Patenschaft

Ich bin am überlegen, eine Patenschaft für ein Kind in der
Dritten Welt zu übernehmen. Hat damit jemand Erfahrung?
Ich möchte vor allem vermeiden, daß das Geld in Verwaltung oder
gar in eigene Taschen der Betreiber wandert.

Alex
(der nicht genau wußte, in welches Board damit)

Hai, Alex,

ich halte nicht so viel von Kinder-Patenschaften. Mein ehem. WG-Partner hatte 2 dieser Partnerschaften über zwei verschiedene Vereine zu laufen. Er hatte das als so’ne Art Sitte von seiner Mutter übernommen - Du kannst Dir sicher vorstellen, wie irritiert er war, als er die Bilder „seines“ einen Patenkindes (die ihm halb-jährlich zugeschickt wurden) seiner Mutter zeigte und die beiden verblüfft feststellten, daß sie offenbar das selbe Kind unterstützten. Er hat sich dann erkundigt und erfahren, daß bewußter Verein offenbar die Bilder der Kinder eines „Mitarbeiters“ an alle Zahlenden verschickten…
Sein zweites Patenkind wollte er daraufhin besuchen - der Verein hat entschieden abgeraten, woraufhin er auf eigene Faust dahin geflogen ist (irgendwo in Afrika) - das Ergebnis seiner Nachforschungen war, daß die Familie des geförderten Kindes ihr Dorf verlassen haben, weil es massive soziale Spannungen gegeben hat (das eine Kind war „reich“ und konnte zur Schule gehen, die anderen, incl. der Geschwister, hatten immernoch nix zu beißen).
Er hat daraufhin beide Patenschaften aufgelöst und die Summe einem Projekt zur Verfügung gestellt, die in Indien mit der gesammelten Kohle eine Kinder-Werkstatt mit angeschlossener Schule finanzierten.
Ich weiß natürlich nicht, ob das bei allen Patenschaftsvereinen üblich ist, daß die Kohle komplett in düsteren Kanälen verschwindet, oder daß sehr punktuell gefördert wird (ein Kind pro Dorf) - auf jeden Fall landet auch die Kohle, die ich spende in Projekte Hilfe zur Selbsthilfe, bzw. in Schulprojekte (im Augenblick über Sachspenden in die Ukraine)

Gruß
Sibylle

Moin Alex

Ich bin am überlegen, eine Patenschaft für ein Kind in der
Dritten Welt zu übernehmen. Hat damit jemand Erfahrung?

Wir haben unlängst die Patenschaft für ein Kind in Nepal über die Barbara Schmale Stiftung übernommen.

http://www.barbaraschmale-stiftung.org/

Das Mädchen besucht eine Internatsschule in Katmandu

http://www.edu.uwo.ca/lpsm/school/home.html

und wir zahlen das Schuldgeld sowie die Kosten zum Lebensunterhalt.

Zwar geht das ganze noch nicht lange, aber ich habe einen sehr guten Eindruck von der Barbara Schmale Stiftung, auch wenn es sich dabei wohl um eine eher kleine Initiative handelt. Dafür ist alles etwas persönlicher, Frau Schmale besucht selbst die von der Stiftung geförderten Projekte regelmäßig vor Ort und das ganze erscheint mir sehr transparent. Vielleicht ist das ja was für euch.

Gruss
Marion

Hallo Alexander,

habe zwar selbst keine solche Patenschaft laufen (wäre aber mal eine gute Idee), habe aber von einer Menge Leuten gehört, dass sie sehr positive Erfahrungen gerade im Umfeld von kleineren kirchlichen bzw. von Leuten aus dem kirchlichen Bereich organisierten Privatprojekten gemacht haben. Es handelt sich hierbei oft um Leute die selbst eine Weile vor Ort waren oder die entstanden sind, als Leute von dort hier waren. Da gibt es regelmäßige gegenseitige Besuche und direkte persönliche Kontakte, die teilweise ein Leben lang halten.

Der schon gemachte Einwand, dass man natürlich mit so einer Förderung nicht nur ein Kind isoliert betrachten sollte, ist gut, und bei den Projekten von denen ich so gehört habe, gibt es zwar schon eine Patenschaft, damit man einen persönlichen Kontakt hat, Geld- und Sachleistungen werden aber mit Ausnahme persönlicher Geschenke und gewisser Garantieleistungen immer für das Gesamtprojekt verwendet und kommen somit allen Bewohnern vor Ort gleichermaßen zu Gute. So habe ich gerade neulich mit einem Bischof aus Indien gesprochen, der von einer Gemeinde aus Deutschland unterstützt wird und viele ähnliche Projekte koordiniert. An den aus Spendengeldern gebauten Schulen ist der Anteil katholischer Schüler verschwindend gering, und es wird auch nicht aktiv missioniert. Dadurch ist die Akzeptanz der Schulen vor Ort riesig und es gibt keinen Grund für Neid und darauf aufbauenden religiösen Fanatismus und Diskriminierungen.

Die Stimmigkeit dieser Aussagen wird immer wieder durch fast jährliche Besuche von hier aus überprüft, an denen jeder Spender teilnehmen kann, was auch vielfach genutzt wird, wobei dies dann kein Urlaub sondern eine Mischung aus Arbeitseinsatz und Bildungsreise ist :wink:

Gruß vom Wiz

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hallo Alex,

Freunde von mir haben eine Patenschaft für ein Kind in Lima über das Kinderwerk Lima
http://www.kinderwerk-lima.de/
Bei dieser Gesellschaft werden immer ganze Dörfer/Regionen gefördert. Neben der direktem Patenschaft (wer will mit Briefkontakt) werden auch Spenden zum Aufbau der Infrastruktur des betreffenden Dorfes eingesammelt, so daß eine Situation wie unten beschrieben nicht vorkommt.

Ich selber bin am Überlegen, ob ich so eine Patenschaft übernehmen soll.

Was mir sonst noch einfällt, ist „Wort und Tat“, eine Stiftung von Horst Deichmann, die in Indien unter anderem sogenannten Steinbruchkindern (Kindern, die in Steinbrüchen arbeiten müssen, um zu helfen, ihre Familien zu ernähren) ermöglicht, zur Schule zu gehen und einen Beruf zu erlernen und so den Steinbrüchen zu entkommen. Für diese Schulkinder kann man auch Patenschaften übernehmen, allerdings nicht persönliche, sonder nur für eine Klasse (natürlich mit anderen zusammen). Das soll verhindern, daß durch das Wegfallen von einzelnen Spendern Unregelmäßigkeiten/Komplikationen entstehen.

Grüßle,
Sandra

hallo Alex,

Was mir sonst noch einfällt, ist "Wort und Tat…

hier die Internet-Adresse:
http://www.wort-und-tat.de/

Grüßle,
Sandra

Armut im eigenen Land
Hallo Alex

Da ich mit eigenen Augen mehrfach gesehen habe, wohin Spenden in der 3. Welt fliessen, haben wir uns für folgende Lösung entschieden:

Wir fragen jedes Jahr anfangs Dez. die Sozialfürsorge unserer Gemeinde nach einer bedürftigen Familie (In-oder Ausländer), die sich echt nichts gönnen kann und stiften den Kindern den Eintritt für das Weihnachtsmärchen-Theater samt Verpflegung im Mc…oder der ganzen Familie einen Zoobesuch mit einem anständigen Taschengeld für den Hunger und Durst. Oder gehen auf einen Vorschlag der Fürsorgerin ein. Anonym natürlich. Nicht unbedingt origenell, aber selten soviel Dankbarkeit erfahren.

Guss
Mäni

… dabei hättest du für dein Tun viel mehr * verdient.

Liebe Grüße

Userine

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Gute Idee!
Nebenbei (falls man sich zur Nachahmung anstecken läßt): Heißt „Sozialfürsorge“ = Sozialamt? Sind die dort nicht i.A. viel zu überlastet, um sich dort um Einzelfälle so zu kümmern?

Ich weiß, ich könnte einfach selbst dort anrufen und fragen, ob Interesse besteht, aber vielleicht hast Du ja schon bestimmte Erfahrungen gemacht auf der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner.

Mit vielen Grüßen, Stefanie

Ein Grund warum eine Patenschaft wichtig ist
Hallo Alex,

ich finde das eine super Idee.
Die Idee von Mäni ist auch klasse und sehr nachahmenswert. Der einzige Grund warum ich mich trotzdem für eine Patenschaft einsetze ist dieser:
Auch wenn es hier sehr arme Familien gibt die Unterstützung dringend gebrauchen können, ist es doch trotzdem so, dass hier auch für die Ärmsten die Grundbedürfnisse nach einem Dach über dem Kopf, Essen, Kleidung und Schulbildung gedeckt werden durch Sozialhilfe etc. Das ist eine Grundversorgung von der andere Länder wahrhaftig nur träumen können.
Aus diesem Grund habe ich eine feste Patenschaft bei der Kindernothilfe (http://www.kindernothilfe.de) und unterstütze über meine Website ausserdem auch noch ein Projekt mit einem flexiblen Betrag der sich nach meinem Umsatz richtet.
Die Kindernothilfe kann ich sehr empfehlen von der Organisation her, du kannst einzelne Kinder/Familien mit oder ohne Briefkontakt unterstuetzen, oder du kannst bestimmte Projekte unterstützen (das Unterstützen einzelner Kinder läuft aber auch so, dass das jeweilige Projekt unterstützt wird in dem das Kind ist, nur hast du einfach einen persoenlicheren Bezug und das Kind auch). Besuche bei den Einrichtungen werden in der Regel gerne gesehen, und in der jedes Quartal erscheinenden Info-Zeitschrift sind auch öfter Berichte von Patenbesuchen.
Es gibt da z.B. auch Projekte, bei denen sich dein Spendenbeitrag vervierfacht, weil für jeden Euro den du spendest, noch 3 Euro Zuschüsse gegeben werden.
Es wird auch genau aufgeschlüsselt wieviel von dem Betrag in die Verwaltung geht (der Anteil ist realistisch und akzeptabel).
Derzeit unterstütze ich ein Kindergartenkind in Südafrika, bislang habe ich über viele Jahre ein Mädchen in Bolivien unterstützt, das dank der Kindernothilfe eine Ausbildung machen konnte. Sie hat mir immer wieder interessante Briefe geschrieben, ist jetzt mit der Ausbildung fertig und froh, dass sie diese Moeglichkeit hatte.
Es ist wirklich nicht so, dass es da nur Betrüger gibt. Ich gebe jedem gerne weitere Auskunft zu meinen Erfahrungen.
Und ich freue mich über jeden der sich für sowas entscheidet - denn wer kann schon dafür, dass er/sie in einem armen Land geboren wurde? Ich denke wir haben die Verantwortung von unserem Reichtum abzugeben.
Super dass ihr darüber nachdenkt!
Viel Spass!
Andrea

Hallo Andrea

Auch wenn es hier sehr arme Familien gibt die Unterstützung
dringend gebrauchen können, ist es doch trotzdem so, dass hier
auch für die Ärmsten die Grundbedürfnisse nach einem Dach über
dem Kopf, Essen, Kleidung und Schulbildung gedeckt werden
durch Sozialhilfe etc. Das ist eine Grundversorgung von der
andere Länder wahrhaftig nur träumen können.

Danke für dein Posting. Ich sehe das ähnlich. Nicht, dass ich es nicht gut finde, wenn jemand arme Menschen in D unterstütz. Im Gegenteil, ich finde jede Art von sozialem Engagement wichtig und klasse. Jedoch, gerstern tagte mal wieder die Welthungerhilfe. Demnach stirbt weltweit alle 7 Sekunden ein Kind an den Folgen von Hunger und Unterernährung.

Für die 50 Euro, die eine 4-köpfige Familie ausgibt, um Beispielsweise mal einen Tag im Zoo zu verbringen, kann ein Kind in Nepal einen Monat lang eine Schule besuchen, wird ernährt, gekleidet, medizinisch versorgt und hat einen sicheren Schlafplatz. Alles Dinge, die es sonst nicht hätte.

Und ja, mir war es damals auch wichtig, eher ein spezielles Kind, als ein spezielles Projekt zu unterstützen (für spezielle Projekte geb ich dann auch immer nochmal außer der Reihe was). Aber diesem einen Kind die Sicherheit zu geben, dass es die nächsten 8-10 Jahre eine gesicherte Grundversorgung hat und die Schule besuchen kann., die Idee fand ich gut.

Ein interessanter Link zum Thema Patenschaften wäre vielleicht noch dieser:

http://www.adoption.lu/patenschaften.htm

Gruss
Marion

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Hallo Alexander,
ich habe zwei Patenkinder über die Organisation http://www.plan-deutschland.de/ .
Hier wird zum einen darauf geschaut, dass die Grundbedürfisse des Kindes (und seiner ganzen Familie !) gestillt werden, es wird aber auch hauptsächlich für die ganze Gemeinschaft gesorgt (Schule, Wasserversorgung, Latrinen, Gesundheitsprogramme, Kooperativen zur Einkommenssicherung und -verbesserung…)
Wichtig ist mir, dass Plan nicht nach der Religion der Kinder fragt und dass alles vermieden wird, was das Kind oder seine Familie zu Aussenseitern werden ließe.
Die Familien werden vorher genau über die Modalitäten einer Patenschaft aufgeklärt und müssen die Idee wirklich unterstützen.
Sie sollen keine Angst haben (müssen), dass ihnen ihr Kind, wie auch immer (z.B. durch Missionierung oder Internatsunterbringung) weggenommen wird.
Die Arbeit von Plan orientiert sich also ganz stark an den Sitten und Gegebenheiten vor Ort und nicht an den Wunschvorstellungen der Paten.
Ich halte die Organisation für seriös, ein Austausch mit meinen Patenkindern findet im Rahmen des Möglichen (sehr lange Postwege !)statt und ein Besuch bei den Patenkindern ist möglich und wird von Plan unterstützt (aber auch wieder so, dass man im Leben des Kindes und dessen Familie nicht alles durcheinander bringt !)
Was man sich vor der Übernahme einer Patenschaft gut überlegen sollte ist folgendes :
Will ich nur was Gutes tun und dafür Geld spenden, oder bin ich wirklich bereit, jahreleng einen mehr oder weniger persönlichen Kontakt zu pflegen ?
Für die Kinder, die bei Plan das Geld ja nicht sooo direkt und persönlich zu spüren bekommen, ist ein gelegentlicher Brief, ein Foto, ein klitzekleines Geschenk (mehr ist nicht erlaubt) umso wichtiger !
Ich muss ehrlich zugeben, dass mich diese (moralische) Verpflichtung gelegentlich schon belastet ,zumal man die Briefe, um den Aufwand der ehrenamtlich tätigen Übersetzer zu reduzieren, möglichst nicht auf deutsch schreiben sollte und mein Englisch eher zäh ist…
Wenn meine Patenkinder mich (bzw mein Geld) eimal nicht mehr brauchen werden werde ich wohl auch eher Projekte als Patenkinder unterstützen.
Davon abgesehen ist es aber natürlich schon ein schönes Gefühl, Patenkinder am anderen Ende der Welt zu haben und regelmässig über deren Entwicklung und die Verbesserungen in ihrem Lebensumfeld informiert zu werden.
Liebe Grüße
Heidi

Anonym natürlich.
Nicht unbedingt origenell, aber selten soviel Dankbarkeit
erfahren.

Das verstehe ich nicht ganz (also die Vorgehensweise). Erfahren also die Bedachten praktisch nur, dass es eine zweckgebundene anonyme Spende war? Und wie kann dann der Spender von der Dankbarkeit erfahren?
Fragt sich
Translator …

Hallo

1.) Die Bedachten erfahren vom Sozialamt, dass es eine anonyme, zweckgebundene Spende ist.
2.) Die Eintrittskarten, Gutscheine, etc. besorgte in einigen Fällen das Sozialamt, um sicherzustellen, dass das Geld nicht zweckentfremdet wird.
3.) Die Dankesbriefe und/oder Kinderzeichnungen erhalten wir vom Sozialamt zugestellt. Anonymisiert. Dass in einigen Fällen vom Sozialamt nachgeholfen wurde, ist nicht auszuschliessen.
4.) Von einer Ausnahme abgesehen, haben wir bisher immer eine Reaktion erfahren.

Zufrieden?
Gruss
Mäni

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Hallo Alexander,

wenn Du Dir (zurecht) Gedanken über die Effizienz einzelner Hilfsorganisationen machst, kannst Du Dich hier:

http://www.dzi.de/bulletin.htm

erkundigen, ob die Organisation einigen Anforderungen entspricht und damit als „seriös“ eingestuft wurde.

Grüße,
Snoef

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Hallo Alex,

ich war auf einer christlichen Schule, die Schwestern hatten mehrere „Missionsstationen“ - wobei man das schon so verstehen darf, daß dort Schulbildung gefördert wurden (Maria-Ward-Schwestern, seit mehreren 100 Jahren engagiert in der Mädchen-Bildung). Es ging nicht um christliches missionieren!

Wir haben von der Schule jedes Jahr eine der Stationen unterstützt - das Geld ging komplett ohne Abzug von Verwaltungskosten an die entsprechenden Schulen.

Dann gibt es natürlich SOS-Kinderdörfer - dort haben meine Eltern jahrelang hingespendet.

Viele Zeitungen haben ein Leserhilfswerk - teilweise regional, teilweise außereuropäisch. Bei uns trägt die Zeitung die Verwaltungskosten, so daß jede Spende zu 100 % an dei Bedürftigen kommt. Und es gibt ja auch vor unserer Tür Leute, die wirklich Hilfe brauchen.

Sonst hast Du ja schon viele Organisationen genannt bekommen.

Grüße

Wendy