Paranoide Schizophrenie? Wie damit umgehen?

Hallo…

ich hab mal so ein paar Fragen zu o. g. Krankheit.

Erstmal zu meiner Situation:

Mein Partner hat ein Kind aus einer früheren Beziehung. Die Mutter des Kindes hat diese paranoide Schizophrenie. Die Krankheit ist das erste mal so richtig ausgebrochen bei ihr, vor ca 7-8 Jahren. Ein Krankenhausaufenthalt damals, von einem ca. halben Jahr brachte sie wieder so weit, dass sie „normal“ mit Medis leben kann. Ca. ein Jahr später bekam sie Ihr Kind. Die Beziehung ging ein Jahr später auseinander.

Jetzt meine Fragen:

Kann ihr Kind diese Krankheit geerbt haben?
Manchmal, weil er ja alle 14 Tage übers Wochenende bei uns ist, glaube ich, für seine 5 Jahre, ist er in manchen Dingen echt hinterher, so unbeholfen, vom Verhalten her nicht so, wie ich andere Kinder in dem Alter kenne.

Jetzt liegt sie schon seit knapp drei Monaten wieder im Krankenhaus. Wir haben sie einweisen lassen, nachdem ihre Schwester abends bei uns vor der Tür stand, komplett aufgelöst und uns erzählt hat, es ist wieder so weit. Sie sei total durchgedreht, redet nur noch wirres Zeug usw.
Wir haben das Kind zu uns geholt… wo soll er auch anders hin, in ein Heim ja definitiv nicht, wenn der Papa da ist.

Nun ja, wie lang kann es dauern bis sie wieder so weit ist, sich wieder selbst um ihr Kind zu kümmern? Mir sagte mal jemand, mit jedem „Schub“ wird es schlimmer. Irgendwann kommt sie gar nicht mehr aus ihren Wahnvorstellungen raus.

Was genau ist eigentlich diese Krankheit?
Wie ist der Verlauf?
Mit was muss man rechnen bei solchen Menschen?
Wie kann man unterscheiden, was jetzt der Krankheit zu zuordnen ist und was dem klaren Menschenverstand?
Wie kann sie eventuell durch ihr (Wahn-)verhalten ihr Kind gestört haben?
(es ist wirklich extrem anstrengend mit dem Kind zu leben, zumindest empfinde ich es so. Gut, ich bin nun ja auch ganz außen vor, weil ich ja „nur“ die Partnerin vom Papa bin…)

Ich frage all das, weil ich meinem Partner auch helfen will, damit umzugehen, weil die beiden ja nun mal ein gemeinsames Kind haben, und ich ja nun schon seit drei Monaten jeden Tag damit konfrontiert werde.

Sie hält sich auch nicht an Absprachen mit dem Arzt. Jetzt war sie soweit, dass sie raus durfte, musste allerdings jeden Tag wieder ins KH in eine Tagesklinik. Hat sich nicht gemacht. Ihr neuer Partner drängte sie dorthin nach zwei Tagen - Ergebnis: wieder eingewiesen, da Absprachen nicht eingehalten wurden.

Bin über jede Antwort und jedwede Anregung dankbar.

Grüße
Sunny

Hi Sunny

Was genau ist eigentlich diese Krankheit?

Schizophrenie ist sozusagen die „klassische“ endogene Psychose und kommt in allen Kulturen, Völkern und Zeiträumen etwa gleich häufig vor. Man rechnet 1% der Bevölkerung, mit anderen Worten: Jeder Hundertste erkrankt an Schizophrenie.
Die paranoid-halluzinatorische Schizophrenie ist wiederum eine häufig vorkommende Form. Paranoid bedeutet, dass die Erkrankten sich zunehmend verfolgt fühlen. Oft hören sie zusätzlich Stimmen; manchmal können sie sich mit diesen Stimmen unterhalten, manchmal reden versch. Stimmen über sie. Das ist der halluzinatorischze Anteil, welcher bei endogenen Psychosen fast immer akustisch ist, während die exogenen Psychosen (Drogen) eher optische Halluzinationen hervorrufen.

Wie ist der Verlauf?

Die Verläufe von Schizophrnien sind unterschiedlich. Sie verlaufen häufig in Schüben, so wie anscheinend bei eurer Bekannten. Nach und nach, nach vielen Jahren und vuielen Schüben, wirken diese Menschen dann irgendwie „ausgebrannt“ und zeigen Restzustände einer Psychose.
Im großen und ganzen ist die Prognose nicht besonders gut. Deine Befürchtungen sind also realitätsgerecht.

Mit was muss man rechnen bei solchen Menschen?

Wie oben beschrieben wiederholte Schübe der Erkrankung.

Wie kann man unterscheiden, was jetzt der Krankheit zu
zuordnen ist und was dem klaren Menschenverstand?

Bei dieser Krankheit würde ich das schwer trennen können.

Wie kann sie eventuell durch ihr (Wahn-)verhalten ihr Kind
gestört haben?

In den 60er Jahren haben wir eher vermutet, dass die schizophrenogenen Eltern ihr Kind krank machen durch ihr Verhalten. Heutzutage müssen wir leider eher wieder von ervblichen Belastungen ausgehen.

(es ist wirklich extrem anstrengend mit dem Kind zu leben,
zumindest empfinde ich es so. Gut, ich bin nun ja auch ganz
außen vor, weil ich ja „nur“ die Partnerin vom Papa bin…)

Das ist oft so für die „Stiefmutter“.
Gruß,
Branden

Hallo Branden

während die exogenen
Psychosen (Drogen) eher optische Halluzinationen hervorrufen.

Bei der Mama kommt leider erschwerend hinzu, dass sie vor ihrer Einweisung , viel gekifft hat. Offenbar sogar täglich. Zu ihrer Schwester muss sie wohl gesagt haben, sie braucht das zum schlafen. Kann es das noch schlimmer machen?

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre Krankheit an ihr Kind vererbt hat?

Was kann ein Mensch tun, der die Krankheit hat, um solche Schübe nicht zu bekommen?
Welche Therapien usw. welche Medis nehmen?

Sind solche Menschen wirklich in der Lage ein Kind zu erziehen?

Was passiert eigentlich während einem Klinikaufenthalt? Werden die nur mit Medis vollgepumpt?
Woher wissen die Ärzte, wann sie ihre Patienten wieder „auf die Menschheit los lassen“ können?

Danke für Antworten.

Eure Sunny

Hallo Sunny

viel gekifft hat. Offenbar sogar täglich.
Zu ihrer Schwester muss sie wohl gesagt haben, sie braucht das
zum schlafen. Kann es das noch schlimmer machen?

Schon, aber unwesentlich. Eine Schizophrenie kann man eh nur graduell verschlimmern. :wink:

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre Krankheit
an ihr Kind vererbt hat?

Da müsstest Du die neuesten psychiatrischen Statistiken aufrufen…vielleicht googeln…

Was kann ein Mensch tun, der die Krankheit hat, um solche
Schübe nicht zu bekommen?

Möglichst lange und konstant die Medikamente nehmen, die der Psychiater verschrieb. Nach einer gewissen Zeit machen das die meisten schizophrenen Patienten allerdings dann doch nicht mehr, weil ihnen die Nebenwirkungen lästig sind oder weil sie denken, das müsste jetzt auch mal wieder ohne gehen.

Welche Therapien usw. welche Medis nehmen?

Medikamente: Neuropleptika (da gibt es viele verschiedene, das sollte der behandelnde Psychiater individuell entscheiden).
Die Therapien sind meistens eher strukturierend als analytisch orientiert.

Sind solche Menschen wirklich in der Lage ein Kind zu
erziehen?

Von Fall zu Fall verschieden.

Was passiert eigentlich während einem Klinikaufenthalt? Werden
die nur mit Medis vollgepumpt?

Vollgepumpt schon gar nicht, sondern genaue Abstimmung, welches Medikament und wieviel mg. Außerdem SOLLTEN sie ein vielfältiges Therapieangebot haben: Einzelgespräche, Gruppentherapie, Beschäftigungstherapie, kreative und sportliche Möglichkeiten.

Woher wissen die Ärzte, wann sie ihre Patienten wieder „auf
die Menschheit los lassen“ können?

Erfahrung. Psychiater sind Fachärzte wie andere Fachärzte auch. Du könntest ebenso fragen:„Wann weiß ein Chirurg, wann er den Patienten nach der Operation entlassen darf?“
Gruß,
Branden

2 „Gefällt mir“

Hohe Entwicklungsrisiken für das Kind
Hallo Sunny,
Du hast das nicht wirklich gefragt, sondern wolltest was zur Krankheit wissen. Darauf hat Branden Dir geantwortet.

Ich erlaube mir trotzdem eine Anmerkung.
Die Entwicklungsaussichten von Kindern psychisch kranker Eltern sind etwa 3x schlechter, als die *gesunder* Eltern.
Man spricht bei den Kindern oft auch von „Kindern, die in verrückten Welten leben“ oder „den vergessenen Angehörigen“.

Die behandelnden Ärzte gucken auf den kranken Patienten. Das ist ja auch erst mal richtig so.
Aber die dazugehörigen Kinder ( in Akutsituationen, wie bei Euch zur Zeit, oft im Familienverbund untergebracht, der oft ebenfalls durch die Situation mit belastet ist) bleiben dabei häufig auf der Strecke.

Ich möchte Euch nur ermuntern, Euch zum Wohle des Kindes schlau zu machen.
Hier, z.B. einfach mal durch google; seht Euch mal einige Links an, es wird sehr schnell deutlich, unter welchen Risiken die Kinder psychisch kranker Eltern aufwachsen:
http://www.google.de/search?hl=de&q=Kinder+schizophr…
…und dann bitte ich Euch, ernsthaft in Erwägung zu ziehen, wo der Junge sich auf Dauer tatsächlich gut entwickeln könnte.

Bei der Mutter?
Beim Vater?
In einer Heimkleinsteinrichtung?
Bei Pflegeeltern?..

Was alles nicht heißt, den Jungen einfach seiner Mutter zu entreißen, sondern ihm eine möglichst positive Entwicklung zu ermöglichen.

Die Risiken der Vererbung bleiben, klar… Aber das Risiko einer Entwicklungsstörung ließe sich verringern.

Zum Wohle des Kindes sollte ( durch Fachleute) geguckt werden, ob er nicht beim Vater, falls Ihr das für Euch als Möglichkeit in Betracht ziehen könntet oder, wenn ersteres, aus irgendwelchen nachvollziehbaren Gründen nicht gut wäre, in einer pädagogischen Einrichtung oder Pflegefamilie besser leben könnte.

Geregelte Kontakte zur Mutter sind dann übrigens immer noch möglich.

Nur mal als Denkanstoß…
Bei Mama geht es dem Kind offenbar in der derzeitigen Situation ( und offenbar auch länger schon) nicht gut.
Da wäre eine Fremdunterbringung, oder ein Leben bei Papa
zum Wohle des Kindes als längerfristige Lebensperspektive, zumindest aus meiner Sicht, ernsthaft zu überdenken.

Jugendämter informieren Euch da gern.
Und wenn Ihr Euch beim ersten Mitarbeiter nicht wohl oder ernst genommen fühlt, dann wendet Euch bitte an einen anderen.

Und man muss sich auch nicht schämen, wenn man an eigene Grenzen stößt. Grenzen zu erkennen und zu benennen, ist eine Stärke. Nicht aber, wenn man Hilfe, die möglich wäre, unterlässt.
Gruß Finjen

Kann ihr Kind diese Krankheit geerbt haben?

die sog. erbliche disposition ist erhöht, das heisst aber nicht, dass die krankheit ausbricht. dazu müssen weitere belastungsfaktoren im laufe der biogrphie kommen. man kann aber auch gut einleben lang gesund bleiben.

Nun ja, wie lang kann es dauern bis sie wieder so weit ist,
sich wieder selbst um ihr Kind zu kümmern? Mir sagte mal
jemand, mit jedem „Schub“ wird es schlimmer.

das kann man nicht genau sagen. wie lange dauert ein bandscheibenvorfall? es gibt unterschiedliche formen der psychose, einige betroffene erholen sich, die krankheit bessert sich, tritt seltender auf, kann gut medikamentös in schach gehalten werden.

Was genau ist eigentlich diese Krankheit?

man kann sie auf der rein hirnorganisch-biologischen ebene als eine stoffwechselstörung im transmittersystem betrachten. eine fehlerhafte regulation des dopaminhaushaltes, ein stoff wird zu viel, an falschen stellen und zu oft ausgeschüttet. so gesehen ist es eine art „diabetes im gehirn“

Wie ist der Verlauf?

periodisch wiederkehrend, oft über viele jahre, es handelt sich um eine sehr schwere erkrankung

Mit was muss man rechnen bei solchen Menschen?

wahnvorstellungen, stärkste und skurilste verhaltensveränderungen, auch selbst- und fremdgefährdung kommen vor, und : MIT VORURTEILEN DER UMWELT!!!

Wie kann man unterscheiden, was jetzt der Krankheit zu
zuordnen ist und was dem klaren Menschenverstand?

kann ich nicht beantworten

Wie kann sie eventuell durch ihr (Wahn-)verhalten ihr Kind
gestört haben?

durch nicht-versorgen, beängstigen und die erfahrung des kindes, dass mama nicht ihr leben meistern kann und schwer krank ist, die teilnahme an einer selbsthilfegruppe für angehörige psychisch kranker empfehle ich euch allen, das ist wirklich etwas gutes

Und man muss sich auch nicht schämen, wenn man an eigene
Grenzen stößt. Grenzen zu erkennen und zu benennen, ist eine
Stärke. Nicht aber, wenn man Hilfe, die möglich wäre,
unterlässt.
Gruß Finjen

Vielen lieben Dank für Deine Nachricht.

Der Betreuer der Mama hatte schon eine Privateinrichtung ausgesucht, als wir für 14 tage im urlaub waren und der kleine bei der oma war. als wir wieder kamen, hiess es plötzlich er solle in solch eine einrichtung, aus diversen gründen…

ich war von der idee nicht so begeistert, hab das meinem partner auch gesagt, weil ich der meinung war, die paar wochen bis die mama wieder draußen ist, kriegen wir auch noch hin.

da sie aber jetzt schon wieder eingewiesen wurde, wir wieder in die bresche gesprungen sind, und wieder nicht wissen wie lang es dauert, weiß ich momentan ehrlich gesagt nicht, wie lange das bei uns noch so geht. dem kind geht es bei uns gut, nur wir kriegen uns in die haare.

mein partner ist selbständig. hat viele termine usw. und muss sich jetzt halt stark einschränken. z. bsp. um den kleinen aus dem kindergarten zu holen usw. weil ich widerum in einem angestelltenverhältnis arbeite und damit feste arbeitszeiten hab. ich kann nicht so ohne weiteres sagen, ich verschieb mal hier mal da was. ich kann maximal für den kleinen da sein, nach meiner arbeit.

und für uns ist es insofern schwer, weil wir uns auch extrem einschränken. hobby oder so geht gar nicht, weil zu der zeit ja abendessen angesagt ist, dann den kleinen ins bett usw. so sind wir „gezwungen“ nach der arbeit heim und da bleiben, was wir sonst so nicht leben. sicher, viele eltern leben so. aber wir sind gerade mal 1 1/2 jahre zusammen. ich hab ehrlich gesagt angst, dass wir uns wegen dem kleinen voneinander entfernen.
weil es auch so ist, dass der kleine z. bsp. nur auf mich hört, wenn er mit mir allein ist. da hab ich selten probleme mit ihm. da bockt er nicht großartig rum usw. wogegen, wenn der papa mit da ist, das ganze dann schon wieder ganz anders aussieht. in den situationen halt ich mich auch immer zurück, weil ich meinen partner da nicht rein reden will und es ja auch „komisch“ aussieht, wenn der papa das eine sagt und die freundin vom papa dann das gegenteil. da weiß der kleine ja auch nicht, was nun richtig ist.

ich weiß momentan einfach nicht, was das richtige ist. ich scheu mich aber auch ehrlich gesagt davor, das kind wegzugeben. kriegt er da nicht noch nen knacks weg, wenn er nicht jetzt schon irgendwie unter der situation leidet. mama im kh, dann ist sie kurz draußen und dann wieder im kh. er vermisst sie auch. aber das meist nur am anfang. in den ersten drei monaten wo wir ihn jetzt hatten, da hat er vielleicht zwei drei mal nach ihr gefragt. das war´s. hat mich auch etwas gewundert. und jetzt ist er wieder bei uns, seit ner knappen woche, da kam, glaube ich, gerade mal ein satz vom ihm.

Sollte man den kleinen mal psychologisch untersuchen lassen? (das meinte zumindest die oma, nach den 14tagen, die sie ihn hatte, als wir im urlaub waren)

wie kann man der mama eigentlich helfen, damit sie schnell wieder ok ist? kann man überhaupt helfen?

danke schon mal im voraus für antworten…

eure sunny

1 „Gefällt mir“