Organspender - Prothese

Hallo liebe Wissende,

anläßlich einer Diskussion im Kollegenkreis ist folgendes Problem aufgetaucht:
Angenommen, jemand ist Organspender mit entsprechendem Kärtchen in der Brieftasche. Dieser Jemand hat z.B. ein künstliches Hüftgelenk erhalten und kommt kurz darauf bei einem Unfall zu Tode.
Könnte neben den anderen noch brauchbaren Organen auch das Hüftgelenk (oder auch andere „Ersatzteile“) wiederverwendet werden?
Gewiß, die Frage ist etwas makaber, aber vielleicht kennt sich da jemand aus.

Für alle Antworten dankt schon mal
Frank

Hallo Frank,

theoretisch könnte man das machen. Aber es wird nicht gemacht.
Wenn jemand eine TEP (= Total Endo Prothese) braucht, so bekommt er ein nagelneue. Zum Glück ist man nicht in dem Notstand, bereits implantierte Gelenke u.ä. wiederzuverwenden, da es auch viel umkomplizierte ist eine Tüte aufzumachen, in dem das Teil drin ist, anstelle es in einer Operation aus einem Menschen herauszuschneiden.

Bei einer Einässerung des Toten werden eventuelle Metallteile im Körper wieder dem Altmetal hinzugefügt und recycled.

Gruss levi

Hallo ihr zwei,
ja es stimmt das Implantate nicht wiederverwendet werden aber nicht weil es unkomplizierter ist eine " Tüte " aufzureißen sondern weil die Impantate bei der OP beschädigt werden und unmöglich von Knochenkleber sowie Knochengewebe zu reinigen sind und dann vom Körper nicht mehr angenommen werden.

lg Merlin

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Nachfrage
Hallo,

ja es stimmt das Implantate nicht wiederverwendet werden aber
nicht weil es unkomplizierter ist eine " Tüte " aufzureißen
sondern weil die Impantate bei der OP beschädigt werden und
unmöglich von Knochenkleber sowie Knochengewebe zu reinigen
sind und dann vom Körper nicht mehr angenommen werden.

hm… wäre mir neu. Ich denke da jetzt mal zB an Metallentfernung nach einer abgeheilten Fraktur. Da können Platten und Schrauben den Patienten nach erfolgreicher Entfernung wieder mitgegeben werden. Vorher werden sie gereinigt und sahen - soweit ich das gesehen habe - hochpoliert und glänzend aus. Da waren jetzt keine Reste von Gewebe oder so.

Soweit ich weiss, werden Hüft-TEP in den Knochen zementiert. Manchmal ist es ja so, dass nach einer möglichen Infektion des Knochen nach dem implantieren das Gelenk wieder entfernt werden und ein neues wieder eingesetzt werden muss. Ich glaube nicht, dass der von dir genannte Grund ist. Endoprothesen können, selbst wenn organisches Gewebe auf ihnen sitzt, gereinigt und sterilisiert werden und theorethisch wieder verwendet werden. Die Oberfläche einer Hüft-TEP ist ja glatt und manche Menschen haben sie jahrzehnte im Körper.

Das Metall (bis auf allergische Reaktionen) vom Körper abgestoßen wird kenn ich so nicht. Lass mich aber sehr gerne eines besseren belehren : )

Weiter stell ich mir vor, dass zwei Operationen nötig sind um das Implantat von einem zum anderen zu bringen. Und das wäre ja nicht effizient. Du müsstest zweimal den OP-Saal bestücken, brächtest zweimal Instrumente, zweimal Personal. Es ist also weitaus billiger und weniger zeitaufwendig, wenn du einfach ein neues Fabrikneues Implantat einsetzen würdest.

Stell ich mir zumindestens so vor.

Grüsse levi

sondern weil die Impantate bei der OP beschädigt werden und
unmöglich von Knochenkleber sowie Knochengewebe zu reinigen
sind und dann vom Körper nicht mehr angenommen werden.

hm… wäre mir neu. Ich denke da jetzt mal zB an
Metallentfernung nach einer abgeheilten Fraktur. Da können
Platten und Schrauben den Patienten nach erfolgreicher
Entfernung wieder mitgegeben werden. Vorher werden sie
gereinigt und sahen - soweit ich das gesehen habe -
hochpoliert und glänzend aus. Da waren jetzt keine Reste von
Gewebe oder so.

Hallo, kleiner Ausflug in mein aktuelles Arbeitsgebiet: Implantatgeschichte, ok, wobei ich eher mit MArknägeln zu tun hab.
http://www.museen-sh.de/ml/digi_einzBild.php?pi=19_2…

Platten sind auch was anderes als TEP, denn die sind von sich aus wesentlich glatter, und werden auch nicht einzementiert, sondern lediglich auf den Knochen aufgeschraubt, die könnte man rein theoretisch wiederverwenden (hat man früher auch, so bis in die 50ger Jahre), allerdings werden Platten für den einzelnen Patienten meist noch etwas (minimal) zurechtgebogen, damit sie optimal passen und es ist ordentlich Druck auf dem Metall bei der Belastung, sprich das GEfüge ändert sich und bei Wiederbenutzung wären sie weicher als beim ersten Pat.
Ausserdem ist es auch so, dass Metalle und Gewebe miteinander reagieren, sehen kann man das daran, wenn die Platten so leicht mattfleckig werden, allerdings ist das eher früher als man noch Stahl nahm der Fall gewesen.

Soweit ich weiss, werden Hüft-TEP in den Knochen zementiert.
Manchmal ist es ja so, dass nach einer möglichen Infektion des
Knochen nach dem implantieren das Gelenk wieder entfernt
werden und ein neues wieder eingesetzt werden muss.

Ja, es kann sein, dass irgendwoher Bakterien kommen und das Einwachsen der TEP verhindern, mit dem Resultat das die Prothese locker wäre, also muß die raus und eine andere/größere rein.

Endoprothesen
können, selbst wenn organisches Gewebe auf ihnen sitzt,
gereinigt und sterilisiert werden und theorethisch wieder
verwendet werden. Die Oberfläche einer Hüft-TEP ist ja glatt
und manche Menschen haben sie jahrzehnte im Körper.

Nein, wenn sie rausgeholt wurde, dann sieht sie so aus, also wie die drei mit den Zementresten
http://www.museen-sh.de/ml/digi_einzBild.php?pi=19_2…

Der sitzt fest und kann nicht entfernt werden. Zementiert werden im Übrigen die glatten Modelle. Es gibt auch Prothesen die werden nicht einzementiert, die sind an der Oberfläche rauh, damit da Knochen einwachsen kann, aber die müssen, wenn denn knochen angewachsen ist auch brutalst entfernt werden, wodurch sie beschädigt werden.
http://www.museen-sh.de/ml/digi_einzBild.php?pi=19_2…
auch eine rausoperierte, man beachte die Ablagerungen entlang der rauen Fläche, da hat sich das Metall verändert, ist also nicht abwaschbar, auch wenn sie an sich noch ganz gut aussieht, von Ferne.

Das Metall (bis auf allergische Reaktionen) vom Körper
abgestoßen wird kenn ich so nicht. Lass mich aber sehr gerne
eines besseren belehren : )

Titan wird i.a. nicht abgestoßen, aber es kann Entzündliche Prozesse geben, die bei missglückter OP passieren können. Als es noch Stahlprothesen gab, wurde das auch rein vom Körper mal abgestossen.
Viel eher gibt es eben Abbauprozesse, wo die Oberfläche des Metalls vom Körper beeinflusst wird, wie wenn du ein Ei in Cola legst.

Weiter stell ich mir vor, dass zwei Operationen nötig sind um
das Implantat von einem zum anderen zu bringen. Und das wäre
ja nicht effizient. Du müsstest zweimal den OP-Saal bestücken,
brächtest zweimal Instrumente, zweimal Personal. Es ist also
weitaus billiger und weniger zeitaufwendig, wenn du einfach
ein neues Fabrikneues Implantat einsetzen würdest.

Naja, das ist weniger der Grund, denn die Instrumente für die OP kannst du mehrfach verwenden, also einmal zum Rausholen, dann Sterilisieren, und dann wieder zum reinoperieren… und du sparst dann eben die neue Prothese. Das Personal brauchst du eh, wenn der eine Pat. eine loswerden muss und der andere eine bekommen muss.
Wirtschaftlich wäre es also.
Aber es ist medizinisch unhygienisch, ausserdem besteht das Risiko, dass die Prothese nicht mehr hält was sie verspricht und im Fall von zementierten lassen die sich auch kaum reinigen, ausser mit Hammer und Meissel, was wieder die Oberfläche kaputtmacht.
Dabei ist gerade der Gelenkkopf bei einer neuen Prothese so spiegelglatt, dass ein Kratzer darauf die Prothese untauglich macht, denn dann würde das Gelenk nicht mehr flutschen. Deshalb haben die Dinger in der OVP auch ein kleines Baumwollmützchen auf.

Gruß Susanne

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Danke Susanne,

besser hätte ich es nicht beschreiben können.

Ich kann das nur durch meine Arbeit bestätigen, ich arbeite zur zeit im Sterri und diese Prothesen sind unmöglich sauber zu machen. wenn die einmal eingebaut waren, es gab bei uns mal den Fall das diese Dinger ausversehen bei uns gelandet sind und mein Kollege hat sie ausgepackt und gewaschen danach waren die Schrott, weil mikroskopisch kleine Kratzer in der Oberfläche waren, das hat laut Hygieniker gereicht das die nicht mehr zu verwenden wahren, Oh man war das ein Drama.

lg Merlin

Super Artikel!
Hallo Susanne,

vielen Dank für diesen sehr aufschlussreichen Artikel. Werde ihn mir ausdrucken und ihn in meine Praxisanleiter Mappe mit reinlegen.

Danke sehr!
Gruss levi