Orthorexie

Hallo,

unter http://de.wikipedia.org/wiki/Orthorexie (und dann bis zum Kapitel Orthorexie runter) wird eigentlich m.E. der Idealzustand meiner Diätanstrengungen beschrieben. Zwar bin ich noch nicht beim Kalorienzählen, da ich in unserer Kantine keine Waage auspacken möchte, aber überschlägig weiss ich schon ein paar Lebensmittel einzuordnen.

Das Lesen des Kapitels war wie ein Schlag mit einem Hammer für mich, da Wikipedia zwar nicht generell, aber tendenziell ein objektiver Stil zugesprochen wird.

Sicherlich sind keine Gedanken auch keine Lösung. Was haltet ihr von diesem „Krankheitsbild“.

Gruß
achim

Hin achim,

trifft die Beschreibung

Bei dieser Essstörung verbringen manche Betroffenen mehrere Stunden täglich damit, Vitamingehalt und Nährwerte zu berechnen und Lebensmittel auszuwählen.
denn auf Dich zu? Wenn nicht, verstehe ich Deine Aufregung nicht. Und was an dem Artikel unsachlich wäre, erkenne ich auch nicht. Wo hakt es denn?

Gruß Ralf

Hi Achim.

Als ich vor einigen Monaten den ersten Bericht über diese „Krankheit“ in einer Zeitschrift las, beschloss ich, ihn zu meiner Kuriositätensammlung zu heften - denn genau da gehört er meiner Meinung nach hin! Zwischen Berichten über „gesundes Fastfood“, die „schlimmen Nebenwirkungen der Naturheilkunde“, „gesundes Ketchup“, „krankmachendes Bio-Obst“… und vielen weiteren Meldungen über die Wirren des Wohls für die Gesunderhaltung. Besonders gut gefallen hat mir in diesem Artikel der Satz, dass es den Betroffenen ja eigentlich gut geht und sie gar nicht merken, dass sie krank sind… Also aus meiner Sicht musst Du Dir keine Gedanken darüber machen daran zu „erkranken“

Beste Grüße
Lothar

hallo,

in der medizinischen psychologie trifft noch mehr das zu, was auch für die medizin allgemein gilt, hier aber durch die noch stärkere subjektivität grössere bedeutung hat: krankheit als solche wird erst durch deren definition ‚wirklich‘.

falls du auf der suche nach weiteren beispielen für ‚neue‘ diagnosemöglichkeiten im bereich von essstörungen bist:
http://www.something-fishy.org/whatarethey/other.php
findest du auch da etwas :wink:?

nach solcherlei relativierung:
für mich denke ich, dass es das symptom durchaus gibt, ich erlebe es immer wieder aber hauptsächlich in den usa. dort ist das ja auch durch entsprechende zeitschriften die sich ausschliesslich mit länger leben etc. beschäftigen ein noch grösserer ‚markt‘ als hier, und es hat noch stärker die div. anderen extreme.

Zwar bin
ich noch nicht beim Kalorienzählen, da ich in unserer Kantine
keine Waage auspacken möchte, aber überschlägig weiss ich
schon ein paar Lebensmittel einzuordnen.

naja, also nur weil du nahrungsmittel in ihrem kcal-gehalt einzuordnen weisst täte ICH (falls es noch nicht klar wurde, solcherlei diagnosen halte ich immer und a priori für subjektiv…) dich nicht als orthorektisch bezeichnen.

krank fände ich, wenn du zwar nicht eigtl. bulimisch bist (=kotzt weil du kcals zu dir genommen hast) aber kotzt weil du im heisshunger darauf junkfood gegessen hast.

Das Lesen des Kapitels war wie ein Schlag mit einem Hammer für
mich, da Wikipedia zwar nicht generell, aber tendenziell ein
objektiver Stil zugesprochen wird.

ich wäre da vorsichtig…

Sicherlich sind keine Gedanken auch keine Lösung. Was haltet
ihr von diesem „Krankheitsbild“.

ja, das gibts, wenn es genügend leute glauben :wink:

hth,

stefan

Hallo Ralf,

vielen Dank für Deine Antwort.

Hin achim,

trifft die Beschreibung denn auf Dich zu?
Wenn nicht, verstehe ich Deine Aufregung nicht

nein, noch nicht, aber ich dachte dass jedes langfristige Diätbestreben „natürlich“ langfristig dort endet.

Und was an dem Artikel unsachlich wäre, erkenne ich
auch nicht. Wo hakt es denn?

Ganz im Gegenteil, ich gehe ja davon aus, dass er sachlich richtig ist. Gerade das, bzw. der Kontrast zwischen meinen Vorstellungen und diesem Krankheitsbild haben mich ja so überrascht.

Gruß
achim

Hi achim,

ich dachte dass jedes langfristige
Diätbestreben „natürlich“ langfristig dort endet.

dazu kann es möglicherweise kommen, wenn ein Kontrollfreak abnehmen möchte, das muss aber nicht sein. Ich schaue nicht auf Kalorien, sondern versuche möglichst nah am Gewachsenen zu bleiben - je mehr die Lebensmittelindustrie die Finger drin hat, desto weniger weiß ich, was ich mir antue. Außerdem ist die Zubereitung ja selbst ein Fest für die Sinne. Vergleiche mal das Aufreißen einer Folie über Styropor (Vorsicht, Nase aus dem Fenster halten) mit dem Erlebnis, 15 Minuten lang Spätzle ins Wasser zu schieben.

Gruß Ralf

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Hallo Achim,

"Zusätzlich erschwert wird die Situation durch die Orthorexie-immanente Einstellung, anderen moralisch, ethisch und gesundheitlich überlegen zu sein, und die stets fehlende Krankheitseinsicht. Dieses Fehlen macht ein sachliches Argumentieren und neutrale Information von Orthorektikern zu real gesunder Ernährung unmöglich.

Bei dieser Essstörung verbringen manche Betroffenen mehrere Stunden täglich damit, Vitamingehalt und Nährwerte zu berechnen und Lebensmittel auszuwählen. Die Auswahl der „erlaubten“ Lebensmittel wird immer geringer. Der Genuss am Essen verringert sich immer mehr, weil die Gedanken nur noch um das Essen, Kalorienzählen, Vitamine, Mineralstoffe und um die Gesundheit kreisen.

Negative Folgen sind oft ein zu niedriges Körpergewicht und soziale Isolation, weil neben Selbstgerechtigkeit und vermeintlicher moralischer Überlegenheit auch Gesellschaften gemieden werden, da dort nicht mitgegessen werden kann. Gesunde Menschen werden häufig als „Schlechtkostesser“ bezeichnet."

Aus dem von dir genannten Wikipedia-Artikel.

Die Existenz solcher Menschen kann ich dir aus meinem Alltag im Bioladen nur bestätigen. Diese Kunden sind sehr anstrengend. An guten Tagen habe ich Mitgefühl, an schlechten Tagen würde ich sie manchmal gerne anschreien und wachrütteln. Als ob das was helfen würde …

„Psychologen wissen schon lange, dass bestimmte Menschen Ideologien oder dogmatischen Weltanschauungen verfallen, weil diese einen Schutzwall errichten - gegen die Orientierungslosigkeit, das Gefühl der Leere oder schlicht gegen die Angst vor dem Leben.“

Das ist ein sehr gutes Fazit imho.

Ob das bei dir alles zutrifft in dieser ganzen Extremität kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber dass du darüber reflektierst, spricht eher dagegen. Die Menschen denen ich dieses Krankheitsbild zuordne, sind nicht in der Lage ihre eigene Situation kritisch zu beäugen.

Ich persönlich finde nichts schlechtes dabei, sich über den Zustand der Nahrung die man zu sich nimmt Gedanken zu machen und dementsprechend zu handeln. Solange man andere Vorstellungen tolerieren und akzeptieren kann und nicht missionarisch tätig wird. Man grenzt sich ja immer von bestimmten Gruppen aus, der eine verabscheut laute Musik, der nächste verrauchte Kneipen, der dritte klassische Musik, der andere jegliche sportliche Betätigung … so kann man sich auch mit denen zusammen tun deren Ernährungsstil man teilt. Wenn man denn so möchte…

Jedem Tierchen sein Plaisierchen. :smile:

und …

Man ist immer so krank wie man sich fühlt.

lg
Karin

hallo karin,

heute mal hier, aber schon wieder ich…dies:

„Psychologen wissen schon lange, dass bestimmte Menschen
Ideologien oder dogmatischen Weltanschauungen verfallen, weil
diese einen Schutzwall errichten - gegen die
Orientierungslosigkeit, das Gefühl der Leere oder schlicht
gegen die Angst vor dem Leben.“

hat mich an einen artikel im sz-magazin vor einiger zeit erinert (rauchen, gesundheit & co). grundtenor dort: unsere gesellschaft kennt im ggs. zu den früheren keine grundwerte mehr, die schichtübergreifend allgemeingut sind; ausser der gesundheit, diese und ihr wertigkeit / schutzbedürftigkeit ist das einzige was es in diesem feld noch gibt.

dadurch erklärt sich dann der mittelalterlich-pseudo-religiöse umgang mit diesem thema, das verdammen(!) der raucher, die verzerrte wahrnehmung (bsp: umgang mit übergwicht vs. rauchen i.d. usa), etc. pp.

…aber immerhin: es bringt dir kundschaft…
aber ich kann dich verstehen, als vegetarier (aus verteilungsgerechtigkeitsgründen & geschmack) komme ich immer wieder in kontakt mit eben solchen die diesen missionarischen impetus haben…wenn ich fleischesser wäre würde ich die (mit der den fleischessern stereotyp attribuierten aggressivität) an die wand klatschen :wink:

so long,

stefan

Hallo Stefan :smile:

hat mich an einen artikel im sz-magazin vor einiger zeit
erinert (rauchen, gesundheit & co). grundtenor dort: unsere
gesellschaft kennt im ggs. zu den früheren keine grundwerte
mehr, die schichtübergreifend allgemeingut sind; ausser der
gesundheit, diese und ihr wertigkeit / schutzbedürftigkeit ist
das einzige was es in diesem feld noch gibt.

dadurch erklärt sich dann der mittelalterlich-pseudo-religiöse
umgang mit diesem thema, das verdammen(!) der raucher, die
verzerrte wahrnehmung (bsp: umgang mit übergwicht vs. rauchen
i.d. usa), etc. pp.

Sehr interessante Argumentationskette! Gesundheit als „Ersatz- Religiösität“, so habe ich das bisher noch nicht betrachtet. Aber mir kamen da sofort ein paar Kunden in den Sinn. Da habe ich ja wieder was zum Nachdenken (und Ablenken *g* Thread High Jacking: die neuen Kernspin Bilder von heute sind schlimmer als befürchtet).

…aber immerhin: es bringt dir kundschaft…

Jupp :smile: Aber nur ein geringer Teil, gar winzig an der gesamten Kundenanzahl gesehen. Aber sie stechen halt aus der Masse heraus und sind damit sehr auffällig. Um nicht zu sagen zeit-intensiv. Dafür bekommt man aber auch sehr viel an Informationen zurück. Auch gut. :smile:

aber ich kann dich verstehen, als vegetarier (aus
verteilungsgerechtigkeitsgründen & geschmack) komme ich immer
wieder in kontakt mit eben solchen die diesen missionarischen
impetus haben…wenn ich fleischesser wäre würde ich die (mit
der den fleischessern stereotyp attribuierten aggressivität)
an die wand klatschen :wink:

Komisch, dass ich als Fleischesser so eine Engeslgeduld habe. Tststs, immer diese verbitterten Vegetarier. *frech grins und schnell um die ecke schwimm*

Bis demnächst

Karin