Pavk

Hallo,
Mein Vater 84 J. leidet unter einer „peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK)“
des rechten Beines. Er hat mittlerweile so starke Schmerzen, dass er kaum noch laufen und
nur noch schlecht schlafen kann. Die Durchblutungsstörungen sind so stark, das die Haut
eintrocknet und abpellt.
Der Hausarzt ist völlig hilflos und weiss nicht weiter. Auch ein einwöchiger Aufenthalt im Krankenhaus war ohne Resultat, da ohne Therapie.
Frage: Ist hier noch ein gefäßchirurgischer Eingriff möglich (Bypass); kennt jemand eine kompetente Klinik in Münster (evtl. Ansprechpartner, Tel.Nr. etc.); was kann man machen
um die Beschwerden erträglicher zu machen; hat jemand Erfahrungen mit diesem Krankheitsbild
Gruß
KH

Hallo K.H., habe etwas im Buch „Chirurgie“ von Karl-Heinz Reutter gefunden. Hier der Autor: Dr. med. Achim Weber, Karl-Olga-Krankenhaus, Schwarenbergstr. 7, 70190 Stuttgart. Vielleicht kann er dir weiterhelfen. Er schreibt z.B. über Akuten Extremitätenarterienverschluß: „Charakteristische Symptome sind die 6 „P“ nach Pratt: pain, pulslessness, paralysis, paleness, paresthesia, prostration“. Die Kapitel sind unterteilt in: Pathogenese, Symptome, Diagnostik, Therapie, OP-Technik. Gruß Wynmuck
P.S.: Deine Ausführungen über Schlacken hat mir sehr gefallen.

Hallo K.H.,

meinen tut man mit diesem Begriff eine chronische Verengung der Beinarterien (nicht: akuter Verschluß = Notfall, dazu siehe Wynmuck). Ursache am häufigsten die Arteriosklerose.

Abklären tut man einen entsprechenden Verdacht folgendermaßen:

  • man mißt die arteriellen Verschlußdrücke (also Blutdruck) auf verschiedenen Ebenen des Beines. Hinter einer Verengung sind die Drücke reduziert.
  • falls dieser Test positiv, so macht man eine Kontrastmitteluntersuchung der Gefäße = Angiographie. Da sieht man dann, wo genau Engstellen sitzen und wie ausgeprägt sie sind.

Ein Bypass kommt nur dann in Frage, wenn die Engstelle lokalisiert ist und die Gefäße davor und dahinter gesund sind. Und eventuelle Begleiterkrankungen müssen eine OP überhaupt erstmal zulassen. Wenn letztere Frage vorab negativ beantwortet wird, so ist auch erst gar keine Angio nötig, da ohne Konsequenzen. Solche Angios kann man mittlerweile auch im Magnetresonanztompgraphen machen, ohne Kontrastmittel und Strahlung.

Auf der nichtoperativen Schiene gibts die CT-LSE, bei der unter computertomographischer Kontrolle die sympathsichen Nerven des Beines dauerhaft unterbrochen werden. Kein Wundermittel, nur einige Patienten profitieren von dem Verfahren. Es verbessert wohl lediglich die Hautdurchblutung - natürlich speziell dann vorteilhaft, wenn die Haut schon am Untergehen ist - hilft aber z.B. bei Diabetikern mit ihren verdickten Hautkapillaren auch nichts mehr. Bei Bedarf kann ich das gerne genauer eruieren.

Dann gibts natürlich noch die allfällige medikamentöse Therapie, die zumindest das Fortschreiten der Erkrankung verhindern kann. Also Kontrolle der Arterioskleroserisikofaktoren durch: Zuckereinstellung, Blutdrucksenkung, Cholesterinsenkung (ob Du es nun willst oder nicht…*g*), Rauchen aufgeben usw. usf.

viele Grüße,

Oliver

Hallo Oliver,

meinen tut man mit diesem Begriff eine chronische Verengung
der Beinarterien (nicht: akuter Verschluß = Notfall,
dazu siehe Wynmuck). Ursache am häufigsten die
Arteriosklerose.

Abklären tut man einen entsprechenden Verdacht folgendermaßen:

  • man mißt die arteriellen Verschlußdrücke (also Blutdruck)
    auf verschiedenen Ebenen des Beines. Hinter einer Verengung
    sind die Drücke reduziert.
  • falls dieser Test positiv, so macht man eine
    Kontrastmitteluntersuchung der Gefäße = Angiographie. Da sieht
    man dann, wo genau Engstellen sitzen und wie ausgeprägt sie
    sind.

Im Krankenhaus wurde eine Angiographie gemacht. Der Arzt sprach von PAVK im Zusammenhang mit dem Verschluß einiger Beinarterien.
Es haben sich Kollateralgefäße gebildet, die aber keine ausreichende Durchblutung ermöglichen.
Einen gefäßchirurgischen Eingriff haben die Ärzte in dem Kreiskrankenhaus abgelehnt, da mein Vater nach einem Herzinfarkt vor einigen Jahren unter Herzinsuffizienz leidet.

Ein Bypass kommt nur dann in Frage, wenn die Engstelle
lokalisiert ist und die Gefäße davor und dahinter gesund sind.
Und eventuelle Begleiterkrankungen müssen eine OP überhaupt
erstmal zulassen. Wenn letztere Frage vorab negativ
beantwortet wird, so ist auch erst gar keine Angio nötig, da
ohne Konsequenzen. Solche Angios kann man mittlerweile auch im
Magnetresonanztompgraphen machen, ohne Kontrastmittel und
Strahlung.

Auf der nichtoperativen Schiene gibts die CT-LSE, bei der
unter computertomographischer Kontrolle die sympathsichen
Nerven des Beines dauerhaft unterbrochen werden. Kein
Wundermittel, nur einige Patienten profitieren von dem
Verfahren. Es verbessert wohl lediglich die Hautdurchblutung -
natürlich speziell dann vorteilhaft, wenn die Haut schon am
Untergehen ist - hilft aber z.B. bei Diabetikern mit ihren
verdickten Hautkapillaren auch nichts mehr. Bei Bedarf kann
ich das gerne genauer eruieren.

Dann gibts natürlich noch die allfällige medikamentöse
Therapie, die zumindest das Fortschreiten der Erkrankung
verhindern kann. Also Kontrolle der
Arterioskleroserisikofaktoren durch: Zuckereinstellung,
Blutdrucksenkung, Cholesterinsenkung (ob Du es nun willst oder
nicht…*g*), Rauchen aufgeben usw. usf.

Diabetes besteht nicht, RR ok, Vater raucht nicht mehr,
Cholesterinwert weiss ich nicht,

Ich danke dir für deine Antwort, aber ich weiss immer noch nicht, was man tun kann, um die Situation meines Vaters (starke Schmerzen etc. ) zu verbessern.
Bleibt da nur noch die Amputation oder gibt es noch irgendwelche andere Möglichkeiten?
Gruß
KH

Hallo K.H.,

könnte man denn der Angio nach noch operieren, d.h. haldelt es sich um eine isolierte Stenose? Wie schwer ausgeprägt ist denn die Herzinsuffizienz?

Die Entscheidung, zu operieren oder nicht zu operieren ist immer insoweit subjektiv, als daß es keine allgemein akzeptierten Kriterien gibt, wann jemand OP-fähig ist und wann nicht. Falls Dein Vater eine OP wirklich will, sollte er sich mal zusammen mit den Angio-Bildern (wichtig) und dem Entlaßbrief des Krankenhauses in verschiedenen gefäßchirurgischen Ambulanzen vorstellen und explizit nach einer Operationsmöglichkeit fragen.

Ansonsten bleiben die weiter oben geschilderten konservativen Maßnahmen. Er wird Betablocker wegen der Koronarien kriegen, hier eventuell auf neuere Präparate wechseln, welche die Beingefäße nicht verengen. Desweiteren ist natürlich unbedingt eine potente ambulante Schmerztherapie ins Auge zu fassen. Gehtraining unter Analgetika kann die Durchblutungssituation verbessern, indem sich neue Kollateralen ausbilden. Auch die Akupuntur sollte hier theoretisch helfen können, indem über entsprechende Reflexe die Hautkapillaren eröffnet werden und so das Restblut besser ausgenutzt wird. Auch könnte man mit ihr eine bessere Analgesie erreichen.

Trotzdem ist die Therapie oft frustran. Solange das Kniegelenk erhalten werden kann und die Wunde gut zuwächst, erreichen Patienten, der Schmerzen entledigt, wieder eine überrraschend gute Lebensqualität - solange sie nicht zu früh aufgeben und mit dem Bein gehen wollen.

Aber wie gesagt, ich würde wirklich empfehlen, sich nochmal bei verschiedenen Gefäßchirurgen vorzustellen. Mein Großvater hatte seit 20 Jahren eine Herzinsuffizienz nach Myokardinfarkt und wurde mit 87 Jahren trotzdem noch erfolgreich operiert und fuhr wenig später mit seiner Freundin wieder durch den Schwarzwald spazieren :wink:

viele Grüße und alles Gute,

Oliver

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