Hallo,
da die anderen Fragen zur S-Bahn beantwortet sind, hier noch ein paar Erinnerungen an diese Zeit.
Zur S-Bahn:
In den Vorkriegs-Geisterzügen der S-Bahn sassen im Westen manchmal nur 2,3 Fahrgäste, weil sie von „West-Berlinern“ (dies ist übrigens eine
politisch unkorrekte Schreibweise, ebenso wie „Westberliner“) boyottiert wurde. Das führte in Berlin (West) = korrekte Schreibweise, zum europaweit dichtesten Haltestellennetz für Busse. Zwischendurch fuhr die S-Bahn ein paar Jahre überhaupt nicht.
Zur anderen Frage:
Gibt es in diese Zusammenhang vielleicht ein Buch über die
Innerdeutsche Grenze, die das Leben und diese kleinen
Geheimnisse behandelt.
Ja, gibt es: „Der Tag, an dem die Mauer brach“, ein Polit-Thriller, der bereits 1985 - also vier Jahre vor dem tatsächlichen Mauerfall - als Taschenbuch bei Lübbe erschienen ist. In diesem faktenreichen Roman werden nicht nur das friedliche Ende der Mauer und die daraufhin folgende überhastete Wiedervereinigung mit ihren Folgen von einem Insider beschrieben, sondern auch eine Fülle von (wahren) Kuriositäten in Berlin und zwischen Ost und West. Es war nämlich keineswegs unvoraussehbar, wie später immer behauptet wurde, dass die Mauer fallen mußte.
Natürlich gab es in Berlin auch vorher immer Querverbindungen und Schleusungsstellen auf den Arbeitsebenen von Feuerwehr, Wasserwerken (Abwasser!) Polizei, Bahn usw. Auf hoher Ebene wurde sogar verhandelt, wie man die 750-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 1987 mehr oder weniger gemeinsam feiern könnte.
Nicht nur in Berlin, sondern auch an der innerdeutschen Grenze existierten „Schlupflöcher“, durch die zu gewissen Zeiten ganze Autokarawanen von Ost nach West und von West nach Ost fahren konnten. Wenn das geschah, mußten sich Zoll und Bundesgrenzschutz (im Westen) ebenso wie die Kumpel der NVA Grenze auf der anderen Seite eben ein paar Kilometer zurückziehen und die Hand vor die Augen halten. Die Bundeswehr durfte ohnehin nicht bis an den Grenzbereich (obwohl es auch hier Ausnahmen gab - zum Beispiel für die Jungs von der Psychologischen Kampfführung, die nachts ihre Flugblätter mit Polit-und Alltags-Infos in Millionenauflagen in die ganze DDR schickten oder die Bautrupps der NVA für die Grenzbefestigungen nachts mit schräger und verdammt lauter Musik davon abhielten, eine Runde zu schlafen).
Zur Berliner Situation gab es weitere Kuriositäten, z.B.
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Artikel 1 (b) III des Gesetzes Nr. 7 der Alliierten Kommandantur, nach dem es deutschen Gerichten verboten war, Straftaten zwischen Deutschen in Berlin zu verfolgen, wenn sie im Auftrag oder mit Billigung der Allierten begangen wurden. Alliertes Recht ging deutschem Recht vor (denn Berlin gehörte nun mal nicht zur Bundesrepublik Deutschland).
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Für Berlin galten mehr als 4000 Sondergesetze und Vorschriften, z.B. die Pflicht zum ständigen Mitführen eines Personalausweises mit hohen Strafen bei Mißachtung.
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In Berlin galt noch bis in die Achtziger die Todesstrafe.
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Die sogenannte Freiwillige Polizeireserve von 3000 bestens trainierten und bewaffneten Berlinern (West) wurde nach offizieller Lesart als Reaktion auf den Mauerbau am 13. August 1961 aufgestellt. Der Beschluss für das Gesetz ist aber bereits im März 1961 aktenkundig. Komisch, oder?
usw. usw.
MfG
TRPM