Bis jetzt war’s immer klar: Ostern geht von Karfreitag bis Ostermontag.
Nun habe ich aber erfahren, daß in Argentinien (und ich rate jetzt mal, daß es auch in anderen lateinamerikanischen Ländern so ist) nicht FR und MO, sondern DO und FR die Feiertage sind, und der Montag wieder normaler Arbeitstag.
Da sich die Argentinier doch wohl auf das gleiche Ereignis stützen, hier die Frage an die Experten: woher kann diese Diskrepanz stammen? Was war die genaue Zeitspanne der Ereignisse?
Du weißt ja schon, dass ich für unkonventionelle Antworten zuständig bin.
Also:
Jesus starb nicht am Freitag, sondern schon am Mittwoch.
Schuld an dem Mißverständnis ist vermutlich die Übersetzung des Wortes Sabbath.
Das hebräische Wort Sabbath bedeutet nämlich nur Ruhetag. Hat aber nichts mit dem Samstag zu tun.
Die Juden bezeichneten alle Feiertage mit Sabbath. Und den davor liegenden Tag als Rüsttag.
Die Jünger hatten große Eile, Jesus zu begraben, denn der bevorstehende Sabbath war ein „großer Sabbath“. Joh.19,31
Was feierten sie? Passah. Und Passah ist ein Fest, das an ein Datum gebunden ist, am 14.Nisan. Und der fiel damals auf einen Donnerstag. Also starb Jesus am Mittwoch nachmittag.
Am Passah-Tag lag er im Grab.
Am darauffolgenden Tag (Freitag) bereiteten die Frauen die Salben, die zur Salbung des Leichnams benötigt wurden. Diese Salben mußten frisch zubereitet werden, weil es damals ja noch keine Kühlschränke oder Konservierungsmittel gab. Und das nahm sicher einige Zeit in Anspruch. Gegen Nachmittag mußten sie aber schon für Sabbath (diesmal der Wochen-Sabbath, also Samstag) herrichten. Alle Arbeit mußte vor Sonnenuntergang fertig sein.
Den Sabbath über blieben sie still nach dem Gesetz. Luk.23,56
Am nächsten Tag (Sonntag) in aller früh gingen die Frauen dann zum Grab. Aber da war er schon auferstanden. Und zwar genau 72 Stunden nach seinem Tod. Womit er wieder einmal den Sabbath „brach“.
Gruß Harald
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hi kubi, hi harald, verzeiht mir mein interesse…
aber: harald, hast du jetzt kubis frage beantwortet? heißt dein posting, dass lateinamerikanische länder die sache mit dem sabbath richtig gedeutet haben und europäische länder (zunächst) falsch? (und dann die tradition nicht brechen wollten…) wann kam es denn zu dieser und jener tradition (und bibelinterpretation)???
wenn ihr mehr zur geschichte des osterfestes wisst, würde ich mich über belehrung sehr freuen.
außerdem - um den 14. nisa auf unsere heutigen wochentage umrechnen zu können, müssten wir doch jesu todesjahr exakt kennen, und tun wir das? ich dachte, wir schwankten in unserem informationsstand zwischen 31 und 33 n.chr.?
machts gut
jonas
hi kubi, hi harald, verzeiht mir mein
interesse…
aber: harald, hast du jetzt kubis frage
beantwortet? heißt dein posting, dass
lateinamerikanische länder die sache mit
dem sabbath richtig gedeutet haben und
europäische länder (zunächst) falsch?
Ich weiß nicht, was diese Länder dazu bewogen hat, die Osterfeiertage so zu wählen, aber es käme der Originalversion näher, als der Karfreitag.
(und dann die tradition nicht brechen
wollten…) wann kam es denn zu dieser
und jener tradition (und
bibelinterpretation)???
wenn ihr mehr zur geschichte des
osterfestes wisst, würde ich mich über
belehrung sehr freuen.
Mein Brockhaus weiss folgendes:
Osterfeststreit, der Streit um den Termin des Osterfests im 2.– 4. Jh. Die kleinasiat. Gemeinden feierten den 14. Nisan, den Tag des jüd. Pascha, als Todestag Christi (gleich auf welchen Wochentag er fiel), die röm. Gemeinde betonte mehr die Auferstehung, die sie am 1. Sonntag nach dem 14. Nisan feierte. Das Konzil von Nicäa 325 beendete den O. u. bestimmte, Ostern solle am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert werden. Fällt dieser Vollmond auf einen Sonntag, ist die Osterfeier erst am folgenden Sonntag, damit das christl. Osterfest nicht mit dem jüd. Paschafest zusammenfällt.
außerdem - um den 14. nisa auf unsere
heutigen wochentage umrechnen zu können,
müssten wir doch jesu todesjahr exakt
kennen, und tun wir das? ich dachte, wir
schwankten in unserem informationsstand
zwischen 31 und 33 n.chr.?
machts gut
jonas
Der 14.Nisan läßt sich leicht im jüdischen Kalender nachlesen und fällt heuer auf den 19.April.
Hallo ihr,
ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass die südamerikanischen Länder, die ja kirchlich gesehen alle in der lateinischen Tradition stehen, den jüdischen Kalender berücksichtigen. Die Westkirchen (die katholischen wie die reformatorischen) sind bezüglich des Ostertemins alle synchron. Die orthodoxen Ostkirchen hingegen haben einen anderen Termin, der aber nicht mit dem jüdischen Pessachfest, sondern mit der gregorianischen Kalenderreform zusammenhängt, die sie meines Wissens nicht mitgemacht haben. Als ich letztes Jahr Israel besuchte, begann das Pessachfest am Mittwoch der (westlichen) Karwoche, während die orthodoxe Schiffsbesatzung aus Zypern Ostern eine Woche später feierte, als ich schon wieder auf der Rückfahrt war.
Dass in Südamerika der Gründonnerstag stärker gefeiert wird, hängt vielleicht mit der anderen Mentalität zusammen. In vielen romanischen Ländern gibt es ja sehr eindrückliche Darstellungen des Gründonnerstags- und Karfreitagsgeschehens durch Prozessionen und dergleichen. So könnte ich mir das erklären.
Liebe Grüße
Theo
Guten Morgen, Harald!
Hochfeste wie Weihnachten, Ostern oder Pfingsten werden in der liturgischen Tradition schon immer mehrere Tage gefeiert - wie ja auch Hochzeiten in früheren Zeiten nicht in einem Tag abgetan waren. In der römischen Kirche spricht man von der Oster- oder Pfingst"oktav", also acht Tage ist das Fest präsent. Die Tage vor Ostern nennt man die Heilige Woche; Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag bilden das sog. „Triduum“, die „Drei Tage“. Das Evangelium der Osternacht ist der Auferstehungsbericht nach Matthäus 28, am Ostersonntag wird Markus 16 gelesen. Der Bericht von den Emmaus-Jüngern nach Lukas 24 ist Thema am Ostermontag. Leider hat sich in der populärprotestantischen Auffassung die Ansicht verbreitet, der Karfreitag sei der höchste kirchliche Feiertag - ähnlich wie bei den Katholiken Fronleichnam lange Zeit diese falsche Rolle spielte. In den letzten Jahrzehnten besinnt man sich in diesen Kirchen aber zunehmend der Tatsache, dass der christliche Glaube mit der Auferstehung steht und fällt. Dies hat seine Konsequenzen auch in der liturgischen Praxis: Die römische Kirche Kirche hat mit dem 2.Vatikanischen Konzil die Feier der Heiligen Woche neu gestaltet und das Hauptgewicht auf die Osternachtfeier gelegt, und auch in den evangelischen Kirchen entdecken immer mehr Gemeinden die Osternachtfeier. In den orthodoxen Kirchen hatte man sie nie vergessen.
O je, jetzt hab ich aber doziert, aber Liturgie ist nun mal eines meiner Hobbies, wenn man das so sagen darf!
Liebe Grüße!
Theo
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[…] sondern mit der
gregorianischen Kalenderreform
zusammenhängt, die sie meines Wissens
nicht mitgemacht haben.
doch doch. das schon. nur einige jahrhunderte später als andere (mitteleuropäische) länder.
während papst gregor XIII z.b. in dt. landen die kalenderreform zu seinen lebzeiten durchsetzte (genaues jahr hab ich grad nicht, 157x?158x?), wurde sie in russland erst ende 1917 akzeptiert. dadurch ergibt sich das kuriositum, dass die „oktoberrevolution“ eigentlich (nach dem reformierten kalender) im november stattfand *ggg*
trotzdem kann natürlich bei solchen zeitlichen meinungsverschiedenheiten die festlegung der feiertage anders gelaufen sein.
So viel…
…habe ich gar nicht erwartet. Jedenfalls bin ich jetzt schon ein bißchen schlauer. Aber eine Frage bleibt noch offen: Wie kommt man auf den 14. Nisan als Mittwoch? Wie schon jemand erwähnt hat, pflegen gleiche Daten in verschiedenen Jahren auf verschiedene Wochentage zu fallen. Ohne Kenntnis des Jahres ist es somit unmöglich, zu sagen, auf welchen Wochentag ein Datum fällt. Und da das Todesjahr Jesu nicht genau feststeht, frage ich mich, wie man diese Festlegung hingezirkelt hat.
Also Harald, Dein Auftritt
Ach so: Dank schon mal an alle, die hier geantwortet haben.
…habe ich gar nicht erwartet.
Jedenfalls bin ich jetzt schon ein
bißchen schlauer. Aber eine Frage bleibt
noch offen: Wie kommt man auf den 14.
Nisan als Mittwoch? Wie schon jemand
erwähnt hat, pflegen gleiche Daten in
verschiedenen Jahren auf verschiedene
Wochentage zu fallen. Ohne Kenntnis des
Jahres ist es somit unmöglich, zu sagen,
auf welchen Wochentag ein Datum fällt.
Und da das Todesjahr Jesu nicht genau
feststeht, frage ich mich, wie man diese
Festlegung hingezirkelt hat.
Also Harald, Dein Auftritt
Der 14.Nisan ist heuer ein Mittwoch. Das geht aus dem jüdischen Kalender hervor, der sich nach dem Mond richtet.
Im Todesjahr Jesu war der 14.Nisan aller Wahrscheinlichkeit nach ein Donnerstag.
In meiner ersten Antwort habe ich das genauer ausgeführt.
Die Frage, die sich bei der Festlegung eines Feiertages stellt, ist wohl: Soll man das Datum oder das Ereignis feiern?
Irgendjemand hat eben festgelegt, dass der Todestag Jesu immer am Freitag gefeiert werden soll. Hingegen wird die Geburt Jesu immer am 24.Dezember gefeiert, obwohl dieses Datum mit Sicherheit auch nicht stimmt.
Im Todesjahr Jesu war der 14.Nisan aller
Wahrscheinlichkeit nach ein Donnerstag.
In meiner ersten Antwort habe ich das
genauer ausgeführt.
Stimmt. Du hast aber da nicht ausgeführt, wie man darauf kommt, ohne das Jahr zu kennen.
Die Frage, die sich bei der Festlegung
eines Feiertages stellt, ist wohl: Soll
man das Datum oder das Ereignis feiern?
Stimmt, hat aber mit der Frage nichts zu tun.
Irgendjemand hat eben festgelegt, dass
der Todestag Jesu immer am Freitag
gefeiert werden soll. Hingegen wird die
Geburt Jesu immer am 24.Dezember
gefeiert, obwohl dieses Datum mit
Sicherheit auch nicht stimmt.
Naja, Logik ist des Menschen Sache halt nicht. Aber auch wenn ich nervig bin: Ich weiß es immer noch nicht. Wo kommt der Donnerstag her?
Im Todesjahr Jesu war der 14.Nisan aller
Wahrscheinlichkeit nach ein Donnerstag.
In meiner ersten Antwort habe ich das
genauer ausgeführt.
Stimmt. Du hast aber da nicht ausgeführt,
wie man darauf kommt, ohne das Jahr zu
kennen.
Ich versuchs nochmal in Kurzfassung:
Jesus starb am Nachmittag des Rüsttages zu einem großen Feiertag (Sabbath)->Mittwoch.
Den Sabbath über taten die Anhänger Jesu keine Arbeit, wie im Gesetz vorgeschrieben. ->Donnerstag.
Am darauffolgenden Tag bereiteten die Frauen Salben zur Einbalsamierung des Leichnams zu. ->Freitag
Danach folgte der wöchentliche Ruhetag (7.Tag der Woche) ->Samstag
Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen bei Sonnenaufgang zum Grab, da war es schon leer ->Sonntag
Daraus läßt sich ableiten, dass Jesus schon am Samstag auferstanden ist. Das fiel natürlich den Juden nicht sofort auf, weil das Betreten von Grabstätten am Sabbath verboten ist. Aber es sind genau 72 Stunden / 3 Tage, wie er es selber angekündigt hat.
Naja, Logik ist des Menschen Sache halt
nicht. Aber auch wenn ich nervig bin: Ich
weiß es immer noch nicht. Wo kommt der
Donnerstag her?
Ich hoffe, das jetzt klarer formuliert zu haben.
Übrigens könnte man aus diesen Angaben heraus das Todesjahr rückrechnen.
Was soll’s…
…dass man das Datum nicht genau weiß?
Wenn mein Geburtstag auf einen Mittwoch fällt, habe ich doch keinerlei Bedenken, ihn mit der Familie und den FreundInnen am Wochenende zu feiern. Ist die Geburtstagsfeier dadurch weniger „gültig“?
Ich finde, das Ereignis ist wichtig ; das Datum kommt erst in zweiter Linie!
Nix für ungut, meint
Theo aus WT
Übrigens könnte man aus diesen Angaben
heraus das Todesjahr rückrechnen.
Einspruch.
Ganz eindeutig kann diese Rechnung nicht sein, denn der jüdische Kalender geht ja nach dem Mond und da wird ab und zu mal ein Schaltmonat eingeschoben. Damals gab es dafür noch keine feste Regeln. Das lag vor allem daran, das zum Passahfest unter anderem Gerstenähren (oder war es etwas anderes) geopfert wurden. Wenn also die Ernte noch nicht so weit war, schob man einen Schaltmonat ein und dann feierte man Passah eben vier Wochen und ein paar Tage später. Die Wochentage verschoben sich also.
Daher ist es heute nicht ganz eindeutig, auf welchen Wochentag der 14. Nisan in den Jahren damals fiel.