Paris

Hallo allen,
Wir planen demnächst nach Paris zu fahren!
Hab gehört, dass es da Stadtteile gibt, wo man lieber ohne Kalaschnikow nicht auftauchen sollte! Und wenn wir am Silvester nachts spazieren gehen…???
Wir wollen jetzt ein Hotel buchen, es gibt aber verdächtig günstige Angebote und ich vermute, dass es sich um solche Stadtteile handelt.
Hat jemand irgendeine Liste, wo die Stadtteile aufgelistet sind mit jeweihligen Bewertung, wegen Kriminalität und so? :smile:
Oder kann vielleicht jemand aus Erfahrung welche empfehlen?

Bedanke mich im Vorraus
Stefan

Hallo Stefan,

die Viertel, die man besser meiden sollte, liegen weiter außerhalb (z. B. La Defense im Westen). Wenn ihr also innerhalb des Autobahnringes bleibt, ist prinzipiell sogar der Kiez sicher. Ich würde mir keine Sorgen machen. Natürlich sollte man in Großstädten in der Dunkelheit nicht die einsamsten Plätze aufsuchen, wenn man sich nicht auskennt, aber das versteht sich ja von selbst.

Viel Spaß in Paris.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo Thomas,
danke für den Rat.

wir waren vor 2 Jahren mit einer Reisegruppe da und die Reiseführerin erzählte, dass manche Viertel richtige Getthos sind und wenn sich Pariser kennenlernen fragen sie nach den Stadtteil, wo du wohnst und daraus machen sie sich über dein sozialen Status ein Bild.

Hallo Stefan,

ich habe mehrfach direkt neben dem Rotlichtviertel im Hotel gewohnt (mit Frau), und uns ist nie etwas passiert, auch nicht ansatzweise. Um welchen Stadtteil handelt es sich denn? Wenn du es nicht öffentlich posten möchtest, kannst du auch mailen.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo Thomas

ich habe mehrfach direkt neben dem Rotlichtviertel im Hotel
gewohnt (mit Frau), und uns ist nie etwas passiert, auch nicht
ansatzweise. Um welchen Stadtteil handelt es sich denn? Wenn
du es nicht öffentlich posten möchtest, kannst du auch mailen.

Ich weiss nicht welcher Stadtteil es war, weiß nur dass unser Hotel bei diesen Zwillingstürmern war, wurde aber zweimal von einer Herde Kinder (Bettler) angebettelt, die an meinen Sachen gezogen haben (Händy, Fotoapparat, Kleidung) , war auf jedenfall unangenehm.
Nachts sin wir mit Kumpel spazierengegangen mussten umkehren, als wir in einer Strasse waren, wo uns Schwarzen mit Blicken regelrecht getötet haben und einer auf französich uns angeschrien hat.
Paris habe ich mir einbißchen romantischer vorgestellt.

Hallo Stefan,

es hat auch durchaus romantische Ausländerviertel in Paris. Das ist wie in jeder Stadt mit vielen Zuwanderern: Gib den Leuten eine Perspektive, und sie begegnen Dir gleichgültig bis freundlich. Nimm sie ihnen weg, und sie begegnen Dir tendenziell feindselig.

Ein Viertel mit vielen mehr oder weniger gut etablierten Beurs ist z.B. die Rückseite von Montmartre, das 18ième. Viel schöner als die vordere Treppe und immer noch mit einer kleinen Erinnerung an Robert Doisneau ist dort die Rue Simplon; am Boulevard Ornano ist das Kleinbürgertum von Händlern, Kneipiers etc. fest in nordafrikanischer Hand, aber Du bist dort ungefähr so gut aufgehoben wie in Stuttgart Mitte.

Ein anderer charmanter Abstecher in vergangene Kolonialherrlichkeit liegt zwischen dem 19ième und dem 20ième, etwa zwischen dem vielleicht schönsten Park von Paris (buttes chaumont) und Metro Belleville: Das ist Chinatown pur…

Romantisches Paris wie von Doisneau oder Simenon liegt auch am Kanal St. Martin zwischen der Gare de l’Est und der Bastille. Ist grade dabei, zur Schickimickimeile zu werden, aber noch gehts. Nicht umsonst geht eine der wichtigen Fahrradtrassen der Stadt (die viel besser benutzbar sind als allgemein behauptet, wir ham sie im vergangenen Frühjahr getestet) da entlang.

Noch eine andere Perspektive bietet die Überschreitung der Stadtgrenze in Boulogne (Endstation der Metro 10): Urplötzlich befindet man sich in dem behaglich-bourgeoisen Muff der französischen Provinz, es ist, als würde auf den kleinen Messingschildern an den teuren Häusern überall Duval und Dupont stehen. Genau in der Kante, kurz vor dem Bois, wird übrigens auch die Kunst der Brasserieküche noch gepflegt.

Eine Art Dorf mitten in der Metropole ist ferner das berühmte 5ième: Da sind nicht bloß die ganzen mehr oder weniger prächtigen Universitäten, sondern entlang der rue Mouffetard zwischen Contrescarpe und Bld. St. Marcel/Arago ist man unversehens in einem Gewinkel von Gassen, in dem alles klein-klein ist (außer den Preisen beim Libanesen, aber 1a) und wo sich nochmal der Geist von „Jean-Jacques Dupont“ materialisiert.

Interessant übrigens, dass in den Cités von Villejuif und Ivry (in beiden Orten haben wir Freunde), gigantischen Plattenbauten, die vorwiegend von Dauerarbeitslosen bewohnt sind, ein gänzlich anderer Geist herrscht als in den übrigen Banlieues. Mehr Zukunft als irgendwo anders haben die Jungs dort auch nicht - aber sie haben funktionierende Jugendzentren, gepflegte Außenanlagen an ihren Häusern, Bäcker und Lebensmittelhändler statt zugemauerter Höhlen in den Erdgeschossen der Platten usw. Und seit 1990 weiß man definitiv, dass diese Dinge jedenfalls nicht von Moskau finanziert werden; irgendwie schafft es die KP auch so. In Ivry habe ich weniger Bedenken, nachts auf die Straße zu gehen, als in der rue St. Denis, obwohl die unmittelbar zwischen dem noblen Marchais und den Grands Boulevards liegt.

Fazit: Thomas Miller hat sicher Recht, wenn er empfiehlt, jedenfalls innerhalb des Boulevard Périphérique zu bleiben. Bei großen Bedenken eventuell im Inneren Kreis des 1. bis 10. Viertels. Im übrigen: Nicht gar zu viel zu Fuß erforschen, viel mit der Metro machen, wenn Du am Ausgang der Station ein wenig schnupperst und die Stimmung gefällt Dir nicht, ist der nächste Zug ruckzuck da. Bloß halt nicht so weit in den Abend hinein, Jean-Jacqes Dupont geht gern früh ins Bett… :wink:

Schöne Grüße

MM

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Hallo nochmal,

alldieweil die paar Splitter Dir oder wem auch immer nützlich schienen, noch ein Nachschlag:

Grundsätzliche Orientierung gibt ein wöchentlich aufgelegtes Verzeichnis von sehr vielen Veranstaltungen, Kinos, Diskotheken, Restaurants, Museen etc., „le Pariscope“, erhältlich für weniger als 1€ an praktisch allen Kiosken. Wenn man sich eine Idee von einem Viertel machen will, kann man z.B. dort in das Kapitel „Spezialitätenlokale“ gehen, das nach Vierteln geordnet ist: Wo die Chinalokale sind, wohnen Chinesen etc. Oder auch die Kinoprogramme heranziehen: Wo ein Programmkino ist, findet sich normalerweise auch sonst eine interessante Umgebung…

le Pariscope hilft auch, wenn es um Öffnungszeiten um die Feiertage rum geht. Bei Museen, Kinos, Restaus auch die Telefonnummern wegen Reservierungen.

  • Friedhöfe in Paris:

Sehr bekannt der Père Lachaise, meiner persönlichen (romantisch geprägten) Meinung aber mindestens genauso besuchenswert der kleine und ein bissel verträumte Montmartre-Friedhof (Freund Heine liegt da u.a.) und der Montparnasse-Friedhof, dessen „Bewohner“ ein wenig Paris-Metropole zeigen: Soviel ich weiß, war Montparnasse der erste nicht konfessionsgebundene Friedhof, was seinen „Horizont“ sehr erweitert.

  • Märkte in Paris:

Auch wenn wir hinsichtlich Flohmärkten ein wenig überfüttert sind - der Flohmarkt, der außerhalb der Porte de Clignancourt ein ganzes Viertel einnimmt, sucht seinesgleichen. Zügig durch den Randbereich mit dem Touri-Nepp durchgehen und dann bloß noch wundern.

Wenn man die Montmartre-Treppe hinaufgeht, rechter Hand ein gutes Stück (auch hier gibts einen Touri-Speckgürtel) ins Quartier vordringen zum Marché St. Pierre, wo man ein in bester mittelalterlicher Tradition kompakt zusammengefasstes Tuchhändlerviertel findet, vom Acetat-Fähnchen bis zum schweren Gobelin gibts da alles, vor allem Deko, Posamenten, Möbelbezugs- und Vorhangstoffe. In den neben den Buden fest etablierten Handelshäusern auch Baumwolldrucke, Wollstoffe etc. für die häusliche Nähmaschine. Montagvormittag haben die meisten Buden zu, sonst fast immer auf.

Bei der Metro (möglichst Gare de l’Est, wo einzelne Schaltermenschen Englisch oder gar Deutsch sprechen) erkundigen, wie man zu den „Neuen Hallen“ nach Rungis kommt (erfordert paar Umsteiger, aber eigentlich easy). Dort in den frühen Morgenstunden (ca. 3h - ca. 8h, genau weiß ichs nicht)der zentrale Lebensmittelmarkt Frankreichs, es ist aus der Tradition der „Halles“ übernommen worden, dass man an vielen Ständen die Produkte auch einfach zubereitet haben kann: Unten der Kuttler, auf der Galerie ein Teller tripes usw.

  • Vergnügungen à l’ancienne:

Die früheren Vorstadt-Tanzbuden im Marnetal, les Guingettes, haben in den letzten zehn Jahren eine Art Renaissance erlebt: Essen, Trinken, Musette ist dort heute natürlich auf „Nostalgie“ getrimmt, aber immer noch weit von einem reinen Nepp-Betrieb entfernt und eine ziemlich entspannte Angelegenheit. Details:

http://www.cg94.fr/ou_sortir/ou_sortir_guingp.htm

Hinkommen kann man mit den Vorortzügen der SNCF ab Gare de l’Est.

Wer sowas mag, sollte natürlich auch den Guignol, die Kasperlebude im Park Buttes Chaumont, besuchen.

Und ein Letztes: Schloß und Park von Versailles, sonst wegen der Besuchermassen nicht so recht genießbar, sind im Herbst/Winter ein sehr schöner Ort. Für den Park genug Zeit mitbringen, er ist groß!

Tscha, den Rest überlass ich jetzt aber doch jedermanns eigener Nase…

Schöne Grüße

MM

Ein anderer charmanter Abstecher in vergangene
Kolonialherrlichkeit liegt zwischen dem 19ième und dem 20ième,
etwa zwischen dem vielleicht schönsten Park von Paris (buttes
chaumont) und Metro Belleville: Das ist Chinatown pur…

Romantisches Paris wie von Doisneau oder Simenon liegt auch am
Kanal St. Martin zwischen der Gare de l’Est und der Bastille.
Ist grade dabei, zur Schickimickimeile zu werden, aber noch
gehts. Nicht umsonst geht eine der wichtigen Fahrradtrassen
der Stadt (die viel besser benutzbar sind als allgemein
behauptet, wir ham sie im vergangenen Frühjahr getestet) da
entlang.

Noch eine andere Perspektive bietet die Überschreitung der
Stadtgrenze in Boulogne (Endstation der Metro 10): Urplötzlich
befindet man sich in dem behaglich-bourgeoisen Muff der
französischen Provinz, es ist, als würde auf den kleinen
Messingschildern an den teuren Häusern überall Duval und
Dupont stehen. Genau in der Kante, kurz vor dem Bois, wird
übrigens auch die Kunst der Brasserieküche noch gepflegt.

Eine Art Dorf mitten in der Metropole ist ferner das berühmte
5ième: Da sind nicht bloß die ganzen mehr oder weniger
prächtigen Universitäten, sondern entlang der rue Mouffetard
zwischen Contrescarpe und Bld. St. Marcel/Arago ist man
unversehens in einem Gewinkel von Gassen, in dem alles
klein-klein ist (außer den Preisen beim Libanesen, aber 1a)
und wo sich nochmal der Geist von „Jean-Jacques Dupont“
materialisiert.

Interessant übrigens, dass in den Cités von Villejuif und Ivry
(in beiden Orten haben wir Freunde), gigantischen
Plattenbauten, die vorwiegend von Dauerarbeitslosen bewohnt
sind, ein gänzlich anderer Geist herrscht als in den übrigen
Banlieues. Mehr Zukunft als irgendwo anders haben die Jungs
dort auch nicht - aber sie haben funktionierende
Jugendzentren, gepflegte Außenanlagen an ihren Häusern, Bäcker
und Lebensmittelhändler statt zugemauerter Höhlen in den
Erdgeschossen der Platten usw. Und seit 1990 weiß man
definitiv, dass diese Dinge jedenfalls nicht von Moskau
finanziert werden; irgendwie schafft es die KP auch so. In
Ivry habe ich weniger Bedenken, nachts auf die Straße zu
gehen, als in der rue St. Denis, obwohl die unmittelbar
zwischen dem noblen Marchais und den Grands Boulevards liegt.

Fazit: Thomas Miller hat sicher Recht, wenn er empfiehlt,
jedenfalls innerhalb des Boulevard Périphérique zu bleiben.
Bei großen Bedenken eventuell im Inneren Kreis des 1. bis 10.
Viertels. Im übrigen: Nicht gar zu viel zu Fuß erforschen,
viel mit der Metro machen, wenn Du am Ausgang der Station ein
wenig schnupperst und die Stimmung gefällt Dir nicht, ist der
nächste Zug ruckzuck da. Bloß halt nicht so weit in den Abend
hinein, Jean-Jacqes Dupont geht gern früh ins Bett… :wink:

Schöne Grüße

MM

greez

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