Pest übertragbar auf Ungeborenes

Hallo!
Ich möchte mal wieder eine Geschichte schreiben, doch leider fehlt mir zu einem Detail das Hintergrundwissen.
Im Prinzip ist die Frage ganz einfach:
Angenommen eine schwangere Frau bekommt die Pest während der Pandemie im 14. Jahrhundert, es gibt also keine medizinische Behandlung.
Wäre das Ungeborene dann sehr wahrscheinlich auch infiziert, oder wäre es möglich, dass sie das Kind noch gesund auf die Welt bringt, bevor sie selbst höchstwahrscheinlich an der Krankheit stirbt?

Vielen Dank schonmal!
Besten Gruß
sagamore

Hallo,

ich habe keine Ahnung, ob Yersinia pestis (der Pesterreger) plazentagängig ist. Normalerweise ist es für Erreger, aber auch für etliche Gifte nicht ganz einfach, aus dem Blut der Mutter über das Plazentagewebe, was eine Art natürlcihe Barriere bildet, ins Blut des Kindes zu gelangen.

Aber nehmen wir einfach mal an, der Erreger schafft es nicht, das Kind wird nicht im Mutterleib infiziert. Spätestens bei der Geburt kommt das Kind aus seinen geschützten Hüllen heraus und in direkten Kontakt mit Blut und anderen Körpersekreten der Mutter. Spätestens jetzt hat es sich infiziert und wird ebenfalls sterben. So meine Hypothese.

Barbara

Moin auch,

meines bescheidenen Wissens nach war die damalige Hygiene, auch die persöniche, nicht mit der unsrigen zu vergleichen was dazu führt, dass die geburt inmitten von Fliegen, Stechmücken, Flöhen und jeder Menge anderen Ungeziefers stattgefunden hat. Damit hat das Neugeborene eine sehr hohe Chance, unmittelbar nach der Geburt infiziert zu werden. Der Unterschied zu einer Ansteckung noch im Mutterleib dürfte marginal sein.

Ralph

Wäre das Ungeborene dann sehr wahrscheinlich auch infiziert,
oder wäre es möglich, dass sie das Kind noch gesund auf die
Welt bringt, bevor sie selbst höchstwahrscheinlich an der
Krankheit stirbt?

In seiner „Allgemeinen Kirchengeschichte“ berichtet Johann Ludwig von Groote von Fällen, in denen die Mutter keine Krankheitszeichen zeigt, das Kind aber bereits vor der Geburt an Pest verstorben, genauso wie in anderen Fällen die pestkranke Mutter über der Geburt verstorben, dass Kind aber ganz kregel auf die Welt gekommen ist: http://books.google.de/books?id=jK8AAAAAcAAJ&pg=PA44… Ist natürlich mit gewisser Vorsicht zu geniessen.

Allerdings war aufgrund des Mangels an Muttermilch die Sterberate von Kindern, deren Mutter verstorben ist, deutlich höher als die von Kindern, denen der Vater starb. Selbst wenn das Neugeborene nicht an der Pest starb, war seine Überlebenswahrscheinlichkeit doch verschwindend. http://de.wikipedia.org/wiki/Pestepidemien_in_Norwegen

HTH

Hallo HTH,

In seiner „Allgemeinen Kirchengeschichte“ berichtet Johann
Ludwig von Groote von Fällen, in denen die Mutter keine
Krankheitszeichen zeigt, das Kind aber bereits vor der Geburt
an Pest verstorben, genauso wie in anderen Fällen die
pestkranke Mutter über der Geburt verstorben, dass Kind aber
ganz kregel auf die Welt gekommen ist:
http://books.google.de/books?id=jK8AAAAAcAAJ&pg=PA44…
Ist natürlich mit gewisser Vorsicht zu geniessen.

Das Immunsystem ist sehr unterschiedlich, da gibt es beliebig viele genetische Varianten. Es gibt/gab Leute, die gegen die Pest immun sind.
Bei der HIV-Forschung hat sich gezeigt, dass Leute, die gegen HIV immun sind, Vorfahren haben, welche gegen die Pest immun waren.

Insofern sind die obigen Aussagen heute wissenschaftlich untermauert.

MfG Peter(TOO)

Hallo,

da eine Pesterkrankung bis zum Exitus grade mal 8 Tage dauert, und man letztendlich an der Sepsis stirbt, glaube ich nicht, daß ein Ungeborenes das überleben könnte bzw eine Geburt selbst in den ersten zwei bis drei Tagen nach der Ansteckung überleben würde.
Eher weniger wegen des Pesterregers selber sondern eben wegen der Sepsis die zu einem Multiorganversagen führt.

Sie müsste das Kind schon gebären bevor die ersten Krankheitsanzeichen festzustellen wären, während der Inkubationszeit, die gerade mal 7 Stunden(!) betragen konnte.
Wenn ihr dann nicht das Kind sofort ohne weiteren Kontakt weggenommen werden würde, würde sie das Kind sofort anstecken, das Kind wäre dann wahrscheinlich noch vor ihr Tot.

Und die Geburtshelfer hätten sich wahrscheinlich auch bereits durch die Körperflüssigkeiten angesteckt.

Da die Neugeborenen sterblichkeit sowieso sehr hoch war, waren mutterlose Neugeborene eher eine Last und man verschwendete kaum einen Gedanken an diese Kinder schon gar nicht, wenn man eine Amme bezahlten müsste.

grüße
miamei