Hallo Martina,
bei den Persönlichkeitsstörungen ist die Therapie besonders schwierig und die Wirksamkeit vieler psychotherapeutischer Verfahren nicht ausreichend überprüft. Die Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie hat auf einer ihrer Seiten das Buch „Cost-Effectiveness of Psychotherapy“ von Miller und Magruder (1999) zusammengefaßt. In Kapitel 26 dieses Buches werden Persönlichkeitsstörungen und ihre Therapien besprochen. Dort heißt es u.a.:
"Kap. 26: Persönlichkeitsstörungen (P.A. Pilkonis, B.D. Neighbors & E.M. Corbitt, S. 279 ff)
Es gibt nur wenige Untersuchungen, die sich ausschließlich mit Persönlichkeitsstörungen befassen.
1.a. Psychosoziale Behandlungsformen: Borderline-Störungen
Linehan (1993) hat für Borderline-Störungen die Dialektische VT entwickelt, das bislang beste Behandlungsmodell. Bei diesem Ansatz werden direktive Einzel-Therapie mit Gruppentherapie verbunden; dabei zielt die Therapie auf eine Verbesserung des Problemlösungs-Verhaltens, der Gefühlssteuerung, der interpersonellen Toleranz und des Stresscoping-Verhaltens. Die meisten Persönlichkeitsstörungen aber bleiben unerforscht hinsichtlich der Wirksamkeit bestimmter Behandlungsformen.
1.b. Psychosoziale Behandlungsformen: Antisoziale Persönlichkeitsstörungen
Zwar sind diese Persönlichkeitsstörungen häufig, es fehlen jedoch in der Literatur Untersuchungen zur Behandlung dieser Störung.
1.c. Cluster C-Persönlichkeitsstörungen
Verhaltenstherapie zeigte sich als sinnvolle Behandlungsform der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung (Alden, 1989), speziell in Verbindung mit einem Training des Sozialverhaltens. Auch ein Anpassungstraining (brief adaptational therapy) und die tiefenpsychologische Kurztherapie (Davanloo, 1980) zeigten gute Ergebnisse (Pollack, Winston, McCullough, Flegenheimer & Winston, 1990; Winston et al., 1991)
- Pharmakotherapie
Neuroleptika, trizyklische Antidepressiva, MAOH, selektive Serotonin Reuptake-Hemmer (SSRH), Antikonvulsiva, Lithium, Anxiolytika und Stimulantien wurde bei der Behandlung insbes. von Borderline-Störungen eingesetzt. Vielversprechende Ergebnisse zeigten sich zunächst mit niedrig dosierten Neuroleptika und MAOH, konnten aber in Folge-Untersuchungen nicht verifiziert werden.
Am vielversprechendsten sind derzeit Untersuchungen zur Wirksamkeit der SSRH (Coccaro, 1993, Cornelius, Soloff, Perel & Ulrich, 1991, Markovitz, Calabrese, Schulz & Melzer, 1991).
Ein weiterer Schwerpunkt aktueller Untersuchungen: Theorie. Dabei werden psychobiologische und genetische Variablen untersucht. Ein dritter Schwerpunkt ist die Überlegung, dass die Komorbidität auf den Achsen I und II ein Hinweis auf chronische Vulnerabilität ist. Hier ist die Arbeit von Tyrer zum Neurotischen Syndrom (General Neurotic Syndrome, GNS) bedeutsam (Tyrer, 1989, Tyrer et al., 1983, Tyrer et al., 1993).
- Krankheitskosten
Es gibt keine Untersuchungen zu den Kosten von Persönlichkeitsstörungen. Nur Anekdoten und Kasuistiken."
Quelle: http://www.dgvt.de/politik/qualitaetssicherung/koste…
Gruß,
Oliver Walter