Pest

Hi

Ich werde nächstes Jahr für 2-3 Monate auf Forschungsreise nach Yunnan gehen. Yunnan soll eines der schlimmsten Pestgebiete der Welt sein (zur Zeit). Da ich Feldforschung betreiben werde kann ich nicht in den Städten bleiben und werde auch aus Land müssen.

Wie sieht es denn da genau mit der Vorsorge aus? Ich habe mir die Wikiseite zur Pest durchgelesen und da heißt es die Nebenwirkungen der Beulenpestimpfung seien sehr schlimm.
Wie sieht es mit den anderen Sachen aus? Wie erkenne ich z.B. ob ich mir die Lungenpest eingefangen habe? (Die ja per Tröpfcheninfektion verbreitet wird) und wie sind da die Behandlungschancen? (ist immerhin China…)

Und v.a. wieviel kostet das? Mir ist bei dem Gedanken etwas mulmig, da ich auch wohl auf die Tollwutimpfung verzichten werde. Sie ist einfach zu teuer (über 500€) und meine Kasse meint, dass ich als Sinologin ja nicht unbedingt ins Ausland müsste *rolleyes*

Danke für jede Info und jeden Tipp!

lg
Kate

Hallo Kate,

keine deiner Fragen kann ich beantworten. Nur: willst du wirklich deine Gesundheit, oder gar dein Leben fuer einen Aufenthalt in Yunan wagen? Umsomehr, da du den Aufenthalt nicht brauchst.

Gruss: Ge-es

Hallo Kate,

du solltest dich mit deinen Fragen an ein tropenmedizinisches Institut wenden, leicht zu finden durch Googlen.

Gruß
Montanus

Hallo Kate,

ich bin keine Medizinerin, aber ich habe viele Jahre meines Lebens in exotischen Gebieten der Welt vebracht - z.T. auch in Begleitung meiner Kinder.

Unter anderem habe ich in China und der Mongolei gelebt, wo Krankheiten wie Pest und Tollwut immer schon verbreitet waren. Eine Tollwut- oder Pestimpfung als Prophylaxe kam damals noch nicht in Frage. In unserer Notfallapotheke befand sich ein Antibiotika-Cocktail für den Fall einer Pestinfektion. Gebraucht haben wir diese nie. Das größte Problem war, meinen Kindern klarzumachen, dass sie sich von Tieren fernhalten mussten. Natürlich besteht theoretisch die Gefahr einer Ansteckung. Faktisch erkranken in der Regel immer nur einzelne Menschen, und die Wahrscheinlichkeit, betroffen zu sein, ist gering.

In fremden Ländern können dich viele Risiken treffen. Krankheiten, giftige oder gefährliche Tiere, Gewaltverbrechen, Kriege, Attentate, Naturkatastrophen oder schlicht und ergreifend marode Verkehrsmittel wie Busse oder Schiffe (die ich de facto für das größte Risiko halte). Wenn du Angst hast, musst du Fernreisen meiden. Gefahren gibt es überall, auch da, wo sie keiner vermutet. Mein erster Mann starb an einer Malariainfektion. Infiziert hat er sich in einem Gebiet Ägyptens, das bis dato als überhaupt nicht Malaria-gefährdet galt.

Ganz konkret kann ich dir raten: Sorge für rattensichere Schlafplätze. Unter Umständen bist du in einem Zelt im Freien besser aufgehoben als in einer Herberge. Du kannst dabei davon ausgehen, dass es überall Ratten gibt und dass diese deutlich präsenter sind als bei uns in Deutschland.

Wenn du in Hotels/ Herbergen übernachtest, sieh zu, dass die Tür zum Badezimmer immer geschlossen ist. Wenn du nachts aufs Klo gehst, mach überall Licht, bewege dich laut und klopfe ein paar Mal laut gegen die Badezimmertür, bevor du sie öffnest. Schau in die Kloschüssel, bevor du das Klo benutzt. Wenn es im Badezimmerboden einen Abfluss gibt (auch wenn er ein Gitter hat) stell irgendwas Schweres drauf, wenn du nicht gerade duscht. Das gilt auch für relativ noble Herbergen.

Ansonsten: Finger weg von Tieren, insbesondere Kleintiere, Geflügel, Affen, Katzen und Hunde. Esel, Rinder, Pferde und Kamele sind weitgehend „sicher“, da sie kein Fleisch fressen. Sollte dich ein Tier kratzen oder beißen, denke nicht lange nach, sondern sieh zu, dass du ins nächste große Krankenhaus kommst und eine Tollwutimpfung bekommst.

Und: Lass dir keinen Ziegelstein auf den Kopf fallen :smile:. Heißt: Du wirst niemals verhindern können, dass du irgendwann zu Tode kommst. Nach meiner Erfahrung lohnt es sich, in seinem Leben möglichst viele Erfahrungen mitzunehmen.

Schöne Grüße,
Jule

Was ist los? Wer hat denn was von nicht brauchen gesagt. Ich schreibe meine Abschlussarbeit über die Tempel und das Verhalten der Leute dort, da muss man schon antanzen.

lg
Kate

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Hallo Jule,

vielen Dank für deine Ausführungen und Tipps, ich werde sie beherzigen :smile:

Ich bin jetzt kein Schisser, immerhin habe ich mir das Thema ja auch ausgesucht, nur bin ich gerne vorbereitet und man muss ja nicht jedem Risiko lachend entgegen laufen. Bei Sachen wie „Pest“ verbindet man halt massenhaft Tote und das machte mir dann doch Sorgen.

Nochmal vielen Dank :smile:

lg
Kate

Hallo,

Ich bin jetzt kein Schisser, immerhin habe ich mir das Thema
ja auch ausgesucht, nur bin ich gerne vorbereitet und man muss
ja nicht jedem Risiko lachend entgegen laufen. Bei Sachen wie
„Pest“ verbindet man halt massenhaft Tote und das machte mir
dann doch Sorgen.

Die großen und schlimmen Pestzeiten sind eben vorbei, heute kennt die Menschheit verschiedene Antibiotika, so dass der Verlauf nicht mehr eine reine Glückssache ist wie damals. Zudem ist der Rattenfloh als Hautppestvektor ein sehr wirtstreues Tier, so dass auch schon früher die großen Pestepidemien immer nach großen Rattensterben auftraten, also dann wenn sich die Flöhe neue „Nichtrattenwirte“ suchen mussten. (Was bei Mensch-Mensch Übertragungen natürlich „Wurst“ ist) Dies vlt. ein paar beruhigende Worte.

Ich muss dir sagen, dass ich mir um die Pest weniger Gedanken machen würde als um die Tollwut. Wenn ich an deiner Stelle wäre würde ich darüber nochmal nachdenken, denn im Gegensatz zur Pest führt Tollwut eigentlich immer zum Tode. Also vlt. die Krankenkasse noch einmal versuchen zu überzeugen, manchmal hat man auch Glück und gerät an einen fähigen und logisch denkenden Menschen.

Grüße

Hallo,

Ich muss dir sagen, dass ich mir um die Pest weniger Gedanken machen würde als um die Tollwut.

Ja, über eine TW-Impfung würde ich durchaus auch noch mal nachdenken. Zeitmäßig muss sich die UP allerdings wohl ein wenig ranhalten.

Schöne Grüße,
Jule

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Hallo Jule,
das ist ja mal eine schöne ANtwort, einfach getragen von der Erkenntnis, dass die Sterberate immer 100 % beträgt und man ein interessantes Leben mit einigen Risiken dem vermeintlich sicheren Vorbeugen gegen jede Krankheit zuhause vorziehen sollte. Man kann auch daheim ganz gemütlich unter den Bus kommen. Schön, dass du das mal gesagt hast. (Und vernünftige Verhaltensregeln noch dazu. Prima)
LG
Blacky

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