Oskar Schindler und der SD

Hallo,

Schindler ging ja 1939 bekanntlich als Agent
des Heydrich’schen SD nach Krakau, mit dem
Auftrag, Informationen über Wehrmachts- und
Polizeimitarbeiter für den SS-Nachrichten-
dienst einzusammeln.

Ist etwas
a) über diese Arbeit bekannt,
b) über die Mitgliedschaft Schindlers in der SS bekannt?

Wenn er für den SD arbeitete, aber nicht
in der SS war, war er ja praktisch - ein Spitzel?

Grüße

CMБ

Hallo,

so viel ich weiß, wurde die Deutsche Abwehr erst 1944 unter die Herrschaft der Wehrmacht (und somit auch des SD) gestellt. Deshalb ist diese Aussage:

Schindler ging ja 1939 bekanntlich als Agent
des Heydrich’schen SD nach Krakau, mit dem
Auftrag, Informationen über Wehrmachts- und
Polizeimitarbeiter für den SS-Nachrichten-
dienst einzusammeln.

wohl schon allein deshalb nicht zu halten. Recht sicher jedoch scheint zu sein, dass Schindler seit den frühen dreißiger Jahren für die Deutsche Abwehr tätig gewesen ist. Seine Ehefrau berichtet (was jedoch nicht zu belegen ist), dass einer seiner Aufträge die Bespitzelung polnischer Offiziere war.

Ist etwas
a) über diese Arbeit bekannt,

Ich weiß nur diese „Allgemeinheiten“…

b) über die Mitgliedschaft Schindlers in der SS bekannt?

Ich kann es nicht belegen, aber bin mir ziemlich sicher, dass Schindler zwar NSDAP- aber nicht SS-Mitglied war.

Viele Grüße
Jana

Hallo Jana,

ich habe mich gefreut, dass sich doch noch
jemand dieses Threads „erbarmt“ hat. Danke.

so viel ich weiß, wurde die Deutsche Abwehr erst 1944 unter
die Herrschaft der Wehrmacht (und somit auch des SD) gestellt.
Deshalb ist diese Aussage:

Schindler ging ja 1939 bekanntlich als Agent
des Heydrich’schen SD nach Krakau, mit dem
Auftrag, Informationen über Wehrmachts- und
Polizeimitarbeiter für den SS-Nachrichten-
dienst einzusammeln.

wohl schon allein deshalb nicht zu halten.

Das ist sicher nicht ganz so zu sehen, wie Du es sagst.
Denn: Heydrichs SS-eigener Geheimdienst „SD“ war eine von
der Abwehr völlig unabhängige Einrichtung.
Stichwort: Ohlendorf (http://64.233.183.104/search?q=cache:ydpZeQqJshMJ:ww…)

 Nachdem sich die Berichterstattung anfänglich als 
 wenig ertragreich herausgestellt hatte, warb der SD ab 
 1937/38 gezielt Führungspersonen aus Staat, Partei und 
 Wirtschaft an. Um die Informationsauswertung zu verbessern, 
 wurden sogenannte SD-Arbeitsgemeinschaften gebildet – die 
 auch nach dem Krieg als Netzwerke zur Vertuschung der 
 Vergangenheit dienten.

Recht sicher jedoch scheint zu sein, dass Schindler seit den
frühen dreißiger Jahren für die Deutsche Abwehr tätig gewesen ist.
Seine Ehefrau berichtet (was jedoch nicht zu belegen ist), dass
einer seiner Aufträge die Bespitzelung polnischer Offiziere war.

Das ist sicher so nicht tragfähig. Es gibt eine BBC-History-Channel-
Dokumentation über Schindler, in der amerikanische Historiker
(sinngemäß - aus meinem Gedächtnis) folgendes sagen:

 1939 ging S. im Auftrag des SD als Geschäftsmann <u>getarnt</u> nach 
 Krakau, um Informationen über Wehrmachts- und Polizeiführer zu
 sammeln (_Anmerkung: daher - polnische Offiziere = Schutzbehauptung_).
 S. freute sich sehr auf diesen <u>Auftrag</u>, erhofffte er sich
 doch Prestige, Abenteuer (bla bla bla).

Dieser Hinweis auf seinen Auftrag in Krakau wird in
besagter Doku 2x gegeben. Seine Fahrt nach Krakau wurde
offensichtlich von der SS finanziert.

Damit ist imho auch klar, was seine „guten Kontakte“ zu den ver-
schiedenen hochrangigen Führern bedeuten. Damit erschleisst
sich für mich auch ein Hinweis auf seine Narrenfreiheit, auch
gegenüber der SS (denn in Krakau sitzt HSSPF Krüger und der
Stab des SS-Oberabschittes Ost). Jetzt wird mir auch klar, wie
er es schaffen konnte, 1944 einen Zug zu organisieren, der
Juden(!) aus Auschwitz wieder herausbringt. Er muss imho Himmler
selbst bewogen haben, dies anzuordnen und durchzusetzen.

Ich kann es nicht belegen, aber bin mir ziemlich sicher, dass
Schindler zwar NSDAP- aber nicht SS-Mitglied war.

Schindler war frühzeitig NSDAP’ler (Opportunist, der er war),
das ist klar. SS imho nur dann nicht, wenn er die Aufnahme-
vorschriften nicht erfüllte. Aus welchen Gründen auch
immer.

Grüße & Danke

CMБ

so viel ich weiß, wurde die Deutsche Abwehr erst 1944 unter
die Herrschaft der Wehrmacht (und somit auch des SD) gestellt.

Das ist sicher nicht ganz so zu sehen, wie Du es sagst.
Denn: Heydrichs SS-eigener Geheimdienst „SD“ war eine von
der Abwehr völlig unabhängige Einrichtung.

Ergänzend möchte ich nur hinzufügen, daß die Abwehr bis 1944 der Wehrmacht unterstand und nach der Verhaftung Canaris 1944 vom SD (und damit der SS) geschluckt wurde, und nicht umgekehrt.

[…]

Damit ist imho auch klar, was seine „guten Kontakte“ zu den
ver-
schiedenen hochrangigen Führern bedeuten. Damit erschleisst
sich für mich auch ein Hinweis auf seine Narrenfreiheit, auch
gegenüber der SS (denn in Krakau sitzt HSSPF Krüger und der
Stab des SS-Oberabschittes Ost). Jetzt wird mir auch klar, wie
er es schaffen konnte, 1944 einen Zug zu organisieren, der
Juden(!) aus Auschwitz wieder herausbringt. Er muss imho
Himmler
selbst bewogen haben, dies anzuordnen und durchzusetzen.

Man brauchte doch keine außergewöhnlichen Kontakte um Juden aus einem KZ herauszubringen. Das einzige was man brauchte war genügend Geld. Die SS ging während des Krieges aus verschiedenen Gründen nach und nach von ihrem ideolologischen Ziel (der Ausrottung der Juden) ab, da man merkte daß man eine Menge Geld mit der Vermietung von Arbeitskräften und SS-Wachen an die deutsche Wirtschaft machen konnte. So war auch Auschwitz kein reines Vernichtungslager, sondern auch ein Konzentrationslager zur Unterbringung von Zwangsarbeitern.

Ich kann es nicht belegen, aber bin mir ziemlich sicher, dass
Schindler zwar NSDAP- aber nicht SS-Mitglied war.

Schindler war frühzeitig NSDAP’ler (Opportunist, der er war),
das ist klar. SS imho nur dann nicht, wenn er die Aufnahme-
vorschriften nicht erfüllte. Aus welchen Gründen auch
immer.

Es gab neben der allgemein bekannten SS-Mitgliedschaft auch die Möglichkeit der Ehrenmitgliedschaft (ich glaube sogar verbunden mit einem SS-Rang) im sog. „Freundeskreis Reichsführer-SS“. Dieser Club war für die etwas finanzkräftigeren Volksgenossen offen, die durch ein paar Spenden ihre Beziehungen zur Politik verbessern wollten. In dieser Gesellschaft würde ich auch am ehesten Schindler vermuten.

Gruß

Hi Semjon,

habe diese Seite (ganz interessant) zum Thema gefunden: http://www.welt.de/daten/2000/01/15/0115de147208.htx

Viele Grüße
Jana