Hallo Achim,
"Zusätzlich erschwert wird die Situation durch die Orthorexie-immanente Einstellung, anderen moralisch, ethisch und gesundheitlich überlegen zu sein, und die stets fehlende Krankheitseinsicht. Dieses Fehlen macht ein sachliches Argumentieren und neutrale Information von Orthorektikern zu real gesunder Ernährung unmöglich.
Bei dieser Essstörung verbringen manche Betroffenen mehrere Stunden täglich damit, Vitamingehalt und Nährwerte zu berechnen und Lebensmittel auszuwählen. Die Auswahl der „erlaubten“ Lebensmittel wird immer geringer. Der Genuss am Essen verringert sich immer mehr, weil die Gedanken nur noch um das Essen, Kalorienzählen, Vitamine, Mineralstoffe und um die Gesundheit kreisen.
Negative Folgen sind oft ein zu niedriges Körpergewicht und soziale Isolation, weil neben Selbstgerechtigkeit und vermeintlicher moralischer Überlegenheit auch Gesellschaften gemieden werden, da dort nicht mitgegessen werden kann. Gesunde Menschen werden häufig als „Schlechtkostesser“ bezeichnet."
Aus dem von dir genannten Wikipedia-Artikel.
Die Existenz solcher Menschen kann ich dir aus meinem Alltag im Bioladen nur bestätigen. Diese Kunden sind sehr anstrengend. An guten Tagen habe ich Mitgefühl, an schlechten Tagen würde ich sie manchmal gerne anschreien und wachrütteln. Als ob das was helfen würde …
„Psychologen wissen schon lange, dass bestimmte Menschen Ideologien oder dogmatischen Weltanschauungen verfallen, weil diese einen Schutzwall errichten - gegen die Orientierungslosigkeit, das Gefühl der Leere oder schlicht gegen die Angst vor dem Leben.“
Das ist ein sehr gutes Fazit imho.
Ob das bei dir alles zutrifft in dieser ganzen Extremität kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber dass du darüber reflektierst, spricht eher dagegen. Die Menschen denen ich dieses Krankheitsbild zuordne, sind nicht in der Lage ihre eigene Situation kritisch zu beäugen.
Ich persönlich finde nichts schlechtes dabei, sich über den Zustand der Nahrung die man zu sich nimmt Gedanken zu machen und dementsprechend zu handeln. Solange man andere Vorstellungen tolerieren und akzeptieren kann und nicht missionarisch tätig wird. Man grenzt sich ja immer von bestimmten Gruppen aus, der eine verabscheut laute Musik, der nächste verrauchte Kneipen, der dritte klassische Musik, der andere jegliche sportliche Betätigung … so kann man sich auch mit denen zusammen tun deren Ernährungsstil man teilt. Wenn man denn so möchte…
Jedem Tierchen sein Plaisierchen. 
und …
Man ist immer so krank wie man sich fühlt.
lg
Karin