Pawlowscher Reflex?

Hi,

ich habe eine Frage zum Pawlowschen Reflex:

Kann man das auch als einen Pawlowschen Reflex bezeichnen, wenn ein Mensch in ein anderes Land kommt, in diesem aber ihm die Identität mit dem Land verwehrt wird und diese Person dann anfängt sein Herkunftsland zu idealisieren?
Ist das ein Pawlowscher Reflex, oder gibt es in der Psychologie dafür einen anderen Namen?

lg

Moin,

Ist das ein Pawlowscher Reflex,

nein.

oder gibt es in der
Psychologie dafür einen anderen Namen?

Chauvinismus?

Gandalf

Moin zurück :wink:

chauvinismus ist was anderes! Das ist der Glaube an die Überlegenheit der eigenen Gruppe!

Darum ging es mir nicht!

Mir geht es um ein Individium, welches aus welchen Gründen auch immer, aus seiner angestammten Umgebung in eine andere ziehen muss und sich im neuen versucht zurechtzufinden. Da aber singalisiert ihm/r die einheimische Gruppe, dass diese Person nicht zu ihnen gehört und da diese Person eine Identität braucht, idealisiert es die einstige Heimat.
Und mir geht es darum, ob diese reflexhafte Identitätssuche zum Pawlowschen Reflex gehört oder ob es dafür einen anderen psychologischen Namen gibt?

lg

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Hallo,

Mir geht es um ein Individium, welches aus welchen Gründen
auch immer, aus seiner angestammten Umgebung in eine andere
ziehen muss und sich im neuen versucht zurechtzufinden. Da
aber singalisiert ihm/r die einheimische Gruppe, dass diese
Person nicht zu ihnen gehört und da diese Person eine
Identität braucht, idealisiert es die einstige Heimat.

Meine Erfahrungen mit Leben im Ausland: man braucht die Ablehnung des neuen Landes nicht. Die meisten Auswanderer idealisieren ihr Heimatland (selbst wenn sie ausgewandert sind, weil sie das Heimatland aus verschiedensten Gründen ablehnen).

Und mir geht es darum, ob diese reflexhafte Identitätssuche
zum Pawlowschen Reflex gehört oder ob es dafür einen anderen
psychologischen Namen gibt?

Ich weiß nicht, ob es einen Namen dafür gibt, aber mit Pawlow hat das nichts zu tun.

Gruß
Elke

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Ich würde es als Heimweh bezeichnen. Bei Heimweh wird das Alte verklärt, und zwar gerade dann, wenn man im Neuen nicht angenommen wird und sich dadurch einsam fühlt.

Ein anderer Begriff wäre auch die Idealisierung.

Hi,

das ist nur sprichwörtlich reflexhaft. REflexe sind entweder bedingt (antrainiert), so wie im Unterricht die Schüler beginnen, einzupacken, wenn der Lehrer das Wort „Hausaufgabe“ sagt. Oder sie sind unbedingt, also angeboren, wie der Lidschlag oder die Atmung oder der Schluckreflex zB.
Der Pawlowsche REflex ist ein bedingter Reflex. Das von Dir beschriebene Verhalten wäre ein Pawlowscher Reflex, wenn wenn dich jemand durch Loben und vielleicht Geld oder andere angenehme Geschenke dazu gebracht hat, immer dann, wenn dir gesagt wird „Du bist kein Italiener“ oder „Du bist kein Spanier“, mit Lob für Deutschland, deutsche Speisen, deutsches Liedgut zu reagieren. Immer wenn du auf zB „Aber Du bist ja gar kein Spanier!“ mit dem Absingen der deutschen Nationalhymne reagierst oder lautstark ein Wiender Schnitzel mit Pommes verlangst, kriegst du 100 Euro… oer so. und irgendwann machst du es dann auch ohne Belohnung.

Etwas absurd. Hoffentlich. Wünsche ich mir. Ich halte das Verhalten, das Du beschreibst, auch je nach Ausprägung für Heimweh oder Chauvinismus.

die Franzi

Hallo,
ich halte dieses Verhalten nicht für reflexhaft.
„Das Gras ist auf der anderen Seite des Zauns grüner“ - halte ich für zutreffender.

Beispiel: ein Flüchtling aus einem Land, wo keine freie Meinungsäußerung gefragt ist, sondern gar bestraft wird, eventuell Krieg herrscht oder Hunger, kommt nach Deutschland. Er landet dort in einem Asylantenheim, später soll er „integriert“ werden, er hat Kontaktschwierigkeiten zu den Deutschen (logisch, wegen der Sprache und wegen der Voruteile der Einhemischen). So bleiben ihn vielleicht nur ein Paar Kontakte zu anderen Flüchtlingen aus dem gleichen Land. Die Zeit vergeht und übrig bleiben die Erinnerungen der prägensten Zeit: der Kindheit. Er vermisst auch die Freunde, die Sprache, die Kultur, die Familie und den Geruch des Landes. Die Gründe für das Weggehen werden nicht so weit verdrängt, dass es ihn möglich machen würde zurückzugehen, aber immerhin so weit, um Heimweh zu bekommen und von dem geliebt-gehassten Land zu träumen. Er ist ein Mensch ohne zu Hause.

Dafür gibt es soweit ich weiss keinen psychologischen Begiff - was aber nicht bedeutet, dass dieses Phänomen bei Menschen, die umsiedeln müssen nicht weit verbreitet ist.

Mit Chauvinismus hat es nichts zu tun. Absolut gar nichts. Es geht um Sehnsucht, nach etwas was nicht (mehr) existiert.

Viele Grüße

Mit Chauvinismus hat es nichts zu tun. Absolut gar nichts. Es
geht um Sehnsucht, nach etwas was nicht (mehr) existiert.

Viele Grüße

Hi,

danke für deine Antwort!
Das was du beschrieben hast sind ja beinahe nostalgische Gefühle und um die ging es mir nicht.

Mir geht es um (ich weiß auch nicht wie ich es genau beschreiben soll, aber ich versuche es) solche Art von Identitätssuche, in der jemand irgendwo hin geht und falls diese Person dort als ein gleichgesinnter angenommen wird, diese Person auch die Identität von dort übernimmt und wenn nicht idealisiert es das alte. Beispiel bei einem Schulwechsel, wenn in der neuen Schule die Person akzeptiert wird, wird sich diese Person wenig mit der alten Schule identifizieren.
Aber was passiert, wenn in der neuen Schule diese Person nicht akzeptiert wird, dann wird die alte Schule idealisiert und die Person identifiziert sich mehr mit der alten Schule. Das wäre ja auch nicht unbedingt Trotz, sondern Reaktion auf das gewollte verbotene!
(Ich habe absichtlich diesmal ein anderes Beispiel gewählt als Ausländer, weil es mir schien, dass mit Ausländer das ganze nicht so zielführend war :smile:)
Wie nennt Frau/Mann das psychologisch?

Ich hoffe, ich habe mich diesmal besser ausgedrückt!?

lg

Vielleicht auch ein wenig anders ausgedrückt.
Physikalisch nennt man das ganze actio et reactio, also das Wechselwirkungsspiel, und wie würde das oben beschrieben Beispiel (Schulwechsel) psychologisch genannt werden?

lg