Pathologie pathologie

Liebe/-r Experte/-in,

wir konnten letztens, bei einem versterbenden familienmitglied,beobachten, dass sich das hautbild wesentlich verbesserte, in form vom verschwinden der gesichtsfalten. Zur person: weiblich, 65 jahre,hatte gallenblasenkrebs und im letzten halben jahr ca 15-20 kg gewicht verloren, nichtraucherin mit gesundem lebensstil. Die straffung der gesichtshaut war in den letzten tagen vor ihrem ableben zu beobachten. Als sie aufgebahrt im sarg lag schien es als hätte sie nie wesentliche falten in ihrem gesicht gehabt. Durch das versagen der leber hatte sich in den letzten 2 wochen
die gesichtshaut gelb verfärbt.
Ist das möglich oder war das ein subjektives empfinden durch die verfärbung der gesichtshaut?

Wenn dies möglich ist, was passiert da?

mfg
peer

Hallo Peer,

ich kann nicht genau sagen, was da im einzelnen passiert ist. Das hängt von zu vielen chemischen Faktoren ab und mit herein spielt die vorherige Medikation als nur einer der Faktoren, die da zusammen wirken. Fakt ist, bei den meisten Verstorbenen „entspannt“ sich tatsächlich das Gesicht. Nicht bei allen Toten, es kommt auf die Todesart an. Beim Herzinfarkt z. B. finden sich blaue bis purpurne Verfärbungen und teils verkrampfte Gesichtszüge, die sich später wieder entspannen. Meine eigene Mutter verstarb in der letzten Phase des Blasenkarzinoms.

Sie sah wunderschön aus in den ersten Stunden nach dem Versterben. Ich habe sie mit meinen Schwestern komplett vorbereitet und angezogen. Wir konnten allerdings nur 14 Stunden später beobachten, dass der Verwesungsvorgang erschreckend schnell (durch innere chemische Vorgänge) eingetreten war und eine braungraue dicke Flüssigkeit aus dem Mundwinkel rann. Unaufhörlich und das vorher wie aufgepolsterte Hautbild veränderte sich stündlich mehr, es fing an einzufallen und nahm einen starken Gelbton an. Bei meiner Großmutter, die mit 81 jahren verstarb an einer Herzschwäche war sogar erst nach einer Liegezeit von über 36 Stunden zu Hause nur ein diskreter Gelbton auszumachen. Allerdings verlor sie Körperflüssigkeit die ins Bett einsickerte.
Es kommt auf die innere Zerstörung und den am stärksten betroffenen Bereich an, die chemischen Reaktionen beginnen oft bereits vor dem Tod durch die Erkrankung selbst. Vor dem Eintritt der Leichenstarre (die beginnt schon nach ca. 90 Minuten bei Zimmertemperatur entspannen sich die Muskeln zuerst und verändern den Verstorbenen (Mimik) meistens. Evtl. ist es dies was Sie bemerkt haben? Wenn der Patient vor dem Versterben erhöhte Körpertemperatur zeigt, was oft vor der Sterbephase beim Schwerstkranken zu beobachten ist, wirkt die Haut besser durchblutet. Es scheint dem Patienten besser zu gehen (ein kurzes Aufblühen…) man hört es immer wieder in den Berichten der Angehörigen wenn sie sich an die letzte Zeit vor dem Versterben des Patienten erinnern.
Fakt ist; die unmittelbare Zersetzung, Gase, Gärung etc. verändern den Leichnam sehr schnell. Wenn man einen Verstorbenen 1 ganze Woche besucht und beobachtet (das ist je nach Bestattungsunternehmer und Absprache möglich und wird auch immer öfter so gewünscht) sieht man den rapiden Zerfall und begreift zum Schluß auch sehr gut was der Tod mit dem Menschen macht. Manche Angehörige können so leichter akzeptieren und sich lösen. Es wird deutlich, dass der Tote mit diesem so durch Krankheit zerstörten Körper nicht mehr leben konnte. Wenn der soeben Verstorbene noch so natürlich erscheint und man es nicht wahrhaben will, so hilft das tägliche Erleben der Veränderung beim Abschied und schließlich beim Loslassen.

In unserer Gesellschaft findet langsam ein Wandel statt, Sterben ist uns mit dem Geborenwerden sicher, aber es wird verdrängt, macht Angst. Die meisten Verstorbenen hingegen kann man sich ohne Scheu anschauen und dann sieht man halt die Veränderung und begreift was mit der Hülle, dem Körper passiert. Ich persönlich glaube, dass der Mensch als physikalische Kraft nicht verloren geht. Seele? Da ist irgendetwas, das bleibt und umgewandelt? wird in neue Kraft? Man fragt sich sicher bei der Sektion, wo ist sie die Seele? Aber niemand behauptet wohl ernsthaft es gäbe sie nicht!

hallo,
ich habe ganz vergessen mich für die umfangreiche antwort zu bedanken. das hat mir doch schonmal weitergeholfen.
sorry für die späte rückmeldung.
danke und grüße

Die gelbe Farbe kommt durch die Verlegung der Gallengänge zustande. Galle staut sich zurück, geht dann vermehrt ins Blut über und verfärbt Schleimhäute und Haut.
Das Verschwinden von Falten ist durch Einlagerung von Gewebewasser bedingt. Am Ende funktioniert die Leber nicht mehr so gut, es werden weniger Eiweiße gebildet, die das Wasser in den Blutgefäßen halten. So tritt Wasser aus den gefäßen ins Bindegewebe aus. Man sieht wie aufgeschwemmt aus, Mediziner sprechen von Ödem. Zuerst verschwinden Falten, dann wird Haut gespannt und dann glänzend, dann tut’s aber auch schon weh.
Gruß
Dag Dittert

hallo,
danke für die späte, aber sehr verständliche antwort.
grüße
peeer