Häuser oder Hausener?
Hallo Gudrun,
wie um Himmels willen kommst Du nur darauf, aus dem Posting
eines Leipziger Fußball-Fans, der vermutlich nur das
Neckarstadion und sonst nichts von Stuttgart kennt, zu
schließen, daß ein von diesem verwendeter Begriff
„gebräuchlich“ sei?
Ich habe den Brgriff auch schon von einem Stuttgarter gehört und gab ihn, um ihn zu belegen, bei Google ein.
Selbst Tante Google ist so schlau und fragt nach Eingabe des
falschen Begriffs, den ich mich weigere, hier hinzutippen,
weil das ja bloß einen weiteren falschen Treffer liefert:
Meinten Sie „Stuttgarter“?
http://www.google.de/search?hl=de&q=Stuttg%C3%A4rtne…
So schlau ist Tante Google nicht, denn sonst würde sie auch die eigentümliche Wortbildung bei den Hessen hinterfragen, die die Einwohner von Orten, die auf „-hausen“ enden, zu entsprechenden „-häusern“ macht. Die Einwohner der Frankfurter Stadtteils Sachsenhausen werden in Hessen zu „Sachsenhäusern“ und nicht etwa, wie man normalerweise erwarten würde, zu „Sachsenhausenern“.
Ich habe meine Grundschuljahre übrigens in Hessen in der in den siebziger Jahren noch unabhängigen Gemeinde „Hausen“ (Kreis Offenbach) verbracht. Damals war ich „Hausener“ (ganz normal, auch in Hessen!). Der durch die Eingemeindung Hausens zu dem wenig größeren benachbarten Obertshausen drohenden Umwandlung in „Obertshäuser“ entzog sich meine Familie durch Flucht.
Gerne wären wir ja „Oberhausener“ geworden, aber wir zogen nur wenig weiter nach Seligenstadt. Später zog ich dann nach Darmstadt-Eberstadt und wurde „Eberstädter“, was mir auch besser gefiel, als wenn ich durch Ansiedelung in Eberstadt bei Mosbach (Baden-Württemberg) zu einem „Eberstadter“ geworden wäre. Bei Bildungen auf „Stadt“ ist die Umlautung bei den Einwohnern und dem Adjektiv meines Erachtens nämlich angebracht.
„Stuttgart“ ist aus Stutengarten entstanden (das lernt
jedes württembergische Kind schon in der Grundschule) und
jetzt mal ehrlich - so ganz unter uns - seit wann gibt es
einen Gärtner für Pferde?
„Stuttgärtner“ ist natürlich ungewöhnlich, und den Stuttgartern, die es auch verwenden, ist das durchaus bewusst. Ich finde das sympathisch, da es ja immerhin dem bekannten Wortbildungsmodell auf „Garten“ folgt, bei dem Menschen, die damit zu tun haben, wenigstens Menschen bleiben und nicht selbst zu Sachen ("-häusern") werden.
„Kindergärtner“ gibt es übrigens auch, obwohl es keine „Gärtner für Kinder“ gibt.
Gruß Gernot