Pendant zu "staatsmännisch"

Hallo,

vorab: es geht mir nicht um den Sinn und Unsinn des Genderns, das kann man anderswo diskutieren.

Mir geht es dezidiert um das Wort „staatsmännisch“. Mir ist gerade aufgefallen, dass es dazu kein weibliches Pendant zu geben scheint.
Staatsmann - Staatsfrau (wenn man möchte?)
aber „staatsfraulich“ wäre ja das Pendant zu „staatsmännlich“, was Unsinn ist und als Wort nicht existiert.

Oder gibt es ein Wort dafür? Staatsfrauisch?
.
Treten Frau Merkel/Frau Jakobsdottir/ Frau Adern staatsmännisch auf?

Grüße
Siboniwe

Nun denn, zumeist sind die Männer damit gestraft, dass die Männliche Form auch gleichzeitig die Geschlechts neutrale Form ist. Dies ist nicht nur im Deutschen so. Die Armen Männer, werden einfach zu wenig gewürdigt in der Sprache

Angeblich gibt es das nur als Substantiv, „Staatsfrau“:
https://educalingo.com/de/dic-de/staatsfrau.
Das erste Adjektiv, das bei der Frage aufgoogelte war „staatsgefährdend“ :grin:.

Mir ging es nicht um Würdigung und um Gendern und was weiß ich, sondern speziell nach der Frage nach einem bestimmten Adjektiv.

Mann - männlich - männisch
Frau - fraulich - … frauisch?

Vergiss den Staat. Nimm Hausfrau.

Hausmännische Aufgaben geht.
Hausfrauische Aufgaben? Hausfrauliche Aufgaben?

Nadja fragt hier öfter mal nach Logik der Sprache. Gibt es bei Sprache nur bedingt. Aber vielleicht denke ich zu kurz und es gibt einen sprachlichen Ausdruck, der mir nur im Moment nicht einfällt. Das Problem ist ein sprachliches, sicher auch deswegen, weil Mann auf -n endet und sich das leichter mit einem Suffix erweitern lässt als Frau mit Diphthong (vokalisch) am Ende. Es geht überhaupt nicht um Gendern im weitesten Sinn.

Grüße
Siboniwe

OT:
Bei dict.leo.org gibt es gerade eine Google-Vervollständigungsdiskussion: https://dict.leo.org/forum/viewGeneraldiscussion.php?idThread=1396706&idForum=4&lp=ende&lang=de
ausgelöst durch einen Guardian-Artikel.

Die Ergebnisse der Vervollständigung bei
Frauen müssen …
Männer müssen …
Women need to …
Men need to …
sind ziemlich seltsam.

Grüße
Siboniwe

Ich verstehe gut, dass du damit (die immergleichen) Diskussionen um das Gendern aus deiner Frage ausklammern willst.
Ich behaupte aber, dass deine Frage nicht von diesem Hintergrund „Gender“ abzulösen ist, weil sie sonst sinnlos ist.

Ginge es nicht um die „Genderfrage“ (da gehts ja nicht nur ums Setzen banaler Binnen-Is, sondern grundsätzlich um die Frage der Repräsentanz des natürlichen Geschlechts in der Sprache), dann könnte man doch problemlos sagen:

Frau Merkel trat betont staatsmännisch auf.
Die defekte Zylinderkopfdichtung wurde fachmännisch erneuert von Melanie.

(Bei „hausmännisch“ gehts nicht, weil das m.E. selbst ein Gender-Term ist)

Evtl. könnte man vielleicht noch auf die Etymology schauen, die -so erscheint es mir auf den ersten Blick- das „-männisch“ über die Zwischenform „-mennisch“ als „-menschlich“ erweisen könnte.

Gruß
F.

Hi,

so isses. Ebensowenig wie zu „kaufmännisch“ (es gibt z.B. ja die „kaufmännische Angestellte“)

Das kommt daher, daß hier das „-männisch“ nicht von „Mann“ abgeleitet ist, sondern von der feststehenden Berufsbezeichnung Staatsmann/Kaufmann. So hat auch die Kauffrau in der Regel eine kaufmännische Lehre in ihrer Vita.

Mann - männlich - männisch
Frau - fraulich - … frauisch?

Nein. Gibt es beides nicht.
Aber wir haben
männlich ← → weiblich (Sexus, Gender)
maskulin/männlich ← → feminin/fraulich (Habitus)
herrisch ← → weibisch (abgewandelte Bedeutungen)

die alle drei sehr verschiedene Bedeutung haben

Mit „staatsmännisch“ ist hauptsächlich gemeint (Partnerinnen mal eingeschlossen:

a) ein Habitus:
Jacinda Ardern, Katrín Jakobsdottir: 1
Michelle Obama: 1
Queen Rania (als Beispiel, aber auch fast alle Königinnen sowieso): 1
Angela Merkel, Theresa May: 3

b) eine Rhetorik (hallo @farout;-))
Queen Rania, Michelle Obama: 1+ (m.M.n. die besten Rednerinnen weit und breit)
Jacinda Ardern, Katrín Jakobsdottir: (offen, sympathisch, pointiert)
Angela Merkel gäbe ich nur eine 4- (depressiv-monoton, ungelenke Ausdrucksweise, schlampige Grammatik)

Gruß
Metapher

Erhellend!
Women/men need to kommt bei mir nix, aber auf Deutsch:
„frauen müssen wie frauen aussehen und nicht wie tapezierte knochen“. Aha.
„Männer müssen bei der Bundeswehr einen Kurzhaarschnitt tragen.“
„Männer müssen stinken.“

Wieder jede Menge gelernt.

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Ergänzend möchte ich hinzufügen:
Staatsmann und staatsmännisch wurden als Begriffe konstituiert in einer Zeit, in der niemand auf die Idee kommen wollte, sich so etwas auch bei einer Frau vorzustellen. Es gab damals also keine Notwendigkeit, eine weibliche Ausdrucksform dafür zu finden - und heute hört es sich deshalb ungewohnt und seltsam an.

Gruß, Diva

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Hallo @Metapher

Ich entschuldige mich für meinen Mausausrutscher.

Das „Pfeil runter“ sollte eigentlich „Pfeil hoch“ werden.

Diese Mist-Software lässt Korrekturen leider nicht zu.

Es gibt ja viele Wörter, die nur auf einen männliche Person beogen sind, weil bestimmte Tätigkeiten früher halt nur von Männern ausgeübt wurden. Das ist aber nicht immer zumk Nachteil von Frauen, sondern genau das Gegenteil, z. B.:

der Räuber
der Lump
der Schreihals
der Trotzkopf
der Quertreiber
der Rassist
der Flüchtling
usw.
usw.

Man könnte zwar ein …in anhängen, tut man aber nícht,

Grüße
Carsten