Orthogravie

Liebe Liebhaber der deutschen Sprache,

in meinem Küchenkalender hab ich eben folgendes Gedicht von unserem Sprachgenie Heinz Erhardt (der sich leider selber durch unsagbar schlechte Filme diskreditiert hat) gefunden und wollte es euch nicht vorenthalten, nimmt es doch viele Aspekte der Sprachkritelei hoch.

Gandalf

Rechtschreibung

Delfine schwimmen schnell und leis
(man schreibt sie mit „ph“ - ich weiß
doch schreibt man ja auch Tele"f"on,
und das bereits seit langem schon)-
sie schwimmen ( wie gesagt, mit „f“)-
sie schwimmen - vorn ihr alter Scheff
(wir schreiben schließlich auch „Schofför“)-
sie schwimmen also durch das Meer.

Was heißt durchs „Meer“? - Sogar durch „Meere“!
Und manche altgediente Mähre,
wie überhaupt so manches Ferd
(mit „V“ wär es total verkehrt)
glaubt, es sei schnell wie ein Delphien!
(Das zweite „e“ ist schlecht für ihn.)

Orthogravieh - das sieht man hier -
ist nicht ganz leicht für Mensch und Tier

Heinz Erhardt

hallo gandalf,

zum thema rechtschreibdeform habe ich auch noch einen passenden text, leider weiß ich den verfasser nicht.
punkt 1 setze ich schon seit geraumer zeit in die tat um, wie unschwer zu erkennen, aber das ist mehr faulheit (und unhöflich… ich weiß)

viele grüße,
fabienne


Aus aktuellem Anlaß nun die „Fünf Schritte zur modernen Orthografie“

Erster Schritt:

Wegfall der Großschreibung.

einer sofortigen einführung steht nichts im weg, zumal schon grafiker und werbeleute zur kleinschreibung übergegangen sind.

zweiter schritt:

wegfall der dehnungen und schärfungen.

dise masname eliminirt schon di gröste felerursache in der grundschule, den sin oder unsin unserer konsonantenverdopelung hat onehin nimand kapirt.

driter schrit:

v und ph werden durch f - z, tz und sch durch s ersetzt.

das alfabet wird um swei buchstaben redusirt, sreibmasinen und sesmasinen fereinfachen sich, wertfole arbeitskräfte könen der wirtsaft sugefürt werden.

firter srit:

q, c und ch werden durch k - j und y durch i - pf durch f ersest.

iest sind son seks bukstaben ausgesaltet, di sulseit kan sofort fon neun auf swei iare ferkürst werden. anstat aksig prosent rektsreibeunterikt könen nüslikere fäker wi fisik, kemi oder reknen ferstärkt gelert werden.

fünfter srit:

di seiken ä, ö und ü werden durk a, o und u ersest.

ales uberflusige ist iest ausgemerst. di ortografi ist wider slikt und einfak. naturlik benotigt es einige seit, bis dise fereinfakung uberal riktig verdaut ist, fileikt sasungsweise ein bis swei iare. anslisend durfte als nakstes sil di fereinfakung der nok swirigen und unsinigeren gramatik anfisirt werden.

hallo gandalf und fabienne

„Fünf Schritte zur modernen Orthografie“

Ist eine Satire aus den 70ern, vermutlich aus „Pardon“,
wieder aufgegriffen von: „Ze do Rock, Fom winde verfeelt“
Spaßiges Büchlein!

Und ich bleibe dabei: Wer über die neue mäkelt, beherrschte auch die alte nicht!

Gruß Fritz

Hallo Gandalf,

vielen Dank für die erbauliche Morgenlektüre, Erhardt ist doch immer wieder ein paar Lacher wert.

Gruß
Susi

Liebe Liebhaber der deutschen Sprache,

in meinem Küchenkalender hab ich eben folgendes Gedicht von
unserem Sprachgenie Heinz Erhardt (der sich leider selber
durch unsagbar schlechte Filme diskreditiert hat) gefunden und
wollte es euch nicht vorenthalten, nimmt es doch viele Aspekte
der Sprachkritelei hoch.

Hallo Gandalf, du siehst das falsch, dank Heinz Erhardt kann man die Filme überhaupt schauen.

Gruss HaegarCH

Dem zur Zeit besonders das Gedicht über die Nase nahe geht.

je nun…

Wer über die neue mäkelt, beherrschte
auch die alte nicht!

Ich würde mal sagen: Ich mäkele nicht über die neue. Ich ignoriere sie einfach.

Aber das ist eher eine filosofische Frage. :stuck_out_tongue:

Lieber Gruß,
Nike

ignorieren
hallo nike,

Ich würde mal sagen: Ich mäkele nicht über die neue. Ich
ignoriere sie einfach.

ich auch. aber manchmal kann man’s eben nicht. z.b. dienstliche post zu schreiben. oder bewerbungen. macht keinen guten eindruck.

aber privat: boykott. ich weiß die regeln immer noch nicht.

viele grüße,
fabienne

servus fabienne,

ich auch. aber manchmal kann man’s eben nicht. z.b.
dienstliche post zu schreiben. oder bewerbungen. macht keinen
guten eindruck.

einen noch schlechteren Eindruck macht es allerdings, wenn man die 08/15 Regel mit ß und ss zwar kann und benutzt, aber dann „Paragraph“ schreibt und Kommata vor erweiterte Infinitive setzt oder „zur Zeit“ getrennt schreibt. Ich finde, das wichtigste ist die Einheitlichkeit der Schreibung. Und dann macht auch die alte Rechtschreibung keinen schlechten Eindruck. Rechtschreibung hat schließlich nichts mit Offenheit für Innovationen zu tun, sondern ist Ausdruck der persönlichen Sprachkultur.

Übrigens: ich beherrsche - bis auf ganz wenige Regeln - die alte Rechtschreibung sehr wohl! Und trotzdem mäkele ich. Gegenthese: Wer über die neue nicht mäkelt, hat kein Sprachgefühl!

ciao,
erik

geschenkt!

Gegenthese: Wer über die neue nicht mäkelt, hat kein
Sprachgefühl!

suum cuique!

Diese Freiheit bot die „alte“ übrigens nicht!

Gruß Fritz

Hallo Erik,

einen noch schlechteren Eindruck macht es allerdings, wenn man
die 08/15 Regel mit ß und ss zwar kann und benutzt, aber dann
„Paragraph“ schreibt und Kommata vor erweiterte Infinitive
setzt oder „zur Zeit“ getrennt schreibt. Ich finde, das
wichtigste ist die Einheitlichkeit der Schreibung.

Jein. Mit deinem Credo zu den Kommaregeln stimme ich nicht überein. Anfangs haben viele Verlage die Devise ausgegeben, die Kommas so modern wie möglich zu setzen, sprich: alle wegzulassen, die man weglassen kann. Da sich die Produkte als ziemlich unlesbar entpuppt haben, ist man jetzt zur Devise „so konservativ wie möglich“ übergegangen. Ich setze praktisch immer vor erweitertem Infinitiv ein Komma, denn meist hilft das beim Einteilen in lesbare Sinneinheiten weiter. Auch finde ich, dass man ruhig weiter Paragraph schreiben kann/soll. In den Fällen, wo man muss, wird neu geschrieben und in den anderen Fällen entscheide ich nach Geschmack, dabei muss man natürlich eine persönliche Linie finden und z.B. nicht mal „in Frage“ und mal „infrage“ schreiben.

Übrigens: ich beherrsche - bis auf ganz wenige Regeln - die
alte Rechtschreibung sehr wohl! Und trotzdem mäkele ich.
Gegenthese: Wer über die neue nicht mäkelt, hat kein
Sprachgefühl!

Ich finde an der neuen RS einiges zu bemäkeln, aber an der alten mindestens ebenso viel. Ich finde das witzig, dass all die Glossen und Satiren über die RS aus Vorreformjahren völlig in Vergessenheit geraten sind. Auf einmal scheint allen das alte Flickwerk als Stein der Weisen und harmonisches Ganzes. Ist doch alles Kappes! Außerdem hat für mich Sprachgefühl mehr mit Formulierungen zu tun als mit Schreibungen.

Viele Grüße
Susi

Liebe Susi,

da sind wir wohl völlig verschiedener Meinung. Ich habe gestern einen Bericht durchgelesen und es haben sich mir die Zehennägel gekringelt, weil einerseits ach so modern ss geschrieben wurde, Kommata wurden mal so, mal anders oder am besten gar nicht gesetzt, und 16jährig wurde ohne Bindestrich geschrieben. Ein Rosinenpicken zwischen beiden RS finde ich einfach peinlich, man redet ja auch nicht halb deutsch, halb englisch (außer, man arbeitet im Marketing…)

Du hast aber total recht mit den Kommaregeln. Die Sätze in Zeitungen sind teilweise absolut unlesbar.

ciao,
erik

Lieber Erik,

da sind wir wohl völlig verschiedener Meinung. Ich habe
gestern einen Bericht durchgelesen und es haben sich mir die
Zehennägel gekringelt, weil einerseits ach so modern ss
geschrieben wurde, Kommata wurden mal so, mal anders oder am
besten gar nicht gesetzt, und 16jährig wurde ohne Bindestrich
geschrieben. Ein Rosinenpicken zwischen beiden RS finde ich
einfach peinlich, man redet ja auch nicht halb deutsch, halb
englisch (außer, man arbeitet im Marketing…)

Du hast aber total recht mit den Kommaregeln. Die Sätze in
Zeitungen sind teilweise absolut unlesbar.

Wenn ss statt ß, dann auch 16-jährig, das ist klar, da sind wir uns einig. Aber die Kommaregeln sind einfach nur liberalisiert worden, genau wie die Trennungsregeln. Da lege ich mich (ganz innerhalb der neuen RS) auf eine Linie fest und ziehe die durch, das ist kein Widerspruch, finde ich. Ich muss ja auch Stängel schreiben, aber kein Mensch kann mich dazu bringen, Portmonee zu schreiben, denn da haben sie mir zum Glück die Wahl gelassen.

Grüße
Susi