Passende Rebsorte gesucht!

Liebe/-r Experte/-in,

Ich bin auf der Suche nach den idealen Rebsorten für ein Grundstück in der Südoststeiermark.
Es handelt sich um ein Gebiet, das sehr hohe Qualitäte bei Gewürztraminern hervorbringt, ich würde aber gerne auch noch etwas anderes als Traminer anbauen, insbesondere eine Rote Sort,e auch wenn diese erfahrungsgemäß in der Steiermark keine besonderen Qualitäten hervorbringen. Das Klima in diesem Gebiet ist mild und feucht, die Böden sehr dicht, sehr tonhaltig und kalkfrei.

Ich hoffe also auf Empfehlungen von Rebsorten, die zum „Terroir“ passen könnten. Ich habe schon ein wenig recherchiert, und bin zum Schluß gekommen, dass Sylvaner oder Müller-Thurgau ganz gut passen würden, bei den roten Rebsorten habe ich aber keine passende gefunden. Möglicherweise Blauburger, dessen Weine ich allerdings allesamt als uninteressant in Erinnerung habe…

Es herrschen folgende Rahmenbedingungen:

Klima:
Vegetationsbeginn (durchschnittl. >10°C): Mitte-Ende April
Vegetationsschluß: Mitte-Ende Oktober
Sonnenstunden/Jahr: 1889
Sonneneinstrahung/Jahr: 1000-1200kWh/m²a
Mittlere Jahrestemperatur: 9-10°C
Mittlere Julitemperatur: 18-19°C
Jahresniederschlagssumme: 800-900mm
Niederschlagssumme Vegetationsperiode: 500-600mm
Durchschnittliche Windgeschwindigkeiten: 2,8m/s
Hauptwindrichtungen: SSW und NNO

Die Lage:
Region: Südoststeiermark, Österreich
geogr. Breite: 46,77°N
Orientierung: WSW
Neigung: 25%
Seehöhe: ~370m

Der Boden:
Typ: kalkfreier, vulkanischer Verwitterungsboden
Kalkgehalt: Kalkfrei
Gründigkeit: Mittelgründig
Schwere: sehr schwer, feinerdig, geringer Grobanteil
Zusammensetzung: 5% Sand, 44% Schluff, 52% Ton
Wasserspeichervermögen: mäßige Durchlässigkeit

Danke fürs Lesen!

Guten Tag!
Mal sehen ob ich helfen kann, ich wohne nämlich in Deutschland und da ist alles wieder ein bisschen anders als sonstwo.
Zuerst stellt sich die Frage, wieviel „Weinberg“ angelegt werden soll? Bei uns gibt es eine „Hobbyweinbauregelung“, die besagt, dass Rebflächen unter 100m² bei der jeweiligen Landwirtschaftskammer angezeigt werden müssen. Pro Rebstock rechnet man 2m².
Das müsste erst einmal geklärt werden, ob u. welche Gesetze zu beachten sind. In Kaindorf gibt es eine staatliche Weinbauschule (www.silberberg.at), da könntest Du dich mal erkundigen. Im Prinzip sollte aber auch jeder Winzer Bescheid wissen.

Zu den Rebsorten habe ich in Erfahrung gebracht, dass es in der Steiermark auch noch Blauer Zweigelt und Blauer Wildbacher gibt. Der letztere wird i. d. R. als Rose’ ausgebaut und heisst dann Schilcher.

Von vornherein sollte an den Pflanzenschutz gedacht werden. Ohne Spritzmittel geht es nämlich nicht, seit im 19. Jhdt. diverse Krankheiten aus Nordamerika eingeschleppt wurden. Wer in Deutschland, als Laie, Pflanzenschutzmittel kaufen und anwenden will, muss an einem Lehrgang „Sachkundenachweis Pflanzenschutz“ teilnehmen und die Prüfung ablegen.

In dem Zusammenhang ist sicher die Überlegung nicht schlecht, pilzwiderstandsfähige Sorten anzupflanzen. Hier gibt es z. B. Johanniter, Cabernet Blanc und Phönix als weiße Sorten und Regent als rote. Je nach Wettersituation ist aber deren Resistenz nicht ausreichend und es muss doch wieder gespritzt werden. Das ging mir dieses Jahr mit dem Regent so, den ich fünf mal spritzen musste und der trotzdem noch Schäden durch „Falschen Mehltau“ erlitt. Letztes Jahr kam ich mit drei Spritzungen hin, ohne Krankheitsbefall. Für ein paar Dutzend Rebstöcke kann man sich auch mit einer Buckelspritze behelfen.

Bei der Anpflanzung sollte man darauf achten, dass die Reben frei und luftig stehen, damit der Wind sie immer wieder trocknen kann. Hauswände werden zwar gerne mit Reben berankt, aus Erfahrung kann ich aber nur davon abraten. Zum einen fehlt die Hinterlüftung, sodass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich Schimmel breit macht. Andererseits wird die Fassade durch Spritzbrühe verunreinigt.

Vielleicht findet sich ja auch in der Nähe ein Winzer, der die Reben spritzt!? Der könnte dann auch ein bisschen Hilfestellung in Bezug auf Rebschnitt und Laubarbeiten geben.

Hoffentlich helfen meine Tipps weiter!?
Wenn noch Fragen auftauchen, einfach melden.

Gruß Kerni.

Guten Tag,
zunächt Danke für das Interesse an meinem Rat.
desweiteren meine mail Adresse :[email protected] .
Grundsätzlich empfehle ich nach der Beschreibung der Gegebenheiten den Blauen Spätburgunder.Unterlage :125AA
Pflanzweite: 2,oo m x 1,25m Spaliererziehung Biegdrahtabstand: 20-25 cm .Der Klon sollte unbedingt lockerbeerig sein (wegen Pilzanfälligkeit).
Glaube mir;mit dem entsprechenden Know How wird das was richtig Gutes. Ich kenne weder Deine Ausbildung noch Deine technischen Möglichkeiten.Dient der Wein dem „Broterwerb“? oder eher für den Eigenverbrauch?
Lass uns darüber sprechen,aber zeitig da für die Bestellung der Reben zur Pflanzsaison es Zeit wird.
mail mich an ,dann reden wir gerne weiter.
Bis dahin,Gruß von der Mosel
Bernd Müller-Konzen

Danke für die Antwort!
Es sollen schrittweise 2000m² angelegt werden. Über die Gesetzeslage in Österreich muß ich mich noch schlau machen, bis es aber so weit ist, gibt es noch einige Jahre Spielraum. Zur Zeit „bewirtschafte“ ich eine Rebenhecke mit etwa 20 Reben, wo locker noch Platz für 20 weitere ist. Die ist mein „Versuchslabor“, an dem ich verschiedene Sorten ausprobiere, und wo auch mal was schief gehen darf.

Ich wollte eben mal „in die Welt da draussen“ fragen, weil die Winzer in der Gegend eben auf das regionaltypische Sortiment beschränkt sind, und das sind zu 99% Weißweine, die Rotweine führen ein eher stiefmütterliches Dasein.
An den Blauen Wildbacher habe ich auch schon gedacht. Als Rotwein ist er auch nicht schlecht, ist aber DER Wein der Weststeiermark und in der Südoststeiermark nicht üblich. Soweit ich gelesen habe, sind die Böden in der Weststeiermark einfach besser dafür geeignet… aber einen Platz in meinem Heckenlabor wird er sicherlich dennoch finden!

Zweigelt habe ich schon einige aus der Region gekostet, und die waren alle nix. Nicht zu vergleichen mit den Vertretern aus dem Burgenland oder Niederösterreich!

Auf (weitere) Piwis will ich verzichten. Nachdem mir dieses Jahr trotz regelmäßigen Spritzens die Rondos vom Falschen Mehltau genauso zerfressen wurden, wie die klassischen Rebsorten, sehe ich keinen wirklichen Vorteil mehr darin. (In den Jahren mit geringerem Befallsdruck machten auch die klassischen Rebsorten keine Probleme!) Abgesehen davon kommen die Weine, die daraus gemacht werden nicht annähernd an die klassischen heran!

Was das Spritzen betrifft, so bin ich noch auf der Suche nach einem Sachkundekurs, habe abr leider noch nichts gefunden, der Rebschnittkurs ist jedoch schon fürs nächste Frühjahr vorgemerkt… Anyways, gibt es ohnehin nur learning by doing, und ich denke, ich werde da bald den Bogen raus bekommen!

lg, blumentopferde

Blauburgunder uninteressant?
Dann hast du wohl die falschen probiert

Bei diesen Bödeneigenschaften würde ich dir keinen Rotwein empfehlen.
Hättest ständig stress mit Botrytis Befall und Laccase Enzymen.
Was wäre mit einem Riesling auf Börner Unterlage?
Oder du probierst mit dem Dornfelder, der ginge auch.
Dann hast du etwas rotes im Keller :smile:

Nein, ich meinte Blauburger, eine Kreuzung aus Blauer Portugieser und Blaufränkisch. Würde denn Blauburgunder bei diesen Bedingungen pasen? Beim Dornfelder würde wohl wirklich nur die Farbe passen, da habe ich ganz schlechte Erfahrungen mit gemacht, Riesling hingegen klingt interessant!

Danke für den Beitrag!

Riesling veträgt je nach Klon ganz gut deine Bodenbedingungen. Aber bei Staunässe und Tonböden solltest du die Börner Unterlagen vermeiden.

Gruß Doriano

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So eine große Fläche ist in Deutschland genehmigungspflichtig. Man gilt dann als gewerblicher Winzer und erhält von der Landwirtschaftskammer eine Betriebsnummer, unter der man registriert ist. Das Finanzamt will dann auch jedes Jahr eine Steuererklärung haben.
Als „richtiger“ Winzer kann man die Rebsorten nicht frei wählen. Sie müssen für die jeweilige Region zugelassen sein. Vorher wurden sie von staatlichen Instituten auf ihre Tauglichkeit in Bezug auf Qualität, Ertrag, Krankheitsanfälligkeit usw. geprüft.
Als Hobbywinzer hat man da schon mehr Freiheiten. Man könnte mal mit Dornfelder experimentieren.
Diese rote Sorte wurde speziell für deutsche Wetterverhältnisse entwickelt, da renommierte Sorten wie Spätburgunder oder Merlot oft nicht reif wurden. Mit dem Klimawandel ist das jetzt zwar hinfällig, aber Dornfelder hat sich zu einer der beliebtesten Sorten in Deutschland gemausert.

Gruß Kerni.