Passagerer Realitätsverlust

Sehr geehrte Experten!

Eine Dame Ende 40, die ich seit zwei Jahrzehnten kenne, zeigt Anfälle von Realitätsverlust. Ich würde gerne wissen, was das sein, wie das heißen könnte.
Ganz plötzlich ist sie sozusagen außer sich, weiß nicht mehr so richtig, in welcher Situation sie ist, und wie man sich verhält. Manchmal ist ein (nichtiger) Anlaß feststellbar, manchmal nicht.
Sie folgt dabei keinem Verhaltensmuster, es ist jedesmal anders, aber fast immer irgendwie negativ. Manchmal sehr emotional, z.B. gewalttätig wütend, manchmal nicht. Das kommt im Abstand von Jahren und Monaten. Über die Jahre hat die Häufigkeit zugenommen, nicht jedoch die Intensität.
Nach zehn Minuten, einer halben Stunde etwa ist sie schlagartig wieder klar. Sie behält die Erinnerung daran, aber ohne jede Emotion, auch z.B. wenn sie auf einer Straßenkreuzung stehengeblieben war, um eine geschlagene halbe Stunde zu weinen. Ich mag zu Beginn nicht zuviele Beispiele erzählen.
Auch ich stehe manchmal blöde da wie der Ochs vorm Berg, benehme mich unangemessen usw. Aber ich kann das wegerklären, und wenn nicht, dann empfinde ich Scham oder Reue, das halte ich für normal. Hier aber handelt es sich um eine andere Dimension.

Gruß

Hans Ode

Neurologische Ausfälle?

Ich würde gerne wissen, was das sein

Ganz, ganz schwierig.

  • Durchblutungsstörungen im Hirn
  • Verspannungen mit Nebeneffekten
  • Stoffwechselveränderungen
  • usvam.

Da sage ich, der Psychiater oder Neurologe muss ran, möglichst mit psychotherapeutischer Zusatzqualifikation.

Gruß

Stefan

Voriges Jahr war ein leichter Schlaganfall. Da gab es dann CRT, MRT u.s.w. das volle Programm. Mehr als den Schlaganfall hat man dabei offenbar nicht gefunden.
Überhaupt ist die Dame ansonsten psychisch völlig OK, von eher ruhigem Temperament.

Moin,
Stefan hat da schon alles gesagt. Auf Abstand irgendwelche Vermutungen zu machen ist wie der Blick in eine Glaskugel.

Voriges Jahr war ein leichter Schlaganfall. Da gab es dann
CRT, MRT u.s.w. das volle Programm. Mehr als den Schlaganfall
hat man dabei offenbar nicht gefunden.

Na ja, ‚mehr als den Schlaganfall hat man nicht gefunden‘ das ist schon ein ziemlicher Hammer. Mit den Folgen eines Schlaganfalls umzugehen ist - auch wenn es ein ‚leichter‘ war, schwer. Sicherheiten sind weg, die Welt stellt sich anders dar und eine gewisse psychische Instabilität ist häufig zu beobachten.

Überhaupt ist die Dame ansonsten psychisch völlig OK, von eher
ruhigem Temperament.

Jain… nach dem was du beschreibst ist sie ‚psychisch‘ nicht völlig OK. Auch ‚psychische‘ Probleme haben letztlich körperliche Ursachen, auch wenn man die vielleicht nicht genau kennt. Z.B. können Neurotransmitter-Gleichgewichte gestört sein oder, oder, und, und…
Ausserdem ‚Ende 40‘ - wie sieht’s mit den Wechseljahren? …Egal was - ich würde der Frau einen Arztbesuch empfehlen. Vielleicht erst mal beim Hausarzt - da ist die Schwelle kleiner, evt. beim Frauenarzt…
Ihr gute Besserung…lux

Tschuldigung, ich war ungenau.
Das ganze ist schon seit gut 15 Jahren und hat sich weder durch den Schlaganfall noch durch frühere Lebenskrisen erkennbar verändert.

Ich darf noch ergänzen, daß gar keine körperlichen Symptome zu erkennen sind, zittern oder sowas.
Womöglich kann ein Hirntumor so etwas bewirken, aber nicht über so viele Jahre hinweg und unentdeckt bei all den Untersuchungen, die man nach einem Schlaganfall durchführt.

Sehr geehrter Herr Ode,

bei den von Ihnen angedeuteten Symptomen wäre mein erster Verdacht der auf eine Temporallappenepilepsie, mein zweiter der, es könnte sich um ein Gilles-de-la-Tourette-Syndrom handeln.
Im ersteren Fall wäre ein Langzeit-EEG angezeigt (da es offensichtlich zeitlich weitmaschige Absände zwischen den einzelnen Auffälligkeiten gibt), im zweiteren kann am ehesten ein erfahrener Neurologe weiterhelfen, dem die ganze Palette der auftretenden Auffälligkeiten geschildert werden sollte.

M.frdl. Gruß, S.I.

Das mit der Epilepsie habe ich im Internet nachgeschlagen. Eigentlich ist keines der Leitsymptome zutreffend.

Sehr geehrter Herr Ode,
eine Temporallappenepilepsie hat sehr unterschiedliche Erscheinungsformen und muß nicht zwangsläufig als großer epileptischer Anfall einherkommen. Wenn Sie nur unter „Epilepsie“ nachsehen, werden Sie vermutlich Grand-Mal-Anfälle und allenfalls noch Absencen finden.

S.I.

Vorzeichen, Aura, manchmal bleibt es bei der Aura: Haben wir nicht.
Allmähliches Einsetzen: Bei uns ist es -klick - an
Körperliche Reaktion: Haben wir nicht.
Nachklang: Haben wir nicht, es ist -klick- wieder aus.

Es muß übrigens nicht unbedingt sowas wie ein Weinkrampf sein, einmal ist sie fröhlich in den Supermarkt spaziert und hat dort Sachen gestohlen, die sie nicht mag.

… Haben wir nicht.
… Bei uns ist es
… Haben wir nicht.
… Haben wir nicht

Ich bin jetzt erstaunt! Du hast die gleichen Symptome wie deine Frau/Freundin/Bekannte?

Da meine lakonische Entgegnung gelöscht wurde, erlaube ich mir, dir diesen Sprachgenau ein wenig zu erläutern.
Die Sprechfigur „wir haben (in diesem Fall usw.)…“ stellt in einem Dialog beide Partner gleichberechtigt dem „Fall“ gegenüber. Das ist nicht unüblich, wenn zwei Partner mit einem „Fall“ befaßt sind.
Vielleicht hast du zum Beispiel schon einmal einen Kriminalfilm gesehen, da ist es nicht unüblich, daß die Frau Kommissarin, wenn sie zusammen mit ihrem Assistenten über einen Mordfall diskutiert, zum Beispiel sagt „aber wir haben kein Motiv“. Das bedeutet nicht, daß Kommissarin und Assistenten mangels Motiv den Mord wohl nicht selber begangen haben, sondern vielmehr, daß sie zwar einen Verdächtigen ausfindig gemacht haben, aber beide nicht wissen, warum dieser den Mord wohl begangen haben könnte.
Es gibt hier wohl ein Brett für Deutsche Sprache.

Falls Du dich durch diese Erläuterungen auf den Schlips getreten fühlst, dann fühle ich mich dadurch auf den Schlips getreten, daß man meine ernstgemeinte Thematik verlacht.

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Hallo Hans!

Mich hat das irgendwie an http://de.wikipedia.org/wiki/Dissoziative_Identit%C3… erinnert.

Beste Grüße

Waldi