Panik beim Autofahren

Hallo,

ich habe seit längerer Zeit Panikattacken beim Auto fahren. Kurz Strecken dauern so oftmals doppelt so lang wie sie müssten (Aussteigen, kontrollieren das nichts passiert ist…). Nun habe ich ein paar Stunden in einer Verhaltenstherapie verbracht- leider ohne großen Erfolg. Wir machen nun eine Pause und mir wurde nahegelegt zu einem Psychologen (…) zu gehen. Wie sind Eure Erfahrungen? Das Problem scheint wohl tiefer zu liegen und (meine Hoffnung) vielleicht muss man es nur mal ans „Tageslicht“ bringen, um dann dagegen anzu kämpfen. Hat jemand Erfahrungen mit diversen Therapien?

we³

Hallo,

was ich nicht ganz verstanden habe:

Nun habe ich ein paar Stunden in einer
Verhaltenstherapie verbracht- leider ohne großen Erfolg. Wir
machen nun eine Pause und mir wurde nahegelegt zu einem
Psychologen

was sind denn „ein paar Stunden“ und warum sollst du nun zu einem Psychologen gehen?
Heißt das, du warst zwei-, dreimal bei einem Heilpraktiker?

Viele Grüße,
J~

Ist Dir mal was beim Autofahren passiert?

Nicht das ich wüsste, aber ich denke irgendwo im Unterbewusstsein dann ja wohl doch. Das ist leider auch nicht die eizige Macke, aber momentan eindeutig die Schlimmste…

Nein, 5 Stunden bei einem Verhaltenstherapeuten, der mir aber im Prinzip nur immer gesagt hat, das man da durch müsste und man sich nur überwinden muss weiter zu fahren. Soweit ist mir das ja auch schon klar, aber wenn man erst einmal so Zwänge hat werden diese auch von Tag zu Tag schlimmer- bzw. findet man sich damit ab. Aber es nervt extrem, kostet mich unendlioch viel Zeit (…).
Nun ist man wohl der Meinung dass ein Psychologe was tiefer gründiges finden könnte, oder ich eben momentan nicht bereit wäre. Bereit bin ich aber garantiert, nur wenn man die Wahl hat kurz anzuhalten, auszusteigen um zu schauen dass nichts passiert ist, oder schwitzend- panisch weiter fahren und noch stundenlang darüber nachzudenken, ja dann sagt mir mein Körper momentan „Stress Dich nicht und halt kurz an“.

wewewe

Hallo,

ich denke, Dein Verhalten geht eher in Richtung Kontrollzwang und muss nicht zwingend bedeuten, dass dir beim Autofahren mal was passiert ist.
Vermutlich neigst du auch sonst zu Kontrollhandlungen (Tür kontrollieren etc…?)
Denk mal in die Richtung darüber nach. Ich habe da vor einiger Zeit einen interessanten Artikel gelesen, aber erinnere mich nicht mehr an Details zu Ursachen oder Lösungen. Da ging es aber um genau dein Problem (unter anderem). Googel vlt. mal unter dem Stichwort „Kontrollzwang“ statt Panik, dein Problem ist denke ich nicht die Panik…die ist nur Resultat, Ursache scheint mir (meiner bescheidenen Laienmeinung nach) ein Kontrollzwang, gerade wenn du schreibst du „hast noch andere Probleme“.

Viel Erfolg
shauri
…die gern die Haustür x-mal kontrolliert…

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Das trifft es genau. Ich werde mal in die Richtung weiter schauen. Falls Du/ jemand anders interessante Lösungsansätze hat bitte einfach kurz melden. Danke! :smile:

Hallo,

Ich hatte als ich kleiner war auch mal einen Zwang, das hat mich dann selber genervt und wenn ich das wieder machte, hab ich mich selber drauf aufmerksam gemacht und es unterlassen. So konnte ich es irgendwann dann lassen…
Ich übe zur Zeit auch bei anderen Dingen (Verhalten, wie Bein wackeln, an Kette spielen etc) das gleiche, aber das ist schwerer, weil ich das schon mein ganzes Leben so mache.
Aber man muss sich selber mehr Aufmerksamkeit schenken.
Übungen wie zb ein bewusstest Teetrinken, Hände eincremen etc. machen. Damit man sich in dem Moment nur auf das konzentriert und alles andere ausschaltet- Gedanken sind nur Gäste, man nimmt sie war und lässt sie wieder los…
Also ich würde an deiner Stelle erst mal zum Ergotherapeuten gehen, der macht mit dir genau solche Sachen…

Äm, zu deinem eigentlich Problem. Bevor du einsteigst schaust du dir ja dein Auto an. Und es ist in Ordnung - nix passiert.
Dann mach dir evt ein Bild von allen Seiten deines Autos.
Legs dir auf den Beifahrersitz und, wenn du denkst anhalten und kucken zu müssen, wirf ein Blick auf die Fotos - da siehst du ja dann - ist alles in Ordnung. Und wenn du das dann gelernt hast, mach es nur mit deinen Gedanken usw.
Weißt was ich meine?
Vll. hilft es.

Viele Grüße
brina

Hallo,

Das Problem scheint wohl tiefer zu liegen und (meine Hoffnung) vielleicht muss man es nur mal ans „Tageslicht“ bringen, um dann dagegen anzu kämpfen.

Manchmal hilft das. Oft aber auch nicht, denn leider heißt es im Zusammenhang mit Angst- und Zwangsstörungen nicht unbedingt „Ursache gefunden, Problem gelöst“. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass es DIE Ursache häufig nicht gibt, manchmal nicht mal ein auslösendes Moment.

Die wirksamste Methode, mit Ängsten und Zwängen fertig zu werden, ist tatsächlich Konfrontation. Und diese ist in der Regel brutal anstrengend. Das Problem bei Angst- und Zwangsstörungen ist, dass man nicht mehr auf das eigene (Körper-) Gefühl vertrauen kann.

Der Körper signalisiert eine große Gefahr und stellt alle Mechanismen auf Flucht. Diese Gefahr besteht nicht real, doch der Körper ist vom Gegenteil überzeugt. Und da schafft es auch der Verstand nicht einfach, sich gegenteilig zu verhalten.

Das Problem ist, dass man durch Meiden nur verliert. Und zwar Stück um Stück mehr von seiner persönlichen Freiheit. Ängste und Zwänge haben die starke Tendenz, sich auszuweiten. Ist es jetzt „nur“ das Auto, sind es morgen vielleicht die öffentlichen Verkehrsmittel und in ein paar Wochen der Aufenthalt im Freien.

Deswegen: Mach’ dich ruhig auf die Suche nach Ursachen, aber gehe nicht davon aus, dass du dadurch sicher geheilt bist. Letzten Endes gewinnen wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit nur, wenn du dich der Angst stellst. Je länger du sie zulässt, desto schwerer wird es werden, sie zu besiegen.

Schöne Grüße,
Jule

Hallo,

ich vermute mal, dass du in der Angst lebst, jemanden angefahren zu haben. Wenn es so sein sollte: Diese Angst gehört zu den häufigsten Angst/Zwangsstörungen überhaupt. Man fährt manchmal kilometerweit zurück, nur um sich zu vergewissern, dass da niemand verletzt liegt. Viele Leute hören zudem zwanghaft Nachrichten/ kaufen Zeitungen, um herauszufinden, ob irgendwo auf ihrer Strecke zu der Zeit, in der sie unterwegs waren, ein Unfall passiert ist.

nur wenn man die Wahl hat kurz anzuhalten, auszusteigen um zu schauen dass nichts passiert ist, oder schwitzend- panisch weiter fahren und noch stundenlang darüber nachzudenken, ja dann sagt mir mein Körper momentan „Stress Dich nicht und halt kurz an“.

Und genau das bringt dich nicht voran. Nur wenn du durchhältst und nicht nachgibst, hast du eine Chance, davon los zu kommen.

Ich weiß, dass die Erkenntnis, dass andere auch unter dieser Angst leiden, manchen Leuten auch hilft, die eigene Angst ein Stückchen loszulassen. Vielleicht funktioniert das bei dir ja auch ein wenig.

Schöne Grüße,
Jule

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