Oscar wilde`s grab

hallo,

ich war vor 2 tagen auf dem pariser friedhof „pere lachaise“, wo auch oscar wilde begraben liegt.
sein grabmahnmal ist übersät mit lippenstift-kussspuren.

keiner kann mir sagen, wieso ausgerechnet sein grabstein derartige „aufmerksamkeiten“ bekommt.
wer kam auf die idee?

alle artikel dazu im internet berichteten immer nur von den kusspruen, aber nicht davon, wer sie macht, und warum.

hat jemand eine vermutung?

Hey Jude,

hast Du das „Bildnis des Dorian Gray“ gelesen?

Ergänzend eventuell eine Biographie von Wilde, insbesondere betreffend dessen juristisch/strafrechtliche Karriere.

Schöne Grüße

MM

hallo heyjude,
ich fand nach etwas Zuwarten die (einzige) Antwort auf Deine Frage etwas karg, darum noch etwas mehr. Zumal ich vor vielen Jahren auf dem Père Lachaise dasselbe Phänomen beobachtet habe wie Du (und ich hatte etliche Gräber berühmter Leute aufgesucht, keines war so geschmückt, mit Blumen überhäuft usw.).
Erstmal: das Geheimnis der Beliebtheit ist Verwöhnung ( verwöhnte Leute sind immer beliebt) - so ähnlich hat O.Wilde selbst es formuliert. „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack - ich bin immer mit dem Besten zufrieden.“„Arbeit ist der Fluch der trinkenden Klasse“ - ein paar Proben seiner eleganten Formulierungskünste. Er war ein charmanter Gesellschafter, Liebling der englischen Gesellschaft seiner Zeit, spritziger Schriftsteller - sein Meisterwerk wohl der erwähnte Roman „Das Bildnis des Dorian Grey“, sonst v.a. Gesellschaftskomödien, Dramen - das Libretto der Oper Salomé von R. Strauß stammt von ihm - bis ihn eine homosexuelle Affaire mit einem jungen britischen Adeligen vor Gericht, dann ins Gefängnis brachte. Den Rest seines Lebens später lebte er, unter soweit ich weiß sehr ärmlichen Verhältnissen, in Paris. In den dunklen Zeiten seines Lebens schrieb er über diese schweren Zeiten, autobiographisch, „De profundis“.
Vielleicht wird sein Grab von den Menschen so geschmückt, die mehr Toleranz für ihn gewünscht hätten. Wie es scheint, entzückt er immer noch durch seinen Charme. I.

Père Lachaise - Kultstätten - off topic
Hallo beide,

dieses:

Zumal ich vor vielen
Jahren auf dem Père Lachaise dasselbe Phänomen beobachtet habe
wie Du (und ich hatte etliche Gräber berühmter Leute
aufgesucht, keines war so geschmückt, mit Blumen überhäuft
usw.).

nimmt mich jetzt doch etwas wunder. Ist Jim Morrison schon vergessen?

Keine rhetorische Frage: Ich war schon lang nicht mehr da, weil mir der Montmartre- und der Montparnasse-Friedhof viel besser gefallen; wenn ich in die Richtung komme, fahr ich gleich bis Buttes Chaumont…

Schöne Grüße

MM

Hallo beide,

dieses:

Zumal ich vor vielen
Jahren auf dem Père Lachaise dasselbe Phänomen beobachtet habe
wie Du (und ich hatte etliche Gräber berühmter Leute
aufgesucht, keines war so geschmückt, mit Blumen überhäuft
usw.).

nimmt mich jetzt doch etwas wunder. Ist Jim Morrison schon
vergessen?

Keine rhetorische Frage: Ich war schon lang nicht mehr da,
weil mir der Montmartre- und der Montparnasse-Friedhof viel
besser gefallen; wenn ich in die Richtung komme, fahr ich
gleich bis Buttes Chaumont…

hallo MM,
weiß ich nicht …war nicht an seinem Grab, wußte gar nicht, daß auch er dort begraben ist. War bei den „klassischen“ Leuten (Pleyel war mir ein besonderes Anliegen und mein Hauptziel) - schade, zu J.Morrisons Grab wäre ich auch gegangen, hätt ichs gewußt. War aber zu zeitknapp, um nach „allen Lieben“ zu suchen. Steig demnächst früher aus und schau selbst nach dem rechten …I.

Hallo und servus, Irmtraut:smile:

damit du das nächste Mal keinen vergisst:smile:)))

http://www.pere-lachaise.com/

Lieben Gruß aus Wien, jenny

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Liebe Jenny,
tausend Dank für Dein Link und flugs bin ich auf dem Père Lachaise spazierengehgangen - nochmal Pleyel, aber dann Kontrollgang zu Wildes Grab und reumütiger Bittgang zu Jim Morrison … und er hat tatsächlich nicht wenige Blumen da liegen ( scheints etwas mehr als derzeit Wilde, aber wer weiß, wann die Photos gemacht wurden). Also ist er nicht vergessen, selbst wenn ich ihn vergaß … ich hatte damals wenig Zeit und habe auch ein paar andere Leute nicht besuchen können. Ein ganz besonderes Anliegen war mir noch, die Pariser Commune zu besuchen. Ich hatte gehört, sie liegt auch dort. Aber weder fand ich sie damals noch heute trotz Deines tollen Link. Wahrscheinlich sind deren einzelne Mitglieder unter ihren jeweiligen Namen begraben.
Dir sehr sehr sehr vielen Dank, ich habe mir diesen Link aufgehoben. Wenn ich die Namen finde - hatte nie viel Zeit zum Suchen - hol ich diesen Besuch zumindest virtuell nach! Hätte Dir gern *** gegeben, darfs noch nicht. I.

Servus Irmtraut,

bevor wir mit diesem Thread ganz aus dem Brett geschasst werden:

Einer von sehr wenigen Kommunarden, der auf Père Lachaise namentlich begraben liegt, ist Eugène Pottier, Dichter der „Internationale“.

Der andere Zusammenhang von Père Lachaise mit der Kommune liegt in - wie es sich für revolutionäres Proletariat gehört - namenlos verscharrten Knochen, am „Mur des Fédérés“: Der Friedhof war im Mai 1871 einer der letzten von den Kommunarden gehaltenen Orten; die Verteidiger, die nicht gefallen waren, wurden am 28. Mai 1871 nach Gefangennahme am Mur des Fédérés erschossen.

Die Mauer ist seither neu errichtet. Die ursprünglichen Steine befinden sich heute an der Außenmauer, Square Samuel de Chaplain, in einem kleinen Denkmal vermauert.

Und nochmal ein kleines Stück Literatur, zur Empfehlung (aus Brel, „Les prénoms de Paris“):

„…Paris, je reviens!“

In diesem Sinne

MM

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hallo,MM,
danke für den einen Kommunarden, Hinweise auf Verbleib der übrigen,
und Deine Aufmerksamkeit! Gruß, I.