Hallo Heidi,
was du als dein Problem schilderst habe ich auch bei mir bemerkt.
Ich habe auch eine berufliche Veränderung vor mir, sehe es größtenteils sehr positiv und bin doch zur Zeit etwas „rührseliger“ als sonst.
Jedesmal wenn ich in eine Situation komme wo Gefühle im Spiel sind, die müssen nicht mich betreffen, es genügt auch wenn ich nur „Zuschauer“ bin…also wenn ein Mensch einem anderen hilft (ich meine nicht die angeborene Höflichkeit), sondern wirklich nette vom Herzen kommende Gesten, berührt mich das.
Oder wenn ich z.B. im L&L Brett den Artikel von Anja lese, dann macht dieser mich mehr betroffen als sonst.
Kranken, Leiden und schreckl. Schicksalen „groß geworden“ bin,
entdecke jetzt, nachdem ich gekündigt habe, solche Seiten an
mir. Es macht mir wirkl. zu schaffen, zumal ich im realen
Leben
keine „Kranken“ mehr sehen kann…Gibt es dafür eine
Erklärung?
Ich bin kein Profi aber ich kann mir gut vorstellen daß durch die vielen Jahre die du mit Kranken und deren Leiden im Unterbewußtsein mitgelebt hast, einfach dein Potential an Hilfe leisten erschöpft ist. Du mußtes immer deine privaten Gefühle hintanstellen und wenn es dir selber nicht gut ging, in einem Umfeld von Leiden arbeiten. Das geht nur mit Verdrängung des eigenen *ICHs* !
Bin ich erst jetzt in der Lage, die Dinge zu sehen, wie sie
wirklich sind, oder ist es ganz einfach nur Trauer des
Abschieds von meinem einstmals Traumjob?
Beides würde ich sagen, weil du Heidi, eine wichtige Entscheidung für dein Leben getroffen hast. Ich kenne dich als starke und sensible Frau und darum weiss ich daß du dir die Entscheidung nicht leicht gemacht hast. Du hast sicher einen langen Weg der unterdrückten Gefühle hinter dir. Gedanken ob es momentaner Frust ist…oder ob es dir schon an die Substanz geht…Gedanken des Versagens…und Gedanken der Selbtbehauptung.
Wenn Freunde derzeit über Krankheiten reden, über Bekannte,
die
es „erwischt“ hat etc., dann bin ich ganz schnell weg.
Das wird sich wieder ändern wenn du einige Zeit ohne direkten Kontakt mit Krankheit erlebst.
Selber
aber, hab ich tatsächl. erstmals im Leben Angst um mich!!!
Es kommt so vieles hoch, ich will auch nichts davon
verdrängen, nur warum jetzt? Ich arbeite ja noch da, zwar
höchstens noch mit
40 %, aber immerhin…, die Tage sind gezählt und ich bin
eigentlich unheimlich froh, diesen Schritt gewagt zu haben.
Warum aber werde ich jetzt so „weich“???
Weil du nicht mehr mit „Aller Kraft“ deine Gefühle unterdrücken mußt…weil du ein Ende der Anstrengung siehst…weil du dir gegenüber zuläßt so zu empfinden ! Weil du nicht mehr nur für die Anderen stark sein mußt…und weil du für dich und deine Gefühle einen Spielraum läßt.
Du bist im Grunde froh diesen Schritt gewagt zu haben und doch ist es eine neue Situation für dich und du mußt erst lernen damit umzugehen…dadurch bist du unsicher.
Mir reicht ein einziger psychol. Begriff, der dieses
„Phänomen“
erklärt. Für andere wüßte ich bestimmt eine Erklärung, für
mich
selber leider nie!
Ich weiß leider keinen psychologischen Begriff dafür, ich kann nur mit dir fühlen wie es dir geht und dir sagen, ich finde deine Gedanken und Empfindungen ganz normal.
Liebe Grüße und halt die Ohren steif *gg*
Kerbi