Pausenaufsicht

Hallo miteinander,

unsere jüngere Tochter wurde Mitte September eingeschult. Aufgrund besonderer Umstände, die hier nichts zur Sache tun, bin ich bis auf weiteres in der großen Pause auf dem Schulhof.

Es handelt sich um eine sehr große Grund- und Hauptschule mit mehreren Gebäuden und diversen nicht abgegrenzten, aber nicht gegenseitig immer einsehbaren Schulhofbereichen. Für jeden Bereich gibt es formal eine Pausenaufsicht. Die ersten und zweiten Klassen sind theoretisch etwas für sich, was aber nicht wirklich klappt. Sie werden oft von den großen bedrängt.

Meine Anwesenheit ist mit der Schulleitung und der Klassenlehrerin so abgesprochen. Die Mitschüler meiner Tochter kennen mich teilweise schon aus Kindergartenzeiten, wissen aber, dass ich keine offizielle Aufsicht bin und daher bei Problemen nicht unbedingt ihr Ansprechpartner. Ich schicke sie daher auch konsequent zur jeweiligen Pausenaufsicht – sofern eine anwesend ist…

Die Schule hat einen schlechten Ruf, am Elternabend 2 Wochen nach Schuljahresbeginn fragten andere Eltern die Schulleiterin, was sie gegen bestimmte Vorkommnisse unternehmen werde. Sie wurden lapidar abgekanzelt mit dem Hinweis auf eine ständig anwesende Aufsicht. Die Kinder würden lediglich durch ein paar Büsche und weil sie eben kleiner sind die Aufsicht manchmal nicht sehen und dann behaupten, es sei niemand da gewesen.

Tatsächlich IST aber sehr oft (mindestens jeden 2. Tag) keiner da. Ich werde fast jede Pause von Kindern wegen irgendwelcher Problemchen angesprochen, davon suche ich dann höchstpersönlich mehrmals pro Woche die Aufsicht – und finde sie nicht. Besonders zwei Lehrerinnen sind meist nur auf dem Plan anwesend. Eine davon ist schon etwas älter und wenig motiviert, das ist seit Jahren bekannt. Ihre (erste) Klasse wird schon vor dem Klingeln in den Hof geschickt, sie selbst zieht sich ins Lehrerzimmer zurück, erscheint pro forma mal kurz auf dem Hof und verschwindet mindestens 5 Minuten vor dem Ende der Pause wieder. Dieses Spielchen läuft immer so.

Blöd für mich ist, dass ich aufgrund unserer besonderen Umstände froh sein muss, dass ich in der Pause kommen darf, andererseits bin ich sozusagen unfreiwillige „Spionin“, werde natürlich von den Miteltern oft befragt, weil auch ab und zu wirklich heftige Dinge vorkommen und einige Schüler der ersten Klasse inzwischen richtig Angst haben. Die Klassenlehrerin ist ganz jung, bemüht sich, wird aber insbesondere von der erwähnten Lehrerin eher aufgemischt, und gegen die Schulleiterin hat sie sowieso keine Chance – fürchten wir Eltern.

Frage an Euch: Muss rechtlich immer eine Aufsicht anwesend sein ? Oder muss man sich mit „lächerlichen“ (?) 5 Minuten ohne einfach abfinden ? Wie gesagt, es kommt regelmäßig vor…

Danke vorab für Eure Antworten !

Gruß, Sylvia

Liebe Sylvia,

zuerst einmal: wie auch immer die „besonderen Umstände“ sein mögen, ich finde es mutig von dir, dass du dich da wenn auch zunächst nur allgemein einmischt. Und: Bestätigen kann ich, dass es mit der Moral der Lehrer in der Pausenaufsicht nicht zum Besten steht. Das liegt an dem verdammt harten Lehreralltag ebensoehr wie an der Tatsache, dass die Lehrer nur allzu genau wissen, dass ihnen wegen ein paar versäumten Pausenaufsichten niemand an den Karren pinkelt. Es liegt teilweise auch daran, dass die Lehrer kaum mehr Machtmittel haben als du und sich dann denken: was solls eh? Selbst die Lehrer, die körperlich korrekt anwesend sind auf dem Pausenhof, kriegen nicht
mit was da läuft auf dem Pausenhof - geschweige denn auf dem Klo oder in deeinen oder anderen Winkel.

Du hast viele Handlungsmöglichkeiten, die sich alle auf der Skala zwischen extremer Tapferkeit einerseits (Beschwerde bei der Schulaufsicht unter Zuhilfenahme von Öffentlichkeit und REchtsanwalt) und Resignation andrerseits bewegen…

Es kommt sehr darauf an, was du willst: willst du, dass es deinem Kind möglichst gut geht? Willst du weniger Frust bei den Aufsichten erleben? Willst du bestimmte Verbesserungen für die Kinder in dieser Schule erreichen? Je nach deinem konkreten Ziel werden bestimmte Strategien empfehlenswert sein.

Vielleicht willst du mit eher geringem Aufwand die ärgsten Auswüchse wenigstens ansatzweise bekämpfen, schon um dein Gefühl der Hilflosigkeit loszuwerden? Dann empfehle ich folgende Strategie:

  • Mit denjenigen Lehrern (informell) verbünden, die die Pausenaufsicht ernst nehmen.
  • Nach aller Möglichkeit auch die Kontakte zu den Eltern, die nicht allles einfach schlucken, warmhalten.
  • Und dann mit Hilfe dieses Netzwerkes bei einem besonders krassen Fall ein Exempel statuieren.
  • Wichtig dabei: Genau Buch führen: wer hat wann was gemacht, gesagt, getan? Wenn die Leute merken, dass irgendwo gerichtsrelevante Fakten effektiv festgehalten werden, reagiert der intelligentere Teil von ihnen eher vorsichtig - und das hat einen erheblichen Einfluss auf den weniger intelligenten Teil.
  • Trotzdem immer locker bleiben und allen gegenüber indirekt deutlich machen: Wenn mein protest wirkt, prima, wenn nicht, ists eh alles eure eigne Kacke.
  • Nette kleine, notfalls anonyme Brieflein an den Dezernenten beim Regierungspräsidenten schicken: In der Schule xy hat an den und den Tagen die Frau soundso die Aufsicht soundso gehandhabt. Zeugen waren die und die. Die Schulleitung meinte dazu dasunddas. Bis jetzt ist die Presse noch nicht informiert.
  • Deine Frage klingt so, als ob diese besonderen Umstände etwas mit der besonderen Schutzbedürftigkeit deines Kindes zu tun hätten. Vielleicht möchtest du dann nicht ein Exempel statuieren, sondern rein positiv wirken, d. h. vielleicht in einer Hinsicht eine bestimmte Verbesserung bewirken. Beispiele: Meine Schwiegermutter hat jahrelang - einfach um fit zu bleiben und weils einfach ihre Passion war - in den Pausen mit einigen Schülern Kreistänze eingeübt. Ein Beispiel kenne ich auch, da hat jemand Beete und sogar ein Biotop angelegt mit Schülern in der Pause. Vielleicht gibts eine Nische, etwa die Schülerbücherei oder einen Schulsportverein oder der Religionslehrer samt Pfarrer, wo sich irgendetwas Kleines aufbauen lässt, damit wenigstens ein paar Schüler während einiger Pausen einen geschützten Raum erhalten.

Viel Mut und zugleich Pragmatismus wünscht dir

Juliane

unsere jüngere Tochter wurde Mitte September eingeschult.
Aufgrund besonderer Umstände, die hier nichts zur Sache tun,
bin ich bis auf weiteres in der großen Pause auf dem Schulhof.

Es handelt sich um eine sehr große Grund- und Hauptschule mit
mehreren Gebäuden und diversen nicht abgegrenzten, aber nicht
gegenseitig immer einsehbaren Schulhofbereichen. Für jeden
Bereich gibt es formal eine Pausenaufsicht. Die ersten und
zweiten Klassen sind theoretisch etwas für sich, was aber
nicht wirklich klappt. Sie werden oft von den großen bedrängt.

Meine Anwesenheit ist mit der Schulleitung und der
Klassenlehrerin so abgesprochen. Die Mitschüler meiner Tochter
kennen mich teilweise schon aus Kindergartenzeiten, wissen
aber, dass ich keine offizielle Aufsicht bin und daher bei
Problemen nicht unbedingt ihr Ansprechpartner. Ich schicke sie
daher auch konsequent zur jeweiligen Pausenaufsicht – sofern
eine anwesend ist…

Die Schule hat einen schlechten Ruf, am Elternabend 2 Wochen
nach Schuljahresbeginn fragten andere Eltern die
Schulleiterin, was sie gegen bestimmte Vorkommnisse
unternehmen werde. Sie wurden lapidar abgekanzelt mit dem
Hinweis auf eine ständig anwesende Aufsicht. Die Kinder würden
lediglich durch ein paar Büsche und weil sie eben kleiner sind
die Aufsicht manchmal nicht sehen und dann behaupten, es sei
niemand da gewesen.

Tatsächlich IST aber sehr oft (mindestens jeden 2. Tag) keiner
da. Ich werde fast jede Pause von Kindern wegen irgendwelcher
Problemchen angesprochen, davon suche ich dann
höchstpersönlich mehrmals pro Woche die Aufsicht – und finde
sie nicht. Besonders zwei Lehrerinnen sind meist nur auf dem
Plan anwesend. Eine davon ist schon etwas älter und wenig
motiviert, das ist seit Jahren bekannt. Ihre (erste) Klasse
wird schon vor dem Klingeln in den Hof geschickt, sie selbst
zieht sich ins Lehrerzimmer zurück, erscheint pro forma mal
kurz auf dem Hof und verschwindet mindestens 5 Minuten vor dem
Ende der Pause wieder. Dieses Spielchen läuft immer so.

Blöd für mich ist, dass ich aufgrund unserer besonderen
Umstände froh sein muss, dass ich in der Pause kommen darf,
andererseits bin ich sozusagen unfreiwillige „Spionin“, werde
natürlich von den Miteltern oft befragt, weil auch ab und zu
wirklich heftige Dinge vorkommen und einige Schüler der ersten
Klasse inzwischen richtig Angst haben. Die Klassenlehrerin ist
ganz jung, bemüht sich, wird aber insbesondere von der
erwähnten Lehrerin eher aufgemischt, und gegen die
Schulleiterin hat sie sowieso keine Chance – fürchten wir
Eltern.

Frage an Euch: Muss rechtlich immer eine Aufsicht anwesend
sein ? Oder muss man sich mit „lächerlichen“ (?) 5 Minuten
ohne einfach abfinden ? Wie gesagt, es kommt regelmäßig
vor…

Danke vorab für Eure Antworten !

Gruß, Sylvia

Hallo Sylvia!

Was es mit der Pausenaufsicht so auf sich hat kann ich Dir leider nur aus österreichischer Sicht sagen - aber ich hoffe mal, dass es da nicht allzu viele Unterschiede gibt. Ich unterrichte selbst an einem Gymnasium.
Die Pausenaufsicht zu halten ist für jeden Lehrer Pflicht. Rein rechtlich ist es wohl so, dass der Lehrer dafür verantwortlich gemacht werden kann, wenn sich z.B.in seiner Pausenaufsicht ein Schüler verletzt.
Praktisch sieht es aber so aus, dass ein Lehrer kaum bis gar keine Rechte hat, bei einer Rauferei oder ählichem, einzugreifen.
Ich unterrichte an einer reinen Bubenschule (jaja, sowas antiquirtes gibt es bei uns noch:wink:)): Raufereien, teilweise extrem aggressive, sind hier an der Tagesordnung. Nun mache ich regelmässig meine Pausenaufsicht. Aber sollten mal zwei Schüler raufen, so hab ich wenig Möglichkeiten einzugreifen. Ich kann versuchen, sie durch anschreien oder ählichem auseinanderzubringen. Berühre ich sie oder mische mich körperlich glatt in die Rauferei ein, dürfen mich die Eltern der Schüler anzeigen, weil ich das eben nicht darf.
So sieht die Theorie aus. Wie es in der Praxis gehandhabt wird, ist meist eine andere Sache.
Ich wünsche Dir trotzdem noch viel Mut und Durchhaltevermögen bei Deiner Pausenaufsicht.
mfg Ilse

Hallo Sylvia,

guck mal in das Schulgesetz deines Bundeslandes. Bei uns ( Schleswig-Holstein ) steht was über Aufsicht. Ich les das so, dass die Aufsicht altersgemäß sein muß, was ja auch Sinn macht.

Etwas anderes ist mir dabei wieder eingefallen : die Schulleiter sind doch nur ausführendes Organ der Schulkonferenz. Diese wiederum ist ja auch von Eltern und Schülern besetzt. Vielleicht könnte man über diese Schiene eine generelle Änderung erreichen ?

Eine gute Idee find ich, den jüngsten Schülern einen älteren „Paten“ zur Seite zu stellen. Also einen 4.-Klässler, der jederzeit Ansprechpartner und Beschützer ist. Bei uns klappt das sehr gut. Die Großen sind sehr motiviert „ihre“ Schützlinge zu betreuen.

Manchmal kann auch ein Förderverein Einfluss nehmen.

Nicht aufgeben !

Grüsse

Heike Witt

Hallo Silvia,

es ist hier etwas schwierig, geeignete Ratschläge zu geben, da doch einige Informationen zum sozialen Umfeld fehlen. Ich meine damit u.a. Größe des Ortes (Dorf, Stadt etc.), Einzugsgebiet der Schule, und das, was Du mit „besonderen Umständen“ meinst.

  1. Die anderen Eltern: Es besteht bei vielen Eltern (leider) eine Angst, mit Lehrern eine kontroverse Diskussion zu führen. Viele Eltern meinen, dass sich Lehrer für offene Kritik dann an den Kindern rächen werden, und halten deswegen lieber den Mund nach dem Motto: Augen zu und durch. Sie meinen auch oft, durch Anpassung belohnt zu werden oder zumindest keine Nachteile für ihr Kind erwarten zu dürfen. Dazu kommt, dass Lehrer immer Akademiker sind, Eltern nicht immer, und sich die Eltern den Lehrern oft verbal unterlegen fühlen. Es wird daher im kleinen Kreis oft über die Schule und über bestimmte Lehrer geschimpft, manchmal sogar ziemlich heftig, nur die Lehrer oder die Schule werden nie etwas davon erfahren. Du wirst erleben, wenn Du dich auf das Geschimpfe verlässt, und deswegen aktiv wirst, dass dieselben Leute, die auf die Schule und Lehrer so geschimpft haben, Dir dann plötzlich in den Rücken fallen, sollten sie von Lehrern und Schulleitung direkt darauf angesprochen werden und Stellung beziehen müssen. Also bei den Eltern musst Du selber entscheiden, wem Du vertrauen kannst, und wer im Zweifelsfalle auch offen an Deiner Seite steht.

  2. Die Lehrer: Ich weiss jetzt nicht, aus welchem Bundesland Du kommst, und kann daher nur die bay. Verhältnisse schildern. Die Grundschullehramtstudenten stehen in Bayern an unterster Stelle der sozialen Hackordnung innerhalb der Studenten und werden bayernweit an allen Unis nur als „Grundschultussies“ bezeichnet. Die Gundschullehrer sind mehrheitlich eine Negativauswahl von Personen, die sich nach 13 Jahren Schule nicht zutrauen, den Schritt von der Schule hinaus ins Leben zu wagen, und daher lieber lebenslänglich zurück in die Schule gehen. Ich sagte: „mehrheitlich“, nicht „alle“. Es gibt auch einige gute Grundschullehrer. Weitere Entscheidungsgründe für den Beruf des Grundschullehrers sind „mit den Kleinen werd´ ich noch fertig“ oder „das Studium ist nicht so schwer wie ein richtiges“, sowie nicht zu unterschätzen, der angestrebte Beamtenstatus. Weiters haben sie allein durch ihren Status als Lehrer eine Machtposition gegenüber Schülern und Eltern, die sie in einem normalen Betrieb oder Unternehmen niemals erreichen würden. Es ist daher schwierig, mit solchen Lehrern eine offene Diskussion zu führen. Da ich selber Lehramt an Grund- und Hauptschule studiert habe und Studentenvertreter am Fachbereich war, steht mir eine solche Meinung über meine ehemaligen Mitstudenten zu. Nebenbei: Ich habe nach dem Studium den Lehrerberuf auch deswegen nicht ergriffen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, mein ganzes Berufsleben unter solchen Leuten zu verbringen.

Ergänzung (falschen Button gedrückt!)
3. Deine „besonderen Umstände“. Leider hast Du die nicht näher erläutert, obwohl sie in diesem Zusammenhang schon wichtig gewesen wäre. Ich vermute mal, dass Deine Tochter aus irgendeinem Grund in der Pause einen Schutz braucht. Da scheinst Du auch auf das Goodwill der Schule angewiesen zu sein. Nun ist es manchmal ziemlich problematisch, gegen Leute vorzugehen, auf deren Goodwill man selber angewiesen ist. Aber das sind halt alles nur Vermutungen meinerseits.

Nun ist es schwierig, in diesem Umfeld von Eltern, Lehrern und „besonderen Umständen“ das Richtige zu machen oder auch nur den richtigen Ton zu treffen, weil es unter allen Beteiligten immer jemand geben wird, dem es nicht gefällt. Eigentlich ist in einem solchen Fall der Elternbeirat und dessen Vorsitzende/r zuständig. Wichtig , wie auch schon ein Vorredner gesagt hat, ist die Verwertbatkeit Deiner Aussagen. Da ist es günstig, zunächst mal eine Art „Pausentagebuch“ zu führen, in dem Du die Vorfälle mit Datum, Uhrzeit und beteiligten Personen genau aufschreibst. Vielleicht kannst Du Dich mit einer andern Mutter verabreden, mit der Du ratschenderweise auf dem Pausenhof gehst, als eine weitere Zeugin. Oder mit einer kleinen Kamera Aufnahmen zu machen, entweder versteckt oder mit Erlaubnis der Schulleitung unter dem Motto: Darf ich meine Tochter auf dem Pausenhof ein paarmal filmen? Wenn der Elternbeirat nicht zieht, würde ich mal einen Termin mit dem Schulrat vereinbaren, und ihm die ganze Situation erklären. Schulräte reagieren eigentlich schon auf solche Probleme, da sie nicht wollen, dasss es in ihrem Verantwortungsbereich zu negativen Meldungen kommt. Eine weitere Möglichkeit ist, die örtliche Presse einzuschalten, und halt mit einer Redakteurin (statt Mutter) ratschenderweise auf dem Pausenhof zu stehen. Also Möglichkeiten gibt es viele, aber für „den“ richtigen Ratschlag sind die Informationen doch zu wenig. Aber ich beneide Dich nicht um Deine Situation. Die erfordert viel Kraft.

Gruß
Michael

Hallo Juliane,

danke für Deine ausführliche Antwort. So gesehen ist das alles noch viel weitreichender, als ich mir in meinem nicht mehr ganz so jugendlichen Überschwang überlegt habe *seufz*.

Ich wußte nicht, dass die Lehrer im Prinzip nicht sehr viel mehr Sanktionsmöglichkeiten haben als ich, da habe ich wohl noch zu sehr ein veraltetes Lehrerbild - „wir“ hatten schon noch ein bißchen Respekt vor den meisten Lehrern, einmal Nachsitzen oder so war dann doch abschreckend.

Mein Ziel ist in erster Linie ganz egoistisch, dass es meiner mittleren Tochter, der Erstklässlerin, gut geht, dadurch automatisch auch der älteren Tochter, die zwar schon in der 3. Klasse ist, aber da schadet Aufsicht ja auch nicht, jedenfalls nicht an so einer riesigen Schule. Und irgendwann kommt auch noch ein drittes Kind von uns in diese Schule - genug Gründe also, sich ein bißchen reinzuhängen, aber auch genug Gründe, nicht in Fettnäpfe zu springen. Auf der anderen Seite finde ich, es ist nicht zuviel verlangt, dass Kinder in der Schule SICHER sind - altersgemäß eben, natürlich kommen Schulhofrangeleien vor, das meine ich nicht.

Anonyme Sachen sind gar nicht mein Ding, da mische ich lieber notfalls Miteltern auf. Das war inzwischen nicht mehr nötig, da nach mehreren Attacken der Größeren unterschiedliche Eltern zumindest bei der Klassenlehrerin massiv protestiert haben. Diese schaut nun in jeder Pause kurz vorbei, wobei sie selbst in einem ganz anderen Bereich Aufsicht hat, und teilt die Klasse in Grüppchen ein, die gegenseitig aufeinander aufpassen sollen. Momentan fühlen sich alle etwas sicherer, auch unsere Tochter kommt seit den Ferien ohne meine Anwesenheit aus *freu*. Ein ungutes Gefühl bleibt… aber da ich inzwischen auch Mitglied des Fördervereins bin (lohnt sich halt bei 3 Kindern), werde ich mich mal umhören, ob man noch etwas anleiern kann.

Viele Grüße,

Sylvia

Hallo Ilse,

danke für Deine Antwort. Ich bin wirklich überrascht, wie wenig Lehrer in der Pause wohl ausrichten können.

Praktisch sieht es aber so aus, dass ein Lehrer kaum bis gar
keine Rechte hat, bei einer Rauferei oder ählichem,
einzugreifen.

Aber sollten mal zwei
Schüler raufen, so hab ich wenig Möglichkeiten einzugreifen.
Ich kann versuchen, sie durch anschreien oder ählichem
auseinanderzubringen. Berühre ich sie oder mische mich
körperlich glatt in die Rauferei ein, dürfen mich die Eltern
der Schüler anzeigen, weil ich das eben nicht darf.

Ich bin wohl hoffnungslos naiv, aber in der Praxis solltest Du dann zusehen, wenn die sich im Extremfall an die Gurgel gehen ??? Man könnte das dann ja auch umkehren in unterlassene Hilfeleistung ?

Bisher waren die Sachen, die ich miterlebt und ohne die Pausenaufsicht zwangsläufig geregelt habe, eher harmlos. Bei Grundschülern hat es noch gereicht, mich feldwebelmäßig aufzubauen und einen Schrei zu lassen. Einmal haben Siebtklässler massive Probleme gemacht (wie gesagt, in der Pause - keine Aufsicht greifbar), da mußte ich diskutieren, kam auch ins Schwitzen, hab aber letztendlich „gewonnen“ *ggg*.

Mein Jüngster ist jetzt 2 Jahre alt, das heißt, ich habe noch viiiiiiele Jahre „Schule“ vor mir - lieber nicht rechnen *seufz* !

Viele Grüße,

Sylvia

Hallo Heike,

danke für Deine Antwort.

Ich les das so,
dass die Aufsicht altersgemäß sein muß, was ja auch Sinn
macht.

Genau. Es geht ja nicht darum, alle Schüler dauernd im Auge zu haben, aber die ganz Kleinen am Schulanfang sollten dann doch etwas sorgfältiger „behütet“ werden.

Etwas anderes ist mir dabei wieder eingefallen : die
Schulleiter sind doch nur ausführendes Organ der
Schulkonferenz. Diese wiederum ist ja auch von Eltern und
Schülern besetzt. Vielleicht könnte man über diese Schiene
eine generelle Änderung erreichen ?

Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung, ob es an unserer Schule eine Schulkonferenz gibt - nie gehört. MUSS es das geben ?

Eine gute Idee find ich, den jüngsten Schülern einen älteren
„Paten“ zur Seite zu stellen. Also einen 4.-Klässler, der
jederzeit Ansprechpartner und Beschützer ist. Bei uns klappt
das sehr gut. Die Großen sind sehr motiviert „ihre“
Schützlinge zu betreuen.

Bei unserer älteren Tochter war das damals auch so. Die Klassenlehrer wechseln in der Grundschule alle 2 Jahre, das heißt, die Lehrerin gibt die neuen Drittklässler ab und übernimmt die Anfänger, kennt daher auch die „Paten“. Dies machen aber nur wenige Lehrerinnen an der Schule, die Lehrerin unserer mittleren Tochter ist ganz neu an der Schule. Sie hat nun aber Grüppchen innerhalb der Klasse eingeteilt, was ich auch für eine ganz gute Idee halte.

Manchmal kann auch ein Förderverein Einfluss nehmen.

Da bin ich nun auch Mitglied *g* !

Nicht aufgeben !

So leicht nicht :smile: Danke !

Viele Grüße,

Sylvia

Hallo Michael,

danke für Deine Antwort. Wie es im Moment aussieht, habe ich in den anderen Antworten geschrieben. Die Klassenlehrerin bemüht sich redlich, man muss das anerkennen, sie ist noch ganz jung und hat einen eingeschworeren harten Kern gegen sich…

Ich mußte soooooo lachen über Deine Beschreibung von Lehrern. Es gibt sie sicher, die herzensguten, motivierten, menschlich fähigen Lehrer aus Überzeugung. Ich kenne inzwischen 2 an „unserer“ Schule. Aber es gibt sicher sehr viele der von Dir beschriebenen Sorte, und das macht den Umgang mit ihnen, wenn man Elternteil ist, sehr schwer. THEORETISCH dürfte ein fähiger Pädagoge seinen Zoff oder seine Abneigung gegen Eltern nicht auf dem Rücken des Kindes austragen, aber PRAKTISCH sind es doch genau diese problematischen Exemplare, denen dazu noch die menschliche Größe zu einem solchen professionellen Handeln fehlt.

Ich gebe jeden Lehrer erst einmal einen Vertrauensvorschuß, schließlich hatte er/sie ja einen Grund, diesen Beruf zu ergreifen, aber trotz großem Bemühen meinerseits gab es im letzten Jahr eine Lehr- (Leer-)kraft, über die ich mich dann doch der Schulleitung gegenüber geäußert habe, weil in direkten Gesprächen nichts, aber auch gar nichts zu retten war. Und ich versichere Dir, ich FORDERTE nicht einfach unverschämt, ich BAT nur um ein Minimum an Fairness, KEINE Zusatzarbeit für besagte *zensiert*…

  1. Deine „besonderen Umstände“. Leider hast Du die nicht näher
    erläutert, obwohl sie in diesem Zusammenhang schon wichtig
    gewesen wäre. Ich vermute mal, dass Deine Tochter aus
    irgendeinem Grund in der Pause einen Schutz braucht.

Ich will nicht in Rätseln sprechen/schreiben - meine Tochter ist jünger als die anderen und hatte anfangs einfach große Ängste zu überwinden, weil sie sehr schüchtern und geräuschempfindlich ist, von dem wilden Treiben auf dem Schulhof hoffnungslos überfordert. Aber nur davon, nicht von den anderen schulischen Dingen. Sie selbst wollte mit aller Macht in die Schule, hat ALLE zusätzlichen Tests, durch die sie durch mußte, mit Bravour gemeistert und selbst größte Skeptiker überzeugt. Wir hätten sie lieber im Kindergarten gelassen, aber dort bemühten sich ihre sehr engagierten Erzieherinnen ein Jahr lang wirklich sehr um sie, sagten aber klar, es sei nicht tragbar, sie noch ein Jahr verkümmern zu lassen. Sie ist getestet hochbegabt, wurde daher mit 5 Jahren (im Mai geboren) eingeschult - dass das entsprechend von der eingefahrenen Lehrerschar kritisch betrachtet wird und nur mit einer offenen Klassenlehrerin möglich, kannst Du Dir denken.

Inzwischen geht sie ganz „normal“ zur Schule, ihre Lehrerin ist begeistert und wird nicht müde, unseren Entschluß zu loben - das tut UNS natürlich auch gut *erleichtert* - ist aber jetzt komplett off topic *g*.

Viele Grüße,

Sylvia