Personaldiagnostik unseriös von Hinz und Kunz

Ich habe gerade im www entdeckt, wie viele Anbieter ohne ein vernünftiges Psychologiestudium z.B. die Erstellung von Persönlichkeitsprofilen anbieten, meist mit mehr oder weniger selbst zusammen geschusterten nicht wissenschaftlich validierten Verfahren. Es werden Begutachtungen angeboten, nur aufgrund von Online Tests, die die Probanden machen sollen. Die Probanden wurden also persönlich gar nicht kennen gelernt. Auf Grenzen und Schwächen der Verfahren wird gar nicht hingewiesen, es finden sich keinerlei Item-Statistiken. Diese Anbieter weisen sogar Referenzen namhafter Auftraggeber aus der Wirtschaft auf.
Ich finde das ethisch höchst bedenklich. Gibt es denn da keine regulierende Instanz, dass so etwas nur Fachkräfte machen?

Hi Fellow,

solange sich die Menschen nicht dagegen wehren, die Arbeistplätze für Psychologen und Co immer rarer werden und da sich eine stat. Test nicht wehren kann, kann man so etwas immer anbieten. I.a. sind das ja keine Angestellten, die einer Firma oder sonstwem verantwortlich wären, insofern muss jeder Getestete die Konsequeznen selber tragen.
Grüße,
JPL

Moin, Fellow,

vielleicht solltest Du erstmal aufzeigen, warum ein „vernünftiges“ Psychologiestudium jemanden in die Lage versetzen soll, Persönlichkeitsprofile anzubieten, die ethisch unbedenklicher sind als die von Hinz und Kunz.

Für derartige Scharlatanerie ist offensichtlich großer Bedarf vorhanden. Der Gesetzgeber ist gut beraten, derartigen Humbug nicht zu regulieren - wer für derartigen Sch… Geld ausgibt, der hat es halt übrig.

Gruß Ralf

recht hast du
hi,

in der tat geht es um´s geldverdienen und nicht um wissenschaftlichkeit. assessmentverfahren besispielweise sind so gedacht, dass immer, ich wiederhole: immer, auch bei nicht-einstellung des bewerbers!- konstruktive profilrückmeldungen gegeben werden. das tun die unternehmen jedoch nicht.

ich möchte gar nicht wissen, wer sich im profilerstellungsmarkt so tummelt, das wird aussehen wie auf dem gebrauchtwagenmarkt, da kann auch jeder jeden dreck anbieten solange er einen käufer findet.

heute schon milch aus china getrunken?

Hallo Fellow,
die Berufbezeichnung Psychologe ist nicht geschützt und vielleicht sogar zu recht, denn Jahrtausende lang haben Frauen die Aufgabe ‚psychische Betreung‘ als Ammen, Mütter, Erzieherinnen, Heilkundige usw. ohne großes Aufhebens wahrgenommen. Auch Priester, Heiler, ‚die Alten‘ und andere selbsternannte Ratgeber machen das seit jeher. Und immer auch gab es Scharlatane, also die üblichen Verdächtigen die ‚Nepper-Schlepper-Bauernfänger‘, von Kartenlesern, Astrologen, Wahrsager usw. mal ganz abgesehen. Was z.B. misst den ein validierter Inteligenztest? Wo Psychologen selbst sagen, Intelligenz ist das, was der Inteligenztest misst.
Die Frage lautet doch eher, wie schütze ich mich vor schädlichen Ratgebern?
Ob –www. wer weiss– was da eine Lösung ist?

Mit Gruß ratlos ins Netz gegangen Billerbong

Lieber Fellow,

ich frage durchaus mit provozierender Absicht: Glaubst Du im Ernst, dass derartige Diagnosen von Dr. Hinz und Prof. Kunz auch nur ein Deut mehr Wert wären?

Die vorrangige Frage ist m. E., wer solche Dinge braucht und wozu. Und das sagt dann eine ganze Menge über den Auftraggeber.

Was Hinz und Kunz nicht machen und wollen
Ich bin mir nicht sicher, wer von denjenigen, die hier Stellung bezogen haben,

sich mit der wissenschaftl. fundierten klass. Testtheorie auskennt - das wäre aber m.E. wichtig, um den Unterschied verstehen zu können.

Kurzer Exkurs dazu: Bei der Konstruktion seriöser Tests werden statistische Kennwerte und spezielle Berechnungen (z.B. der internen Konsistenzen der Skalen, Trennschärfeindizes, Schwierigkeitsindizes und ggf. Faktoranalysen) aus Populationen, denen er vorgelegt wurde, angestellt, aus denen mathematisch ermittelt wird, dass die Fragenblocks zu unterschiedlichen Persönlichkeitseigenschaften eben nicht etwas Ähnliches oder das Gleiche messen und dass die Items innerhalb eines Blocks ähnlich beantwortet werden. Ferner
werden die dadurch modizifierten und schließlich perfektionierten Skalen mit anderen Testverfahren und allgemein anerkannten Ausprägungen zu diesem Merkmal verglichen. Es werden schließlich Normen für verschiedene Altersstufen und die Geschlechter aus der Eichstichprobe berechnet und idealerweise aktualisiert, da sich hier mit der Zeit Änderungen in der Bevölkerung ergeben und auch Frageformulierungen obsolet werden. Es wäre „unfair“, Leute an einem Maßstab zu vergleichen, der für ihre Gruppe nicht adäquat ist, weil er z.B. veraltet ist.

Trotz dieser Sorgfalt misst ein Psychotest nicht so genau wie ein Geigerzähler,(weil psychologische Konstrukte eben der Natur der Sache gemäß schwerer zu messen sind) aber eben auch nicht schlecht. Ich habe in der Praxis Anwendungen gesehen, wo ein Persönlichkeitstest mit einer Schwankung von ca +/- 2 kg prognostizieren kann, wie erfolgreich abnehmwillige Leute nach 30 Wochen Training in gesunder
Ernährung sind. Für einen test, der 15 Min dauert finde ich das beachtlich, wenn man bedenkt, dass beim Abnehmen ja auch noch körperliche Unterschiede einfließen… Es geht mir aber nicht um die Verherrlichung von Tests, sondern ich wollte damit nur illustrieren dass diese Tests wichtige Konstruktionsprinzipien durchlaufen und sich das nicht einfach mal jemand nebenbei beim Abendbrot ausgedacht hat.
Vielleicht ist das genau der Kritikpunkt: Der fachlich geschulte Anwender von diesen Tests kennt die Grenzen besser und weiß, dass sie ein Mosaikstein in einem breiteren Rahmen der Beurteilung bleiben müssen. Ein Hinz und ein Kunz können die Testgüte eines Verfahrens nicht beurteilen und dazu neigen, nicht validierte Test anzuwenden oder aber Ergebnisse zu unkritisch zu interpretieren. Letztendlich
bleiben ethische Gesichtspunkte hierbei auf der Strecke, vor allem, wenn die Testauswertung „im stillen Kämmerlein“ statt, wie es richtig wäre, zusammen mit dem Getesteten zu erörtern.