Paderbornisch

Liebe Experten,
da es keine allgemeine Regel zur Ableitung eines Adjektivs von einem Ortsnamen gibt, bräuchte ich bitte mal euren Rat. Gibt es das „paderbornische“ Adelshaus oder nur das „Paderborner“ Adelshaus oder vielleicht auch das „paderborner“ Adelshaus?
(Vorschläge/Auswege wie „das Adelshaus in Paderborn“ funktionieren nicht, da ja kein Haus im gegenständlichen Sinn gemeint ist.)

Danke und einen lieben Gruß
Jana

Liebe Jana!

da es keine allgemeine Regel zur Ableitung eines Adjektivs von
einem Ortsnamen gibt,

Da wäre ich nicht so sicher. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten.

Einmal das Suffix „-er“, woraus ein undeklinierbares und groß geschriebenes „Adjektiv“ entsteht, das eigentlich ein Genitiv Plural ist.

Also, der Kölner Dom ist eigentlich der Dom der Kölner = der Bewohner von Kölm.

Ein zweite ist das Suffix „-isch“, woraus echte Adjektive entstehen wie:

berlinerisch, kölnerisch, karlsruherisch und auch paderbornisch.

Nun gibt es eine ganze Reihe von Ausnahmen.

gibt es das „paderbornische“ Adelshaus"

Ja!

oder nur das „Paderborner“ Adelshaus

Auch das!

Es ist nun die Frage, wie die sich selbst nannten und wie sie im Allgemeinen in der wissenschaftlichen Literatur genannt werden.

oder vielleicht auch das „paderborner“ Adelshaus

Das definitiv nicht, da mit „-er“ gebildete Pseudoadjektive groß geschrieben werden müssen!

Gruß Fritz

Lieber Fritz,
danke für Antwort - ich hatte ähnlich Uneindeutiges befürchtet …

Eine kleine Anmerkung/Frage zu deiner Antwort:

berlinerisch, kölnerisch,

Das bezieht sich doch eher auf die Sprache, oder? Man würde doch nicht „berlinerische Häuser“ sagen, der „berlinerische Dialekt“ passt dagegen schon.

In diesem Sinne haben meine paderbornischen Adelshäuser vielleicht paderbornerisch gesprochen? :wink:

Gruß
Jana

Liebe Jana,

dieser Eindruck

berlinerisch, kölnerisch,

Das bezieht sich doch eher auf die Sprache, oder? Man würde doch nicht „berlinerische Häuser“ sagen, der „berlinerische Dialekt“ passt dagegen schon.

scheint mir zu stimmen, vor allem wenn man nur Ableitungen von Städtenamen hernimmt.

Stuttgarter Hofbräu, Stuttgarter Wein, Stuttgarter Straßen, Stuttgarter Fernsehturm; aber stuttgarterischer Akzent, stuttgarterische Eigentümlichkeiten, stuttgarterische Kehrwoche; da kann man schon gewisse Präferenzen erkennen.

Nimmt man aber Ländernamen, so sagt man zwar Schweizer Käse, aber nicht Spanier Wein, Frankreicher Bier, Italiener Spaghetti, sondern spanischer Wein, französisches Bier, italienische Pasta.

In diesem Sinne haben meine paderbornischen Adelshäuser vielleicht paderbornerisch gesprochen? :wink:

So wird es wohl sein. Oder waren es doch die Paderborner Adelshäuser? :wink:

Gruß
Fritz

Hallo Jana,

ich finde, paderbornsches Adelshaus klingt weniger holprig - und im Interesse der Internationalisierung der deutschen Sprache könnte man auch noch das heute so beliebte Apostroph einbringen zu „paderborn’sches Adelshaus“ (oder heisst es dann Adel’shaus?):smile:

Gruss Reinhard

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo, Reinhard,

du scheinst der Neuschreibeung anzuhängen, dennoch ist auch dann diese Schreibung fehlerhaft:

„paderborn’sches Adelshaus“

Ein Apostroph wird nur bei der Großschreibung des Nomens, also „Paderborn’sches Adeshaus“ gesetzt, bei der Kleinschreibung beim Adjektiv heißt es nach wie vor „paderbornsches“ Adelshaus.

Dazu:
_R14 Der Apostroph wird gelegentlich gebraucht, um die Grundform eines Namens vor der Adjektivendung -sch zu verdeutlichen.
die Grimm’schen Märchen (aber: die grimmschen Märchen )
Vgl. auch R 17 u. R 94.

© Dudenverlag._

(oder heisst es dann Adel’shaus?):smile:

Haha! Man sollte auch scherzenderweise keine Fehler verbreiten!

Gruß Fritz

Hallo Fritz,

Oder waren es doch die Paderborner Adelshäuser? :wink:

Definitiv!

http://www.canoo.net/services/WordformationRules/Der…

Übrigens ist bei den Stuttgartern auch „Stuttgärtner“ (sowohl als Eigenbezeichnung als auch als Adektiv (zu Stuttgart gehörig, Stuttgart betreffend) gebräuchlich.

http://www.sportal1.de/node/8078

http://64.233.183.104/search?q=cache:v1_Zw5UV9E8J:ww…

Gruß Gernot

Pferdegärtner?
Hallo Gernot,

Übrigens ist bei den Stuttgartern auch „Stuttgärtner“ (sowohl
als Eigenbezeichnung als auch als Adektiv (zu Stuttgart
gehörig, Stuttgart betreffend) gebräuchlich.
http://www.sportal1.de/node/8078
http://64.233.183.104/search?q=cache:v1_Zw5UV9E8J:ww…

wie um Himmels willen kommst Du nur darauf, aus dem Posting eines Leipziger Fußball-Fans, der vermutlich nur das Neckarstadion und sonst nichts von Stuttgart kennt, zu schließen, daß ein von diesem verwendeter Begriff „gebräuchlich“ sei?

Selbst Tante Google ist so schlau und fragt nach Eingabe des falschen Begriffs, den ich mich weigere, hier hinzutippen, weil das ja bloß einen weiteren falschen Treffer liefert:
Meinten Sie „Stuttgarter“?
http://www.google.de/search?hl=de&q=Stuttg%C3%A4rtne…

Und als letztes:
„Stuttgart“ ist aus Stutengarten entstanden (das lernt jedes württembergische Kind schon in der Grundschule) und jetzt mal ehrlich - so ganz unter uns - seit wann gibt es einen Gärtner für Pferde?

Gruß Gudrun

Hallo, Gernot,

ich fürchte - wie Gudrun -, dass du dich ein wenig auf den Stuten vergaloppiert hast.

Übrigens ist bei den Stuttgartern auch „Stuttgärtner“ (sowohl als Eigenbezeichnung als auch als Adektiv (zu Stuttgart gehörig, Stuttgart betreffend) gebräuchlich.

Ein Stuttgarter tät sowas nie sagen. Ich entsinne mich aber, dass es bei der Bundesgartenschau 1977 so eine Figur gab.

Und ich habe sie sogar gefunden.
=> http://www.collecting-toys.com/sondered/gaertner1_gr…

Gruß Fritz

Häuser oder Hausener?
Hallo Gudrun,

wie um Himmels willen kommst Du nur darauf, aus dem Posting
eines Leipziger Fußball-Fans, der vermutlich nur das
Neckarstadion und sonst nichts von Stuttgart kennt, zu
schließen, daß ein von diesem verwendeter Begriff
„gebräuchlich“ sei?

Ich habe den Brgriff auch schon von einem Stuttgarter gehört und gab ihn, um ihn zu belegen, bei Google ein.

Selbst Tante Google ist so schlau und fragt nach Eingabe des
falschen Begriffs, den ich mich weigere, hier hinzutippen,
weil das ja bloß einen weiteren falschen Treffer liefert:
Meinten Sie „Stuttgarter“?
http://www.google.de/search?hl=de&q=Stuttg%C3%A4rtne…

So schlau ist Tante Google nicht, denn sonst würde sie auch die eigentümliche Wortbildung bei den Hessen hinterfragen, die die Einwohner von Orten, die auf „-hausen“ enden, zu entsprechenden „-häusern“ macht. Die Einwohner der Frankfurter Stadtteils Sachsenhausen werden in Hessen zu „Sachsenhäusern“ und nicht etwa, wie man normalerweise erwarten würde, zu „Sachsenhausenern“.

Ich habe meine Grundschuljahre übrigens in Hessen in der in den siebziger Jahren noch unabhängigen Gemeinde „Hausen“ (Kreis Offenbach) verbracht. Damals war ich „Hausener“ (ganz normal, auch in Hessen!). Der durch die Eingemeindung Hausens zu dem wenig größeren benachbarten Obertshausen drohenden Umwandlung in „Obertshäuser“ entzog sich meine Familie durch Flucht.

Gerne wären wir ja „Oberhausener“ geworden, aber wir zogen nur wenig weiter nach Seligenstadt. Später zog ich dann nach Darmstadt-Eberstadt und wurde „Eberstädter“, was mir auch besser gefiel, als wenn ich durch Ansiedelung in Eberstadt bei Mosbach (Baden-Württemberg) zu einem „Eberstadter“ geworden wäre. Bei Bildungen auf „Stadt“ ist die Umlautung bei den Einwohnern und dem Adjektiv meines Erachtens nämlich angebracht.

„Stuttgart“ ist aus Stutengarten entstanden (das lernt
jedes württembergische Kind schon in der Grundschule) und
jetzt mal ehrlich - so ganz unter uns - seit wann gibt es
einen Gärtner für Pferde?

„Stuttgärtner“ ist natürlich ungewöhnlich, und den Stuttgartern, die es auch verwenden, ist das durchaus bewusst. Ich finde das sympathisch, da es ja immerhin dem bekannten Wortbildungsmodell auf „Garten“ folgt, bei dem Menschen, die damit zu tun haben, wenigstens Menschen bleiben und nicht selbst zu Sachen ("-häusern") werden.

„Kindergärtner“ gibt es übrigens auch, obwohl es keine „Gärtner für Kinder“ gibt.

Gruß Gernot

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