Osterfest: fröhliches Rudelbumsen?

Hallo,

ich las mal, ich meine, es war in Sloterdijks „Kritik de zynischen Vernunft“, das Osterfest sei heidnischen Ursprungs und früher (wann?) ein Fruchtbarkeitsfest, an dessen Höhepunkt sich alle auf dem Dorfplatz zum fröhlichen Rudelbumsen und Spermaschlucken trafen. Meine Fragen: stimmt das? Woher weiß man das? Wo, in welchen Landstrichen, war der bezeichnete Brauch anzutreffen?

Gruß
Uwe

Auch über ein solches Thema kann man - ohne in den Gassenjargon zu verfallen - sprechen.
Dann ist es auch wahrscheinlicher, eine angemessene Antwort zu bekommen.

Fritz

Hallo !

Sämtliche „christlichen“ Feiertage/Feste haben einen heidnischen Vorgänger. Immer wurde eine „christliche“ Begebenheit auf einen heidnischen Feiertag gelegt, um es den wilden Heiden leichter zu machen, ihren alten Feiertag zu vergessen.
Genauso wurden die großen Kirchen fast mmer auf Plätze heidnischen Glaubens gebaut.

Gruß max

Aber, nicht so pingelig, lieber Fritz
Darf man doch feste zu Ostern inzwischen, wo „Titten“ schon fast auch ein wissenschaftlicher Be-Griff geworden.
Mußt du noch so zimperlich?
Am Busen der deutschen Natur?
Nur die „christlichen“ Popen haben eben immer lieber heimlich weitergerudelt!
Sind eigentlich Kirchen auch Einrichtungen des öffentlichen Rechtes? Die Armen! Gibt keine Vertraulichkeit mehr in dieser bösen Welt!
Heißt das heute deshalb „poppen“?
Solln Popen open air poppen und
Friesen auf Fiakern heimlich fiacken?

Zum Glück kann man ja auch Gassenlatein sehr schwer erkennen.

Aber ich sperr schomal auf und bin neugierig auf die
n e u s t e n Nachrichten darüber (bloß n o c h neuer sollten sie nicht sein).
Fröhliche Eiersuche später dann
wünscht manni.

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Hallo !

Selbst die Namen der heidnischen Götter wurden in die christlichen Religionen übernommen.

Sicher überliefert ist die Göttin „Ostara“, angelsächsisch „Eostre“. Sie war eine fruchtbarkeitsgöttin. Nach ihr wurde das Osterfest benannt. Ihr Lieblingstier ist der Hase als Symbol großer Fruchtbarkeit.
Das Kaninchen, das im Volksmund vielfach dem Hasen gleichgesetzt wird, gilt noch heute als Symbol hemmungsloser Vermehrung.
Auch das Ei als Ursprung werdenden lebens ist ein Symbol der Fruchtbarkeit.
So gehen also unsere wichtigsten osterbräuche, nämlich Osterhase und Osterei, auf die Göttin Ostara zurück.

Gruß max

Hallo, Uwe,
zwar etwas drastisch ausgedrückt und sicher in dieser Derbheit nicht ganz zutreffend ist Deine Frage.
Richtig ist, dass das christliche Osterfest alten heidnischen Festen übergestülpt wurde. Das trifft abe nicht nur auf Ostern sondern auch auf alle anderen christlichen Feste zu. So gab es Zeiten, zu denen die Feier der Geburt des Religionsstifters zur Wintersonnwende als „heidnische Umtriebe“ gebrandmarkt wurde.
Wie die Feste unterschiedlicher heidnischer Gesellschaften (die sich zumeist am bäuerlichen Jahreskreis festmachen lassen) nach und nach „christianisiert“ wurden ist schon beschrieben worden.

Im keltischen Bereich war es nicht das Oster-/Frühlingsfest (Frühjahrs-Tag- und Nachtgleiche) sondern Belthane, das Fest am 1. Mai, das eine gewisse Freizügigkeit erlaubte - und das auch prompt von christlicher Seite als „Hexensabbat“ diffamiert wurde.

Eine recht interessante Seite zum Thema habe ich hier http://www.die-dunkle-dimension.de/p-mag08.htm gefunden.

Grüße
Eckard.

Osterfest: fröhliches Wunschdenken? :wink:
Hallo Uwe,

Fruchtbarkeitsgöttinnen, -symbole und -feste gibt es in fast allen Kulturen. Dass es deswegen aber zu Konsequenzen wie den von dir geschilderten kommt, kann man, denke ich, schon durch Überlegung ausschließen.

„Spermaschlucken“ hätte mit Fruchtbarkeit gar nichts mehr zu tun. Und „normaler“ Sex, zudem in einer Zeit ohne Geburtenverhütung: Wer soll sich dann da für die „Folgen“ verantwortlich fühlen?

In allen Kulturen der Welt, selbt in abgelegensten und isoliertesten, gibt es die Ehe und die Tabuisierung außerehelichen Geschlechtsverkehrs. Zufall? Nein, zum Erhalt der eigenen Art notwenig.

Wenn als Folge eines „Rudelbumsens“ gar nicht feststellbar ist, wer Vater welchen Kindes ist, wird sich auch kein Mann dafür verantwortlich fühlen. Dass eine Frau aber einen Mann hat, der sich um sie und um das Kind kümmert, war in früheren Zeiten unverzichtbar. Haushaltsführung war früher so aufwendig, dass es kaum möglich war, gleichzeitig außer Haus noch Arbeit nachzugehen.

So war die Arbeitsteilung: Frau im Haus und Mann draußen ursprünglich durchaus sinnvoll, ja sogar unvermeidlich. Denn die Frau war nicht nur durch Schwangerschaft einige Zeit nur eingeschränkt arbeitsfähig, sie war, als es noch keine Trockenmilch gab, auch zum Stillen zwei Jahre oder länger ans Haus gebunden. Und in der Zeit wurde sie dann wieder schwanger …

Da eine Schwangerschaft 9 Monate dauert und Ostern alle 12 Monate stattfindet, würde es bei dem von dir vermuteten Brauch fast nur noch uneheliche Kinder geben, deren Väter nicht bekannt sind.

Moral hin, Moralvorstellungen her, hinter Vielem stecken eben eigentlich ganz rationale Überlegungen. Und die für ein Fest völlig außer Karft setzen?

Liebe Grüße
Peggy

Auch über ein solches Thema kann man - ohne in den
Gassenjargon zu verfallen - sprechen.

Man kann, aber sollte man? Warum? Ich finde, Wörter wie „bumsen“, „vögeln“, „ficken“ usw. gehen leicht über die Lippen und klingen nicht so „steril“ wie z. B. „Geschlechtsverkehr ausüben“ oder „kopulieren“. „Gruppensex“ als Vokabel klingt viel zu modern für den geschichtlichen Kontext und die damit auszulösenden imaginativen Assoziationen.

Dann ist es auch wahrscheinlicher, eine angemessene Antwort zu
bekommen.

Ich buhle mit meiner Frage zwar um Antworten, aber nicht um den Preis des mich-selbst-verbiegens. Auch wenn ich dann möglicherweise gar keine Antwort bekommen sollte… (was aber glücklicherweise nicht der Fall ist, denn es sehen offensichtlich nicht alle Teilnehmer diese Dinge durch die gleiche Brille).

Gruß
Uwe

Aber Hallo!! :wink:
Hallo Peggy,

Fruchtbarkeitsgöttinnen, -symbole und -feste gibt es in fast
allen Kulturen. Dass es deswegen aber zu Konsequenzen wie den
von dir geschilderten kommt, kann man, denke ich, schon durch
Überlegung ausschließen.

„Spermaschlucken“ hätte mit Fruchtbarkeit gar nichts mehr zu
tun. Und „normaler“ Sex, zudem in einer Zeit ohne
Geburtenverhütung: Wer soll sich dann da für die „Folgen“
verantwortlich fühlen?

Gelesen hab ich das in Sloterdijks „Kritik der zynischen Vernunft“… Wäre mal interessant, zu erfahren, woher er diese Infos hat…

Gruß
Uwe

Hallo Uwe,

Gelesen hab ich das in Sloterdijks „Kritik der zynischen Vernunft“… Wäre mal interessant, zu erfahren, woher er diese Infos hat…

Also gut. Ich ändere meinen Satz:

„würde es bei dem von dir vermuteten Brauch …“
in:
„würde es bei dem vermuteten Brauch …“

:wink:

Ich kenne Zloterdijk nicht. Gehört es vielleicht zu seinem „zynischen“ Vernunftverständnis, eine Sache verzerrt darzustellen? Oder hast du etwas drastischer verstanden als es gemeint war? Symbolisch vollzogene Kopulation gibt es in Fruchtbarkeitsritualen sicher.

Wie gesagt, ich kenne Zloterdijk nicht. Wenn das nicht Satire, sondern ein ernst zu nehmendes wissenschaftliches Werk sein soll, müssten die Region oder Zeit, in der das stattgefunden haben soll, doch genannt und die Quellen angegeben sein.

Liebe Grüße
Peggy

Jeder
wie er kann und wie er will.

Und:

Wat dem einn sin Uul, …

Fritz

Wenn du das mit diesen Worten, also wörtlich

in Sloterdijks „Kritik der zynischen Vernunft“

gelesen hast, dann bestätigt sich mein Eindruck von diesem Viel- und Schnellschreiber und ausgemachten Dummschwätzer. (Man sehe nur einmal das "Philosophiesche Quartett.) Ich gratuliere dir dann zu diesem Kronzeugen!

Wäre mal interessant, zu erfahren, woher er diese
Infos hat…

Dass es solche Frühjahrs- und Fruchtbarkeitsriten gab, steht außer Zweifel. Dafür gibt es aus Vergangenheit und Gegenwart genügend Belege. Noch heute - so höre ich - geht der Quaterback amerikanischer Footballteams mit seiner Tussi in der Nacht vor entscheidenden Spielen aufs Feld, um da für das Glück der Mannschaft sich gegenseitig zu beglücken.

Aber ist das der Rede wert? Und zumal einer solchen.

Aber wie gesagt: Suum cuique!

Fritz

Hallo Peggy,

er schreibt sich mit „S“, für den Fall, daß jemand das 2-bändige, m. M. sehr lesenswerte Werk sucht. Also richtig: Peter Sloterdijk.

Ich kenne Zloterdijk nicht. Gehört es vielleicht zu seinem
„zynischen“ Vernunftverständnis, eine Sache verzerrt
darzustellen? Oder hast du etwas drastischer verstanden als es
gemeint war? Symbolisch vollzogene Kopulation gibt es in
Fruchtbarkeitsritualen sicher.

Wörtlich zitieren kann ich ihn leider nicht, da ich in Cuba bin und meine Ausgabe in D „auf mich wartet“ :wink:

Wie gesagt, ich kenne Zloterdijk nicht. Wenn das nicht Satire,
sondern ein ernst zu nehmendes wissenschaftliches Werk sein
soll, müssten die Region oder Zeit, in der das stattgefunden
haben soll, doch genannt und die Quellen angegeben sein.

Ja, das sind sie bestimmt. Vielleicht hat ja jemand das Werk gerade zur Hand und kann mal kurz nachschauen? Wär nett.

Herzliche Grüße
Uwe