hallo,
ich habe letztens den Film „Troja“ gesehen, wo von einigen Pestfällen unter den Griechen berichtet wurde, meines Wissens nach tauchte die Pest in Europa aber erst im Mittelalter auf, oder gab es vorher schon vereinzelte Fälle dieser Krankheit?
mfg
-Arne-
Pest in der Antike
Hallo Arne,
wenn du googelst, dann findest du einiges über Pest in der Antike: Beispielsweise in der Bibel und bei Thykidides.
http://www.gapinfo.de/gesundheitsamt/alle/seuche/inf…
Gruß, Bernhard
ich habe letztens den Film „Troja“ gesehen, wo von einigen
Pestfällen unter den Griechen berichtet wurde, meines Wissens
nach tauchte die Pest in Europa aber erst im Mittelalter auf,
oder gab es vorher schon vereinzelte Fälle dieser Krankheit?
Hallo Arne,
die Bezeichnung ‚Pest‘ (von lat. pestilentia, Seuche) ist in historischen Schilderungen nicht immer eindeutig Erkrankungen zuzuordnen, die durch das Bakterium Yersinia pestis hervorgerufen werden (Beulenpest, Lungenpest). Am bekanntesten ist in diesem Zusammenhang Thukydides’ Schilderung der während des peloponnesischen Krieges in Athen aufgetretenen und traditionell als ‚Pest‘ bezeichneten Epidemie. Heute wird bezweifelt, dass es sich um die Pest handelte, da in Thukydides’ Schilderung die auffälligen Symptome dieser Krankheit (z.B. die Beulen) nicht erwähnt werden. Einige Historiker vermuten stattdessen eine Pockenepidemie, andere eine mittlerweile ausgestorbene Krankheit.
Auch die in der Bibel erwähnten ‚Pestepidemien‘ (z.B. als eine der ‚ägyptischen Plagen‘) sind aufgrund ihrer Beschreibung nicht eindeutig zu identifizieren. Auch hier könnte es sich genausogut etwa um Pocken oder auch Cholera oder Typhus gehandelt haben.
Die früheste Seuche, die aufgrund ihrer Beschreibung (u.a. durch Prokop von Caisarea und Gregor von Tours) ziemlich eindeutig als Pest zu identifizieren ist, ist die sog. ‚Justinianische Pest‘, die 542 in Konstantinopel ausbrach, sich fast im gesamten Imperium verbreitete und erst gegen 750 erlosch. Eine (leider nur englische) Übersetzung von Prokops Beschreibung kann man hier finden: http://www.fordham.edu/halsall/source/542procopius-p… Das waren schon etwas mehr als nur „vereinzelte Fälle“, sondern wahrscheinlich einer der Hauptgründe, warum Justinians Versuch einer Erneuerung des Imperiums letzlich fehlschlug.
Die Krankheit, die in Homers Ilias durch Apollon den Achaiern gesandt wird, ist wohl auch keine Pest im eigentlichen Sinne gewesen. Die ‚klassische‘ Seuche, die bei Kriegszügen (nicht nur antiken) und insbesondere bei Belagerungen immer wieder auftrat und wahrscheinlich mehr Krieger umbrachte als die gegnerischen Waffen, war die Ruhr. Grund dafür waren natürlich die katastrophalen hygienischen Verhältnisse. Es dauerte lange, bis man erkannte, dass Opfer für Apollon zwar nicht schaden konnten - dass es aber effektiver war, z.B. die Latrinen unterhalb der Wasserentnahmestelle anzulegen und nicht oberhalb …
Freundliche Grüße,
Ralf
Hallo Arne!
ich habe letztens den Film „Troja“ gesehen, wo von einigen
Pestfällen unter den Griechen berichtet wurde, meines Wissens
nach tauchte die Pest in Europa aber erst im Mittelalter auf,
oder gab es vorher schon vereinzelte Fälle dieser Krankheit?
Gute Literatur zum Thema: Martin Vasold: Pest, Not und schwere Plagen. Verlag Beck, München 1991.
In der Antike verstand man unter „Pest“ scheinbar nicht genau die Beulenpest, sondern einfach verheerende, tödliche Seuchen. Die sog. „Attische Pest“, an der 430 v.Chr. u.a. Perikles starb, war allem Anschein nach keine Beulenpest, sondern eine Pocken- oder Fleckfieberepidemie.
Die Beulenpest, der „Schwarze Tod“, wurde im 6.Jh. aus dem Bereich des Schwarzen Meers nach Genua gebracht - nach einer Belagerung durch genuesische Schiffe, während der sich die belagernden Seeleute angesteckt hatten. Diese Epidemie hatte aber keine Nachfolger. Erst im 14.Jh. traten die grossen pandemischen Pestepidemien auf, die heute unser Bild vom „Schwarzen Tod“ prägen, auchdamals übrigens wurde die Krankheit aus Asien nach Europa eingeschleppt, diesmal allerdings wohl von Kaufleuten, die über die arabische Welt mit Indien in Verbindung standen.
Das letzte Mal, dass in Europa eine Pestwelle um sich griff, war 1663-1668, die letzte Epidemie in Europa war 1720/21 in Marseille.
Seitdem gilt die Pest als in Europa ausgerottet, auch weil spätestens damals klar wurde, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Hygiene und dem Auftreten der Pest besteht, auch wenn man damals von Ratten, Flöhen und Pesterregern noch nix wusste…
VG
Christian
Hallo Arne!
ich habe letztens den Film „Troja“ gesehen, wo von einigen
Pestfällen unter den Griechen berichtet wurde, meines Wissens
nach tauchte die Pest in Europa aber erst im Mittelalter auf,
oder gab es vorher schon vereinzelte Fälle dieser Krankheit?Gute Literatur zum Thema: Martin Vasold: Pest, Not und schwere
Plagen. Verlag Beck, München 1991.In der Antike verstand man unter „Pest“ scheinbar nicht genau
die Beulenpest, sondern einfach verheerende, tödliche Seuchen.
Die sog. „Attische Pest“, an der 430 v.Chr. u.a. Perikles
starb, war allem Anschein nach keine Beulenpest, sondern eine
Pocken- oder Fleckfieberepidemie.
Die Beulenpest, der „Schwarze Tod“, wurde im 6.Jh. aus dem
Bereich des Schwarzen Meers nach Genua gebracht - nach einer
Belagerung durch genuesische Schiffe, während der sich die
belagernden Seeleute angesteckt hatten. Diese Epidemie hatte
aber keine Nachfolger. Erst im 14.Jh. traten die grossen
pandemischen Pestepidemien auf, die heute unser Bild vom
„Schwarzen Tod“ prägen, auchdamals übrigens wurde die
Krankheit aus Asien nach Europa eingeschleppt, diesmal
allerdings wohl von Kaufleuten, die über die arabische Welt
mit Indien in Verbindung standen.
Das letzte Mal, dass in Europa eine Pestwelle um sich griff,
war 1663-1668, die letzte Epidemie in Europa war 1720/21 in
Marseille.
Auch danach gab es noch Pestepidemien in Europa z.B auf Malta 1936, und auf Capri, ich glaube Ende des 19.Jh
MfG Christoph
Seitdem gilt die Pest als in Europa ausgerottet, auch weil
spätestens damals klar wurde, dass ein direkter Zusammenhang
zwischen Hygiene und dem Auftreten der Pest besteht, auch wenn
man damals von Ratten, Flöhen und Pesterregern noch nix
wusste…VG
Christian
Hallo Christoph!
Auch danach gab es noch Pestepidemien in Europa z.B auf Malta
1936, und auf Capri, ich glaube Ende des 19.Jh
Stimmt, hab ich vergessen. 1910 war noch eine Epidemie in der Mandschurei (nur der Vollständigkeit halber…), aber seitdem gibt´s weltweit nur noch lokal begrenzte Ausbrüche, keine Epidemien mehr.
Vg
Christian
Die Beulenpest, der „Schwarze Tod“, wurde im 6.Jh. aus dem
Bereich des Schwarzen Meers nach Genua gebracht - nach einer
Belagerung durch genuesische Schiffe, während der sich die
belagernden Seeleute angesteckt hatten.
Hallo Christian,
bist Du sicher? Genua wurde schließlich erst im 10. Jahrhundert Republik …
Kann es sein, dass Du da etwas verwechselst? Die Genuesen hatten auf der Krim den Handelsstützpunkt Kaffa (heute Theodosia), der von den Mongolen belagert wurde, die ihrerseits die Pest mitgebracht hatten - sie war 1331 in China ausgebrochen. Die Mongolen setzten Pesttote als ‚chemische Waffe‘ ein - sie schleuderten sie mit Katapaulten über die Stadtmauern. Zumindest sah man damals darin den Auslöser; von der Rolle, die Ratten und deren Flöhe bei der Übertragung spielten, wusste man noch nichts. Die fliehenden Genuesen verbreiteten dann die Seuche im gesamten Mittelmeerraum. Das war 1347.
Mit der bereits in meinem anderen Posting erwähnten ‚Justinianischen Pest‘ des 6. Jahrhunderts, die nach dem Zeugnis des Prokop von Ägypten nach Konstantinopel eingeschleppt wurde, hat dies nichts zu tun.
Diese Epidemie hatte aber keine Nachfolger
Auch dies ist nicht ganz richtig; die Seuche flackerte im Bereich des Imperiums etwa 200 Jahre lang immer wieder auf und dezimierte die Bevölkerung des Imperiums nach (notwendig unzuverlässigen) Schätzungen um etwa ein Viertel - sie ist also durchaus vergleichbar mit dem im 14. Jahrhundert ausgebrochenen ‚Schwarzen Tod‘.
Freundliche Grüße,
Ralf
Hallo Ralf!
*zerknirschtdenkopfsenk*
Natürlich hast du recht…man sollte Mails nicht zwischen Tür und Angel schreiben und vor allem sollte man nicht die Literatur aus dem Kopf zitieren.
Die fliehenden Genuesen
verbreiteten dann die Seuche im gesamten Mittelmeerraum. Das
war 1347.
Mit der bereits in meinem anderen Posting erwähnten
‚Justinianischen Pest‘ des 6. Jahrhunderts, die nach dem
Zeugnis des Prokop von Ägypten nach Konstantinopel
eingeschleppt wurde, hat dies nichts zu tun.
Stimmt.
Diese Epidemie hatte aber keine Nachfolger
Auch dies ist nicht ganz richtig; die Seuche flackerte im
Bereich des Imperiums etwa 200 Jahre lang immer wieder auf und
dezimierte die Bevölkerung des Imperiums nach (notwendig
unzuverlässigen) Schätzungen um etwa ein Viertel
Da muss ich dich jetzt berichtigen - dieses „Aufflackern“ der Pest (die Justinianische Pest war wohl wirklich „die“ Pest) war nur örtlich begrenzt und wird von den meisten Historikern nicht unter die grossen Epidemien der Spätantike und des Frühmittelalters eingereiht.
Und was uns aus den Wirren der Völkerwanderungszeit an Seuchen, „grosen Sterben“ und Pestilenzen überliefert ist, ist nur selten mit der Beulenpest in Verbindung zu bringen. Oft verstecken sich dahinter Hungersnöte (v.a. wenn von „grosen Sterben“ die Rede ist) oder andere Krankheiten wie Grippe, Tuberkulose, Pocken, Lepra. Auch das Mutterkorn, z.B., war für so manche „Seuche“ verantwortlich…
Dadurch (und durch die kriegerischen Wirren dieser Zeit) wurde die Bevölkerung Europas so dezimiert, dass sich die Seuchen schon allein wegen der fehlenden Menschen nicht mehr zu echten Epidemien/Pandemien ausweiteten…bis eben nach dem mittelalterlichen Klimaoptimum wieder genügend Opfer vorhanden waren. Und dann kam ja auch die Pest schon wieder. 1347. Über Genua. *räusper*
VG
Christian
Die Beulenpest, der „Schwarze Tod“, wurde im 6.Jh. aus dem
Bereich des Schwarzen Meers nach Genua gebracht - nach einer
Belagerung durch genuesische Schiffe, während der sich die
belagernden Seeleute angesteckt hatten.Hallo Christian,
bist Du sicher? Genua wurde schließlich erst im 10.
Jahrhundert Republik …Kann es sein, dass Du da etwas verwechselst? Die Genuesen
hatten auf der Krim den Handelsstützpunkt Kaffa (heute
Theodosia), der von den Mongolen belagert wurde, die
ihrerseits die Pest mitgebracht hatten - sie war 1331 in China
ausgebrochen. Die Mongolen setzten Pesttote als ‚chemische
Waffe‘ ein - sie schleuderten sie mit Katapaulten über die
Stadtmauern.
Mann schleuderte einfach die Toten mit Katapulte in die Stadt, die Seuche wütete dann innerhalb der Stadtmauer, was eine Massenflucht auslöste und diese dann nach Europa schlepten. Bei dieser Seuche starben 1/3 der Bevölkerung von Europa (30 Mill.). Einige Städte blieben unberührt. In anderen Städten griffg man zu Maßnahmen wie, daß man die Einwohner verhungern ließ, weil man die Türen und Fenster von außen vermauerte.
Seit dieser Zeit gibt es auch markante Bild der Totensammler bei Pest: war ein schwarzer Umhang mit einer Maske die einen Schnabel hatte, in dem Kräuter usw. waren der Sehschlitz war aus Glas oder Steinen gefertigt.
Zumindest sah man damals darin den Auslöser; von
der Rolle, die Ratten und deren Flöhe bei der Übertragung
spielten, wusste man noch nichts. Die fliehenden Genuesen
verbreiteten dann die Seuche im gesamten Mittelmeerraum. Das
war 1347.Mit der bereits in meinem anderen Posting erwähnten
‚Justinianischen Pest‘ des 6. Jahrhunderts, die nach dem
Zeugnis des Prokop von Ägypten nach Konstantinopel
eingeschleppt wurde, hat dies nichts zu tun.Diese Epidemie hatte aber keine Nachfolger
Auch dies ist nicht ganz richtig; die Seuche flackerte im
Bereich des Imperiums etwa 200 Jahre lang immer wieder auf und
dezimierte die Bevölkerung des Imperiums nach (notwendig
unzuverlässigen) Schätzungen um etwa ein Viertel - sie ist
also durchaus vergleichbar mit dem im 14. Jahrhundert
ausgebrochenen ‚Schwarzen Tod‘.Freundliche Grüße,
Ralf