Hallo, Papilio!
Ein paar der Sätze, die Du schriebst, treffen auch auf meinen Exfreund zu: Die Stimmungsschwankungen, die Unfairness, die Ichbezogenheit, das Unverständnis für die Probleme und Bedürfnisse des anderen…
Mal ehrlich: Ist ein schwankender, unberechenbarer, ichbezogener Partner das, was Du möchtest? Nein, oder?
Er ist im Prinzip ein wahnsinnig lieber Mensch.
War mein Exfreund auch. Hat für mich gekocht, mir Kaffee ans Bett gebracht, sich rührend um meine Katzen gekümmert, mich jeden Tag besucht, als ich im Krankenhaus war…und mich dann zweimal betrogen, meine Wohnung im besoffenen Kopf zerlegt, meine Tür eingetreten, das volle Programm halt.
Aber ich habe Angst, dass er mich irgendwann schlägt. Eben
weil er diese „Ausraster“ hat und die in letzter Zeit immer
öfter vorkommen.
Sein Vater war übrigens Alkoholiker und hat auch oft
zugeschlagen.
Ja, klar: Schlimme Kindheit, kaputte Psyche, kaputtes Verhältnis zu sich und Nähe und Beziehung und Frauen. Das macht das ganze vielleicht verständlich, aber trotzdem auf keinen Fall entschuldbar!
Man darf sich auf seiner Vergangenheit nicht ausruhen, finde ich. Vor allem, wenn man eine Beziehung hat, die einem wichtig ist. Für mich heißt Beziehung irgendwie immer auch Arbeit: An sich und an der Beziehung. Klar ist das schwer, besonders in einem solchen Fall, klar macht eine Therapie Angst, weil man da mit Dingen konfrontiert wird, die man jahrelang versucht hat zu verdrängen. Aber besser ein paar Jahre Kopfhölle und danach geht es besser, als das ganze Leben diesen Mist mit sich rumschleppen, oder?
Eigentlich weiß ich, dass ich gehen muss, aber ich kann es
nicht. Weil ich ihn liebe. Trotz allem.
Das kann ich so gut nachvollziehen…ging mir genauso. Wir haben uns getrennt und sind nach zwei Monaten wieder zusammengekommen, obwohl jeder nur den Kopf geschüttelt hat (inklusive meinem Ex und mir, aber herrgott, das Herz halt…).
Danach hielt es noch ein halbes Jahr, dann habe ich mich wieder getrennt, diesmal endgültig.
Was mir damals geholfen hat, den „Ausstieg“ (denn es hat schon was von einer Sucht: Es tut nicht gut, es schadet nur, aber man kann nicht ohne und macht es trotzdem immer wieder mit) zu schaffen, war, daß ich selber eine Therapie angefangen habe. Und die Mechanismen begriffen habe, weshalb ich immer wieder mit „solchen“ Männern zusammen war.
Denk auch mal darüber nach: Selbst WENN er jetzt eine Therapie begönne, würde es lange dauern, bis sich was ändert oder normalisiert. Und bis dahin kann es auch phasenweise schlimmer werden. Mein Ex (zu dem ich immer noch sporadischen Kontakt habe) sagte mir, daß er nach dem Ende unserer Beziehung begriffen hat, daß er in dem Zustand, in dem er jetzt ist, keine Beziehung führen KANN. Und daher auch nicht will. Bis sich was ändert, aber so weit ist es bei ihm noch nicht.
Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft! So ein Dilemma zwischen Kopf und Herz ist schlimm, und Entscheidungen gegen den eigenen Bauch (oder vielmehr das eigene Herz) treffen, noch viel furchtbarer. Aber Vernunft hat schon öfters mal ihre Vorteile…
Lieben Gruß,
Smiri