Hallo,
gibt es eine Studie im www über einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen Perfektionismus und fehlender Selbstsicherheit?
Gruss
Matthias
Hallo,
gibt es eine Studie im www über einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen Perfektionismus und fehlender Selbstsicherheit?
Gruss
Matthias
Hallo,
ich sehe Perfektionismus z.B. als eine Ausdrucksform „Angst, Fehler zu machen“.
„Mangel an Selbstsicherheit“ gefällt mir als „Begründung“ prinzipiell nicht, weil sie erstens so abgedroschen ist und zweitens nicht pauschaliert werden kann. Drittens müsste man erstmal definieren, was Selbstsicherheit alles umfasst und in welcher Ausprägung, um Perfektionismus da mit in eine Waagschale werfen zu können.
Alles andere ist Bauernpsychologie.
Chris
Hallo Chris,
erst mal danke für deine Antwort.
Im „konkreten Fall“ geht es um eine Erstklässlerin von mir… sie muss alles perfekt machen - beispielsweise radiert sie einen Buchstaben fünf-, sechsmal aus, wenn er nach ihrer Meinung nicht gut genug geschrieben ist - obwohl es beim ersten Mal okay ist. Sie kann noch nicht sagen: „Okay, damit bin ich jetzt zufrieden.“ Solcher Perfektionismus geht zu Lasten der Geschwindigkeit und m.E. auch zu Lasten der Selbstsicherheit bzw. des Selbstvertrauens.
Gruss
Matthias
Hallo Matthias.
Kann es sein, dass sie von zuhause auf sowas „getrimmt“ ist? Sprich: anspruchsvolles Elternhaus. Das würde sowas auch erklären.
Ich habe so Nachbarn, die haben den Putzfimmel und die Kinder gleich mit.Sind prima dressiert und tun mir immer leid.
Gruß
Tutulla
Fehler = Strafe = Ablehnung
Hallo,
völlig klar, was du schreibst - ich kenne es nur zu gut: von mir selbst.
Meine Eltern sind beide Lehrer und zuhause war nichts gut genug, nicht mal eine „Zwei“, nein, es hätte auch eine „Eins“ sein können. „Hast du nicht genug gelernt“ … war da immer der Standardsatz.
Fazit: nie war irgendwas „gut genug“, es hätte immernoch besser sein können. Die Ansprüche waren für ein Kind, das nunmal wie ich kein „Genie“ ist, sondern einfach „nur“ guter Durchschnitt, einfach zu hoch, nicht zu bewältigen.
Leider führte dann dieses „nicht-gut-genug-zu-sein“ zuhause auch noch zu nicht unerheblichen Strafmaßnahmen.
Davor hat man dann als Kind solche Angst, dass man erst recht versucht, alles gut zu machen, den Eltern recht zu machen, man versucht „perfekt“ zu sein, damit man von den Eltern „geliebt“ wird, nicht bestraft wird - denn Strafe tut weh - erst recht die seelische.
Diese wiederum führten bei mir dazu, dass ich panische Angst - noch heute - habe, Fehler zu machen. Denn Fehler machen war gleichbedeutend mit gewaltiger Strafe.
Erschwerend kommt bei mir noch dazu, dass sich irgendwie manifestiert hat, dass ich Fehler, die ich mache, nicht einfach als „Fehler“ ansehe, die ich halt wie jeder Mensch mal mache, nein, sie bedeuten für mich im Innersten eine Abwertung meiner ganzen Person, Persönlichkeit, eine Ablehnung meines ganzen Menschseins, meiner ganzen Existenz.
Folge ist ein Ablehnungsverhalten gegenüber Menschen, gegenüber dem Leben, ein sich Abschotten … naja, die Folgen kann sich jeder ausmalen.
Das alles weiß ich auch erst seit kurzem, seit ich eine Therapie mache, und der Psychotherapeut hat es mit mir, wie oben genannt, so herausgearbeitet.
Aber das will erstmal wieder gerade gebogen werden, was sich in 37 Jahren so manifestiert hat 
Will heißen, das kleine Mädchen hat es zuhause vielleicht (!) ähnlich wie bei uns. Vielleicht versucht sie sich durch das Perfektsein-zu-wollen die Liebe der Eltern zu „erkaufen“ (natürlich unbewusst, sie kann ja nichts dafür). Vielleicht wird ihr auch vorgelebt, vorgehalten, dass es „noch besser“ geht, dass sie „unzulänglich“ ist.
Ich weiß nicht, ob das so 1:1 was mit „wenig Selbstvertrauen“ zu tun hat … ich sehe mich selbst als nicht soooo ohne Selbstbewusstsein an. Ich lebe mein Leben, mache „mein Ding“ - aber ich vermeide eben viel, viele Menschen, viele Situationen, die die alte Angst wieder schüren könnten - zumindest bis die Therapie endlich greift 
Dieses extrem perfektionistische Verhalten des Mädchens geht - um es mal als Laie vorsichtig auszudrücken - ganz gewaltig gegen die weitere Entwicklung. Quod erat demonstrandum, ich bin leider das „beste“ Beispiel dafür.
Denn hinter diesem Perfektionismus steht ja eigentlich was ganz anderes. Und da sind nunmal die „lieben Eltern“ gefragt.
Ich kenne ja nicht die „Befugnisse“, inwieweit sich Lehrer ins „häusliche Leben“ eines Schülers einmischen dürfen, sollen, können - aber ich denke, ein Gespräch mit den Eltern wäre vielleicht nicht schlecht.
Zumal du ja als Lehrer auch ein berechtigtes Interesse - auch im Interesse der Mitschüler - hast, dass der Unterrichtsablauf „normal“ vonstatten geht.
Ich würde es aber nicht primär dem Mädchen anlasten, vorwerfen, vorhalten - denn, wenn ich es aus meiner Sicht wohlgemerkt, interpretiere, wird das Mädchen erst recht „dicht machen“. Will heißen, sie könnte es (wenn ich sie wäre) interpretieren, als „hier bin ich auch nicht genug, nicht perfekt genug, gut genug“; es soll nicht heißen, dass jeder Tadel dann bei ihr nicht angewendet werden dürfte, aber mit Vorsicht zu genießen, FALLS (!!!) sie so gestrickt ist, wie ich es als Kind war - das ist ja jetzt nur Mutmaßung meinerseits.
Denn jedes Tadeln eines Lehrers, Elternteils, Fremden, wie auch immer, war für mich nicht ein Tadeln eines Fehlers, sondern eine Ablehnung meiner ganzen Person. Das konnte und kann ich bis heute nicht „trennen“. Das ist ja das Fatale an der ganzen Situation.
Da sind nunmal die Eltern „schuld“ und eigentlich wäre es Aufgabe der Eltern, den Kindern ein geborgenes Zuhause zu geben, wo sie Fehler machen DÜRFEN und nicht jedesmal drastisch bestraft werden, entweder direkt oder indirekt durch Liebesentzug usw. - denn letzteres ist für Kinder das Schlimmste auf der ganzen Welt, denn es erzeugt eine Angst, verlassen zu werden, im direkten wie im übertragenen Sinn - und da finden dann Gedanken fruchtbaren Boden, die einen langsam zermürben: dass die eigene Person, Seele, Existenz schön langsam vernichtet wird.
Und wenn man nämlich so „krank“ ist, dass man jeden Fehler, jeden Tadel, auch als Erwachsener noch, als „Vernichtung seiner selbst“ empfindet, ist der Weg „auf den Fenstersims“ nicht mehr weit …
Ich habe volles Mitleid mit der kleinen Erstklässlerin … sie versucht alles, gibt alles - und muss doch scheitern, weil niemand einfach „perfekt“ sein kann, sein wird. Und ich bedaure sie von Herzen für das, was dahinter steckt: (vielleicht) Angst vor Liebesentzug, wenn sie nicht gut genug ist, vor dem Verlassenwerden der Eltern, wenn sie nicht so ist, wie die Eltern es wollen.
Sie kann am allerwenigsten was dafür. Verständnis und Liebe ihr gegenüber ist da wesentlich sinnvoller als Strafe, weil sie den Unterricht „stört“ - denn das wäre nur ein Tropfen Öl mehr ins Feuer.
Chris
Im „konkreten Fall“ geht es um eine Erstklässlerin von mir…
sie muss alles perfekt machen - beispielsweise radiert sie
einen Buchstaben fünf-, sechsmal aus, wenn er nach ihrer
Meinung nicht gut genug geschrieben ist - obwohl es beim
ersten Mal okay ist. Sie kann noch nicht sagen: „Okay, damit
bin ich jetzt zufrieden.“ Solcher Perfektionismus geht zu
Lasten der Geschwindigkeit und m.E. auch zu Lasten der
Selbstsicherheit bzw. des Selbstvertrauens.Gruss
Matthias