Hallo Heidi,
Wie ist das aber mit den Armen im Endeffekt?!
na, und abgesehen davon weiß ich auch ganz sicher, daß es ein Leben nach dem Examen gibt:wink:
Woran genau hält Jesus im Gesetz fest?? Mir ist das noch nicht
so ganz klar…
Das ist auch gar nicht so einfach! hast Du MT 5 schon gelesen? Dort wird deutlich, daß er die Toraauslegung „verschärft“. Wenn er sagt, „Ich aber sage Euch“, so ist das als Auslegung der Tora gegen andere Schriftgelehrte zu verstehen, weniger als Aufhebung der Tora. Im Zentrum der Ethik Jesu steht das Gottes- und Nächstenliebegebot. Von daher finden wir auch Thoraentschärfung.
Sabbatgebot: (Mk 3,4): Gebot der HIlfe wird dem Sabbatgebot vorgeordnet.
Zehntgebot (Mt 23,23): Recht und Barmherzigkeit sind wichtiger als das Zehntgebot.
Reinheitsgebot (Mt 23,25f.): äußere Reinheit kommt erst nach innerer.
Opfergebot (Mt 5,23f.): Versöhnung wichtiger als Opfer.
Wichtig ist, daß Jesus diese Gebote nicht aufhebt, sondern sie (vor allem für das Leben von Wandercharismatiker, das er selbst führte) „praktikabel“ machte und sozusagen den „Geist“ des Gesetzes über den „Buchstaben“ stellte. So bleibt das Sabbatgebot in seiner Gültigkeit bestehen, es gibt aber Ausnahmen, die nur durch eine Berufung auf den „Geist“ der Gebote Gottes begründet sein dürfen.
Es gibt auch Thoraverschärfungen, Verbot des Tötens und Ehebruchs (Mt 5,22; 5, 28); Nächstenliebe im Sinne von Liebe zum Feind (Mt 5,43-48par), Fremden (Lk 10,25-37), zum Sünder (Lk 7,36-50).
IN diesen Bereichen hat Jesus vorhandene Gebote schärfer ausgelegt.
Sowohl das „Eidverbot“ (Mt 5,33ff.) als auch das Wiederverheiratungsverbot (nicht Ehescheidungsverbot!) sind wohl eher als eigene Gesetzesbildung (also „halachisch“) zu verstehen.
Wenn man über diese „Radikalismen“ Jesu nachdenkt, sollte man daran denken, daß Jesus in einen eschatologischen Kontext gesprochen hat. Das Reich Gottes stand nahe bevor. Das Eidverbot widerspricht, noch mehr zu seiner als zu unserer Zeit, den wichtigsten Prinzipien einer funktionierenden Gesellschaft. Jesu Welt war aber nicht von dieser, daher konnte er diese Forderungen aufstellen. Es ist eine wesentliche Frage des Christentums, ob diese Radikalismen überhaupt durchhaltbar sind. Die Zwei-Stufen-Ethik (Mönche/Priester halten alle gebote ein, der Rest der Menschheit läßt sie das stellvertretend für sich tun und hält nur die „praktikablen“ Gebote ein) ist eine Folge dieser Probleme, Theologen sollten es sich nicht zu einfach machen, nach dem Motto, „es kann ja keiner seine Feinde lieben“. Überlege Dir für die Prüfung ruhig eine eigene Position, durchaus auch selbstkritisch!
Nun zum Wiederverheiratungsverbot:
Mt 5,32; 19,9; Mk 10, 11-12; Lk 16,18. Vergiß nicht, auch den jeweiligen Kontext zu lesen.
Am besten ist, wenn Du Dir die Texte in einer Synopse ansiehst. Das wichtigste ist das genaue lesen, Dir werden dann einige Differenzen auffallen, auf die ich hier nciht alle eingehen kann.
wenn man einen Text synchron liest, dann nimmt man ihn erst einmal so, wie er ist und versteht ihn innerhalb des sprachlichen und gesellschaftlichen Systems zu einem bestimmten Zeitpunkt. Ihn diachron zu lesen bedeutet, nach der ursprünglichen Form und Verwendung eines Textes zu fragen, nach seinem geschichtlichen Entstehungs- und Rezeptionsprozeß.
Synchron heißt dann erst einmal: Was wollen die Evangelisten jeweils sagen? Warum haben sie das Wiederverheiratungsverbot an dieser Stelle ihres Werkes stehen. Was bedeuteten diese Aussagen für die Adressaten der jeweiligen Evangelisten. Wenn Du im Conzelmann was zu der jeweiligen Theologie (und Entstehungszeit) der Ev gelesen hast, kommst Du auch so auf einige Thesen.
Diachron zu fragen hieße, z.B. zu fragen, was hat denn nu Jesus gesagt? Darf man nun bei Ehebruch wieder heiraten oder nicht? Die gängige Forschungsmeinung ist, daß man nicht darf. Man geht davon aus, daß Texte/Aussagen, wenn sie eine geschichtliche Veränderung erlebt haben, vom schwierigen zum leichteren „verbessert“ wurden, nicht umgekehrt. Lukas und Matthäus haben beide Mk gelesen, Matthäus hat in seiner Gemeinde die Erfahrung gemacht, daß dieses Wiederverheiratungsverbot nicht praktikabel war und daher hat er selbst oder schon die Tradition seiner Gemeinde diese Ausnahme gekannt. Das ist jetzt sehr simpel dargestellt, aber ich denke, Dir ist klar, was ich meine.
Im übrigen hat Paulus gesagt, man solle das Heiraten besser ganz lassen…
So, ich hoffe, Dir damit geholfen zu haben und außerdem, daß mein Computer beim Versenden nicht abstürzt:wink:
Liebe Grüße,
Kopf hoch,
Taju
PS: Ich will noch mal auf den Theißen zurückkommen!!! Hast Du niemanden, der für Dich Kopieren gehen kann? Es geht nur um § 12 des Buches, dann sind 44 Seiten! Da steht alles, was ich oben zum Gesetz geschrieben habe, viel besser, interessanter und ausführlicher!
Und kannst Du mir noch Genaueres über diesen Vergleich sagen??
Kannst Du mir zum Beispiel erklären, welche Möglichkeiten der
Vergleiche es gibt? („diachron“… hab ich gehört…aber was
heisst das alles?)… oh, die Zeit läuft davon! Und ich
kuriere mich einerseits und setz andererseits alles daran,
jetzt endlich die Prüfungen abzuhaken! Ob das richtig ist,
wird sich zeigen…
Tja, und dann dank ich Dir für den Link, ich werd mich nachher
gleich mal dorthin begeben…
Hu! Völlig abgehetzt…
Heidi (die irgendwann nicht mehr arm sein wird!
)