Hallo Dirk,
Nun wurde mir durch Bekannte und Freunde in letzter Zeit
häufiger zugetragen, dass ich mich stark geändert habe.
OK, jede Entwicklung ist auch eine Veränderung. Wenn
sich jemand neu auf Dich einstellen muss, kann das
auch als „sonderbar“ oder „mühsam“ betrachtet werden.
Durch genauere Überlegungen kam ich zum selben Schluss.

Wie geht das denn?
Bemängelt wurde z.B., dass ich gefühlskalt, schroff und
verletzend geworden bin.
Oder Du bist „in Wirklichkeit“ etwas härter und direkter,
als Du es Deiner Umwelt bisher vorspielen zu müssen
glaubtest? Und jetzt bist Du auch souverainer geworden,
Du fühlst nicht mehr das soziale Korsett, in das Du Dich
einpassen musstest?
Diskussionen mit meiner Meinung nach sinnvollem Inhalt, z.B.
fachliche Gespräche, wissenschaftliche Betrachtungen etc.,
sind ohne weiteres möglich.
Auch in solchen Themen ist für gewöhnlich eine
Emotionalität.
Bei emotionsbelasteten oder völlig sinnfreien Gesprächen
(‚small-talk‘)wird mir das Ganze aber schnell müßig,
ich baue Verachtung auf, die im Extremfall in
Hass münden kann.
Was meinst Du mit „emotionsbelastet“. So was wie
„vorwurfsbelastet“?
Ich denke, hier fehlt Dir vielleicht noch die Übung,
auch „solche“ Interaktionen simultan „von aussen“ zu
betrachten, also Deine Konversation und den Aufbau
der Stimmungen und Haltungen beim Gegenüber für Dich
„erkenntnistheoretisch“ zu rationalisieren.
DANN sind die oben genannten „Gespräche“ ausser-
ordentlich ergiebig.
Gleichzeitig hat jeder mal eine schlechte Zeit und
wenn er seinen Schmutz bei Dir ablädt, so nimm es
eben hin.
Ich habe früher gern geredet, heutzutage
weiss ich aber nicht, was ich erzählen soll, ich will auch
nichts erzählen, weil es mir sinnlos erscheint. Ich bleibe
dann auch still und beschäftige mich im Geiste.
mit einem Kommunikationsversuch konfrontiert, so wirkt das auf
mich belästigend, störend, meine Reaktion fällt dann
entsprechend reserviert aus.
Immerhin ein gutes Training, auch bei widrigen Kommunikations-
bedingungen „die Form“ und „den Stil“ zu wahren. Du musst dieses
ja nicht wiederholen, wenn Du merkst, das es nichts bringt.
Aber es ist auch eine „Kulturtechnik“, eine sehr unangenehme
Kommunikation erträglich zu Ende zu führen und den Gesprächs-
partner „annehmbar“ loszuwerden. Das muss man halt lernen.
Das ist nicht leicht. Und es erfordert Disziplin.
Ich sehe mich auch außer stande Vertrauen aufzubauen, es
bleibt immer ein großes Maß an Misstrauen und Distanz.
Ich verstehe das nicht ganz. Ich „vertraue“ eigentlich
faktisch auch „sogut wie niemandem wirklich“, weil ich
glaube, die Menschen zu kennen(?). Allerdings „vertraue“
ich einigen wenigen Menschen, dass ich auf sie zählen
kann, „wenn sich nichts aussergewöhnliches ändert“.
Entwickele ich hier eine Persönlichkeitsstörung
(oder wie auch immer man soetwas nennen mag),
oder werde ich schlichtweg zum Misanthropen?
Ich denke, Du wirst erwachsen. Ich kann mir nicht
vorstellen, dass jemand, der ein bisschen helle ist,
nicht „im Grunde“ misstrauisch und wählerisch ist.
Was bedeutet schon Vertrauen, wenn einem nicht klar ist,
welche Fehler die Menschen machen können, denen man vertraut 
Wie denkt ihr darüber? Sollte ich evtl. zum
Psychologen?
Mir ist nicht ganz klar, wobei Du einem
Psychologen helfen könntest, es sei denn
beim Erlernen von Schwertkampf …
Grüße
Euer CMБ