Persönlichkeitsveränderung - Was ist möglich?

Liebe Experten,

wie jeder Mensch, finde ich auch an mir Eigenschaften, die mich stören. Nun sagt man im Allgemeinen, dass es zum Menschsein gehört, sich selbst auch mit seinen Fehlern anzunehmen.
Nun gibt es aber immer wieder Buch-, Video/Audio- oder auch Kurstitel, die mir persönlich suggerieren, dass man aus sich auch eine ganz andere Person machen kann. Der Druck unserer modernen Berufswelt macht diese Angebote, so finde ich jedenfalls, besonders attraktive und Verführerisch.

Auf der anderen Seite gibt auch Berichte, die diese Psychowunder als völligen Unsinn oder sogar sehr gefährlich darstellen.

Mein Frage deshalb:
Wie sehr ist die Persönlichkeit des Menschen manipulierbar? Gibt es Angebote auf dem „Markt“, vor denen man besser die Finger lassen sollte. Und bei welches Angeboten wird man so richtig hinters Licht geführt.

Für Eure Orientierungshilfen bedanke ich mich schon jetzt.

Marc

Hallo Marc
Die Grundpersönlichkeit des Menschen ist nicht großartig veränderbar - schon gar nicht durch Andere.
WENN sie es aber durch andere ist, ist dies oftmals problematisch, weil es auf eine gewisse Labilität der Persönlichkeit schließen lässt.
Umgekehrt ist aber auch weine allzu starre Persönlichkeit, eine kontrollierend-rigide, nicht unproblematisch. Diese Leute rühmen sich häufig, nicht hypnotisierbar zu sein und bedenken dabei nicht, dass psychotische und zwanghafte Personen nicht oder nur schlecht hypnotisierbar sind.
Gruß,
Branden

Hallo Marc,

ich bin kein Fachmensch, aber ich würde mich aufgrund meiner Erfahrungen durchaus trauen, folgende Thesen zu vertreten:

Ein Seminar/Buch/Video, das verspricht, „einen neuen Menschen“ aus Dir zu machen, ist entweder gefährlich oder fehldeklariert. Es gibt solche Angebote natürlich trotzdem, denn die Nachfrage ist offenbar da: es gibt Leute, die WOLLEN auseinandergenommen und neu zusammengesetzt werden.

Ein Seminar/Buch/Video zum Thema Persönlichkeit muß m.E. stets bei der kritischen Selbstwahrnehmung beginnen. Jede Erwachsenenfortbildung hat einen (nicht immer explizit so genannten) Lehr-Lern-Vertrag zur Grundlage, also eine Absprache dessen, was in einem gegebenen Kontext gelernt werden kann – und was von einem Teilnehmer gelernt werden will/kann/soll. Es sollte unbedingt eine Hilfestellung geben, die eigenen Fragestellungen zu erkennen und zu formulieren. Auch hier gibt es Angebote, die das nicht beinhalten, weil es auch Menschen gibt, die solche Eigenverantwortlichkeit lieber abgeben.

Einem Seminar/Buch/Video, das zu sehr auf ein Schlagwort/Reizthema abgestellt ist, würde ich persönlich mißtrauen – so etwas wie „Die perfekte Bewerbung: Sie verkaufen das perfekte Produkt! Sie SIND das perfekte Produkt!!“.

Ein Seminar/Buch/Video, das die angewandte Methode der Analyse und Veränderung nicht offenlegt, ist m.E. per se sehr kritisch zu sehen. Allzuoft wird aus Nichts ein Geheimwissen gestrickt, mit dem geschickte Manipulatoren Kundenbindung (und sogar Gurutum) betreiben. Als vor Jahren die NLP-Welle ihren Höhepunkt hatte, wurden unter diesem Schlagwort des Neurolinguistischen Programmierens sowohl wirklich fundierte und spannende als auch hanebüchene und teils gefährliche Angebote gemacht. Oft ist es so: je marktschreierischer die Werbung, desto weniger Inhalt steckt meist dahinter.

Zuletzt: ich würde keinem Seminar/Buch/Video trauen, das nicht die sicherlich allerwichtigste Regel enthält: bleib Dir selbst treu. Es ist eine Sache, Ungeschicklichkeiten (z.B. Nervosität bei Vorstellungsgesprächen) oder auch wirklich kritische Verhaltensweisen (Unfähigkeit, mit Geld umzugehen) im Rahmen eines Seminars oder anhand eines Ratgebers in Angriff zu nehmen und daran zu arbeiten. Es ist eine andere, an sich unsachgemäß herumzupfuschen oder herumpfuschen zu lassen.

Zu allerletzt: eine Vorabprüfung der Qualifikationen der Anbieters (Institution und Autor/Dozent) und (bei Seminaren) Rahmenbedingungen ist sicher auch nicht verkehrt.

Es gibt sicher noch andere Betrachtungskriterien – dies wären meine.
Gruß,
Pengoblin

Moin,

ich gehe davon aus, dass es grauenhaft wäre, könnte man seine Persönlichkeit nicht ändern. Ich kann mir doch mehr Ordnung oder Fleiß oder Offenheit oder Zurückhaltung „angewöhnen“. Ich kann lernen, mit weniger Angst oder Pessimismus zu leben. Wohlgemerkt, ich spreche von „mehr“ oder „weniger“ in einem Verhaltensspektrum, das in einigen Fällen durch eine gewisse genetische Prädisposition vorgegeben ist (z. B. Intro- oder Extraversion), in anderen aber auch einfach „schlechte Angewohnheiten“ sein können.

Andererseits finde ich es erfreulich, dass ich das wirklich wollen muss, dass es zumindest gegen meinen Willen bei Weitem nicht so gut funktioniert, also durch „Manipulation“ von anderen kaum möglich ist.

Die Qualität der Ratgeber dazu ist allerdings sehr unterschiedlich und hat auch individuelle Unterschiede (ein Ratgeber, der für einen passt, kann für einen anderen ohne Wirkung bleiben). Eine gewisse Schädlichkeit würde ich bei einigen genannten „Ratgebern“ nicht ausschließen. Und Wunder gibt es nur in Schlagern immer wieder …

Hier können durchaus professionelle Hilfen (Psychologen) in Anspruch genommen werden, die nicht nur für psychisch „Kranke“ da sind, sondern genau solche Wege (und die Grenzen) zur Persönlichkeitsänderung aufzeigen können.

Grüße vom Vieux

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo allerseits,

habt ihr den Thread „Strukturen verändern“ im Philosophiebrett schon gesehen? Da geht es um sehr Ähnliches.

Gruß,

Beate

Hi Marc!

Ich bin kein „Diplom -Experte“ und trotzdem wage ich es heute doch, Dir zu schreiben:

wie jeder Mensch, finde ich auch an mir Eigenschaften, die
mich stören. Nun sagt man im Allgemeinen, dass es zum
Menschsein gehört, sich selbst auch mit seinen Fehlern
anzunehmen.

Ja. Jeder Mensch hat gute wie "schlechte " Seiten.
All seine Erfahrungen/Erlebnisse… haben ihn zu dem werden lassen, was er momentan ist.
Sich selbst einzuschätzen und Fehler, Schwächen aber auch Stärken zu erkennen,ist ein Prozeß, der mitunter ganz schön „an die Nieren gehen“ kann.
Da wir Menschen zum Erkennen, Denken, Schlußfolgern, Handlungen anpassen…in der Lage sein sollten, sollte es uns auch möglich sein, unliebsame Verhaltensweisen/ etwas was als negativ erkannt wurde, zu korrigieren.
Dazu könnte ebenso die Erkenntnis gehören, „mehr Wert zu sein“ als man es sich bisher zugestanden hat… (Man ist gar nicht der …-hasser, …Macho,…Sprücheklopfer,… Feigling, …Superheld…)
Man kann sich verändern: mehr Selbstbewußtsein aufbauen z.B. durch Studium…, durch ausprobieren von Neuem, durch einen (angenehmen)Wechsel des Out-fits/Frisur…, durch Änderung von Verhaltensweisen ( weil man eben doch erwachsener wird)…-
das heißt für mich: der Mensch kann sich sein ganzes Leben lang verändern - positiv wie negativ. Er hat immer mindestens zwei Möglichkeiten sich für oder gegen eine Handlung/Eigenschaft …zu entscheiden.
Nur seine Kernstruktur, sein Allerinnerstes, seine Urängste…, seine „Prägung“, die wird ihm bleiben. Das ist das, was ihn ausmacht. Und das sollte man anerkennen und „lieb gewinnen“, dann hat man einen festen Stand/ festen Boden unter den Füßen und kann das Drumherum verändern, neu organisieren… sich seinem Wunschbild /Ideal ein Stück nähern.
Ich denke, wer seinen „Kern“ verleugnet, arbeitet gegen sich selbst und wird irgendwann daran zerbrechen.

Aber noch Mal: unser Kern ist wie er ist. Jedes Positive kann auch Mal negativ sein, jede „Macke“ sich Mal als vorteilhaft erweisen…
Wir sind wer wir sind und was wir aus uns machen sowie machen lassen.

I.d.S. Alles Gute Roxelane

Nun gibt es aber immer wieder Buch-, Video/Audio- oder auch
Kurstitel, die mir persönlich suggerieren, dass man aus sich
auch eine ganz andere Person machen kann. Der Druck unserer
modernen Berufswelt macht diese Angebote, so finde ich
jedenfalls, besonders attraktive und Verführerisch.

  1. …Psychologisch gut auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet und entsprechend aufbereitet - „Werbung“ soll zum Kaufen annimieren / Kurse sind auch „Waren/Dienstleistungen“ - und der Wert entpuppt sich nach Bezahlung…

Auf der anderen Seite gibt auch Berichte, die diese
Psychowunder als völligen Unsinn oder sogar sehr gefährlich
darstellen.

Ein Wunder ist manchmal der menschliche Wille!!

Mein Frage deshalb:
Wie sehr ist die Persönlichkeit des Menschen manipulierbar?

Wir werden alle tagtäglich manipuliert bzw. man versucht es - es ist uns manchmal mehr, manchmal weniger bewußt.
Manchmal lassen wir es zu, weil es sich mit unseren Interessen deckt oder weil es uns „egal“ ist , wir können „damit umgehen“.

Gibt es Angebote auf dem „Markt“, vor denen man besser die
Finger lassen sollte.

100%tig

Und bei welches Angeboten wird man so

richtig hinters Licht geführt.

Von solchen, die suggerieren, dass man sich ohne große Mühe in aller kürzester Zeit und nur wenn man D I E S E S Seminar besucht/Video kauft…vom Frosch zum Märchenprinzen verwandelt (samt Vorher-, Nachherbild und Adressen , die es gar nicht gibt).

Für Eure Orientierungshilfen bedanke ich mich schon jetzt.

Marc

Nochmal Gruß Roxy

Hallo Marc,

was möglich ist an Veränderung, das ist eine Frage, die mich sehr, sehr beschäftigt. Ehrlich gesagt, habe ich den Eindruck, daß man das bisher gar nicht so genau weiß. Ich möchte die Frage eingrenzen auf den Fall, daß ein Mensch wichtige Erfahrungen während seiner Entwicklung nicht gemacht hat. Was ist möglich an Veränderung, wie kann man diese Erfahrungen machholen, geht es überhaupt?

Damit die Frage Substanz gewinnt, mache ich sie mit einem Beispiel aus meinem Leben konkret:

Durch irgendwelche Umstände hatte ich in meiner Kindheit und Jugend kaum Kontakt mit Mädchen. Meine Familie hatte wenig Kontakt nach draußen, und wenn, dann eher mit älteren Leuten. Und ich war immer in reinen Bubenschulen. Dann der Tanzkurs: eine Katastrophe. Später hatte ich zwar einige kurze Beziehungen oder eher Affairen, aber mit sehr langen Zeiträumen dazwischen.

Ich bin auch sonst sehr schüchtern, kann aber zumindest im Alltag funktionieren (oft nur mit Anstrengung, und Small Talk fällt eher aus).

Seit langem gehe ich in Therapie, manchmal in Gruppen, und ich habe den Eindruck, daß ich in sehr kleinen Schritten und auf Nebenschauplätzen weitergekommen bin, aber an den Kern der Probleme komme ich nicht heran.

Was mir konkret so schwierig erscheint: ich bin aus der Jugend schon heraus, aus dem Alter des „auf die Pirsch-Gehens“ (z. B. in Diskos oder was auch immer), und merke die Mißbilligung vieler, weil ich als Erwachsener immer noch diese Probleme habe. Daher als natürlich kurzsichtige Lösung: Rückzug. Ich weiß auch nicht, wie ich einen Korb so ohne weiteres wegstecken kann, zu wenig positive Erfahrungen, an welchen ich den Korb relativieren kann. Ich schaute mir auch einige Partner-Such-Seiten an, und dort scheitere ich an der „Über-mich“-Seite, weil ich dann den Druck verspüre, mich darzustellen zu müssen, irgendwie witzig oder geistreich sein zu müssen (nicht, daß ich mir das gar nicht zutrauen würde, aber ich spüre den Druck dazu so).

Manchmal denke ich, ich würde einen Coach brauchen, der mir das nötige Rüstzeug vermittelt, mich begleitet, mir dabei hilft, Erfahrungen zu verarbeiten … was natürlich nicht bezahlbar ist. Und ich denke, mit viel Geld wäre es auch viel einfacher, könnte ich ganz andere Möglichkeiten nützen.

Jetzt habe ich länger geschrieben, als ich vorhatte (ist ja zum Glück anonym dahier). Fazit jedenfalls für mich: ob Veränderung in dem Maß gehen kann, daß mir etwa solche völlig normalen Aufgaben wie eine Partnerschaft möglich werden - von einem gewissen Zweckoptimismus abgesehen - ich weiß es einfach nicht.

Grüße,

I.

Gibt es Angebote auf dem „Markt“, vor denen man besser die
Finger lassen sollte. Und bei welches Angeboten wird man so
richtig hinters Licht geführt.

Hallo Marc, ich denke, Du solltest sehr mißtrauisch sein wenn Dir
jemand verspricht, daß es ganz schnell geht. Arbeit an seiner „Person“
ist langwierig und hart, sicher auch schmerzlich und die Motivation
dafür erwächst aus dem Leidensdruck den man mit sich hat.

viele grüße nashorn