswunsch wird sich auch so schnell nichts ändern. :smile:

Gruß, Jana