Hallo,
ich habe wieder ein etymologisches Problem:
Kann man die grammatische Bezeichnung der Vergangenheit als " Per fekt" auf das wertende Adjektiv „per fekt“ zurückführen (vom lateinischen „perfectio“ = Vollommenheit)? Ich könnte mir eine Verbindung vorstellen im Sinne von „abgeschlossen“ als „hinter mich gebracht“ oder „erledigt“. Aber kann man diesen Bezug belegen? Oder ist die Wertung ein Zusatz?
Herzliche Grüße
Thomas Miller
Hallo Philosoph,
Belege für deinen perfekten Gedankengang wirst du in dem wunderbaren Wörterbuch der Brüder Grimm finden:
http://germa63.uni-trier.de:8080/Projects/WBB/woerte…
Da werden sicher noch mahr etymologische Probleme gelöst.
Nicht verstanden habe ich allerdings deine Zusatzfrage:
Oder ist die Wertung ein Zusatz?
Bernhard
Hallo Bernhard,
Hallo Philosoph,
das hätte ich vielleicht dazuschreiben sollen … *g*, denn in der Tat geht es mir um einen philosophisch möglicherweise relevanten Punkt.
Und der hängt eben mit der letzten Frage zusammen, die ich vielleicht nicht klar genug dargestellt habe.
Nicht verstanden habe ich allerdings deine Zusatzfrage:
Oder ist die Wertung ein Zusatz?
Perfekt im Sinne von Vergangenheit enthält zunächst erst einmal keine Wertung, sondern ist lediglich eine Beschreibung von Vergangenem. Wenn ich hingegen davon spreche, dass jemand eine Aufgabe perfekt gelöst hat, dann beinhaltet diese Bezeichnung schon eine Wertung, indem nämlich gesagt wird, dass er es besonders gut gemacht hat. Nun wollte ich wissen, ob man die Verbindung zwischen den beiden dadurch ziehen kann, dass man sagt, dass etwas, was man in der Vergangenheit gemacht hat, eben entweder inzwischen unveränderlich ist und damit abgeschlossen (das wäre eine reine Beschreibung), oder dass mit dem Wort „perFEKT“ als wertendes Attribut die reine Beschreibung überschritten wird, indem man behauptet, dass das in der Vergangenheit gefertigte Etwas nicht nur in der Vergangenheit (also im PERfekt) angefertigt wurde, sondern so gut angefertigt worden ist, dass es perFEKT ist, also so angefertigt, dass nichts daran mehr zu tun ist, also dass es nicht besser gemacht werden kann, als es ist.
Ich möchte also wissen, ob eine gedankliche Verbindung besteht zwischen der sprachlichen Bewertung eines fertigen Produktes und der Abwertung eines Produktes, dass noch im Entstehungsprozess sich befindet.
Habe ich das jetzt verständlich ausgedrückt?
Herzliche Grüße
Thomas Miller
vollendet
Hi Thomas
ich sehe da keine Geheimnisse mit philosophischer Relevanz. Dasselbe Bedeutungspektrum wie perfectum hast du mit vollendet und mit griech. τελε(ι)ος.
Ob nun tempus perfectum, actio perfecta oder opus perfectum: Immer liegt etwas vor, das abgeschlossen bzw „durchgenudelt“ (die eigentliche Übersetzung von perficere) ist, und zwar in dem Sinne, daß nichts mehr dazukommen kann oder braucht.
Und dies kann sich je nach Kontext quantitativ oder qualitativ spezialisieren: Ob eine Leistung, eine Ausbildung, ein Auftrag, eine Handlung, eine Beschlußfassung, eine Formuierung - alles kann so gamach sein, daß keine Hinzufügung oder Optimierung mehr denkbar oder nötig ist. Und so bekommst du in allen drei Sprachen das Spektrum zwischen 1. vollkommen, bewundernswert, 2. tüchtig, preiswürdig, 3. endgültig, unumstößlich.
Präzedenzfall haben wir in 1. Mose 1.4: wajara ki tof „und er sah, daß es gut war“.
Wäre das die perfekte Antwort auf deine Frage?
Gruß
Metapher
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perfide … 
Hallo Metapher,
nein, nicht wirklich …
- sondern in der Tat perfekt! Danke.
Herzliche Grüße
Thomas
offtopic: usw=etc=ktl
Hallo,
ich habe gesehen, dass sie griechisch können und habe deshalb eine Frage, für die es sich nicht lohnt ein eigenes Thema zu eröffnen.
Mein griechisch Lehrer nimmt sein Fach sehr genau und er verkennt manchmal die realität, weil er sich meistens nur mit Gleichgesinnten (=Fanatiker der Antike - mir fällt keine harmlosere Formulierung ein, die seinen Charakter beschreibt) trifft. Dieser Lehrer hat gesagt, dass KTL (kai ta loipa) die griechische Version von usw und etc sei. Soweit glaube ich ihm das auch noch, aber er hat auch behauptet, dass ktl eine gebräuchliche Abkürzung sei. Ich habe aber bisher nur usw und etc gesehen. In welchen Situationen benutzen denn „nicht-Griechischlehrer“ diese Abkürzung?
danke