Parallelschaltung: Spannung und Strom

Guten Tag, beisammen,
Ich habe einige grundsätzliche Verständnissprobleme, was Parallelschaltungen betrifft.

Dazu sollte man vielleicht wissen, dass mir die E-Technik an sich überhaupt keine Probleme bereitet und ich auch sonnst in Physik immer Bestnoten geschrieben habe.
Auch die theoretischen Grundlagen des Verhaltens von Spannung und Stromstärke in Parallel- und Reihenschaltung sind für mich kein Problem.

Trotzdem hab ich irgendwie ne Blockade in der Rübe, folgende Aspekte mit meinem vorhandenen Wissen zu kombinieren und zu verstehen.

Wenn ich eine Parallelschaltung zweier Widerstände habe, dass teilt sich der durch diese Schaltung fließende Strom ja auf beide Widerstände auf - und zwar antiproportional zum Widerstandswert des jeweiligen Widerstandes.

Wenn ich nun jedoch einen der beiden Widerstände durch einen einfachen (idialisiert nicht widerstandsbehafteten) Leiter ersetze, was passiert dann?

Soweit ich das verstanden habe, müsste nun sowohl am (noch vorhandenen) Widerstand, als auch an der zu ihm parallel geschalteten Leitung die selbe Spannung anliegen. Die, die noch nicht an eventuell vorher in Reihe geschalteten Widerständen abgefallen ist.

Wie verhält sich jedoch nun der Strom? Ich lese immer wieder, dass er nun komplett durch den (quasi) widerstandsfreien Zweig fließt und der andere Zweig mit dem Widerstand nicht mehr stromdurchflossen wird (->> „Der Strom nimmt den Weg des geringsten Widerstandes“).
Nach dem ohmschen Gesetz müsste auch durch den Widerstand Strom fließen, da an ihm ja genau die gleiche Spannung anliegt, wie an dem dazu parallel geschalteten Leiter.

Kann jemand meine Verwirrungen auflösen?
Vielen Dank schonmal.

Hi,

Wenn ich nun jedoch einen der beiden Widerstände durch einen
einfachen (idialisiert nicht widerstandsbehafteten) Leiter
ersetze, was passiert dann?

http://www.x-rayted.at/blog/files/page0_blog_entry2_…

Soweit ich das verstanden habe, müsste nun sowohl am (noch
vorhandenen) Widerstand, als auch an der zu ihm parallel
geschalteten Leitung die selbe Spannung anliegen.

Genau. und diese Spannung ergibt sich aus dem Gesamtwiderstand der beiden parallel geschalteten Widerstände (bzw. leiter und Widerstand).

Die, die
noch nicht an eventuell vorher in Reihe geschalteten
Widerständen abgefallen ist.

Wenn der Gesamtwiderstand nahezu 0 ist, fällt auch keine Spannung über diesem Zweig ab.

Wie verhält sich jedoch nun der Strom? Ich lese immer wieder,
dass er nun komplett durch den (quasi) widerstandsfreien Zweig
fließt und der andere Zweig mit dem Widerstand nicht mehr
stromdurchflossen wird (->> „Der Strom nimmt den Weg des
geringsten Widerstandes“).
Nach dem ohmschen Gesetz müsste auch durch den Widerstand
Strom fließen, da an ihm ja genau die gleiche Spannung
anliegt, wie an dem dazu parallel geschalteten Leiter.

Es fällt ja keine Spannung mehr ab, also fließt nur der Strom, der sich aus anderen Schaltungselementen in der Masche ergibt. Dieser teilt sich entsprecehnd dem Widerstandsverhältnis und fließt durch den Leiter, nicht durch den Widerstand.

Kann jemand meine Verwirrungen auflösen?

Ist es etwas klarer?

Gruß
Torsten

Naja, wesentlich klarer ist es mir noch nicht.
Ich verstehe z.B. nicht, warum über dieser Parallelschaltung dann keine Spannung mehr abfallen soll?

Ich hab gerade mal in 5-minüter Arbeit ein kleines Schaubild zusammengezimmert und bei mir auf den Space geladen: http://klarnetz.de/parallel.png

Kann mir vielleicht anhand dessen und den angegebenen Buchstaben erklären, wo Spannung abfällt, Strom fließt und warum das so ist?

Vielen Dank schonmal und entschuldigt meine Verwirrung :smiley:

Kann mir vielleicht anhand dessen und den angegebenen
Buchstaben erklären, wo Spannung abfällt, Strom fließt und
warum das so ist?

Der Gesamtwiderstand aus der Parallelschaltung von A und B ist nahezu 0. Deshalb fällt über A und B auch keine Spannung mehr ab. Der Strom in der Schaltung ergibt sich nur noch aus dem Innenwiderstand der 5V-Spannungsquelle. Da jetzt der Widerstand im Zweig A viel geringer als der in Zweig B ist, fließt nahezu der gesamte Strom durch A.

Gruß
Torsten

Hallo

Wenn ich nun jedoch einen der beiden Widerstände durch einen
einfachen (idialisiert nicht widerstandsbehafteten) Leiter
ersetze, was passiert dann?

Kurzschluss.
Dein Gesamtes Haus (Straße, Statd…) Ist nix andres wie eine Parallelschaltung von Steckdosen und Lampen.

Stelle die Vor Du hast Kabel an dem Zwei Steckdosen (mit eingestecktem Gerät) angeschlossen sind.
Wenn du nun eine Steckdose ausbaust und das kabel durchverbindest hast du einen Widerstand herraus genommen. Wenn Du nun Das Kabel Durch schneidest hast Du einen einen Sehr kleinen wiederstand (den Seitenschneider ) einegbaut. Was Passier ist wohl Klar *Knall Sicherung raus->Kurzschluss)
PROBIERE DAS ABER BLOS NICHT AUS!

Soweit ich das verstanden habe, müsste nun sowohl am (noch
vorhandenen) Widerstand, als auch an der zu ihm parallel
geschalteten Leitung die selbe Spannung anliegen. Die, die
noch nicht an eventuell vorher in Reihe geschalteten
Widerständen abgefallen ist.

An der Steckdose fällt liegen noch 230V an (sofern die Spannung nicht auf aufgrund des Kruzschlusses zusamenbricht, wäre z.B. bei einer Batterie so), zumindest solange bis die Sicherung reagiert hat.
Das ist halb richtig.
Der Strom nimmt immer den Kleinsten Widerstand. Aber in der Parallschaltung fließt trotzdem weiter strom. Beispiel:
Du hast in der Küche eine Lampe mit 25 Watt an (Wiederstand=Groß) Und schaltest im Garten deine 100 Watt Glühlampe an (Wiederstand=Klein)
Es interessiert die Lampe in der Küche nicht obwohl beide Paralelgeschaltet sind. Wenn sich Kurz die Helligkeit ändertt liegt das daran das auf Grund des Größer gewordenen Strom auf der gemeinsamen Leitung (Zuleitung) die Spannung „zusammenbricht“

geringsten Widerstandes").
Nach dem ohmschen Gesetz müsste auch durch den Widerstand
Strom fließen, da an ihm ja genau die gleiche Spannung
anliegt, wie an dem dazu parallel geschalteten Leiter.

Richtig

Kann jemand meine Verwirrungen auflösen?

Hoffe Ich Konnte verständlich erklären

Gruß Ww

Hallo Fragewurm,

Ich verstehe z.B. nicht, warum über dieser Parallelschaltung
dann keine Spannung mehr abfallen soll?

Ich hab gerade mal in 5-minüter Arbeit ein kleines Schaubild
zusammengezimmert und bei mir auf den Space geladen:
http://klarnetz.de/parallel.png

Diese Schaltung nenn man Kurzschluss!

Kann mir vielleicht anhand dessen und den angegebenen
Buchstaben erklären, wo Spannung abfällt, Strom fließt und
warum das so ist?

A = 0 Ohm
B = 100 Ohm
C = 0 Ohm

Gesamtwiderstand =
A||B + C = 0 Ohm

I = U/R
Da R = 0 darf man eigentlich nicht dividieren, aber I wird dann unendlich.

Nehmen wir halt mal dicken Kupferdraht:
A = 0.01 Ohm
B = 100 Ohm
C = 0.01 Ohm

0.01Ohm||100Ohm + 0.01 Ohm = 0.01999900009999 Ohm

I = 5V/0.01999900009999 Ohm = 250.0124 A

Leistung ist dann 1.25kW
Das muss dein Draht erst mal verkraften.

Über C fallen dann 2.500124 V ab und über A 2.499876V.

Praktisch brauchst du aber erst mal ein passendes Netzteil.
Bei den meisten fliegt bei einigen Ampere die Sicherung raus oder sie gehen in die Strombegrenzung. Der Spannungsabfall entsteht dann an einem anderen Element, wie z.B. der Sicherung.

MfG Peter(TOO)

Dass das gesamte Stromnetz Parallelschaltung ist, dass das nen Kurzschluss wäre etc. hab ich ja alles begriffen.

Nur verstehe ich halt nicht, warum über den anderen Widerstand nicht auch nen Strom fließt.

In dem Beispiel oben wurde angenommen, B auf meinem Schaubild ( http://klarnetz.de/parallel.png ) sei 100 Ohm. Da an diesen 100 Ohm jedoch ja auch die 5 Volt anliegen, müsste meinem Empfinden nach da auch ein Strom fließen, nämlich I = U / R = 5V / 100 Ohm = 0,05 A.

Ich begreife nicht, warum da nun so gut wie gar kein Strom mehr fließen soll.

Klar, der Gesamtwiderstand ist kleiner als jeder Einzelwiderstand und gleich dem Kehrwert der Summer aller parallelen Widerstände.
Der Gesamtstrom ist gigantisch, weil natürlich durch die nahezu 0 Ohm des zum Widerstand parallelen Leiters eine Unmenge Strom fließt.

Aber dass durch den parallelen Widerstand so gut wie kein Strom mehr fließen soll, wenn an diesem genauso 5V anliegen, will in meine Rübe irgendwie nicht rein…

Wenn ich zwei gleichohmige Widerstände parallel schalte, fließt durch beide der gleiche Strom. Verkleinere ich nun einen, erhöht sich der Gesamtstrom und durch den Kleineren wird ein immer größerer Strom fließen.
Aber fließt deswegen durch den anderen weniger Strom? Eigentlich doch nicht. Durch den kleineren fließt nur mehr als durch den größeren.

Wenn ich das weiter so treibe, einen der beiden nun gegen null tendierend klein mache und den anderen gleich groß lasse, müsste durch den (dann faktisch nicht mehr vorhandenen) Widerstand also eine große Menge Strom fließen, während die gleiche Stromstärke wie vorher
weiterhin durch den gleich gebliebenen parallelen Widerstand fließt…

Ich hoffe, ich gehe euch nicht auf die Nerven.

Jan-David(knufix)

In dem Beispiel oben wurde angenommen, B auf meinem Schaubild
( http://klarnetz.de/parallel.png ) sei 100 Ohm. Da an diesen
100 Ohm jedoch ja auch die 5 Volt anliegen, müsste meinem
Empfinden nach da auch ein Strom fließen, nämlich I = U / R =
5V / 100 Ohm = 0,05 A.

So sehe ich das jezt aber auch.

Entwerter hab ich jetzt den Gleichen Denkfehler wie Du oder es ist so.

Steh grad gedanklich auf der Leitung warum da kein Strom fließen sollte.
(was jetzt nicht bedeutet das wir recht haben)
Gruß Ww

Der Gesamtwiderstand aus der Parallelschaltung von A und B ist
nahezu 0.

Logisch

Deshalb fällt über A und B auch keine Spannung mehr
ab.

Warum nicht? Die Anschlüsse sind anch wie vor an der Spannugsqulle angeschlossen.

Der Strom in der Schaltung ergibt sich nur noch aus dem
Innenwiderstand der 5V-Spannungsquelle.
Da jetzt der
Widerstand im Zweig A viel geringer als der in Zweig B ist,
fließt nahezu der gesamte Strom durch A.

Aber „B“ ist doch immer noch an der Spannung - also musste doch immer noch der selbe Strom wie Vorher über „B“ fließen (wenn man das zusammenbrechen der Spannung mal missachtet.

Ich stehe plötzlich auf der Gleichen Leitung wie der UP, dieser „Denkfehler“ schein ansteckend zus ein :wink:

Gruß Ww

Gruß
Torsten

Aber „B“ ist doch immer noch an der Spannung - also musste
doch immer noch der selbe Strom wie Vorher über „B“ fließen
(wenn man das zusammenbrechen der Spannung mal missachtet.

Nein, wenn du eine Spannungsquelle kurzschleißt, fallen keine 5V mehr über den Anschlüssen ab, sondern (fast) 0V. Die 5V liegen über dem Innenwiderstand der Spannungsquelle.
Wenn es eine ideale Spannungsquelle ohne Innenwiderstand und ein Kurzschluss mit 0 Ohm wäre, würde gar keine Spannung abfallen und der Strom unendlich sein.

Gruß
Torsten

Guten Morgen, Jan-David

Ich habe hier mal Teile aus zwei deiner Beiträge in diesem Thread zusammengefasst, und Du kannst davon ausgehen, dass ich auch die Anderen gelesen habe.

Wenn ich eine Parallelschaltung zweier Widerstände habe, dass teilt sich der durch diese Schaltung fließende Strom ja auf beide Widerstände auf - und zwar antiproportional zum Widerstandswert des jeweiligen Widerstandes.

Das ist richtig

Wenn ich nun jedoch einen der beiden Widerstände durch einen einfachen (idealisierten, nicht widerstandsbehafteten) Leiter ersetze, was passiert dann?

Dann hast Du ein logisches Problem.

Ich hab gerade mal in 5-minüter Arbeit ein kleines Schaubild zusammengezimmert und bei mir auf den Space geladen: http://klarnetz.de/parallel.png

Kann mir vielleicht anhand dessen und den angegebenen Buchstaben erklären, wo Spannung abfällt, Strom fließt und warum das so ist?

Schauen Wir mal, wo das logische Problem liegt.

Dazu erweitern wir Deine Skizze noch um ein paar Punkte auf den (idealen) Leitern.

  • Den Knotenpunkt, wo die Widerstände (bzw. „Nichtwiderstände“) A und B und C verbunden sind, nennen wir A1.
  • Die Klemmen des 5V-Netzgerätes nennen wir (um sie im Text deutlich hervorzuheben) K+ und K-.
    Und der Ordnung halber fügen wir zwischen K+ und K- noch das Symbol für eine Stromquelle ein. Fachleute nehmen dafür einen Kreis mit zwei Anschlüssen und dem Buchstaben G (Generator), aber Du darfst auch ein anderes Zeichen nehmen.
  • K+ ist der Verbindungspunkt der Widerstände A und B sowie der Stromquelle G.

Und wenn wir jetzt, wie es in solchen Schaltbildern zur Vereinfachung üblich ist, den Innenwiderstand der Stromquelle ebenfalls mit 0Ω annehme, dann ist das logische – und auch das mathematische – Chaos komplett.

Warum?

Die Quellenspannung der Stromquelle beträgt 5V. Der Spannungsabfall am Innenwiderstand der Stromquelle (0Ω) beträgt 0V, also besteht an den Klemmen der Stromquelle eine Spannungsdifferenz von 5V.
Der Strom fließt von K+ über A1 nach K- und weiter nach K+ (ein geschlossener Kreis).

Folgende Widerstände Treten im Kreis auf:

  • Zwischen K+ und A1 die Parallelschaltung von A=0Ω und dem Widerstand B=100Ω.
    Der Gesamtwert ist 0Ω. Du kannst es gerne nachrechnen.
  • Zwischen A1 und K- der Widerstand C=0Ω
  • Zwischen K- und K+ der Innenwiederstand der Stromquelle =0Ω

Wenn Du die Widerstände im Kreis zusammenzählst, bekommst Du 0Ω+0Ω+0Ω=0Ω.

Mit der Spannung von 5V und dem Widerstand von 0Ω könntest Du mit der Formel U=I/R den fließenden Strom ausrechnen, wenn es nicht mathematisch unmöglich wäre, einen beliebigen Wert durch 0 zu teilen. Die logische, aber formal mathematisch schwer zu beweisende Überlegung sagt uns, dass der Strom unendlich groß wäre. Was uns nicht wirklich weiterhilft, denn mit der Größe „unendlich“ kann man auch nicht rechnen.

Du siehst, durch Deine „Vereinfachungen“ (idealisierte, nicht widerstandsbehaftete Leiter) hast Du uns in ein Chaos geführt, aus dem wir uns jetzt irgendwie befreien müssen.

Also nehmen wir an, dass der Innenwiderstand der Stromquelle 1Ω sei (ein für ein 5V-Netzgerät grottenschlechter Wert, aber gut zu rechnen).

Jetzt hat unser Stromkreis einen Gesamtwiderstand von 1Ω, und damit ergibt sich ein Kreisstrom von 5V/1Ω=5A. Hurra! Wir haben wieder einen Wert, mit dem man rechnen kann.

Da aber die ganze Quellenspannung von 5V am Innenwiderstand des Generators abfällt, haben wir nach der Formel
Klemmenspannung UK = Quellenspannung UQ - Spannungsabfall UR
= UQ - I * R = 5V - 1Ω * 5A = 5V – 5V = 0V Klemmenspannung.
Das heißt, dass die ganze in der Stromquelle erzeugte Spannung schon am Innenwiderstand der Stromquelle abfällt und dadurch die Spannungsdifferenz zwischen K+ und K- gleich 0V ist.

Aber wir haben ja noch den Strom zum weiterrechnen, und die Ausgangsfrage war ja, was passiert, wenn „ich nun jedoch einen der beiden Widerstände durch einen einfachen (idealisierten, nicht widerstandsbehafteten) Leiter ersetze?“.

Schleichen wir uns von hinten an die Lösung heran:
Gehen wir erst mal davon aus, dass irgendjemand den Widerstand B geklaut hat. Dann liegt zwischen den Punkten K+ und A1 nur der Widerstand A, und der ist „idealisiert, nicht widerstandsbehaftet“, hat also 0Ω. Dann beträgt der Spannungsabfall über den Widerstand A und damit der Spannungsunterschied zwischen K+ und A1
5A * 0Ω = 0V
Das gesunde Volksempfinden sagt uns, dass ein Zuschalten des Widerstandes B nichts ändert, denn da die Spannung zwischen K+ und A1 =0V ist, kann auch kein Strom durch Widerstand B fließen.

Was ist daran so schwer zu verstehen?

Dein Denkfehler ist zweierlei:

  1. Du hast Dir eine irreale Aufgabe gestellt (es gibt keinen idealisierten, nicht widerstandsbehafteten Leiter) und wenn man vereinfacht, dann muss man wissen, wie weit man gehen kann.
  2. Du bist an die Lösung des Problems herangegangen wie die alten griechischen Philosophen an das Paradoxon von Achilles und der Schildkröte *)

Genau so bist Du auch nicht methodisch unter Anwendung des ohmschen Gesetzes an die Sache heran gegangen, sondern hast Dich in komplizierte Überlegungen verrannt.

*) Das Paradoxon von Achilles und der Schildkröte geht so:

_Frage:
Wenn bei einem Wettrennen die Schildkröte einen Vorsprung von 10 Fuß vor Achilles hat, kann Achilles die Schildkröte jemals einholen.

Die Antwort der Philosophen (nach reiflicher Überlegung und Diskussion):
Nein, es ist unmöglich.
Wenn Achilles die Distanz zu dem Punkt, von dem die Schildkröte gestartet ist, zurückgelegt hat, ist diese ja schon ein Stück weitergekrochen.
Wenn Achilles auch diese Strecke zurückgelegt hat, ist die Schildkröte wieder ein Stück weitergekrochen.
Wenn Achilles auch diese Strecke zurückgelegt hat, ist die Schildkröte wieder ein Stück weitergekrochen.
Wenn Achilles auch diese Strecke zurückgelegt hat, ist die Schildkröte wieder ein Stück weitergekrochen.
Usw. usw. usw._

Die alten Philosophen wussten zwar (aus der Anschauung), dass ihre Lösung falsch war, aber es fehlte ihnen das Rüstzeug, zu erkennen, wo der Fehler lag.

Die geistige Elite der alten Griechen tat sich schwer mit dem Rechnen und deshalb versuchte man, eine Aufgabe „logisch“ zu durchdenken, wo ein Landvermesser (die gehörten zur verachteten Arbeiterklasse) vielleicht, wenn er Zeit gehabt hätte, über so ein idiotisches Problem nachzudenken, zum Abakus gegriffen hätte.

Ich hoffe jedenfalls, du siehst jetzt klarer

Gruß merimies

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Hallo,

Wenn ich eine Parallelschaltung zweier Widerstände habe, dass
teilt sich der durch diese Schaltung fließende Strom ja auf
beide Widerstände auf - und zwar antiproportional zum
Widerstandswert des jeweiligen Widerstandes.

Wenn ich nun jedoch einen der beiden Widerstände durch einen
einfachen (idialisiert nicht widerstandsbehafteten) Leiter
ersetze, was passiert dann?

Gedankenexperiment: Vor Dir liegt ein Widerstand R = 1 kΩ, von dem zwei Drähte zu einer Quelle führen. Über die Quelle weißt Du nichts. Du misst zwischen den Enden des Widerstands die Spannung U = 10 V und errechnest korrekt, dass dann ein I = 10 mA starker Strom fließt.

Preisfrage: Wie ändern sich U und I, wenn der Widerstand auf 500 Ω halbiert wird?

Die Antwort lautet: Es kommt darauf an! Nämlich auf die Beschaffenheit der Quelle, über die nichts bekannt ist. Du kannst lediglich voraussagen, dass nach der Halbierung auf 500 Ω der Quotient U/I gleich ist ebendiesen 500 Ω, denn U/I = R gilt immer (es ist die Eigenschaft des Widerstands selbst). Aber Du kannst nicht U und I separat voraussagen!

Welche Werte U und I annehmen, hängt von der Quelle ab. Es gibt zwei Grenzfälle:

(1) Es ist eine ideale Spannungsquelle. Dann wird U konstant bleiben, aber der Strom sich verdoppeln: 10 V/20 mA = 500 Ω.

(2) Es ist eine ideale Stromquelle. Dann wird I konstant bleiben, aber die Spannung sich halbieren: 5 V/10 mA = 500 Ω.

Eine gewöhnliche Batterie z. B. aus Alkalizellen stellt, solange der Lastwiderstand hochohmig und mithin der fließende Strom klein ist, eine ganz ordentliche (aber nicht ideale) Spannungsquelle dar. Verringert man jedoch den Lastwiderstand mutwillig immer mehr, dann zeigt sich die Nicht-Idealität der Spannungsquelle: die Klemmenspannung geht zunehmend stärker in die Knie. Ein Kurzschluss (Lastwiderstand = 0 Ω) drückt sie schließlich auf Null. Dann fällt die von der Batterie erzeugte Spannung vollständig an ihrem eigenen Innenwiderstand ab, und wegen der großen in ihm umgesetzten Leistung werden die Zellen sehr warm (bitte NICHT ausprobieren!).

Eine Stromquelle kann man näherungsweise einfach dadurch konstruieren, indem man eine Spannungsquelle mit einer möglichst hohen (!) Spannung U nimmt, und zu ihr einen hochohmigen (!) Widerstand R in Serie schaltet. Beides zusammen ergibt eine (nicht ideale) Stromquelle, die jedem daran angeschlossenen Widerstand den Strom U/R einprägt, solange der Widerstand niederohmig und mithin die an ihm abfallende Spannung klein bleibt.

Nochmal der „Clou“ an der Sache: Um nicht nur voraussagen zu können, wie sich bei R-Änderung der Quotient U/I ändert (damit gibts nie ein Problem: R = U/I!), sondern U und I separat (von 10 V/10 mA auf 10 V/20 mA oder auf 5 V/10 mA oder auf 8 V/16 mA oder auf 6 V/12 mA?) etc.) ist die Kenntnis der Quelle vonnöten, d. h. man muss die Abhängigkeit des Quellenstroms von der Quellenspannung kennen.

Soweit ich das verstanden habe, müsste nun sowohl am (noch
vorhandenen) Widerstand, als auch an der zu ihm parallel
geschalteten Leitung die selbe Spannung anliegen.

Das stimmt in jedem Fall. Die Frage ist nur, wie groß diese „selbe Spannung“ dann nach der Parallelschaltung des aus der Leitung bestehenden äußerst niederohmigen Widerstands ist. (1) Ist die Quelle eine _Spannungs_quelle, hält sie die Spannung konstant, was ihr einige Mühe bereitet, weil sie durch die Leitung ja einen gigantischen Strom treiben muss. Durch den Widerstand wird jedoch immer noch der gleiche Strom fließen wie vorher. (2) Ist die Quelle eine _Strom_quelle, wird die „selbe Spannung“ durch die Parallelschaltung auf einen nur noch winzig kleinen Wert zusammenbrechen. Dann wird der Strom, der vorher durch den Widerstand floss, praktisch vollständig durch die Leitung fließen, und durch den Widerstand praktisch gar kein Strom mehr.

Wie verhält sich jedoch nun der Strom? Ich lese immer wieder,
dass er nun komplett durch den (quasi) widerstandsfreien Zweig
fließt und der andere Zweig mit dem Widerstand nicht mehr
stromdurchflossen wird (->> „Der Strom nimmt den Weg des
geringsten Widerstandes“).

Ganz grob stimmt das auch – nur für hinreichend „schwache“ Kurzschlüsse und hinreichend starke Spannungsquellen wird es falsch.

Eine 12 V-Autobatterie (Ri = 0.01 Ω) treibt durch einen 1 kΩ-Widerstand 12 mA. Nach Parallelschaltung eines dünnen Kurzschlussdrahts (1 Ω) treibt sie ohne mit der Wimper zu zucken immer noch 12 mA durch den Widerstand, und zuzüglich 12 A durch den Draht, der bald darauf glühen wird.

Eine verbrauchte 12 V-Miniatur-Fotobatterie (Ri = 100 kΩ) treibt 0.12 mA durch einen 1 kΩ-Widerstand (der fließende Strom wird durch Ri bestimmt!). Nach Parallelschaltung eines Drahts treibt sie 0.12 mA durch die Parallelschaltung, wobei praktisch die gesamten 0.12 mA durch den Draht fließen, und durch den Widerstand fast nichts.

Gruß
Martin

Hallo,
nimm die zwei Widerstaende gedanklich, und mach reduziere den einen im Widerstand, von 1000 Ohm auf 10 Ohm auf 0,1 Ohm, dann merkst Du was passiert.
Gruss HElmut

Vielen Dank allen fleißigen Antwortern.
Ihr habts tatsächlich geschafft meinen Hirnknoten aufzulösen :smile:
Und ich weiß nun sogar, warum ich einen solchen hatte.

Ich wusste, dass wenn mehr Strom fließt, mehr davon am Innenwiderstand der Quelle abfällt.
Aber ich habe nicht berücksichtigt, dass die gesamte Quellspannung ja auch am Innenwiderstand abfallen kann, sodass es kaum noch eine Klemmspannung gibt.

Ich hatte mit meinen Gedanken selber also gar nicht so unrecht: Für den Fall, dass die Klemmspannung nahezu konstant gehalten werden kann, bzw. nicht in die Knie geht, gilt tatsächlich, wie von mir angenommen, dass der parallele Widerstand weiterhin stromdurchflossen wird.

Hätte mich auch gewundert, weil ansonnsten ja in Kraftwerken etc. andauernd ein vollkommen extremer Spannungsabfall vorliegen würde, bis hinunter zu 0 Volt Klemmspannung.

Aber diese schaffen es halt, Kurzschlussströme auszuhalten und die Klemmspannung fällt nur gering ab (wenns extrem kommt dann blinken halt mal die Lichter :smiley:)