Paar Fragen zu Ost- und West-Berlin

Hallo allereseits

Nach dem Bau der Berliner Mauer fuhren ja einige West U- und S-Bahnen unter Ost-Berlin durch. Durch die Bahnhöfe fuhren diese Züge ohne Halt durch.

  • Warum wurden diese Bahnhöfe nicht einfach geschlossen?
    Ich meine in diesem Sinne, dass man gar nicht mehr merkt,
    dass da mal ein Bahnhof war.

  • Was geschah mit Leuten, die mit Ostmark in der Tasche bei der Einreise nach Ostberlin erwischt wurden?

  • Gab es wirklich im Klo des Bahnhofs Friedrichstrasse eine Geheimtür, mit der Leute (mit dem passenden Schlüssel) in den Westteil konnten?

Gibt es in diese Zusammenhang vielleicht ein Buch über die Innerdeutsche Grenze, die das Leben und diese kleinen Geheimnisse behandelt.

Schönes Wochenende

Ratz

Hi

  • Warum wurden diese Bahnhöfe nicht einfach geschlossen?
    Ich meine in diesem Sinne, dass man gar nicht mehr merkt,
    dass da mal ein Bahnhof war.

k.A.

  • Was geschah mit Leuten, die mit Ostmark in der Tasche bei
    der Einreise nach Ostberlin erwischt wurden?

ersatzlos eingezogen. uU durfte der Missetäter umdrehen. Bei mir haben sie nie was entdeckt. ein Kumpel wurde mit ner befüllten Drahtburste erwischt und musste zurück :smile:
HH

Hallo Ratz,

  • Warum wurden diese Bahnhöfe nicht einfach geschlossen?

sie wurden. Durch einfache Betondeckel auf den von der Straße nach unten führenden Zugängen. Mehr Baukapazität aufzuwenden, hätte auch nicht mehr oder weniger gebracht.

Schöne Grüße

MM

Hallo,

das betraf die U-Bahn bzw. die S-Bahnstrecke in Berlin-Mitte unter der Erde. Und die Stationen in Berlin/Hauptsteadt der DDR waren tatsächlich für den Normalbürger als solche nicht mehr zu erkennen. Sie waren nicht zugänglich und auch nicht gekennzeichnet, es gab keine sichtbaren Eingänge.
Selbst im S-Bahnhof Friedrichstraße deutete im für DDR-Bürger zugängigen Teil nichts darauf hin, daß da noch ne Linie unter der Erde war.
Die Züge fuhren auf diesen Stationen ja nicht primär durch, weil keiner einsteigen sollte. Sie fuhren durch, weil die Bahnhöfe schiuchweg tote Geisterstationen waren, ohne Verbindung nach oben.

Gernot Geyer

Hallo nochmal,

dass mir dazu:

Gibt es in diese Zusammenhang vielleicht ein Buch über die
Innerdeutsche Grenze, die das Leben und diese kleinen
Geheimnisse behandelt.

nicht eingefallen ist:

Thomas Bussig, Die kurze Seite der Sonnenallee (dtv)

kommt mir seltsam vor. Es handelt sich wohlgemerkt nicht um ein Sachbuch, aber mir (ex BRD) wurde von allen Freunden & Bekannten, die in der DDR in der Nähe der Hauptstadt zwischen Britz und Potsdam gelebt haben, bestätigt, dass man bei der Lektüre tatsächlich „tausend kleine Dinge“ über das Leben in Mauernähe in Ostberlin vor 1989 erfahren kann, die in dieser Erzählung weder erfunden noch ostalgisch verklärt noch axelspringerisch verblutrünstigt sind.

Wenn Du einen von vielen kuriosen Aspekten der Situation von Berlin im kalten Krieg unter besonderer Berücksichtigung der S-Bahn kennen lernen willst, kannst Du ja mal recherchieren, warum die Reichsbahn in der DDR Reichsbahn hieß, obwohl die DDR mit dem Deutschen Reich sonst nicht so sehr viel am Hut hatte - zumindest nicht vor der „Bronzezeit“ (Hermann Kant). Tip: Das hat mit dem Recht zu tun, die S-Bahn in ganz Berlin einschließlich Westsektoren zu betreiben.

Schöne Grüße

MM

Hallo Ratz,

aus technischen Gründen blieben die Bahnhöfe auch weiterhin noch in Betrieb.Betreten konnte sie aber nur noch Personal der Deutschen Reichsbahn und Grenzsicherungskräfte sowie alles was „Geheim“ in ihren
Dienstausweisen stehen hatte.
Zu den Technischen Gründen zählt schlicht und ergreifend,das man beim
„Mauerbau 1961“ so Geheim tätig war,das man die DR überhaupt nicht informierte,was da geplant war…An jenem denkwürdigen Augusttag wurden in der Nacht die diensttuenden Mitarbeiter der DR von Arbeitsbrigaden
unter Aufsicht von NVA/Stasi und den Sowjetischen Truppen überrascht,die munter Bahnsteigzugänge zumauerten oder ganze Bahnsteige.
Vorauf es dann zu „hektischen“ Telefonaten und dem Offenlassen von Zugangsöffnungen kam…denn „Dummerweise“ befanden sich da „Untertage“ Sicherungseinrichtungen der Bahn,die mit Personal besetzt
werden müssen bzw. gewartet werden müssen.

Zu deiner zweiten Frage:

Die Einfuhr von Währung der DDR war Strengtens verboten und konnte dich da drüben in den Knast bringen…
(allerdings nur,wenn du dich erwischen lässt…*grinz*…)
Wirklich „scharf“ waren die Zöllner der DDR aber nur so in den 1960er
Jahren da hinter her…
Mit dem Besuch des Westdeutschen Bundeskanzlers Willy Brandt in der DDR 1972 (und damit quasi der „Anerkennung“ der DDR als eigenständiger
deutscher Staat) und dem anschließenden Grundlagenvertrag wurde die
Kontrollpraxis allerdings locker…
(kein Wunder,ab da musste man ja bei der Einreise 15 DM (West) in die
„Weichwährung“ Mark der DDR zwangsweise für jeden Tag des Aufenthaltes
umtauschen).

mfg

Frank

Hallo,

da die anderen Fragen zur S-Bahn beantwortet sind, hier noch ein paar Erinnerungen an diese Zeit.

Zur S-Bahn:

In den Vorkriegs-Geisterzügen der S-Bahn sassen im Westen manchmal nur 2,3 Fahrgäste, weil sie von „West-Berlinern“ (dies ist übrigens eine
politisch unkorrekte Schreibweise, ebenso wie „Westberliner“) boyottiert wurde. Das führte in Berlin (West) = korrekte Schreibweise, zum europaweit dichtesten Haltestellennetz für Busse. Zwischendurch fuhr die S-Bahn ein paar Jahre überhaupt nicht.

Zur anderen Frage:

Gibt es in diese Zusammenhang vielleicht ein Buch über die
Innerdeutsche Grenze, die das Leben und diese kleinen
Geheimnisse behandelt.

Ja, gibt es: „Der Tag, an dem die Mauer brach“, ein Polit-Thriller, der bereits 1985 - also vier Jahre vor dem tatsächlichen Mauerfall - als Taschenbuch bei Lübbe erschienen ist. In diesem faktenreichen Roman werden nicht nur das friedliche Ende der Mauer und die daraufhin folgende überhastete Wiedervereinigung mit ihren Folgen von einem Insider beschrieben, sondern auch eine Fülle von (wahren) Kuriositäten in Berlin und zwischen Ost und West. Es war nämlich keineswegs unvoraussehbar, wie später immer behauptet wurde, dass die Mauer fallen mußte.

Natürlich gab es in Berlin auch vorher immer Querverbindungen und Schleusungsstellen auf den Arbeitsebenen von Feuerwehr, Wasserwerken (Abwasser!) Polizei, Bahn usw. Auf hoher Ebene wurde sogar verhandelt, wie man die 750-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 1987 mehr oder weniger gemeinsam feiern könnte.

Nicht nur in Berlin, sondern auch an der innerdeutschen Grenze existierten „Schlupflöcher“, durch die zu gewissen Zeiten ganze Autokarawanen von Ost nach West und von West nach Ost fahren konnten. Wenn das geschah, mußten sich Zoll und Bundesgrenzschutz (im Westen) ebenso wie die Kumpel der NVA Grenze auf der anderen Seite eben ein paar Kilometer zurückziehen und die Hand vor die Augen halten. Die Bundeswehr durfte ohnehin nicht bis an den Grenzbereich (obwohl es auch hier Ausnahmen gab - zum Beispiel für die Jungs von der Psychologischen Kampfführung, die nachts ihre Flugblätter mit Polit-und Alltags-Infos in Millionenauflagen in die ganze DDR schickten oder die Bautrupps der NVA für die Grenzbefestigungen nachts mit schräger und verdammt lauter Musik davon abhielten, eine Runde zu schlafen).

Zur Berliner Situation gab es weitere Kuriositäten, z.B.

  • Artikel 1 (b) III des Gesetzes Nr. 7 der Alliierten Kommandantur, nach dem es deutschen Gerichten verboten war, Straftaten zwischen Deutschen in Berlin zu verfolgen, wenn sie im Auftrag oder mit Billigung der Allierten begangen wurden. Alliertes Recht ging deutschem Recht vor (denn Berlin gehörte nun mal nicht zur Bundesrepublik Deutschland).

  • Für Berlin galten mehr als 4000 Sondergesetze und Vorschriften, z.B. die Pflicht zum ständigen Mitführen eines Personalausweises mit hohen Strafen bei Mißachtung.

  • In Berlin galt noch bis in die Achtziger die Todesstrafe.

  • Die sogenannte Freiwillige Polizeireserve von 3000 bestens trainierten und bewaffneten Berlinern (West) wurde nach offizieller Lesart als Reaktion auf den Mauerbau am 13. August 1961 aufgestellt. Der Beschluss für das Gesetz ist aber bereits im März 1961 aktenkundig. Komisch, oder?

usw. usw.
MfG

TRPM

Selbst im S-Bahnhof Friedrichstraße deutete im für DDR-Bürger
zugängigen Teil nichts darauf hin, daß da noch ne Linie unter
der Erde war.

Ich dachte, die unterirdisch verlaufende S1 war am einzig geöffneten S-Bahnhof Friedrichstraße für Ausreiseberechtigte durch den heutigen Tränenpalast zugänglich?