Liebe Reisenden,
hier keine Frage, aber ein paar Aktualisierungen zum Thema Paris, zu dem ich hie und da etwas geschrieben habe.
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Gare de l’Est, Café des Arrivés gehört der Vergangenheit an. Zum Empfang des TGV wird die Gare de l’Est nach deutschem Vorbild zu einer Nepping Mall umgebaut, ein Bahnhof wie alle anderen, genau so kaputt wie Leipzig, Frankfurt, Mannheim etc. Zumindes vorläufig ist auch das schöne Fresko „Départ des Poilus“ verschwunden, dürfte ein Opfer der political correctness sein.
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Transport: In allen W-O oder NW-SO Bewegungen sollte man zusehen, dass man einen Teil mit der Metrolinie 14 zurücklegt. Diese ziemlich neue Linie ist, vollautomatisch betrieben und mit ziemlich weit auseinanderliegenden Haltestellen, auf Geschwindigkeit ausgelegt. Auch die Urlinie 1 ist nach Ausstattung mit neuem Rollmaterial (das jetzt zum gummibereiften Typ gehört) schneller, aber wegen der Pneus auch unangenehm wärmer geworden.
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Essen und Trinken: Ein meines Erachtens ziemlich heißer Tip im 12. Arondissement ist „L’Ebauchoir“, 45, rue de Citeaux, Tél. 33 (0) 1 43 42 49 31, http://www.lebauchoir.com - eine gelungene Synthese aus Bistrot, Brasserie und Küche mit Finesse, aus traditionellen und neuen Elementen. Man kann dort den ganzen Reichtum französischer Weine kennen lernen (auch wenn einmal ein Grüner Veltliner auf der Tafel steht), weil sehr viele gute Fläschlein „off St.-Emilion“ auf der Karte stehen - Sologne, Ardèche, Lubéron, Banyuls, Bergérac, Languedoc-Roussillon, Gascogne etc. etc. Das Scharmante dran ist, dass viele davon „au compteur“ sind: Das heißt so viel wie „auf dem Kilometerzähler“, und es bedeutet, dass man auch, wenn man nicht zu jedem Gang eine Flasche köpfen will, trotzdem zu jedem Gang einen passenden Wein hat, weil man bloß das bezahlt, was man aus der Flasche getrunken hat, die angebrochen zurückgenommen wird. Fini les aventures au pichet!
Dort verspeist: Eine Vorspeise von Blutwurst und Äpfeln auf Toast aus dem Ofen, mitsamt einem schönen gehaltvollen Frisée und einer Vinaigrette mit Gartenkräutern und einem ziemlich deutlichen Ton von frischem Koriander (Überraschung - aber gelungen). - Lammkaree, grade eben nicht mehr saignant, perfekt à point, von einer 1a Herkunft - kein heftiger Schafgeschmack, aber deutlich nach Lamm, und auch à point regelrecht zum Lutschen; begleitet von den überstrapazierten Ratatouille-Gemüsen, aber von sehr guter Herkunft, die sonst bissfest eher faden Zucchini getrüffelt, dabei dem Trüffelaroma mit einigen gezielten Spritzern Olivenöl gut aufgeholfen. Rosmarin & Thymian im Jus durchkommend, und ein halbes Dutzend handgeschnitzter genialischer Fritten dabei (der Patron hat mir bestätigt, dass es „la Ratte“, das französische Bamberger Hörnchen, war). Süßes übergehend und bloß bei den Nachbarn bewundernd (das Pistazienparfait verströmte Pistazienduft auf einen halben Meter!) noch ein Eck Coulommiers und eines vom Galet Solognot dabei. Das Brot ist klasse, macht Lust auf mehr und wird auch ohne Sperenzien nachgeliefert. Der Kaffee ist zwar kein Äthiopier, aber immerhin ein Blend Harrar/Tres Marias.
Alldieweil ich es immer eher peinlich finde, wenn ein Mann Personal extra zum Händeschütteln und einer extra zum Jackenweghängen da ist, und dafür auch ungerne bezahle, gebe ich privatim dem Ebauchoir ***. Annähernd das, was Bocuse als Bistrot/Brasserie im ehemaligen Brotteaux-Bahnhof in Lyon aufgezogen hat, bloß mit weniger Drumherum und gleichviel Substanz - einschließlich der verglasten Küche, aber ein bissel robuster im Ton an der Durchreiche: „Emile, écoute! - tu ne peux pas…“
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Paris, Entspannung/Architektur: Ebenfalls im 12. Arondissement ist in den letzten Jahren ein sehr angenehmer Minipark entstanden. Auf der erhöhten Trasse der Eisenbahn, die vor der Einrichtung des RER vom ehemaligen Bastille-Bahnhof Richtung Vincennes hinausfuhr, ist von der neuen Oper (Bastile) bis fast zu den Grenzen des Bois de Vincennes eine Parkanlage eingerichtet, die nicht nur sattes Grün von A-Z der französischen Gartenbaukultur bietet, sondern auch erbauliche architektonische Einblicke in die Häuser, die entlang der Trasse stehen, und die man von der Straße aus kaum beachtet: Ein Querschnitt durch das 19.-20. Jahrhundert, u.a. frühe Sozialwohnungen der Rothschild-Stiftung usw. usw. Der Einstieg über eine Treppe hinter Mauern, direkt hinter der neuen Bastille-Oper, ist bloß mit ein bissel Suchen zu finden, aber es lohnt sich, das Loch zu suchen.
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Nochmal Paris, Essen und Trinken: Ein prächtiger Markt befindet sich im 12. Arondissement, Place d’Aligre. Die Preise liegen bei etwa 50% von denen des Mannheimer Marktes, und die Qualität bei etwa 200%. Außer dem offenen Markt gibt es auch noch eine Markthalle mit, außer Geflügel, Fisch usw. auch allerlei Feinschmeckereien, einem Traiteur von Réunion, einem Bretonen, vielen belgischen Bieren etc.
Zum 12., der scharmanten Nachbarin des inzwischen ziemlich neureich aufgetakelten Marais, hier noch ein paar Bildchen zum Appetitmachen - leider werden die Links irgendwann absterben, weil er gratis ist:
Dächer von Paris, Blick aus dem 12ten Richtung Centre Pompidou:
http://www.directupload.net/file/d/1071/Vz2ufVa7_jpg…
Ein Trödler im 12ième:
http://www.directupload.net/file/d/1071/bJtH6N49_jpg…
Der harmlose Anfang vom Aligre-Markt:
http://www.directupload.net/file/d/1071/86P9k3xs_jpg…
und hier ein Exempel, wie gut sich Freunde und Gegner der Malbouffe vertragen können - Le petit Quercy ist eine gute Adresse am Boulevard Diderot, direkt an der Métro Reuilly Didérot:
http://www.directupload.net/file/d/1071/EFMfkllj_jpg…
Achjaübrigens: Der TGV fährt an Juni paar Monate lang richtig billig nach Paname!
Schöne Grüße
MM