Hallo Sven,
wie ich das Produkt aufn :Markt bringe und gleich ein :Monopol habe…
diese Reaktion von Dir hätte ich aus dem Kontext erahnen müssen. Dazu paßte eine typische Aussage, nämlich der Wunsch nach einem weltweiten Patent.
„Hast Du ein Monopol, gehts Dir wohl“ geistert in vielen Köpfen herum. Die Problematik hat so viele Facetten, daß ich nur wenige erwähnen kann. Stelle Dir vor, Du verkaufst Mehl, Einkaufstüten oder Brillen, eben Produkte, die jeder kennt. Dann ist der Markt dafür geöffnet. Du mußt keine landes- oder gar weltweite Aufklärungskampagne starten, was man mit Mehl anstellen kann. Ein schönes Beispiel ist der Geschichte des Computers zu entnehmen. Etwas verkürzt gingen Prognosen noch vor wenigen Jahrzehnten vom weltweiten Bedarf von einer Handvoll Geräten aus. Es war ein viele Jahre dauernder Weg einiger Pioniere, den Menschen begreiflich zu machen, wie nützlich so ein Ding sein kann. Wer alleine vor der technischen Aufgabe und vor der Marketingaufgabe steht, muß scheitern, während jeder Wettbewerber hilft, den Markt zu öffnen.
Du gehst in einen Getränkemarkt und hast die Auswahl unter mindestens 100 Biersorten. Macht z. B. Astra den Laden dicht, weil auch noch andere Leute Bier brauen? Gerade läuft die IAA. Schließt Daimler-Chrysler seinen Laden von draußen zu, weil sie urplötzlich bemerken, daß es auch noch andere Leute gibt, die Autos bauen?
Du produzierst z. B. Halbleiter für die Elektroindustrie. Glaubst Du etwa, jemand kauft Dir von Deiner Neuentwicklung auch nur ein einziges Stück ab, wenn Du der einzige Anbieter bist, wenn es keine „Second Source“ gibt?
Jemand bietet einen aufbereiteten, nachwachsenden Rohstoff für Heizzwecke an und ist weit und breit der einzige Anbieter des preiswerten Brennstoffs. Würdest Du einen hohen Betrag zur Umrüstung Deiner Heizung aufwenden, wenn Du von nur einem Lieferanten abhänig wärst und frieren mußt, falls der Lieferant krank wird? Der Brennstofflieferant kommt nie auf die Füße, wenn er nicht nötigenfalls selbst für den Aufbau von Wettbewerb sorgt.
Das Thema Monopol und Schutzrechte ist schier unerschöpflich und vielschichtig. Ich kann es hier nur äußerlich anreißen. Es läßt sich aber festhalten, daß die Alleinstellung in den meisten Fällen schädlich und nicht durchzuhalten ist. Daraus darf man jetzt nicht den Umkehrschluß ziehen und meinen, unbedingt in einem überbesetzten Marktsegment seinen Platz suchen zu müssen.
Je nach Produkt ist der Markt in Deiner Stadt, in Deinem Bundesland oder in ganz Deutschland gewaltig. Das gilt für die meisten Produkte und der erste Schritt muß sein, Zugang zu den am nächsten liegenden Märkten zu erhalten. Man darf jedenfalls nicht den oft zu beobachtenden Fehler machen: Ein hoffnungslos unterkapitalisiertes kleines Unternehmen mit gutem Produkt, das aber noch längst nicht fertig entwickelt ist. Man hat keinen Marktzugang, nicht einmal in der eigenen Region. Noch kein einziges Stück ist verkauft und wenige Verkäufe wären die Rettung und brächten das Geld, um wenigstens regional ein bißchen Vertrieb auf die Füße zu stellen und dann gesund leben zu können. Statt sich darum zu kümmern, wird alles verfügbare Kapital darauf verwendet, Schutzrechte zu erlangen, damit das Produkt nicht in Bombay produziert wird. Und dann hat man nicht einmal den Schatten einer Chance, die Verhältnisse in Bombay oder sonstwo auf der Welt zu kontrollieren, geschweige denn, bei Schutzrechtsverletzungen den fälligen Rechtsstreit durchzustehen.
Das hab ich nicht nur ein Mal erlebt, das ist geradezu eine Standardsituation vieler Leute mit einer Produktidee. Es gibt nicht die geringste Vorstellung, wie man auch nur an die Käufer im eigenen Dorf kommt, aber es muß unbedingt das Schutzrecht für Timbuktu her. Und natürlich muß das Monopol her, weil man ja jedes Produkt in die Tonne treten kann, sobald es irgendwo auf Erde in ähnlicher Weise gebaut wird … Klar, immerhin gibt es auf diesem Globus auch nur einen einzigen Friseur, nur einen einzigen Maurer und nur einen einzigen Bierbrauer…
Gruß
Wolfgang