Peinlicher Schabernack meines Gedächtnisses,

Hallo,
Peinlicher Schabernack meines Gedächtnisses,

Vor ein paar Monaten wollte mir das Wort „Pleonasmus“ nicht einfallen, wenn ich es ganz schlau im Zusammenhang mit dem Wort Tautologie anführen wollte. Ärgerlich! Ich schrieb mir das Wort also auf einen Zettel, steckte ihn in die Hosentasche: Und nun genügte bereits der Gedanke an meine Hosentasche, und das Wort war in meinem Munde.

Nun passiert mir das Gleiche schon wieder mit einem anderen Begriff, und ich will versuchen, das mir sonst absolut geläufige Wort ohne Internet – da würde mir Google sofort 1 Million Seiten anbieten – und ohne Eselbrücke wieder einzufangen. Ich führe Tagebuch seit 8 Tagen mit allen Versuchen. Aber gerade das Suchen scheint das Finden zu verhindern, obwohl mir das Wort „auf der Zunge liegt.“.

Was mache ich falsch? Gibt es Tabletten oder sowas?

ganz herzlich mit den besten Wünschen für’s Neue Jahr
Friedhelm

Hallo Friedhelm,

mir fallen beim Einschlafen gelegentlich die tollsten Dinge ein und unbedeutende Kleinigkeiten aus dem Alltag kommen wieder in mein Bewusstsein. Ich lasse die Gedanken einfach fließen. Manchmal mache ich das Licht wieder an und schreibe etwas auf Papier. Es liegt viel daran, ob ich wie ein Stein einschlafe, oder wegträume. Wie ich beim Einschlafen liege hat Einfluss.

Meiner Meinung nach suchst du zu verkrampft nach etwas. Ist es nicht schön, dass wir eine so wortreiche Sprache haben, die es zulässt ein Wort mit vielen anderen Wörtern auszutauschen, oder zu umschreiben? Stress ist kein guter Freund.

Wenn du mir mit Pleonasmus und Tautologie kommst, verstehe ich dich auf Anhieb nicht und müsste nachfragen, oder Recherche betreiben, um dich zu verstehen. Dir sollte es nicht immer um eine fachliche Ausdrucksweise, sondern eher um eine leichte Verständlichkeit gehen. Was bringt es, wenn du sehr seltene Wörter verwendest, aber nur von einem kleinen Kreis verstanden wirst? Wenn viele Zuhörer/Leser nicht so zurückhaltend wären, so gäbe es viel mehr ( nervige? ) Rückfragen.

Vergesslichkeit ist doch kein Fehler, sondern ein natürlicher Vorgang. Nicht nur alte, sondern auch junge Menschen vergessen. Mache dich bitte nicht tablettenabhängig.

Deine Homepage solltest du überarbeiten, oder überarbeiten lassen :wink: Fragen dazu bitte im passenden Brett!

Freundliche Grüße,

Roman

Hallo Roman,
Danke für die schöne Einlassung. So ist es, so kann ich es auch bestätigen.
Ich warte jetzt und jede Sekunde, auch beim Aufwachen und einschlafen - ein ganz bekannter Fachbegriff hält sich weiter versteckt.
Ich werde übermorgen bei Google nachsehen und meinen Versuch beenden.

Meine Homepage ist ein selbstgestricktes Chaos noch bei Compuserve im vergangenen Jahrhundert mit einer Reihe nicht mehr funktionierender Links. Diese zu glätten wäre tatsächlich notwendig, - aber zeitaufwendig. Aber Google und Yahoo kennen sich da aus. ;-(

machs gut und nochmal Danke
Friedhelm

Hi,
was ist daran ungewöhnlich? Wie schon anderweits gesagt: Das Hirn ‚verkrampft‘ sich, wenn zu (verzweifelt oder auch nicht verzweifelt) nach etwas suchst.

Ich geh’ da meist ein bisschen entspannter dran, und dann ist das Wort auf einmal da, wenn ich absolut überhaupt nicht daran denke.

Beruflich bin ich Englischdozentin in der Erwachsenenbildung - und auch da kommt es oft genug vor, dass ich nach einem Wort gefragt werde, was mir nicht sofort einfallen will. Dann sage ich halt, wartet mal ne Weile, wenn’s mir einfällt, sag ich’s Euch. Und garantiert, irgendwann während des Unterrichts ist das Wort dann plötzlich da.

Eine halbwegs wissenschaftliche Erklärung: Dein Hirn muss bestimmte ‚Pfade‘ ablaufen, um gespeichertes Wissen zu finden. Wenn Du krampfhaft die falschen Pfade abläufst, lässt Du dem Hirn quasi keine Chance, die richtigen Pfade abzulaufen, um überhaupt fündig werden zu können.

Stell’ Dir analog dazu vor, Du suchst auf Deinem Computer nach einer Datei. Guckst aber ständig in den falschen Ordnern und Unterordern. Dann musst Du sozusagen erstmal wieder ‚zurück auf Start‘, um überhaupt auf die Idee zu kommen, noch anderswo zu suchen.

gruss, isabel

PS: Ganz allgemein ist das Unterbewusstsein doch echt was sehr Spannendes: Vor 'ner Weile wollte mir der Name eines Arztes nicht einfallen - er hat seine Praxis direkt neben meiner letzten Wohnung. Ich wollte eigentlich gerne einen Termin bei ihm bekommen, aber mir war der Weg zu weit, auf gut Glück vorbeizufahren. Und um die Nummer nachzuschlagen, brauchte ich eben den Namen.

Am nächsten Morgen wachte ich auf und hatte den Namen GETRÄUMT! Sehr praktisch, kann ich nur sagen.

Hi,
was ist daran ungewöhnlich? Wie schon anderweits gesagt: Das
Hirn ‚verkrampft‘ sich, wenn zu (verzweifelt oder auch nicht
verzweifelt) nach etwas suchst.

Ich geh’ da meist ein bisschen entspannter dran, und dann ist
das Wort auf einmal da, wenn ich absolut überhaupt nicht daran
denke.

Klar, und Danke „Nr. zwo“, für die ausführliche Reflektion, man kennt das. Aber was passiert da?
Eben beim Duschen, 9:30 etwa, mit dem ersten Wasserstrahl, es tut mir fast leid, fiel mir das Wort „Arianer“ wie selbstverständlich wieder ein. Ich vermute, daß meine Aktion bei „wer-weiß-was“ wie so eine Art Katalysator gewirkt hat.
Vielleicht wirkten auch Deine Gedanken, bevor Du sie aufgeschrieben hast und ich sie gelesen hatte. (Ich weiß, das klingt erstmal verrückt.)

Du umschreibst sehr plausibel, weil bildhaft, wie der Mensch beim Suchen in den falschen Ordnern, die richtigen Ordner vermauert, oder den Zugang dahin. Du gebrauchtest dabei zwei unterschiedliche Denkansätze:
a. Das Gehirn sucht; quasi ohne meine Einmischung, - und muß manchmal warten, bis ich eingeschlafen bin und nicht mehr im Weg stehe.
b. Ich, als der bewußte Mensch, suche im Gehirn oder mit den Mitteln meines Gehirns ein Wort.

Beide Beispielbilder sind natürlich irreführend. Das Gehirn ist dabei offenbar ein gegenständlicher dreidimensionaler Körper oder ein dreidimensionaler Raum mit einer hochkomplexen Raumordnung und Milliarden „Transistoren“, Verbindungsleitungen und Datenspeicher, Erinnerungsspeicher, mit Denk- und Gefühlsfunktionen.

Das bewußte Ich meiner gegenständlichen Präsenz ist höchstens eindimensional und müßte dabei in diesem Hirn (ohne Taschenlampe) herumgeistern, um ein Wort zu suchen. Das ist ebenfalls absurd.

So geht das nicht. :frowning:

Beruflich bin ich Englischdozentin in der Erwachsenenbildung -
und auch da kommt es oft genug vor, dass ich nach einem Wort
gefragt werde, was mir nicht sofort einfallen will. Dann sage
ich halt, wartet mal ne Weile, wenn’s mir einfällt, sag ich’s
Euch. Und garantiert, irgendwann während des Unterrichts ist
das Wort dann plötzlich da.

Neid. Bei Facebook muß ich viel englisch lesen und schreiben und begegne dem Problem „Finden und Verstehen“ dauernd. Aber da ist das Problem normal, alltäglich.

Eine halbwegs wissenschaftliche Erklärung: Dein Hirn muss
bestimmte ‚Pfade‘ ablaufen, um gespeichertes Wissen zu finden.
Wenn Du krampfhaft die falschen Pfade abläufst, lässt Du dem
Hirn quasi keine Chance, die richtigen Pfade abzulaufen, um
überhaupt fündig werden zu können.

Stell’ Dir analog dazu vor, Du suchst auf Deinem Computer nach
einer Datei. Guckst aber ständig in den falschen Ordnern und
Unterordern. Dann musst Du sozusagen erstmal wieder ‚zurück
auf Start‘, um überhaupt auf die Idee zu kommen, noch anderswo
zu suchen.

gruss, isabel

PS: Ganz allgemein ist das Unterbewusstsein doch echt was sehr
Spannendes: Vor 'ner Weile wollte mir der Name eines Arztes
nicht einfallen - er hat seine Praxis direkt neben meiner
letzten Wohnung. Ich wollte eigentlich gerne einen Termin bei
ihm bekommen, aber mir war der Weg zu weit, auf gut Glück
vorbeizufahren. Und um die Nummer nachzuschlagen, brauchte ich
eben den Namen.

Am nächsten Morgen wachte ich auf und hatte den Namen
GETRÄUMT! Sehr praktisch, kann ich nur sagen.

ist mysteriös!
Ich muß jetzt los. Danke nochmal. Ich schicke Dir am Abend ein passend-schönes englisches Gedicht.

ganz herzlich
Friedhelm

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Moin,

Was mache ich falsch? Gibt es Tabletten oder sowas?

das nennt sich ‚Wortfindungsschwierigkeiten‘ und ist, solange es nicht gehäuft auftritt, unbedenklich.
Das hab ich, seitdem ich denken kann, speziell bei Personennamen. Wenn wir von Person x reden, kann es passieren, daß ich sie Dir von Kopf bis Fuß beschreiben kann, incl. ihrer Art und Weise, aber mir fällt ums verrecken nicht der Name ein. Das passiert mir selbst bei Personen, die ich seit Jahren kenne und mit denen ich regelmäßig Kontakt habe.
Sekunden/Minuten später fällt mir der Name dann ein.
Bei Wörtern passiert mir das auch ab und an.

Gandalf

Hallo,
ich habe das beim Deutschen mit einem bestimmten Wort, das mir, wenn ich es brauche nie, nie, nie einfällt.
Auch jetzt nicht. Manchmal könnte ich mich darüber, wie Rumpelstilzchen, selbst zerreißen!

Jo

Hallo Isabel,
das versprochene Gedicht habe ich noch nicht wiedergefunden, sorry;
aber dies ist auch schön:
von Rudy Vanschoonbeeks: http://www.friedhelm-schulz.de/RudyVanschoonbeeks.jpg

Warum vergißt man etwas?

in dem diskutierten Fall, habe ich einen Verdacht: Nachdem mir das Wort „Arianer“ ganz plötzlich wieder eingefallen war, hatte ich die häßliche Musik aus dem Film : „Der Diktator“ im Kopf, in dem mehrmals hintereinander „aria, aria, aria“ von Soldaten gesungen wird, - was allerdings inhaltlich überhaupt nichts mit den Arianern in Ravenna und Nordafrika zu tun hat,
Was mir bei der Aktion klar geworden ist, ist die Einsicht - eher eine Ahnung, daß unsere gesamte fest bestehende Umwelt als Erinnerung besteht.

machs gut
Friedhelm

Whoa, thought it was a nightmare,
Lo it’s all so true,
They told me,„Don’t go
walkin’ slow
Devils on the loose.“

(CHORUS)
Better run through the jungle,
Better run through the jungle,
Better run through the jungle,
Woa Dont look back to see

Thought I heard a rumblin’
Callin to my name, Two hundred million
guns are loaded
Satan cries, „Take aim!“

(CHORUS)
Better run through the jungle,
Better run through the jungle,
Better run through the jungle,
Woaa Don’t look back to see

Over on the mountian’ Thunder.
Magic spoke,
„Let the people know my wisdom, Fill the
land with smoke.“

(CHORUS)
Better run through the jungle,
Better run through the jungle,
Better run through the jungle,
Woaa dont look back to see.
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