Papstwahl und Widersprüche

Hallo,

ich hab vorhin die Reportage über den vergangenen Papst u den zukünftigen Papst gesehen.

Für mich persönlich steckt diese Wahl voller Widersprüche.

Man sagt doch, dass die Kardinäle den Papst nach göttlicher Eingabe wählen.

Wieso darf man sich nicht selbst wählen? wenn Gott den Kardinal X zum Papst haben will, dann bekommt doch der Kardinal x die gleiche Eingebung. Oder?

Dann wird mit weltlichen Regeln gewählt - wie zB der Papst darf nicht älter als 80 sein. Gottes Wege sind unergründlich, dann spielt doch ein Alter keine Rolle. WEnn Gott meint, dass kein älterer Herr dieses Amt übernimmt, dann gibt er doch nicht diese Eingebung.

Dann hat schon ein Kardinal (75 J.) die Wahl abgelehnt? Warum? Stellt man sich dann gegen Gottes Wunsch? Da er diese „Eingabe“ gab?

Gott lässt keine Zweifel zu, aber hier scheint man dies einzuräumen.

Dann geht die Presse u div. Personen der Kirche hin und sprechen über „Favoriten“. Wie kann man denn davon Reden? Hier wird doch eindeutig das menschliche Denken mit Gottes handeln vermischt…

Dann sprach der Herr bei Jauch darüber, dass zB ein lateinischer, afrikanischer oder ein asiatischer Papst die kathol. Kirche voranbringen würde - wieso wird hier von Kirche gesprochen und nicht über die Christen?

Also für mich sind diese ganzen Aussagen allesamt widersprüchlich und ein Beweis dafür, dass weder der Papst noch die katholische Kirche von Gott „begleitet“ wird.

nachdenkende Grüße

Andrea

Ach herrje, Andrea,

die kath. Kirche steckt auch so schon voller Widersprüchlichkeiten, du musst nicht auch noch mit Gewalt welche reinkonstruieren …

Wieso darf man sich nicht selbst wählen?

Wo steht das geschrieben? Die Wahlgänge finden doch in geheimer Wahl statt, wer sollte kontrollieren können, dass sich jemand selbst die Stimme gegeben hat?

wenn Gott den
Kardinal X zum Papst haben will, dann bekommt doch der
Kardinal x die gleiche Eingebung. Oder?

Es ist ein Zeichen von Demut, angeblich göttlichen Eingebungen sich selbst betreffend nicht so ohne weiteres zu vertrauen. Die Religionsgeschichte ist voll genug mit selbsternannten Propheten …

Dann wird mit weltlichen Regeln gewählt - wie zB der Papst
darf nicht älter als 80 sein.

Das hast du missverstanden. Die Wahlmänner, also die Kardinäle, dürfen nicht über 80 sein. Wählen dürfen sie aber jeden, auch wenn er schon 100 Jahre ist …

Dann geht die Presse

Nun, die Presse kann sich wohl sicher nicht auf göttliche Eingebungen berufen …

u div. Personen der Kirche hin und
sprechen über „Favoriten“. Wie kann man denn davon Reden? Hier
wird doch eindeutig das menschliche Denken mit Gottes handeln
vermischt…

Dann sprach der Herr bei Jauch darüber, dass zB ein
lateinischer, afrikanischer oder ein asiatischer Papst die
kathol. Kirche voranbringen würde - wieso wird hier von Kirche
gesprochen und nicht über die Christen?

Die Kirche ist die Gemeinschaft der Christen.
Es gibt verschiedene Kirchenbegriffe, verschiedene Sichtweisen, aber das sollte die zentrale sein.

Also für mich sind diese ganzen Aussagen allesamt
widersprüchlich und ein Beweis dafür, dass weder der Papst
noch die katholische Kirche von Gott „begleitet“ wird.

Also, ich denke, du machst den grundsätzlichen Denkfehler, dir das Wirken des Hl. Geistes als etwas deterministisches vorzustellen. Gott wirkt durch die Menschen, und das nicht in dem Sinn, dass alles vorherbestimmt wäre. Ich glaube eher, dass die göttliche Inspiration bedeutet, dass der Geist davor bewahrt, zu Fehlentscheidungen zu kommen. Die menschliche Freiheit über die endgültige Entscheidung ist damit trotzdem nicht aufgehoben.
Einfach gesagt: es könnte ja sein, dass auch nach Gottes Plan mehrere Kandidaten geeignet sind, die Kirche zu führen. Warum sollte der Geist sich dann nur auf einen einzigen festlegen? Warum sollte sich das Wirken des Geistes nicht auch durch ein (ansatzweise) demokratisches Verfahren umsetzen lassen?

Grüße
Wolfgang

Hallo Andrea,

Man sagt doch, dass die Kardinäle den Papst nach göttlicher
Eingabe wählen.

Eeeeeeigentlich heißt es, daß den Kardinälen der Heilige Geist was ins Ohr flüstert… :wink:

Wieso darf man sich nicht selbst wählen? wenn Gott den
Kardinal X zum Papst haben will, dann bekommt doch der
Kardinal x die gleiche Eingebung. Oder?

Weil es auch im sekulären Welt so ist (das beste Beispiel ist das Gesellschaftsrecht: der betroffene Gesellschafter einer GmbH darf für gewöhnlich nicht mitstimmen) und außerdem hat JPII die Abstimmungsregeln für das Konklave verschärft. Das von Dir erwähnte Beispiel ‚Kardinal X hat eine Eingebung und schlägt Kardinal Y zum Papst vor‘ ist nicht mehr zulässig.

Dann wird mit weltlichen Regeln gewählt - wie zB der Papst
darf nicht älter als 80 sein. Gottes Wege sind unergründlich,
dann spielt doch ein Alter keine Rolle. WEnn Gott meint, dass
kein älterer Herr dieses Amt übernimmt, dann gibt er doch
nicht diese Eingebung.

Wahlberechtigt sind Kardinäle bis 75, insofern kann auch kein Papst erst mit 80 gewählt werden. Warum? Nun… Nach dem Codex Iuris Canonici (Canon 354) sind Kardinäle angehalten, mit Vollendung des 75 Lebensjahres ihren Amtsverzicht - die sog. Renuntiatio - anzubieten. Zu diesem Thema empfehle ich gerne noch einmal die Lektüre dieser Seite: http://www.zdf.de/ZDFheute/inhalt/19/0,3672,2019283,…. Ich für meinen Teil halte die Wahl eines 80jährigen Papstes für ebenso schwachsinnig wie die im Mittelalter durchaus übliche Einsetzung von Hosenscheißerles als Papst.

Dann hat schon ein Kardinal (75 J.) die Wahl abgelehnt? Warum?
Stellt man sich dann gegen Gottes Wunsch? Da er diese
„Eingabe“ gab?

Die Frage verstehe ich nicht ganz… Ich denke aber, daß sich ein Kardinal schlicht nicht traut, eine solche Ehre abzulehnen. Denke nur an Albino Luciani (Papst Johannes Paul I). Er war krank und wollte das Amt nicht, aber darauf hat kein Mensch Rücksicht genommen. Er selbst hatte nicht den Mut, das Amt - Du wirst ja gefragt, ob Du die Wahl annehmen möchtest und da steht auch niemand mit 'ner Knarre hinter Dir - abzulehnen. Es hat ihn das Leben gekostet.

Gott lässt keine Zweifel zu, aber hier scheint man dies
einzuräumen.

Wer sagt das?

Dann geht die Presse u div. Personen der Kirche hin und
sprechen über „Favoriten“. Wie kann man denn davon Reden?

Laß mich noch einmal das berühmte vatikanische Sprichwort wiederholen:

‚Wer in das Konklave als Papst reingeht, geht als Kardinal wieder raus.‘

Es scheint wirklich so zu sein, daß niemals die Favoriten gewählt werden.

Dann sprach der Herr bei Jauch darüber, dass zB ein
lateinischer, afrikanischer oder ein asiatischer Papst die
kathol. Kirche voranbringen würde - wieso wird hier von Kirche
gesprochen und nicht über die Christen?

Du meinst lateinamerikanischer, gelle? Ob ein solcher Papst die Kirche voranbringen würde, weiß ich nicht (ist mir als Atheistin auch schnurzpiepegal *fg*), aber Fakt ist, daß in Lateinamerika ein Großteil der Katholiken dieser Welt lebt. Also: why not? Mit einem Polen als Papst hat damals auch kein Mensch gerechnet.

Also für mich sind diese ganzen Aussagen allesamt
widersprüchlich und ein Beweis dafür, dass weder der Papst
noch die katholische Kirche von Gott „begleitet“ wird.

Laß das bloß nicht die im Vatikan hören, sonst wirst Du - so Du denn katholisch bist - womöglich noch exkommuniziert… *lach*

Viele Grüße

Renee

Hallo,

Dann sprach der Herr bei Jauch darüber, dass zB ein
lateinischer, afrikanischer oder ein asiatischer Papst die
kathol. Kirche voranbringen würde - wieso wird hier von Kirche
gesprochen und nicht über die Christen?

Weil der Papst nicht für alle Christen eine Glaubensinstanz ist.

Gruss
tigger

Hallo Andrea,

vorab eine recht interessante Seite für Papstwahl-Interessierte und dann Antwort auf deine Detailfragen: http://www.nomokanon.de/abhandlungen/015_text.htm

Wieso darf man sich nicht selbst wählen?

das ist bei vielen anderen Wahlen so. Man möchte verhindern, dass sich jemand „selbst auf den Thron hievt“, nehme ich an. Es ist doch naheliegend, dass sich nicht wenige selbst am meisten gönnen würden, gewählt zu werden. Dass das einer sinnvollen Wahl eher entgegensteht, finde ich nachvollziehbar.

wie zB der Papst darf nicht älter als 80 sein

Das ist nicht richtig. Kardinäle, die das 80. Lebensjahr bei Eintritt der Sedisvakanz vollendet hatten, verlieren das aktive Wahlrecht. Passives Wahlrecht besitzt, in der Theorie, jeder männliche römisch-katholische Christ. In der Praxis ist es sowohl eine ganze Weile her, dass ein Nicht-Bischof als auch dass ein Nicht-Kardinal gewählt wurde. Eine Altersbeschränkung steht allerdings nirgendwo geschrieben.

„Favoriten“. Wie kann man denn davon Reden?

Im Prinzip ist das eine weltanschauliche Frage: Hat der Mensch einen freien Willen oder sind sogar die Favoriten-Wetten nicht-religiöser Menschen von Gott gelenkt? Kommen die Ansprüche an einen neuen Papst und die bevorzugten Kandidaten, mit denen die Kardinäle nach Rom kommen, überhaupt von ihnen selbst? Das muss jeder für sich entscheiden. Für mich ist die Sache eher unter organisatorischen Gesichtspunkten interessant.

Gruß
Christopher

ach nö …
Hallo Renee,

das ist doch nun wirklich oft genug in der Presse durchgekaut worden…

Wahlberechtigt sind Kardinäle bis 75,

Falsch: bis 80! (Universi Dominici Gregis Nr. 33, http://www.vaticanhistory.de/vh/html/body_papstwahld…)

insofern kann auch kein
Papst erst mit 80 gewählt werden.

Falsch, für das passive Wahlrecht gibt es keine Altersbeschränkung!
(In der Praxis natürlich schon, denn seit 600 Jahren wählen die wahlberechtigten Kardinäle einen Kandidaten aus ihrer Mitte. Es gibt nur keine formale Bestimmung, dass das so sein muss.)

Warum? Nun… Nach dem Codex
Iuris Canonici (Canon 354) sind Kardinäle angehalten, mit
Vollendung des 75 Lebensjahres ihren Amtsverzicht - die sog.
Renuntiatio - anzubieten.

Richtig, aber: der Amtsverzicht bezieht sich auf ihre Leitungsfunktion in der jeweiligen Diözese bzw. in der Kurie. Auch nach einem Amtsverzicht bleiben sie Kardinäle und damit papstwahlberechtigt.
Außerdem müssen die Kardinäle ihren Amtverzicht nur anbieten, die Entscheidung über die Annahme liegt „unter Berücksichtigung aller Umstände“ allein beim Papst (er kann die Amtszeit um jeweils zwei Jahre verlängern, auch mehrfach).

Zu diesem Thema empfehle ich gerne
noch einmal die Lektüre dieser Seite:
http://www.zdf.de/ZDFheute/inhalt/19/0,3672,2019283,…

Hättste doch mal selber gründlich gelesen …

Grüße
Wolfgang

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Hallo Christian,

ich persönlich wollte keine Erklärungen dafür haben (weil diese immer auf menschliche Vorstellungsweisen zurück zuführen sind - Gottes Wege sind aber unergründlich), sondern einfach bemerken, dass die Aussagen widersprüchlich sind - jedenfalls für mich - u damit für mich die gesamte Papststellung/Wahl und weiterhin die kath. Kirche.

Liebe Grüße

Andrea