Pearl Harbour in der deutschen Presse von 1941

Hallo,

kann mir jemand Quellen nennen, die zeigen, ob und wie der japanische Angriff auf Pearl Harbour in der damaligen deutschen Presse vorkam?

Vielen Dank,

Markus

kann mir jemand Quellen nennen, die zeigen, ob und wie der
japanische Angriff auf Pearl Harbour in der damaligen
deutschen Presse vorkam?

Hallo !

So wie Goebbels als Propagandaminister es befahl :

Die Presse? Das war der „Völkische Beobachter“ und alles andere war gleichgeschaltet.

Zum Krieg zwischen Japan und den USA vermerkt die SKL (Deutsche Seekriegsleitung): »Die Ausweitung des Ringens auf weite Ozeane und die Einbeziehung einer dritten seestarken Großmacht wird die Erkenntnis von der entscheidenden Bedeutung der Begriffe Seeverkehr und Seemacht zum Allgemeingut des letzten Europäers machen. Um so schmerzlicher ist es für die Seekriegsleitung, daß nicht die deutsche Kriegsmarine es sein kann, die die entscheidenden Schläge führt, deren historische Bedeutung schon heute zu fühlen ist, ja daß sie in ihrem materiellen Zustand, für den der Krieg gegen England nun 5 Jahre zu früh einsetzte, nicht einmal in der Lage ist, die wesentliche Entlastung, die der Pazifik bringt, im Atlantik und im Mittelmeer entschieden auszunutzen.«
[Tageschronik: 7. Dezember 1941. Das Dritte Reich, S. 5218
(vgl. DGK Bd. 2.2, S. 228 ff.) © Droste/Directmedia]

mfgConrad

Hallo,

ich suche nach Quellen in der deutschen Presse vom November 1941 - deren damalige Gleichschaltung mir vollkommen bekannt ist - die über den Angriff der Japaner berichten.

Ein entfernter Verwandter behauptet steif und fest, dass es keine Zeitungsmeldungen gab, was ich nicht glauben mag.

Gruß,

Markus

Hallo Markus,

Japan war mit Deutschland verbündet.
Insofern muß es einfach eine Meldung über die kriegserklärung Japans an die USA gegeben haben - zumal ja dauf hin auch Deutschland seinen U-Bootkrieg bis vor die Küste der USA ausweitete und damit auch der Krieg Deutschlands mit den USA begann.
Eine andere Frage ist der Bericht über Pearl Harbor an sich. Mit Sicherheit hat in Deutschland niemand die Wahrheit melden können, d.h.h daß es ein Überfall der Japaner war. Falls also eine Meldung über den japischen Sieg und die versenkung der amerikanischen Flotte erfolgte, dann kann das nur unter anderem Vorzeichen erfolgt sein - etwa als Sieg der Japaner im Pazifik ohne genaue Ortsangabe.
Kann aber auch sein, man hat es wirklich einfach nicht gemeldet - der feige Überfall eines verbümdeten auf ein unvorbereitetes Land deckte sich nicht unbedingt mit den Vorstellungen von deutschem Heldenmut.

Gernot Geyer

Servus!

Kann aber auch sein, man hat es wirklich einfach nicht
gemeldet - der feige Überfall eines verbümdeten auf ein
unvorbereitetes Land deckte sich nicht unbedingt mit den
Vorstellungen von deutschem Heldenmut.

Glaubst du wirklich, das hätte die deutsche Presse gehindert, das Ereignis darzustellen? Merke: Wenn er nur will, kann ein Journalist ALLES positiv darstellen!

VG
Christian

,

das Ereignis darzustellen? Merke: Wenn er nur will, kann ein
Journalist ALLES positiv darstellen!

Außerdem war das Heldenvolk der Deutschen durch den Überfall auf Polen, Besetzung der Tschechei usw doch schon einiges gewöhnt.

Und wahrscheinlich interessierte das auch kaum einen Deutschen. Die USA war weit weg und Hawai noch viel weiter.

mfgConrad

Hallo,

ich suche nach Quellen in der deutschen Presse vom November
1941 - deren damalige Gleichschaltung mir vollkommen bekannt
ist - die über den Angriff der Japaner berichten.

Ein entfernter Verwandter behauptet steif und fest, dass es
keine Zeitungsmeldungen gab, was ich nicht glauben mag.

Wenn du dich nicht verschrieben hast, ist die Erklärung einfach: Der Angriff erfolge erst im Dezember, und in der Presse gab es damals keine Hellseher.

Grüße

Ostlandreiter

Hallo,

klar kann er das. Und man wird das auch getan haben.
Nur wird dabei halt die Nachricht verfälscht - manchmal sogar bis zur Unkenntlichkeit. Dann findet man tatsächlich keine Meldung über einen Überfall über pearl Harbour - womöglich aber über eine heldenhafte Schlacht der Japaner gegenüber einer überlegenen amerikanischen Flotte oder so was.

Gernot Geyer

Hallo,

das war so egal nicht.
Die Überfälle auf andere Völker waren ja amgeblich nie welche. Österreich und die Sudetendeutschen wurden heim ins Reich geholt (die Westmächte haben das sogar noch toleriert). der Überfall auf Polen wurde mit dem getürkten Überfall auf den Sender Gleiwitz begründet. Das ist nun mal so: Ein Aggressor greift NIE zuerst an, und sollte er es doch tun, dient das nur zur Vorbeugung für einen zu erwartenden Angriff (siehe Hernn Bush im Irak). Und deshalb wird auch dieser Überfall nach japinischer und dautscher Lesart kein Überfall gewesen sein.

Gernot Geyer

Hi!

Ein entfernter Verwandter behauptet steif und fest, dass es
keine Zeitungsmeldungen gab, was ich nicht glauben mag.

Es gab definitiv Zeitungsmeldungen in Deutschland zum Angriff der Japaner auf Pearl Harbor. Ich habe zwar keine Zeitung aus dem Dezember 1941, allerdings kann ich auf den Bericht Nr. 245 des Sicherheitsdienstes (SD) der SS vom 11.Dezember 1941 zurückgreifen. Da heißt es u.a.:

Die allgemeine Stimmung und Lage ist nahezu ausschließlich durch die Ereignisse im Fernen Osten gekennzeichnet. […] Vor allem hat das schnelle und entschlossene Zupacken der Japaner an allen wichtigen strategischen Punkten, wie z.B. die Bombardierung der feindlichen Stützpunkte, die Inbesitznahme von Guam und Wake, sowie das Fußfassen auf der Philippinen-Insel Luzon große Begeisterung ausgelöst. Einen besonders nachhaltigen Eindruck machte die Versenkung zweier amerikanischer und vor allem zweier britischer Schlachtschiffe. In den Erörterungen wurden immer wieder die bewundernswerte Schlagkraft der Japaner und die Präzision ihrer Kriegshandlungen hervorgehoben. […] Die Aufmachung in den Tageszeitungen ist überall gut aufgenommen worden. Die Meldungen wurden geradezu mit Heißhunger verschlungen. Insbesondere werden die gleich nach den ersten Meldungen veröffentlichten Karten des neuen Kriegsschauplatzes mit Markierungen der jeweiligen Stützpunkte dankbar begrüßt. Die „Welbild“-Karte von Gliese wurde allerdings häufig als unzulänglich empfunden.

zitiert aus: Heinz Boberach (Hrsg.), Meldungen aus dem Reich - Die geheimen Lageberichte des Sicherheitsdienstes der SS 1938 - 1945, Band 8, Seite 3073 ff.

Die Sätze nach dem letzten Auslassungszeichen sprechen eindeutig dafür, dass die deutsche Bevölkerung ausführlich und zeitnah über die Vorgänge im Pazifik durch die Zeitungen informiert wurde. Welche Qualität diese Information hatte, ist eine andere Frage - so ist stets die Rede von einer „japanischen Kriegserklärung an die USA“, obwohl der Angriff auf Pearl Harbor vor der Übergabe der Kriegserklärung erfolgte.

Ich hoffe, dies reicht, um deinen entfernten Verwandten zu überzeugen!
:wink:)

Grüße
Heinrich

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Hi!

Und wahrscheinlich interessierte das auch kaum einen
Deutschen. Die USA war weit weg und Hawai noch viel weiter.

Das Gegenteil war der Fall. Die Deutschen waren brennend daran interessiert, was im Pazifik abgeht. Ein Kriegseintritt Japans als Bündnispartner Deutschlands könnte - mindestens - zur Bindung sowjetischer Truppen in Sibirien sowie britischer Truppen in Indien und Südostasien führen (Entlastung der Afrika-Front). Außerdem war Japan in der deutschen Bevölkerung als schwankend empfunden worden - mit dem Kriegseintritt hatte Japan aus deutscher Sicht endlich Position bezogen.

Die USA wurden hingegen nicht als potentieller deutscher Kriegsgegner gesehen. Vielmehr hoffte die deutsche Bevölkerung darauf, dass die Warenlieferungen der USA an die Briten und Sowjets eingestellt würden, weil die USA das Material nun selbst für den Krieg gegen Japan benötigten.

Von daher hat es die deutsche Bevölkerung sehr interessiert, was da zwischen Japan und den USA abgeht.

(Quelle: Lagebericht des SD der SS Nr.245 vom 11.Dezember 1941)

Grüße
Heinrich