Hallo,
Das wird nie im Leben was.
Und fliegen kann man auch nicht wenn der Flieger schwerer ist
als Luft. Mussten sich die Gebrüder Wright tausende Male
anhören. Mich stört es, dass so viele hier schon von
vornherein sagen, dass etwas nicht geht.
Ok, erstmal zum praktischen Ablauf:
Physik ist nun mal etwas anderes als Psychologie. Die Physik ist im Rahmen des Kenntnissstandes beim Messen und Interpretieren eindeutiger als in der Psychologie, wo man es mit Abstufungen, Grenzfällen und Überschneidungen zu tun hat. Da kann ein Kind ein IQ von 140 haben - wenn es aber den Test nicht mitmacht (da gibt es unendlich viele Gründe für, eins wäre, dass das Kind auch noch ADHS hat) - wenn das Kind nicht kooperiert, dann bleibt die Hochbegabung im Test unerkannt.
Wenn ein Kind Asperger Syndrom hat, dann bedeutet das nicht, dass das Kind DAS klar definierte Asperger Syndrom hat, denn das gibt es gar nicht. Es sind unzählige Abstufungen. Wenn man es ganz genau nimmt, so ist jeder Mensch ein bisschen „asperger“, eben mehr oder weniger.
Aber bleiben wir beim „Psychopathen“, also der dissozialen Persönlichkeitsstörung. Die Klassifikation kann man auf viele Kinder anwenden, denn fast jedes Kind erfüllt während der Trotzphase und in der Pubertät viele der Kategorien, die zum Krankheitsbild passen. Viele tragen diese Symptome sogar durchgängig bis zur Pubertät aus. Ich habe bisher noch nie von einem Fall gehört, wo bei einem Kind diese Diagnose gestellt wurde (lasse mich aber gerne belehren). Bisher blickt man vom erwachsenen Patienten zurück in die Kindheit und stellt fest, dass bestimmte Verhaltensweisen und Schicksalsschläge in der Kindheit zur dissozialen Persönlichkeitsstörung geführt haben (können). Das wären dann z.B. Misshandlung, Vernachlässigung, schwere Traumata, wie z.B. Krieg oder unerträglicher Schmerz (z.B. aufwachen aus der Narkose während einer OP). Zum Verhalten gehört: stehlen, Lügen, Vandalismus, später Drogenkonsum und fehlendes Verantwortungsgefühl. Mal ganz ehrlich: da wir es hier mit einem so geringen Prozentsatz von Psychopathen in der Gesamtbevölkerung zu tun haben (bezogen auf eine kleinere Grundgesamtheit soll sich allerdings der Prozentsatz rapide erhöhen, wenn man Menschen in den oberen Manageretagen und im Knast untersucht), dann kann es praktisch nicht sein, dass auch nur die Hälfte aller Menschen mit traumatischen Erlebnissen, wie Mord, Vergewaltigung, Krieg, Misshandlung zum Psychopathen mutieren.
Es gehört auch zur Entwicklung der meisten Kinder dazu mal zu stehlen, zu lügen und Regeln zu brechen - die Ursachen hierfür können vielfältig sein, münden aber keineswegs unbedingt in einer Persönlichkeitsstörung, die den Charakter einer Psychopathie hat. Auch bei Jugendlichen kann man meist von einer Phase sprechen, wo sie vandalieren und Drogen konsumieren. Ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein gehört auch nicht unbedingt zu den nennenswerten Eigenschaften eines Jünglings.
Interessant wird es erst im RÜCKBLICK. Denn vorher kannst Du zwar sagen, dass die Person wegen seines Verhaltens oder seiner Erfahrungen unter Berücksichtigung seines sozialen Umfeldes und seiner Persönlichkeit diese und jene Probleme in Zukunft haben könnte, aber Du kannst es mit Sicherheit nicht sagen und vor allem kannst Du niemanden zwingen sich in Behandlung zu begeben, wenn er es nicht selber möchte oder sich oder andere duch sein Verhalten in Gefahr bringt.
Du hältst also eine psychologische Reihenuntersuchung für realistisch? Ich nicht. Erstens aus den o.g. Gründen. Zweitens wegen der Freiheitswürde eines jeden Menschen (wir leben immer noch in einer Demokratie) und drittens weil es nichts bringt. Die Lehrer schaffen es noch nicht einmal eine Handvoll Migrantenkinder, Hochbegabte, ADHS’ler und Behinderte zu integrieren. Die Psychologen haben eine durchschnittliche Wartezeit von 6 Monaten und die Krankenkassen klagen über zu hohe Kosten.
Naja. Da bin ich wohl von der falschen Voraussetzung
ausgegangen, dass alle Beteiligten mit so einem Ergebnis
richtig umgehen können und eher sehen „da ist jemand, auf den
man etwas aufpassen sollte“ und nicht „das wird mal ein
Amokläufer!“ War wohl naiv. Ich bin halt von einem ganz
anderen Weltbild ausgegangen. In diesem Weltbild ist der Tod
nur vorübergehend und Wiedergeburt eine Tatsache, und dann ist
es nur logisch, dass man so einem Amokläufer irgendwann mal
helfen muss, weil er sonst u.U. immer wieder der Gesellschaft
und auch sich selbst schadet. Mit dem finalen Rettungsschuss
oder mit der letzten Kugel des Amokläufers ist die Sache ja
noch nicht zu Ende … jeder kommt wieder.
Ein Amokläufer ist nicht das Gleiche wie eine Person mit einer dissozialen Persönlichkeitsstörung! Da gibt es keinen Zusammenhang. Im Fall von Nowegen sieht es auch nicht nach einem Amoklauf aus. Ein Amokläufer wird nicht als solcher geboren. Bei Psychopathen gibt es Hinweise auf eine veränderte Hirnstruktur, die zur fehlenden Empathie führt - sollen jetzt alle Kinder zum Hirnscreening?
Viele Grüße