Oxymoron?

Hallo,
Also trotz einer F81.1 (Isolierte Rechtschreibstörung), bin ich sprach- und wortverliebt, samt den diesbezüglichen neurotischen Vor- und Nachteilen. Und eine Frage habe ich auch zu Oxymora, bzw. zu einem Oxymoron. Ist ‚brutal schön‘ ein solches Oxymoron oder ist das Slangsprache, bzw. falsch oder gibts es eine andere Kategorie in die das fällt?

Mit unheilbar frohem Gruß
Billerbong

Ich würde brutal schön nicht als Oxymoron ansehen.
Es ist doch eher umgangssprachlich, dass man brutal als Ausdruck
der Begeisterung oder Freude benutzt. Ein Oxymoron ist das meiner Meinung nach also nicht.

Grüße vom Hasen

Ein Oxymoron wäre z.B. „hübsch hässlich“ oder „ekelerregend schön“ (was ich so noch nie gehört habe). Bei einem Oxymoron werden zwei sich ausschließende oder doch konträr gegenüberstehende Begriffe kombiniert. Bei „brutal schön“ sehe ich das - ebenso wie mein Vorredner - nicht, da die Begriffe aus zwei Unterschiedlichen Bereichen stammen, sich also m. E. nicht zwangsläufig tangieren.

Gruß,
Chris29

Hi,

für mich ist es ein Oxymoron, denn Brutalität ist nicht schön. Slang hin oder her.

Die Franzi

Hallo und Danke,
für die hilfreichen Antworten; also kein Oxymoron.
Stört es sehr, wenn ich noch nicht ganz zufrieden bin, denn ich fände es ‚brutal schön‘, wenn jemand den Namen der Schublade wüsste, in die der Ausdruck zu stecken ist.
Im Englischen gibt’s das doch auch; da als ‚terrible beautiful‘, also schrecklich schön. Da sollte/müsste es doch eine Bezeichnung geben für diesen Ausdruck.

Mit ergebenem Gruß
Billerbong

Hi,
oxys: scharf (-sinnig), spitz (-findig)
moros (vorne mit Omega): töricht

brutus: schwer, schwerfällig, unbeweglich, stumpfsinnig, dumm, roh

Ich finde, brutal schön ist auch ein Oxymoron. Letztlich ist es ja Ansichtssache.
Etwas Stumpfsinniges wird normalerweise nicht als schön bezeichnet.

lg O

Ein Oxymoron wäre z.B. „hübsch hässlich“ oder „ekelerregend
schön“ (was ich so noch nie gehört habe)…

Hallo die Sprachexperten,
Die Wendung „hübsch hässlich“ kann man in „Pater Braun“-Filmen mit Heinz Rühmann zumindest in einem - leider weiß ich nicht mehr, in welchem - hören, wobei IMHO „hübsch“ eher im Sinn von „ziemlich, einigermaßen“ verwendet wird.
Gruß
von Julius

Also brutal schön ist definitiv kein Oxymoron, da
es kein widerspruch in sich ist.

Brutal= gewaltig, enorm

bildet keinen Widerspruch zu schön.

Da sich ein Oxymoron, aber auch „Contradictio in adiecto“ schimpft (hat latein doch was gebracht :wink: , schließt es brutal schön aus. Da brutal sich zwar auf das adjektiv bezieht, dieses aber nicht in seiner Ausage berührt. Wenn etwas brutal schön ist, ist es nur eine gesteigerte Form von schön.
Ein impotenter Wichser aber zum Beispiel wurde durch das Adjektiv seiner eigentlichen Bestimmung beraubt (blödes Beispiel, festigt sich aber :wink:, da das Adjektiv das Substantiv quasi neutralisiert, spricht man hier von einem Oxymoron.

Und wenn mein Vorredner Osmond meint er muss Texte aus Wikipedia kopieren, sollte er wenigstens einen nachvollziehbaren Zusammenhang zu seiner These herstellen können^^ und nicht irgendwelche lateinischen Übersetzungen falsch interpretieren.

Jetzt hab ich vor lauter Rechthaberei, gar nicht deine eigentliche Frage beantwortet.

Ich würde sagen „brutal schön“ ist eine Enallage (Vertauschung)

Ne Enallage benutzt man für die Vertauschung der Wortbeziehung, insbesondere für die Setzung eines Adjektivs vor ein Substantiv, zu dem es sinngemäß nicht gehört. Meiner Meinung nach ist das hier der Fall.
Metonymie und Metapher haben in der Enllage ihre Basis.

Ich hoffe das hilft dir jetzt bisschen.

Grüße vom Hasen

Hi,

eine Enallage sind zum Beispiel „Das blaue Lächeln seiner Augen“ (statt „Das Lächeln seiner blauen Augen“) oder der „fünfköpfige Familienvater“ (statt „Der Vater einer fünfköpfigen Familie“). Es handelt sich hier um eine grammatische bzw logische Figur: Das Adjektiv steht (wie du gesagt hast) nicht da, wo es logisch hingehört. Auch „der schuldige Scheitel“ im Sinne von "der Scheitel des Schuldigen kann als Enallage interpretiert werden z.B. wenn man sagt „Der schuldige Scheitel wurde kurz vor der Hinrichtung noch einmal sorgfältig gezogen.“ (in „Der schuldige Scheitel kam bedrückt aus dem Gerichtssaal heraus.“ haben wir ein pars pro toto, das tatsächlich mit der Metonymie verwandt ist.)
Metapher und Metonymie sind aber semantische Figuren, sie spielen mit Bedeutung.
„brutal schön“ ist wohl eher keine Enallage, wobei das auch auf den Zusammenhang ankommt (ich entschuldige mich für die bisher verwendeten und noch kommenden blutigen Beispiele und schiebe die Schuld auf den Threadsteller) „Der Scharfrichter ist brutal schön.“ könnte eine Enallage sein, wenn sich die Schönheit des Henkers aus der Art und Weise ergibt, wie er seinen Job ausführt. Wenn er allerdings in einer früheren Karriere Chippendale war, dann dient „brutal“ nur der Intensivierung, und wir haben keine Enallage - weil der Henker dann auch in Badehose, geduscht und frisch frisiert im Schlafzimmer eine gute Figur macht … aber ich schweife ab.

Die Franzi

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Hallo!

„brutal schön“ ist wohl eher keine Enallage

Sehe ich genauso. Die Definition von Enallage passt da überhaupt nicht drauf. Genausowenig wie (in den meisten Fällen) die des Oxymorons.

„Der Scharfrichter
ist brutal schön.“ könnte eine Enallage sein, wenn sich die
Schönheit des Henkers aus der Art und Weise ergibt, wie er
seinen Job ausführt.

Hmm … wäre das in diesem Kontext dann nicht eher dann ein Oxymoron? *grübel*

Wenn er allerdings in einer früheren
Karriere Chippendale war, dann dient „brutal“ nur der
Intensivierung

Jep - in den allerallermeisten Fäkllen dürfte "brutal2 schlicht ein Intensivierungspartikel wie „sehr“ SEIN:

lg,
Max

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Hi,

„Der Scharfrichter
ist brutal schön.“ könnte eine Enallage sein, wenn sich die
Schönheit des Henkers aus der Art und Weise ergibt, wie er
seinen Job ausführt.

Hmm … wäre das in diesem Kontext dann nicht eher dann ein :open_mouth:xymoron? :*grübel*

Dachte eher an das gemeinte „Der brutale Scharfrichter ist schön.“ Und meine Erklärung des beabsichtigen ist schlicht misslungen. Also ich hab an das eine (die Erklärung) gedacht und das andere (das unpassende Beispiel) geschrieben.
Man kann ja auch einen unmenschlichen Scharfrichter als optisch schick empfinden, zumindest zum Zwecke der Illustration von Stilmitteln.

Sich schämen gehend,
Die Franzi