'Persönlich'

Liebe Experten,

ich habe diesmal eine Frage in eigener Sache, weil ich irgendwie ein Brett vor dem Kopf habe (dieser Hinweis deshalb, weil ich mich im allgemeinen ganz gut selbst befragen kann :wink:):

Was möchte jemand aussagen, wenn er vor einem Hinweis, einer Kritik, einem Einwand anmerkt: Das ist nicht „persönlich“ (gemeint).

Wenn mir jemand etwas sagt, dann sagt er es mir. Mir als Person. Kann es heißen, wenn er es nicht „persönlich“ meint, dass er es mir, in einer bestimmten „Funktion“, sagt (als Berater, als Sekretärin, als Arbeitnehmerin, als Kundin, als Verantwortliche…)?

Wo ist hier die unterschiedliche Qualität des Ausgesagten?
Wie ist das Gesagte zu bewerten?

Für ein paar kleine Denkanstöße wäre ich sehr dankbar.

Irene

Hallo, Irene!

Kurz und knapp: Ich verstehe die Vorbemerkung „Nicht persönlich gemeint“ als Hinweis, dass sich der Sprecher bemüht, keine Ressentiments gegenüber Deiner Person in seine Bewertung eines sachlichen Themas hineinzubringen. Im Prinzip sollte dieser Satz überflüssig sein, da ich es für nicht sehr sinnvoll halte, Vorschläge anhand derjenigen zu beurteilen, die sie machen. Dennoch unterläuft es wohl jedem dann und wann, dass er Werk und Künstler kaum trennen kann.

Ich hoffe, Dir geholfen zu haben.

Beste Grüße!
Christopher

Hallo Irene, auch wenn du dich an experten wendest, diese frage kann natürlich
nicht im sinne von etwas nachgewiesenen, sondern nur im Sinne einer Meinung
beantwortet werden, und das natürlich von jedem der sich selber beobachten
kann. Ich glaube, daß der einschub „nicht persönlich gemeint“ überwiegend im
Sinne einer Beschwichtigung eingesetzt wird, man will etwas relativieren oder
zurücknehmen was man vorher gesagt hat. habe auch schon gehört: „du gehst mir
auf die Nerven aber das ist nicht persönlich gemeint.“ was natürlich inhaltlich
Quatsch ist und nur auf der Beziehungsebene verstanden werden kann.

viele Grüße…nashorn

Hi Irene,

Was möchte jemand aussagen, wenn er vor einem Hinweis, einer
Kritik, einem Einwand anmerkt: Das ist nicht „persönlich“
(gemeint).

Für mich heißt das: Das, was Du da gerade äußerst, ist zwar völlig daneben, unqualifiziert, Scheiße oder sonstwas… ABER: Ich schätze Dich dennoch als Person, d.h. es berührt meine Sympathie nicht, meine Wertschätzung ist deshalb nicht ungebrochen…
Und das ist jetzt ganz persönlich :smile:)
LG, Anja

meine Wertschätzung ist deshalb nicht
ungebrochen…

gebrochen, meinte ich…

Eher umgekehrt
Hallo,
wenn er sachlich bleibt ist das eine pure Floskel und überflüssig. Wesentlich häufiger taucht so eine Bemerkung m.M. in einer direkten persöhnlichen Kritik als Abschwächung auf (Anja hat das treffend formuliert), evtl. als Abgrenzung einer gesamtheitlichen Kritik an der Person, d.h. man „markiert“ diese Kritik damit als Einzelkritik zur Sache und nicht als generelle Wertung der Person. Früher hätte man wohl ein nachfolgendes „Peace“ abgesetzt *g*.

Gruss
Enno

Hi Irene,

ich habe nach 25 Jahren Kontakt zu einem ehemaligen Klassenkameraden aufgenommen und er antwortete sinngemäss „ich möchte mit Dir keinen Kontakt - nimms bitte nicht persönlich.“

Selbstverständlich habe ich den Wunsch respektiert, aber mir brennt bis heute die Frage auf den Nägeln, was dieser Nachsatz soll. Er ist m. E. für mich als Empfänger der Botschaft völlig sinn- und nutzlos, ja bei näherer Betrachtung sogar verwirrend und „hilft“, wenn überhaupt, bestenfalls dem Absender.

Ich glaube, dass diese Floskel oder Phrase gern von Menschen verwendet wird, die sich nicht gut artikulieren könnnen oder die nicht gewohnt sind, eine Meinung zu äußern bzw. zu dieser zu stehen.

Hi Gunter,

genau das ist es. Genau diese Art der Verwendung kommt mir des öfteren unter und ich rätsel herum, was der Mensch wohl meint.

Etwas unverständlicheres als in diesem Beispiel genannt gibt es kaum für mich. Und deine Erklärung dafür entspricht auch meinem Gefühl.

Grüße
Irene

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Danke für Eure aufschlussreichen Antworten und Meinungen.
Die haben dazu beigetragen, mir ein Bild davon zu machen, warum diese Floskel verwendet wird und was sie zu bedeuten hat.

Trotzdem wäre es mir lieber, sie würde nicht verwendet werden. :wink:

Wenn ich mit jemandem sehr gut bin, dann erübrigt sich die Floskel, dann weiß ich schon, was er meint. Wenn es ein weniger gut Bekannter ist, dann könnte ich mich unter Umständen verar*** fühlen.

Sei’s drum, es ist gebräuchlich und da kann man wohl nicht umhin, sich das anhören zu müssen, aber vielleicht rege ich mich jetzt weniger auf.

Grüße
Irene

Hier im Osten
Hallo Irene,

ich hab mir die vielen Antworten zum „ich mein das jetzt nicht persönlich“ mal durchgelesen und hab doch noch was gefunden, was ich anmerken möchte:

Kritik kann sich positiv oder negativ äußern und auf die Sache (die Handlung, die Sachmeinung) beziehen oder auf die Person selbst.
Viele Menschen, denen gegenüber negative (Sach)kritik geübt wird, neigen dazu, diese Kritik ohne ihren Inhalt näher zu untersuchen, auf sich als Person zu beziehen. („wer bist du, dass du mich so kritisierst?“)
Das ist oft natürlich auch ein Problem der Art, wie Kritik geäußert wird. Also, letztlich ein Thema, mit dem sich der Kritisierende auseinandersetzen sollte. Der hat vielleicht im Laufe seines Lebens die Erfahrung gemacht, dass die Empfänger etwas merkwürdig auf seine sachlich gemeinte Kritik reagieren, mag seine Art aber nicht näher beleuchten oder gar revidieren und klatscht deswegen einen Satz wie „ich mein das jez nicht persönlich, aber…“ davor.

Hier im deutschen Osten habe ich ale Expat :wink: allerdings die Erfahrung gemacht, dass Kritik hier grundsätzlich auch persönlich gemeint ist, es sei denn, es wird explizit ausgeschlossen. Die Trennung der sachlichen Ebene von der persönlichen ist hier nicht so ausgeprägt wie im Westen, wo ich es oft erlebt habe, dass zwei sich beruflich sehr gefetzt haben und dann hinterher friedlich ein Bier trinken gegangen sind, weil das für die beiden eine andere Ebene ist. So wird hier nicht unterschieden, dafür ist vieles an der Kommunikation hier persönlicher…

War das jetzt offtopic?

Gruß
Burkh

Hi Burkh,
danke für den Nachtrag. Das gilt es natürlich auch zu bedenken, sogar sehr, wenn ich es mir recht überlege.
Grüße
Irene

Hi Irene,

ich habe nach 25 Jahren Kontakt zu einem ehemaligen
Klassenkameraden aufgenommen und er antwortete sinngemäss „ich
möchte mit Dir keinen Kontakt - nimms bitte nicht persönlich.“

Ich glaube, dass diese Floskel oder Phrase gern von Menschen
verwendet wird, die sich nicht gut artikulieren könnnen oder
die nicht gewohnt sind, eine Meinung zu äußern bzw. zu dieser
zu stehen.

Hi,
wollte nur sagen, dass es in dem Fall von dem mail ‚ich moechte mit Dir keinen Kontakt‘, das ‚nimm’s nicht persoenlich‘ doch eventuell wirklich gemeint war.

Natuerlich ist im Fall von Kritik die Floskel ‚nimm’s nicht persoenlich‘ nur eine Floskel - natuerlich waere es sehr persoenlich, wenn mir jemand sagen wuerde ‚Du gehst mir auf die Nerven‘.

Und natuerlich ist sicherlich die Tatsache, dass viele Menschen sich unwohl fuehlen, wenn sie jemanden kritisieren, Grund fuer die Verwendung dieser Floskel.

Wenn aber keine Kritik angewandt wird, kann diese Aussage doch durchaus ehrlich gemeint sein:
Vielleicht ist das email so zu verstehen, dass die Person nicht MIT DIR keinen Kontakt haben, will, weil er ja gegen Dich nichts hat, dass er aber mit DER ZEIT, der Schulzeit, dieser Vergangenheit, nichts mehr zu tun haben will, und dass Du leider zu dieser Vergangenheit gehoerst. Der Grund, mit Dir keinerlei Kontakt zu wollen, ist nicht Abneigung gegen Dich, sondern gegen die Vergangenheit. Also, nimm’s bitte nicht persoenlich.

Das ist EINE Moeglichkeit, nicht unbedingt, was der Schreiber sagen wollte. Aber mit einer solchen Erklaerung laesst es sich zumindest verstehen, dass es zumindest Faelle gibt, in denen dieses ‚nicht persoenlich gemeint‘ keine Floskel ist, sondern wirklich das aussagt, was es bedeutet.

Bei Kritik an einer Person ist dieser Ausdruck wirklich fehl am Platz. Obwohl es dennoch wichtig ist, bei Kritik nicht die PERSON zu kritisieren, sondern die SACHE, die man kritisiert.
zB, ‚es nervt mich, dass Du staendig zu spaet kommst‘
und nicht ‚Du nervst mich, weil Du staendig zu spaet kommst‘,
falls Ihr wisst, was ich meine.

Gruss, Isabel