folgendes:
meine tochter ist 3einviertel, und ich habe mich vor einem halben jahr (nach zweitem anlauf) vom französischen vater getrennt.
nun will dieser sein kind (verständlicherweise) sehen und kommt in abständen von +/- 3 monaten angerauscht für 1 woche, hampelt mit dem kind rum und alles ist anders.
das problem ist, dass ich ihn eigentlich zumindest zur zeit überhaupt nicht sehen will, da es in der nahen vergangenheit zu seelischen wie körperlichen übergriffen gekommen ist und eine begegnung mit ihm bei mir den stressfaktor 1000 hat( was sich wahrscheinlich auch wieder ändern wird, nur ist es jetzt einfach zu früh um gesund damit umzugehen.)
nun war er da und die kleine bricht zusammen: papa soll abends hier sein, papa soll nicht weggehen, papa soll nicht wieder kommen…und sie nässt kompett wieder ein, mag nicht essen usw.
in unsere routine, die wir miteinander haben ist es ein grosser einbruch insofern, meine frage ist nun:
kann ich so egoistischaein mich gegen einen besuch so lange auszusprechen bis ich wieder ein gutes gefühl dabei habe bzw. bis die kleine es anders verdaut bekommt??
was bedeutet es fürs kind, im sinne von was tu ich ihr an den vater zu verweigern?
Hallo,
es ist bestimmt sehr schwer fuer dich! Aber vielleicht solltest du doch wirklich versuchen mit ihm eine Regelung zu finden, damit das alles regelmaessiger laeuft, Kinder brauchen das!! Ich halte es fuer recht gefaehrlich ihm zu sagen, dass er sie nicht mehr sehen darf, auch wenn es nur uebergengsmaessig ist! Einfach aus dem Grund, dass die Kleine sich dann noch mehr von ihm entfernt! Es ist auch ein schwieriges Alter! Da wird von Kindern immer viel ausprobiert, wie weit man mit Eltern gehen kann. Aber die Bettnaesse zeigt, dass sie wohl doch ein Problem haben muss. Ich rate dir , geh einfach mal mit ihr zu einem Kinderpsychologen, der weiss bestimmt Rat!! Und kann dir auch sagen, wie du dich richtig verhalten sollst. Ich glaube, bei solchen Sachen ist es wirklich besser wirklich zu Spezialisten zu gehen, die Zukunft deines Kindes steht audf dem Spiel!!
Bis dann
Kerstin
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Prinzipiell bin ich der gleichen Meinung. Sehr wichtig halte ich jedoch, dass Ihr der Kleinen gegenüber die gleiche Haltung habt. Es darf nicht sein, dass der eine die Erziehungsversuche des anderen aushebelt, den anderen schlecht macht, bei einem das erlaubt ist, was beim anderen nicht erlaubt ist. Auch sollte der Vater die Kurze - wenn er da ist - nicht nur verwöhnen. Es darf eben nicht „alles anders“ sein!
Wenn Du alleine mit dem Kind bist, hast Du wahrscheinlich nicht uneingeschränkt Zeit für sie, weil Du mit Haushalt, Kochen, Arbeit etc. beschäftigt bist. Wenn er da ist, ist wahrscheinlich auch für ihn ein Ferientag (bzw. -woche), und da kann er den lieben langen Tag nur für Eure Prinzessin da sein.
Vielleicht müsst Ihr bestimmte Rituale beibehalten, z. B. dass das Insbettgehen Deine Domäne bleibt, wo er dabei sein „darf“. Oder eine gemeinsame Mahlzeit, gemeinsames Kochen, wo eine Alltagssituation vorliegt, in der er sie auch vom Herd fernhalten muss, nicht alle zwei Minuten schauen kann, wie schön sie malt, wo auch er auf Tischmanieren achtet (Ellbogen vom Tisch, nicht rumhopsen, sitzen bleiben bis Ende…). (Sag jetzt keiner, Tischmanieren sind out! Natürlich nicht so wie früher, aber in gewissem Rahmen gilt so was auch heute!)
Der Hinweis mit dem Psychologen ist gut. Professionelle Hilfe mit angemessener Distanz kann sehr wertvoll sein!
Mir wurde der Kontakt zu meinem Sohn aus genau diesen Gründen über ein dreiviertel Jahr untersagt.
Das tat sicherlich den gestreßten Gefühlen von uns Erwachsenen gut, aber nicht dem seelischen Zustand unseres Sohnes.
Die Reaktionen, die Deine Tochter zeigt, sind in einer solchen Situation nicht anders zu erwarten, bei den Kindern zeigen sich diese Auswirkungen mehr oder weniger heftig .
Auch das Kind braucht etwas Zeit, um damit umgehen zu können, das der andere geliebte Teil der Familie nicht mehr täglich verfügbar ist. Die Reaktionen Deiner Tochter zeigen deutlich, daß sie ihren Vater liebt.
Sicher ist es einfacher für uns Erwachsene, einfach die Kontakte zu unterbinden und damit „Ruhe“ hinein zu bringen, der Schein trübt aber. Mein Sohn wurde während der langen Trennung hyperaktiv und wurde anschließend in einer langen Kur therapiert.
Das hätte alles nicht sein müssen.
Ein zweiter negativer Effekt trat dabei auf. Mein Sohn hatte sich mittlerweile ziemlich von mir entfremdet und es fiel schwer, das vorher sehr gute Verhältnis zueinander wieder zu finden. Unser Verhältnis heute ist allerdings nie wieder so innig geworden, wie es vor der langen Trennung einmal bestanden hat. Unserem Sohn ist damit eine vertraute, liebgewonnene Person weggenommen worden. In unserer sowieso schon sehr gefühlskalt ausgeprägten Gesellschaft ist das sehr schmerzhaft, die wenigen einem vertrauten Bezugspersonen im Leben zu verlieren.
Versucht einen regelmäßigen Rhytmus der Besuche zu finden, der Eurer Tochter gerecht wird, nicht zu lange, damit die Sehnsucht nicht jedesmal zu groß wird und nicht zu kurz, daß bei dem Kind der Eindruck entsteht, alles wird wieder wie früher.
Ich denke, alle 3 bis 4 Wochen am Wochenende sind genau richtig.
Ich praktiziere dies nun schon mehrere Jahre mit Erfolg.
Aber schlau reden kann jeder.
Ich hoffe etwas geholfen zu haben und es gelingt Euch im Sinne Eures Kindes Eure persönlichen Gefühle hinter die Interessen des Kindes zu stellen.