Ich bin seit einiger in die Unternehmensanleihen der PCC AG
(DE000A0EY6Q, zu 7,00%)investiert.
Da nun der Fälligkeitstermin immer näher rückt, taucht die
Frage auf ob ich mein Geld wieder bei dieser Firma anlegen
sollte. Hat jemand Erfahrung bzw. kann mir jemand dazu raten /
abraten? Ich meine mit dem Hintergrund der fluktuiernenden
Rohstroffpreise usw.
Hi betadex,
ich habe mir auch längere Zeit überlegt, diese Anleihe zu kaufen, und zufällig habe ich es genau heute getan (Kauf an der Börse Frankfurt statt beim Emittenten, weil ich nur 2000 Euro anlegen wollte).
Ich habe vor einer Weile den Anleihenprospekt und den letzten Jahresbericht mit Bilanzen und Co gelesen und finde, dass das alles eigentlich recht ok ausschaut. Die AG hat, wenn ich mich recht erinnere, immerhin 30-40% Eigenkapital, das erst mal aufgezehrt werden müsste, bis die Firma ihre Schulden nicht mehr bedienen kann. Ein Teil dieses (wirtschaftlichen) Eigenkapitals ist zwar sog. Mezzanine-Kapital aus Genußscheinen, das aber erst nach Ende der Laufzeit der vorrangigen Anleihe fällig wird. Die der Anleihe nachrangigen Genußscheine werden teils von HSBC Trinkaus, teils von noch einem größeren Finanzunternehmen gehalten. D.h. wenn der GAU eintreten würde, gingen zunächst die komplett leer aus, bevor die Anleiheninhaber Geld verlieren.
Der Konzern macht (wenn auch bescheidene) Gewinne und verfügt anscheinend auch über dem aufgenommenen Kredit entsprechende Sachwerte. Es müsste schon einiges den Bach runtergehen, bis Zahlungsausfall droht, denke ich.
Zumindest handelt es sich um keinen windigen Kapitalanlagegauner, der angeblich in Kunstwerke und Windparks investiert und ein mageres Eigenkapital von ein paar 10.000 Euro gegenüber Fremdkapital in Millionenhöhe hat (so nen Prospekt hab ich neulich auch mal angeschaut).
Der Emittent spart sich verhältnismäßig teure Ratings der, denke ich, doch eher kleinvolumigen Anleihen durch Agenturen und die sonst oft durch Banken übernommene Markteinführung der Anleihe (davon mag man halten, was man will). Das liefert eine Begründung für die gegenüber vielen börsennotierter Anleihen höhere Verzinsung, sowohl auf Angebotsseite (Ersparnisse werden weitergegeben) als auch auf Nachfrageseite (weniger Sicherheit durch Abweichen von etablierten Strukturen). Die mangelnde Konventionalität wird, wie ich finde, aber durch die hohe Transparenz der Investor Relations und das angegebene gute Bonitätsrating der Creditreform (naja, warum nicht
) wieder wettgemacht.
Man muss auf jeden Fall vorsichtig sein bei derartig „guten“ Angeboten. Mit vergleichbar gut verzinsten „Anleihen“ sind schon oft Leute auf die Schnauze gefallen. Sagt mir das Internet
. Aber in entsprechenden Artikeln über zweifelhafte Geldanlagen wird die PCC AG gerne als positives Gegenbeispiel eines innovativen Mittelständlers genannt (find leider nicht mehr, was ich da gegoogelt hatte).
Negativ ist mir aufgefallen:
* Die AG hat nur einen Aktionär, nämlich ihren Vorstand, der sich seinen Aufsichtsrat aussuchen kann. Der Unwillen, Macht zu teilen, mag einer der Gründe für diese Form der privaten Kapitalbeschaffung sein.
* Der Energiehandel scheint ein ziemlicher Flop zu sein. Im letzten Quartalsbericht ist auch die Rede von einer Rundumüberholung dieser Sparte. Gewinne aus anderen Geschäftsfeldern gleichen aus.
* Das Unternehmen brüstet sich auf seiner Website mit starken Umsatzwachstum. Grund für dieses Wachstum sind allerdings primär fremdfinanzierte Aufkäufe, also keine wirklichen Ruhmestaten.
So, das waren in etwa meine Gedankengänge zum Kauf… klingt das vernünftig? Es würde mich interessieren, was andere davon halten.
Ist übrigens mein erstes Posting hier
.
Grüße,
Sebastian